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Heute ist Reformationsfest – bundesweit!

Heute ist Reformationsfest – bundesweit!

2.202 28

smokeonthewater


Premium (World), Berlin

Heute ist Reformationsfest – bundesweit!

Danke, lieber Walter Ulbricht, für die Sprengung der Leipzier Paulinerkirche 1968 in unser beider Heimatstadt.
Das war die Universitätskirche, die Martin Luther höchstselbst 1545 geweiht hatte.
Die Kirche wie die legendäre Kanzel hatten sogar das Bombardement 1943 überstanden, nur nicht den Stalinismus.

1983 heuchelte die DDR-Regierung zum 500. Geburtstag Luthers plötzlich Interesse und feierte das "Lutherjahr".
Doch statt die Kirche für eine gemeinsame Zukunftsentwicklung zu gewinnen, verstärkte die Stasi ihr Misstrauen.
Und auf dem 5-Mark-Schein erschien nicht Luthers Konterfei, sondern das des Pastors Thomas Müntzer.
Der wollte nicht nur die Kirche reformieren, sondern aus dem Feudalstaat eine freie Gesellschaft der Gleichen machen.
Müntzer scheiterte – wie 1989 die DDR. Da hatten wohl beide zu viel gewollt, ohne dazu in der Lage zu sein.

Die neue Paulinerkirche ist halb Gotteshaus, halb Universitäts-Aula. Spannend, aber kein Ersatz. [Foto: Juni 2013]

Danke, liebe CDU/CSU-SPD-Regierung, für den großzügigen bundesweiten Feiertag heute: Reformationsfest!
Das bleibt in unserem Katholenstaat natürlich einmalig. 2018 wird da wieder fast überall malocht!
Schon für den 3. Oktober war neben dem 17. Juni natürlich der evangelische Buß- und Bettag geopfert worden.

Die Bonner Republik wirkt noch nach. Sie will nicht wirklich was von der Reformation wissen.
Obwohl auch die Katholiken die Messe heute auf deutsch halten und aus der Lutherbibel zitieren.

Kommentare 28

  • T. Schiffers 2. November 2017, 20:51

    leider musste ich am brückentag schaffen...bin aber ansonsten froh über jeden freien tag.tino
  • Andreas E.S. 31. Oktober 2017, 21:19

    Prima dein Foto und deine Information, in der Vieles für mich neu war. Nebn dem dem Foto von dem modernen Neubau gefällt mir die Diskussion, die dein Text ausgelöst hat. Das Schlimmste war für mich, die Würdigung Luthers als abstossend zu bezeichnen und sie mit den Leistungen einer Pflegekraft zu vergleichen, die für 4,99 € arbeitet, Dabei wird die Leistung Luthers auf die geistige Befreiung der Menschen und Leistung für die deutsche Sprache heute zu wenig gewürdigt. Die Diskussion war sehr anregend.
    LG Andreas
  • Christof Hannig und Katharina Jäger 31. Oktober 2017, 17:04

    Einen klasse Ausschnitt hast Du hier gewählt!!!
    Viele Grüße
    Christo f
  • Dorothee K. 31. Oktober 2017, 16:43

    Diesen Personenkult um den ollen Luther finde ich abstossend. Es gibt Menschen, die mehr geleistet haben und nirgendswo erwähnt werden, z.B im Pflegebereich für 4,99 Euro pro Std.
    • smokeonthewater 31. Oktober 2017, 18:24

      Luther hat das meiste unter Lebensgefahr geleistet; auf katholischem Boden hätte er von jedem erschlagen werden dürfen. Und dass Du als Frau eine Schule besuchen durftest, hat er auch durchgesetzt.
    • gelbhaarduisburg 31. Oktober 2017, 19:23

      Dorothee, deine Bemerkung ist derart dumm, nein, die ist schon ausgesprochen blödsinnig! Es ist vollkommen sinnlos, eine historische Persönlichkeit aus dem Spätmittelalter mit heutigen Menschen zu vergleichen, noch dazu mit Bezug auf deren Lebensleistung. Das ist bullshit!!! Hast du heute schon was getrunken, oder was?
    • Dorothee K. 1. November 2017, 11:53

      Es gibt auch in der fc Leute, deren Kommentare ich total doof finde...
    • gelbhaarduisburg 1. November 2017, 14:03

      Soll heißen, du läßt dieses unqualifizierte Geseier auch draußen los.
  • Hannes Gensfleisch 31. Oktober 2017, 13:16

    Immerhin scheint dort mit den Zitaten der alten Kirche ein vernünftiger Neubau entstanden zu sein, überzeugender als ein Wiederaufbau mit der verkorksten neugotischen Fassade. So was ähnliches hätte in Berlin anstelle des Stadtschlosses auch passieren können.
    Und: Vielleicht brauchen wir mal wieder einen Luther. Oder gar einen Müntzer.
    • smokeonthewater 31. Oktober 2017, 15:54

      Die Fassade war zwar neugotisch umgestaltet worden. Das Schiff bzw. das Innere war aber noch die originale Renaissance-Hallenkirche.
    • Hannes Gensfleisch 31. Oktober 2017, 16:06

      Statt Abriss wäre damals sicherlich ein Rückbau richtiger gewesen, also ohne den neogotischen Firlefanz zur alten reinen Form. Aber da sie nun mal komplett weg war, hätte ich einem Wiederaufbau à la Stadtschloss nicht das Wort geredet.
      Aber Renaissance-Hallenkirche? Bei Tante Wiki ist vom 13. Jh. die Rede, da wusste man in Leipzig doch nicht mal, wie das geschrieben wird (in Firenze ging's 1420 los).
    • smokeonthewater 31. Oktober 2017, 17:21

      Steht nicht explizit in der Wiki drin. Der Abriss der Seitenkapellen führte zu einem Hallenbau,
      http://www.paulinerkirche.org/geschb.html (siehe linken Grundriss),
      und die Umgestaltung des verbliebenen gotischen Langhauses im Stil der Zeit (Renaissance) erfolgte kurz vor der Neuweihe durch Luther.
      http://www.paulinerkirche.org/geschd.html (siehe Foto mit den Ausmalungen).
      Natürlich erst danach wurden an den Wänden viele Epitaphien befestigt, von denen dann acht am Uni-Neubau als "Bewahrung des kulturellen Erbes" lieblos angebracht wurden. Alle anderen gingen bei der Sprengung verloren.
      http://www.paulinerkirche.org/geschc.html

      Du solltest Leipzig nicht unterschätzen. An die Unis von Wittenberg und Leipzig waren ab 1517 viele fortschrittliche Gelehrte auch aus Italien gekommen und brachten den Geist der Renaissance nach Sachsen. Die haben schon gewusst, wie Renaissance aussieht.
    • Hannes Gensfleisch 31. Oktober 2017, 18:41

      13. Jh. steht nicht explizit in der Wiki?
      Ich zitiere: »Die Weihe der Paulinerkirche erfolgte 1240. Typisch für die Architektur der Bettelorden im 13. Jahrhundert war die Klosterkirche mit einschiffigem Chor und dreischiffigem Langhaus ausgeführt.« Von Renaissance ist da – wohl richtigerweise – nirgends die Rede.
      Ebensowenig auf der nun von Dir verlinkten (vielen Dank!) Seite. Vielmehr lese ich dort nach 1519: »Unter teilweiser Mitverwendung der Fundamente seiner Außenmauern wird eine dreischiffige, gewölbte Chorhalle mit einem Rauten-netzgewölbe und einschiffigem ... Chorhaupt ... errichtet. Die spätgotische Struktur des Innenraums dominiert.«
      Von »im Stil der Zeit (Renaissance)« find' ich nix, das ist doch wohl nur Deine Interpretation? So wie zuvor »das Innere war aber noch die originale Renaissance-Hallenkirche«. Durch einen teilweisen Abriss der Seitenkapellen wird aus Gotik noch keine Renaissance.

      Und wieso sollte ich die Leipziger unterschätzen? Tu' ich sicherlich nicht. Die Uni dort ist eine der ältesten in D und es wäre wahrscheinlich nicht falsch gewesen, wir hätten mehr Fürsten wie den weisen Friedrich und seinen Bruder gehabt. Aber Renaissance-Architektur begann in D erst im frühen 16. Jh. (z.B. Fugger-Kapelle Augsburg). Die Kirchen, auch die reformierten, waren nicht gerade besonders flink im Übernehmen von etwas so Neuartigem, hatten ja auch andere Sorgen. Sogar die schöne Torgauer Schlosskapelle (ebenfalls 1544 von Luther geweiht, jedoch ein Neubau) hat noch ein gotisches Netzgewölbe. »Originale« Renaissance-Architektur dürfte in Leipzig etwa ab 1550/60 entstanden sein.
  • Wolfgang Vogelsang 31. Oktober 2017, 12:05

    Sehr kritisch geschrieben, worüber man aber gern mal nachdenken sollte.
    Das ist unsere Geschichte, die je nach Machtverhältnissen, unterschiedlich interpretiert wurde und von den Herrschenden für ihre Interessen missbraucht wurde/wird.
    Der letzte Satz lässt mich schmunzeln.
    Das Bild gefällt mir, bis auf dem Baukran, sehr gut.

    Beste Grüße von Wolfgang
  • homwico 31. Oktober 2017, 11:09

    Schön gezeigt und ein schöner kritischer Text.
    LG
    homwico
  • gelbhaarduisburg 31. Oktober 2017, 11:07

    Tja... Deine Spitzen kann ich zwar nachvollziehen. Und ich muß bei Luther immer daran denken, dass meine Urgroßmutter lieber in Kauf nahm, in ihrem sächsischen Dorf als 17jährige mit einem unehelichen Kind gemieden zu werden als den katholischen Kindsvater zu heiraten (das war 1902, und meine Oma kommentierte das immer lächelnd mit "Sachsenstolz!"). Aber... Ich bin mt 21 aus der Kirche ausgetreten und mir sind die Protestanten heute oft noch suspekter als die Katholiken. Also, mir ist das alles irgendwie wurscht, was dich da ärgert.
  • Lorenz Peter 31. Oktober 2017, 11:04

    Hallo Dieter,
    eine wunderbare Aufnahme von dieser Kirche und dem Umfeld. Auch Dein Text ist Spitze.
    VG Peter
  • Cecile 31. Oktober 2017, 5:04

    Endlich mal einer, der zu diesem Thema fundierte und offene Worte spricht !
    Danke Dieter und liebe Grüße Elfi C.
  • Rumtreibär 31. Oktober 2017, 4:38

    endlich mal einer der dies auch so sieht - Halloween ist nicht der Hauptgrund diesen Tag zu feiern - sehr gut in Wort und Bild
    Gruß Dieter
  • Päonie66 31. Oktober 2017, 0:44

    Guter Beitrag.
    vG Päonie66

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