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Was bleibt?

Der/Die FotogramIn schreibt:"Meine Gedanken dazu:

Lange saß er da - die Zigarette locker zwischen den Lippen.
Dann entzündete er sie …"
~~~~~~~=-=-=-=-=-=~~~~~~~
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Kommentare 60

Die Diskussion für dieses Foto ist deaktiviert.

  • Agora Bilddiskussion intensiv 7. November 2021, 9:03

    Die Diskussion hier ist nun beendet, Agora wird unter dem folgenden Bild fortgesetzt:
    Abendspiel
    Abendspiel
    Agora Bilddiskussion intensiv
  • Agora Bilddiskussion intensiv 7. November 2021, 9:03

    Jens Riesener schreibt: “Liebe Schauende, Lesende,
    liebe Kommentierende,

    ich danke Euch allen für die intensive Auseinandersetzung mit meinem Bild und möchte nun meinen Gedanken zum Bild schreiben und hoffe, einige Eurer Anmerkungen aufnehmen zu können.

    Das Bild ist im August entstanden. Einem Sommertag, der es noch einmal freundlich mit uns meinte - davon gab es ja in diesem Sommer in Norddeutschland nicht so viele.
    In der Hamelner Fußgängerzone waren in diesem Jahr bunte Sitzgelegenheiten aufgestellt worden und auch die Mülleimer wurden in diesen Farben beklebt. Alles unter dem Motto: Komm, wie Du bist!

    Der Mann hatte auf solch einer bunten Bank Platz genommen und schaute - die Zigarette im Mundwinkel. Ich saß ihm seitlich gegenüber - daher die Aufnahme in Kopfhöhe des Sitzenden.
    Vor ihm öffnete sich der Platz an der Hamelner Marktkirche mit dem sommerlichem Treiben einer Stadt. Doch er schaute nicht auf die Menschen - wie ich es so gerne tue, sondern darüber hinweg in die Ferne, hing seinen Gedanken nach.

    Dieses Bild ist nicht geknipst, sondern ich habe auf diese Sekunde gehofft.
    Die Sonne erleuchtete die Szene in besonderer Weise und die drei ihn umgebenden Frauen ergaben für mich ein nicht wiederholbares Gesamtbild - darum kann ich dieses Bild nicht in s/w sehen, obwohl ich es natürlich auch probiert habe.

    Die Farbe des Oberteils und sogar die Form des Oberteils der Frau mit den blonden Haaren korrespondiert mit dem bunten Abschnitt auf dem Mülleimer.
    Auch der Rauch wirkt für mich stärker in Farbe.
    Das geht irgendwie nicht in s/w.

    Zur Frage der Optik:
    Es wäre eine Option gewesen, hier mit offener Blende zu fotografieren, aber ich hatte nicht die entsprechende Optik dabei. In der Stadt fotografiere ich lieber mit einer unauffälligen Kamera - lichtstarke Optiken haben zumeist eine erhebliche Größe, die ich doch in der Stadt als hinderlich empfinde.
    Und lieber ein vielleicht nicht optimales Bild - so sehen es ja einige Kommentierende - als kein Bild, finde ich.

    Zu dem Link mit dem tollen Bild in s/w aus dem Jazzclub.
    Auch dieses Bild ist, wenn ich es richtig sehe, nicht mit offener Blende fotografiert worden, wäre in dieser Zeit wohl auch schwer möglich gewesen -  und der Fokus liegt hier auf dem Schalltrichter des Saxophons, nicht auf dem Gesicht - wie dieses Bild wohl heute besprochen würde?
    Aber es ist toll.

    Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viele Bilder Kommentierende kennen und sich sofort daran erinnern. Das ist schon ein großer Schatz und hilft mir sehr.

    Weiterhin zur Blende:
    Für mich ist es gut, dass die anderen Personen nicht in der Unkenntlichkeit verschwimmen. Sie gehören für mich zum Bild. Stark freigestellt bekäme der rauchende Mann für mich ein Übergewicht im Bild. Den angebotenen Schnitt mit der Konzentration nur auf den Mann finde ich zu stark.

    Zum Titel:
    Für mich liegt die Aussage des Bildes in der Einzigartigkeit des Moments.
    Das mag platt sein, aber so habe ich es empfunden. Ich kann mich nicht umdrehen und finde diese Szene an der nächsten Ecke noch einmal.
    Wenn der Rauch verweht ist, der Mann gegangen, die Frauen ihre Wege gemacht haben und auch ich den Platz verlassen habe, erinnert nichts mehr an diesen Moment im Sonnenlicht - nur diese Bild.

    Ein Einschub:
    Es hat mich sehr nachdenklich gemacht, wie sehr die langen Monate der Pandemie auch unser Wahrnehmen beeinflusst, ja verändert haben.
    Ich habe die Masken der Menschen gesehen, aber nicht gedacht, dass sie in der Diskussion solch ein Gewicht bekommen.
    Die Zeit mit und unter Corona hat uns verändert - im Miteinander und im Sehen.
    Was davon bleibt ist für mich offen.

    Ich danke allen für die Zeit und die Gedanken. Es war für mich wieder eine sehr intensive Woche, die mich auf meinem Weg ein Stück weiterbringt.
    Ich danke auch herzlich dem Team der Agora, dass sie mein Bild ausgewählt haben. Vielen Dank dafür.

    Nun freue ich mich auf das neue Bild und grüße Sie und Euch alle herzlich,
    Ihr/Euer
    Jens Riesener”
  • HF25 6. November 2021, 19:14

    @ gardin, entdecker:
    ich schrieb doch "mein eindruck"; nichts von wirklichkeit oder feststellung :-)   aber der offene mund wuerde durchaus zu dem eindruck passen und auch die dritte person.      lg horst
  • HF25 6. November 2021, 15:26

    mein eindruck ist bei diesem bild(-ausschnitt) nicht der von ent-spannung, sondern von an-gespannter beobachtung dessen oder ausrichtung auf etwas, das es auf diesem platz zu sehen gibt.      lg horst
    • Mittelosteuropa-Entdecker 6. November 2021, 17:27

      Möglicherweise gucken zwei der Leute zum selben Punkt, aber beobachten kann man ja nicht nur angespannt, sondern auch gelassen.
    • Gardin 6. November 2021, 18:54

      Anspannung kann ich keine erkennen. Im Gegenteil. Er hat ganz entspannt den Mund offen. Vielleicht beobachtet er etwas, aber das kann man wegen des Rauches nur schlecht sehen.
  • Gardin 5. November 2021, 19:48

    Es ist ein ansprechendes Foto mit schönen Farben. Beim Betrachten lösen sich Hektik und Unruhe buchstäblich in Rauch auf.
  • Thomas Braunstorfinger 5. November 2021, 11:17

    Ich mag das Foto. Die Farben, vor allem das pink mit dem petrol als Kontrast, Die Rauchwolke im Gegenlicht, die Entspannung vorne und die hektische Betriebsamkeit im Hintergrund. Das ganze gut getimed, keine Überdeckungen und sauber ausgerichtet (ok. das Fahrrad links etwas eng am Rand).
    Der Raucher auf einer kleines sonnendurchfluteten Insel der Entspannung. Die Entspannung überträgt sich auf mich und lässt mich sanft ins Wochenende gleiten :-)
  • Gardin 4. November 2021, 17:54

    Ein älterer, grauhaariger Mann sitzt entspannt auf einer türkisfarbenen Sitzgelegenheit.  In der Hand hält er eine Zigarette, aus der viel weißer, Schillerlocken artiger Rauch aufsteigt und sein Gesicht umhüllt.  Der Mann ist gut gekleidet, eine Gesichtsmaske hat er unter das Kinn gezogen, er trägt eine jeansfarbene Kappe. Neben sich hat er einen beigefarbenen Rucksack abgelegt. 
    Etwas von dem Mann entfernt läuft eine langhaarige blonde Frau mit pinkfarbenem Shirt und grauem langen Strickmantel, die Maske ebenfalls unter das Kinn geschoben. Dahinter an der Hauswand steht eine Frau und telefoniert. Aus einem Hauseingang kommt jemand mit Gepäck. 
    Eine ruhige Momentaufnahme, bei der der ungewöhnlich viele Zigarettenrauch auffällig ist. Wie auseinandergerissene Wattebällchen schwebt er durch die Luft. Und das bei eher sommerlichen Temperaturen!
    Aber Irgendwann ist die Zigarette zu Ende geraucht und der Rauch hat sich verzogen. 
    Was bleibt? Eine Zigarettenkippe.
    Aber das wird der/die Fotograf/in nicht mit dem Titel gemeint haben.  :-)
    Falls sich der Titel auf die Masken und somit auf die Corona Situation bezieht, kann ich dazu keinen Bezug herstellen. Denn eine solche Szene gab es auch schon vor Corona Zeiten.
  • HF25 3. November 2021, 21:27

    @ matthias:
    ... stimmt alles so, wie dus schreibst; noch und fuer altgeraet - meine zeilen ueber die geraetschaften bezogen sich aber auch im  blick auf die zukunft / neuentwicklungen...  da wirds einschraenkungen wegen des energie- und rohstoffverbrauchs, der herstellungsfolgen usw. geben muessen. aber damit sind wir weitab von diesem foto.    lg horst
  • HF25 3. November 2021, 18:42

    @ matthias:
    deinen erlaeuterungen zur entwicklungsgeschichte von objektiven stimme ich zu, aber:
    "lichtstarke Objektive [...] mit allen Brennweiten [...]"  usw. -  sind einerseits teuer (nur fuer wenige anschaffbar) und darueber hinaus auch belastend fuer die schoepfung, also im sinne der fuer uns nachteiligen wetterveraenderungen schlecht. m. e. muss das bei der bildbetrachtung nun auch mehr beruecksichtigt werden. ohne fotografische einschraenkungen wirds fuer uns in zukunft nicht gut ausgehen...  auch aus dieser sicht eine feine aufnahme.
    hinsichtlich deines hinweises, es gehe einem fotografen-meister ums foerdern der aufnahmeguete bei seinen anhaengern, bin ich (mit einschraenkungen im sinne des o.g.) ja bei dir; aber nicht, wenns ums enge nacheifern geht. in dieser hinsicht finde ich, sollte ein meister den lehrling so ausbilden, dass der in freiheit und unabhaengigkeit seine eigenen, neuen wege gehen kann, hier im bild z. b. mit bewusst nicht moeglichst hoher unschaerfe im hintergrund wie beim meister, keiner nachbearbeitung usw..   lg horst
    • Matthias von Schramm 3. November 2021, 19:10

      Das Lichtstärke Geld kostet, ist richtig. Und das sie auch den Fotografen gewichtsmäßig belastet, ist auch wahr. Es ist grade deswegen das kleinste und leichteste 2.8 70-200mm einer bekannten Marke herausgekommen. Ist aber hier die Frage welchen Look will ich haben. Den Amateurlook wie oben, dann öffne ich wie oben zaghaft, vielleicht auch weil die Linse nicht mehr hergibt. Nachteil, ich habe die Hintergrundpersonen zu unscharf, dass ich Details erkenne und zu scharf, dass die Hauptperson herausgestellt wird. Klar, dann ist Fotografie was sie immer ist - ein Kompromiss. Wieso teure und Lichtstarke Objektive schlechter für die Umwelt sind, als lichtschwächere Linsen verstehe ich jetzt nicht. Ich stimme Dir auch zu, dass die Idee seinen Weg zu finden sehr viel reizvoller als das nacheifern, sehr eng nachstellen ist. Aber eines ist auch klar. Der für mich wichtigste fotografische Vorteil und Fortschritt über die Jahre ist, dass man mit immer weniger Licht auskommt. Filme, Sensoren wurden immer Lichtstärker, lichtstarke Objektive wurden immer brauchbarer in ihren Abbildungsleistungen. Alles andere ist da an Technik ganz nett, aber nicht ganz so wichtig meines Erachtens. Dieser Look, den Du professionell nennen würdest, und den ich mir hier wünschen würde, wurde bereits vor Urzeiten auf andere Weise erzielt, in dem man große Formate benutzte mit Plattenkameras und ähnlichem. Da man aber irgendwann praktische kleinere Geräte für die Westentasche auch für den ernsthaften Fotografen haben wollte, waren es die Linsen, die mehr aus den Bildern rausholten. Mir ist klar, dass teure Linsen nicht in jedes Budget passen, nur gilt es ja in der Fotografie auch als Knipser einen guten Kompromiss zu finden. Und der Markt ist so vielfältig, dass preiswertes lichtstarkes Glas mit etwas Mühe auffindbar sein sollte.
  • Karl-Heinz Wagemans 3. November 2021, 12:21

    Mir gefällt das Foto sehr gut, ein feines Momentcharakterportrait, mit ansprechender Bildgestaltung, bei dem im richtigen Moment der Auslöser gedrückt wurde. Allerdings könnte ich mir das Foto als Alternative auch gut in s/w vorstellen. Beide Varianten würden mir gefallen, ohne dass ich hier der Farb- oder der S/W-Variante eindeutig den Vorzug geben würde!
    Was bleibt?
    Was bleibt?
    Agora Bilddiskussion intensiv
    • wittebuxe 3. November 2021, 12:54

      Für meine Begriffe verliert eine s/w-Version deutlich an Bildaussage. Der Fotograf will den Raucher bewusst nicht als Porträtaufnahme verstanden wissen, sondern als einen betonten Aufhänger im Straßengeschehen eines Augenblicks. Mit dem Einfangen der handelnden Nebendarsteller schafft er einen engen Schnitt, der dies versinnbildlicht, ohne mit allzuvielen Agierenden Verwirrung und Orientierungslosigkeit zu schaffen. Auch deshalb lehne ich einen verengten Schnitt des Fotos (in s/w - Gerhard Körsgen) eher ab.

      Aber zur Farbigkeit: der blaugraue Zigarettenrauch, dessen Farbvariationen durch den Sonnenschein besonders herausgestellt werden, Töne sich in der Lackierung der Bank, des Abfallkorbs, sogar der Masken wiederfinden; das T-Shirt der Frau und sein Farb-Pendant auf dem Müllbehälter, das blaue Käppi des Rauchers findet seine Entsprechung im horizontalen Balken des linken Fensters - all das, und wie zufällig hingetupft, hat der Fotograf wahrgenommen und für würdig erachtet, präsentiert zu werden: nämlich unbedingt farbig.

      S/W erschiene mir hier wie eine Amputation von Unverzichtbarem für die Aussage des Bildes.
    • Matthias von Schramm 3. November 2021, 15:07

      Zu Zeiten, in denen man entscheiden musste, ob ich einen SW oder Farbfilm einlege und unterwegs bin und diese Szene sehe, dann eben mit SW Film in der Kamera, hätte ein Fotograf sicherlich diese Szene fotografiert. Und ich gehe davon aus, er hätte es stimmig gefunden. Hätte er einen Farbfilm mitgehabt, dann hätte er sich mit Sicherheit für einen Farbabzug entschieden und die Farbdubletten und Harmonien im Hintergrund erkannt.

      Das Problem ist, wir haben heute in der Regel die Wahl bei der Postproduktion. Wir verzichten generell ungern auf Farbinformationen, weil wir die Farben und ihren Anteil der Bildinformationen für wichtiger halten, als die Reduktion der Bildgestaltung, die auch der sehen kann, der keine Farben erkennt, oder mit ihnen nicht viel anfangen kann. Wir betrachten es als normal Farbe oder SW wählen zu können, dabei ist diese Entscheidung der Technik geschuldeter Luxus. Treffe ich aber die Entscheidung in SW zu fotografieren von vorn herein, entweder weil ich es so einstelle, oder mit einem monochromen Sensor fotografiere, dann ist das für mich auch eine sehr geeignete Szene für ein SW Foto. Allerdings aber finden Farbsensoren, die man in Graustufen taucht Magenta Farbvorlagen nicht besonders knorke. Das ergibt einen unschönen Graumatsch, ähnlich wie rotes Licht auf Bühnen oder in Etablissements. Letzteres weiss ich natürlich nur vom HörenSagen und Egglestons Glühbirne. ;)
    • wittebuxe 3. November 2021, 16:08

      Im Dunklen sieht man entweder nichts oder wenig, aber ganz bestimmt keine Farben. Im Dunkel schalten wir sozusagen in einen Notmodus um: wir (müssen) verzichten auf einen Großteil an (lebenswichtigen) Zusatzinformationen: ist die Banane reif? Ist der Pilz giftgrün? Ist dieses Insekt schwarz-gelb?, hat diese schöne Frau blaue Augen?, leuchtet da ein rotes Warnlicht? usw. In s/w trainieren wir unsere Wahrnehmung immer dann, wenn es an Licht fehlt, also abends draußen ;-). Fehlendes Licht ist eine Sinnenbeschneidung. Dass s/w in der Fotografie immer noch eine große Rolle spielt, hat sicher mit der Unmöglichkeit von Farbe in den Anfängen zu tun, und ebenso mit der herausragenden, gern kopierten Bildsprache der "frühen Meister". Generell aber würde ich s/w als dokumentarische Fotografie betrachten (weil Reduktion). Und natürlich als einem der Mode und einem gewissen state-of-the-art Anspruch unterworfenen Verlangen.

      PS: frage mich gerade, ob ein s/w-Bild Wärme ausstrahlen kann?
    • Matthias von Schramm 3. November 2021, 16:59

      Farbe gibt es nur durch Licht. Das ist richtig. Und das SW Fotografie in der Reportage noch ein Dogma war, als man schon längst in Farbe fotografieren konnte, muss man sich wohl auch zugestehen. Beides passt für heutige Reportagefotografie. Da das obige Foto im weitesten Sinne Reportage ist, kann ich auch in beiden Herangehensweisen denken.
  • HF25 2. November 2021, 22:57

    @ mittelosteuropa-entdecker:
    "Stimmt, ein unschärferer Hintergrund, eine größere Blendenöffnung also, würde das Bild stark aufwerten. Darauf bin ich noch gar nicht gekommen ..."
    "nee - eben nicht!" -
    dann waers wie das eines von hundertausend anderen fotografen, die "meister" koperen. ohne ruecksicht darauf, dass diese meister das ganz sicher ueberhaupt nicht wollten...  
    heisst; als bildbetrachter vor allem offen zu sein und nicht alten bildern im kopf nachzuhaengen.   lg horst
    • Matthias von Schramm 3. November 2021, 14:47

      Das hat jetzt wenig bis gar nichts mit dem kopieren von Meistern zutun, sondern damit, dass man irgendwann damit angefangen hat lichtstarke Objektive zu bauen mit allen Brennweiten, sogar Zoom Objektive, damit man nicht nur die Möglichkeit hatte bei schlechten Lichtverhältnissen überhaupt zu fotografieren, sondern mehr an Gestaltungsmöglichkeiten (Freistellung etc.) bekommt. Im übrigen dürfte man aufgrund der technischen Gegebenheiten der Leute, die Bilder machen (Fotos) erheblich mehr Fotos finden, wo der Schärfeverlauf so ist wie bei diesem Bild hier ist, als weniger wo eine Linse auch zeigen kann, dass sie bei offener Blende noch gut funktioniert. Die Personen im Hintergrund kann man. auch hier schon nicht im Detail erkennen, also ist für mich die offenere Blendenwahl nicht nur gestalterisch, sondern auch technisch das bessere Mittel. "Meister" sind übrigens daran interessiert, dass die Leute bessere Fotos machen und geben deswegen u.a. Workshops und freuen sich in der Regel, wenn man ihnen nacheifert.
  • Matthias von Schramm 2. November 2021, 10:10

    Moin, ich will mich in die Diskussion unter Gerrys @Gerhard Körsgen  Posting gar nicht mal einklinken und doch darauf eingehen. Die Assoziation vom Jazzmusiker in SW ist so klar gewesen, dass es eine Art hat und daher war es in aller Natürlichkeit auch mein erster Gedanke. Die Farben bei diesem Bild sind schon sehr angenehm, aber in meiner fotografischen Welt werden sie hier ebend (nackend) nicht benötigt. Ich kneife die Augen zusammen, stelle mir eine monochrome Abbildung eines Menschen vor, der zur Entspannung seiner Sucht nachgeht im romantisierten Sinne von Wilhelm Busch: "Jetzt raucht er wieder, Gott sei Dank!" Zum Glück ist in meiner heutigen Betrachtung ein Gott da aussen vor zu lassen und ich sage, es ist des Menschen freier Wille gewisse Dinge zutun.

    Fotografisch eine reizvolle Szene, die immer zu den von Gerry und mir assoziierten Vergleichen (siehe seinen Link) das Nachsehen hat. Freilich ist das auch eine ein wenig abgehobene Sicht. Denn der Aufbau der im Hintergrund wohl nicht ganz genügend unscharfen Figuren ist nahezu perfekt. Ein lustiges Treiben zu den bekannt jetzigen Zeiten mit Menschen mit medizinischen Masken in der Öffentlichkeit. Die Suche nach Normalität. Und der Gesichtsausdruck des Herrn im Vordergrund, der ein Gesicht macht, welches den Wunsch nach Entspannung zum Ausdruck bringt. Ist mehr Rauchwolke um ihn, wird das weniger sichtbar und ein anderes Bild kommt zum Vorschein. Angeschnittene aber sehr passende Farbenharmonie. Dieses komische Dingen, auf dem der Mann sitzt, die farbliche Weiterleitung an das rosa Oberteil der blonden Frau links im Hintergrund bis hin zum Farbspiel der Papierkorb/Aschenbecherkombi im Hintergrund. Dahinter ein beiges Gebäude mit erdfarbenden griechisch römisch anmutendem Muster. Zwei monochrom gekleidete Personen mit Taschen, im Leben treibend, eine sogar zufällig oder bewusst neben ihrem oder einem fremden Fahrrad mit einer Art Transporteinrichtung in nicht unerheblicher Größe.

    Für mich zeigt das Bild schon so etwas, wie das tägliche Tun in den Zeiten der Pandemie, in denen in Wirklichkeit vieles (das Allermeiste) sich vom sonstigen Treiben nicht unterscheidet. Der Titel Was bleibt? wird von dem Bild eher beantwortet, als nicht beantwortet. Deswegen ist es für mich ein gutes Bild, ein bescheidender Sehmoment, welcher nicht verhindert, dass ich an schwitzende rauchige Clubs denken muss, in denen qualmende Menschen mit Ausdünstungen sich den Klängen guter Musik hingeben.
    • Mittelosteuropa-Entdecker 2. November 2021, 15:54

      Stimmt, ein unschärferer Hintergrund, eine größere Blendenöffnung also, würde das Bild stark aufwerten. Darauf bin ich noch gar nicht gekommen ...
  • Clara Hase 1. November 2021, 17:38

    lach, jeder macht was er will. Drei Frauen und ein Mann.
    Telefonieren ohne Maske, damit man verstanden wird, sie unterm Kinn tragen wo man ja schon eingekauft hat, oder beim Packen - schnauf -besser ohne.
    Erst fand ich ja das die Aufnahme irgendwie ziellos gemacht wurde, durch die vielen Personen und alles in ziemlich gleicher Schärfe. Aber Dank Corona und die Marker - ist das ok.
    Dann die Hauptperson auf der Bank - wohl umhergegangen, verschnauft- hat genug Abstand von allen anderen.  Der Qualm - auch seine Maske sitzt falsch - fürs Rauchen abnehmen. Er hängt so richtig schön entspannt da. Ob sich da jemand hinzugesellen wird? Die Sonne scheint warm zu sein und schlägt Schatten. Der Mann schaut
     in die Ferne - schaut zu was auch immer dort vor sich geht.
    Obwohl soviele Personen sichtbar sind, die eine jede etwas anderes tut - wirkt das Bild ruhig und entspannt.

    Gerhad Körsgen hat die Farbvielfalt schon gut  beschrieben.
    Seiner Schnittidee fehlt die Packende Person - und damit ist er nicht mehr rundum eingekreist -
    • Gerhard Körsgen 1. November 2021, 18:21

      "Seiner Schnittidee fehlt die Packende Person - und damit ist er nicht mehr rundum eingekreist ".
      Da hast Du Recht.
      Da wäre aber meine Gegenfrage: Ist denn die "packende Person" so bildwichtig ? Ich empfinde sie eher als störend denn bereichernd.
      Ich spreche da ja auch von der "Blicklenkung". Die ist ohne die "Packerin" klarer, eindeutiger.
      Oder vielleicht auch eindimensionaler ? Nur, was bewirkt die Frau aus dem Eingang außer "optischer Einkreisung" ? Wirklich interagieren tut da ja keiner miteinander.
    • Clara Hase 1. November 2021, 18:57

      nein, ER ist der Dreh und Angelpunkt für unsere Augen - üblicherweise wäre wohl mehr Gewusel. Wenn die Packerin weg ist könnten auch alle anderen weg oder zumindest unscharf sein -
      aber die Lage unter Corona ist entspannt - im Foto zumindest.
    • Gerhard Körsgen 1. November 2021, 19:29

      Ich denke ich versteh was Du meinst. Dennoch sehe ich ihn weniger als Dreh -und -Angelpunkt sondern mehr als Einzelnen der mit den anderen nicht wirklich etwas zu tun hat.
      " Wenn die Packerin weg ist könnten auch alle anderen weg oder zumindest unscharf sein...".
      Da stimme ich dir wieder zu. Fände ich noch besser, addierend zu meinem Schnittvorschlag.
      Aber die sind nun mal da und rausretuschieren würde ich nicht wollen, nachträglich verunschärfen auch nicht.
      Das Foto könnte ohne Corona genauso aussehen. Eine solche Konstellation halte ich für genauso normal in Pandemiezeiten wie außerhalb derer.
  • Gerhard Körsgen 1. November 2021, 14:42

    Streetaufnahme in einer Fußgängerzone.
    "Aufhänger" des Bildes ist der Rauch der Zigarette des sitzenden Mannes
    der gerade eine erholsame Auszeit nimmt.
    Dadurch dass es eine Farbaufnahme ist bekommt der von der Sonne direkt
    beschienene Teil des Rauchs eine ganz leichte Cyan-Einfärbung, was sich
    gegen die beigefarbene Wand des Hintergrunds gut macht weil so ein Hauch
    von Komplementärfarbkontrast entsteht, bemerkbar genug dass es auffällt
    aber auch dezent genug um nur eine Nuance zu sein.
    Das gefällt mir am besten an dem Foto.
    Wobei ich persönlich den "stimmungsvollen Rauch" einer Zigarette eher mit
    einer schwarzweissen Clubaufnahme eines Jazzmusikers assoziiere. Da denke
    ich z.B. gerne an das berühmte Foto von Herman Leonard zurück welches
    Dexter Gordon zeigt:
    https://www.morrisonhotelgallery.com/photographs/wQQWF5/Dexter-Gordon

    An den Masken die die Leute eher als Accessoires tragen erkennt man die
    Coronazeit, aber trägen sie diese nicht wäre es bezüglich der Stimmung
    des Bildes kein Unterschied: Eine solche Szene ist exakt so in beiden
    "Zeiten" möglich.

    Die Komposition empfinde ich als etwas unausgegoren. Insbesondere die
    Passage mit der wohl einen Karton tragenden Frau rechts hinter dem
    Sitzmöbel des Rauchers lenkt für meinen Geschmack den Blick unnötig ab,
    zumal sie als einzige eben keine Maske trägt und somit auch nichts zur
    "Story" beiträgt. Wäre sie in irgend einer Weise besonders interessant
    oder gäbe gar dem Bild einen "Clou" wäre das etwas anderes, dann fände
    ich die uneinheitlichen Blickrichtungen gut.

    Nun habe ich den Cyanrauch versus der Beigewand so gelobt...und dennoch
    würde ich das Foto, wäre es meines, eher in dienlichem sw zeigen denn in
    Color !
    Und croppen.
    Deshalb weil dann die Gesamtkomposition in meinen Augen stimmiger wäre,
    grafischer, auch etwas konzentrierter, der Mann und sein Rauch, beide
    setzten sich etwas besser vom Umfeld ab und betonten mehr das eigentliche
    Thema des Bildes, die selbstversunkene Entspannung.
    Anbei eine Bildbearbeitung die ich vom Screenshot des agorabildes machte.
    Natürlich möchte ich betonen dass "meine" Version keine "Verbesserung"
    darstellt sondern lediglich eine grobe Illustration der Idée ist wie ich
    es lieber sähe. Was meint ihr ?
    Screenshot 2021-11-01 014015+
    Screenshot 2021-11-01 014015+
    Gerhard Körsgen
    • Gerhard Körsgen 2. November 2021, 14:40

      @Matthias von Schramm   : Es stimmt dass meine Version die Bildidée grundsätzlich in eine andere Richtung lenkt. Wenn man das ablehnt muss man bei der Color-Version bleiben. Und dann wohl auch beim ursprünglichen Schnitt.
    • N. Nescio 2. November 2021, 17:38

      Das problem bei dem hinter dem Rauch ist, dass ich es als störend empfinde, da etwas scharf zu sehen, das aber durch den Rauch unkenntlich ist. Entweder irgendwie stärker ausblenden oder so verdeutlichen, dass man erkennt, was es ist. Auch wenn du den Raucher ins Zentrum rücktest, so ist doch hinten noch alles zu deutlich.
      Lg gusti
    • Gerhard Körsgen 2. November 2021, 18:35

      N. Nescio : In der visuellen Konsequenz gebe ich dir auch da Recht. Allerdings wollte ich nicht (und hätte es wohl auch schwerlich kompetent gekonnt) den Hintergrund "unscharf malen". DAS wäre nun wirklich Sache des/der Fotograf*in gewesen. Meine "Eingriffe" in das Bild (Schnitt, partielles Aufhellen/Abdunkeln, Schwarzweiss-Umwandlung) sind ja im Grunde nur Variationen in der Präsentation. Die SO schon zu einer Umdeutung der Grundidée des Bildes führen.
      Dann noch weiter zu gehen war mir zu viel des "Eingriffs". Vielleicht inkonsequent, aber ich will mich ja wirklich nicht hinstellen als könnte ich etwas "besser". Gut möglich auch dass ich zu sehr von meinem "Assoziationsbild" geleitet/beeinflusst bin. Dass mich das von der eigentlichen Intention des Bildes abgebracht hat.  Clara Hase und  milchschäfer u.a. haben ja was ganz anderes darin gesehen und liegen m.E. darin auch nicht falsch (auch wenn ich natürlich MEINE Sicht propagiere).
    • N. Nescio 2. November 2021, 18:48

      gerhard, wenn ich das bild so nehme, wie es der fotograf hier zeigt, dann ist für mich der titel des bildes "streetszene mit raucher, jeder macht igendwas im gemeinsamen öffentlichen Raum“  oder "leben am platzl" und NICHT "der raucher".
      (ich vermute allerdings, daß der fotograf meint, daß im bild alle personen was zu tun haben, hingegen dem pensionisten bleibt nur mehr die zigarette. Eine solche aussage wäre für mich sehr zu platt. daher mein erster kommentar:" es ist, wie es ist". jede sekunde ist leben und wert, gelebt zu werden. in 10 minuten geht er zu seiner liebhaberin ohne einen Gedanken an seine verheirateten Kinder zu verschwenden, was sich der fotograf offensichtlich kaum vorstellen kann :-)  der rauchende pensionist scheint mir kräftig, selbstbewußt zu sei, sein ding emanzipiert zu drehen, auch wenn mir sein gesichtsausdruck nicht besonders sympathisch ist.
      Den moralisierern habe ich meinen zweiten Kommentar gewidmet)
      lg gusti
  • elstp 1. November 2021, 14:21

    Es ist ein flüchtiger Augenblick, dieses Bild von einem älteren Mann, der rauchend auf einer Bank sitzt. 
    Die Szene zeigt eine alltägliche Situation: Der Autor hat den Protagonisten eine Weile beobachtet, fotografiert ihn aber erst, nachdem er die Zigarette angezündet hat und der Rauch aufsteigt. 

    Der Zigarettenrauch dominiert das Bild, der Protagonist wird dadurch fast zur Nebenfigur; er macht Rast irgendwo auf einem Platz. Die Frage ‚was bleibt‘ ist hypothetisch, denn der Rauch verfliegt mit der Zeit. Der Betrachter des Bildes würde das Gesicht des Mannes ganz gerne sehen, aber dem Autor ist nicht daran gelegen. Wenn der Mann aufsteht und geht, beantwortet sich die Frage des Titels: Nichts bleibt von der kleinen Szene zurück! 

    Gruß LILO