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Abwehrkampf an der Südfront (1915–18) in Wort und Bild / 3.Teil

Abwehrkampf an der Südfront (1915–18) in Wort und Bild / 3.Teil

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Ludwig Go


kostenloses Benutzerkonto, Innsbruck

Abwehrkampf an der Südfront (1915–18) in Wort und Bild / 3.Teil

Fotobeschreibung:
Foto groß: Originaluntertitel – Im Graben in der Marko-Stellung. Frühjahr 1917
Foto klein, links oben: Originaluntertitel – 4cm Schützengraben-Geschütz mit Munitionsverschlag. (Die genaue Bezeichnung war: Skoda 37 mm Infanteriegeschütz M15 [es wurde auch Schnellfeuergeschütz genannt])
Foto klein, links unten: Originaluntertitel – In der Abwehr während eines Gasangriffes. (Im Tagebuch steht nichts von einem Gasangriff, ist evtl. eine gestellte Aufnahme. Eine Besonderheit, der österreichische Soldat trägt einen französischen Stahlhelm, vermutlich ein Beutestück, denn dasselbe Modell verwendete auch die italienische Armee.)

Abwehrkampf an der Südfront (1915–18) in Wort und Bild / 1.Teil
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Abwehrkampf an der Südfront (1915–18) in Wort und Bild / 2.Teil
Abwehrkampf an der Südfront (1915–18) in Wort und Bild / 2.Teil
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23. Mai 1916
Beförderung zum Unterjäger. Freund Schorsch kommt aus dem Spital Trient zurück zum Bataillon.

26. und 27. Mai 1916
Die gesamte Mannschaft marschiert von Guardia über Calliano (der Train geht über Folgaria) nach Trient zurück.

28. Mai 1916
Beförderung zum Titular-Oberjäger (so schnell kann es gehen). Ludwig wurde dann als Rechnungs-Unteroffizier einer 500 Mann starken, russischen Kriegsgefangenenabteilung zugewiesen.

29. Mai 1916
Über Vigolo Vattaro nach Buse im Asticotal marschiert. Nach einem Monat wird die Kriegsgefangenenabteilung nach Serrada verlegt.

13. Juli 1916
Beginn seines 14-tägigen Urlaubs in der Heimat. Über die Ankunft in seine Heimatstadt Schwaz, schreibt Ludwig:„Schon sah ich die mir seit meiner Kindheit her bekannten Berge, es tauchten schließlich die Kirchturmspitzen und die ersten Häuser auf. Der Zug fuhr in die Station ein, ich verließ mit einem Freudensprung den Kasten, die Tränen kollerten mir über die Wangen und am liebsten wäre ich allen Bekannten, die mich auf dem Bahnhof grüßten, um den Hals gefallen.“

27. Juli 1916
Zurück vom Urlaub. 2 Tage in der Matruzzo-Kaserne in Trient. Trifft dort seinen Vater, der marod ist.

29. Juli 1916
Ankunft in Serrada. Nimmt seine Arbeit als Rechnungs-Unteroffizier bei der russischen Kriegsgefangenenabteilung wieder auf. Besitzt nun seinen eigenen Fotoapparat und knipst fleißig drauf los.

30. Oktober 1916
Ludwig verlässt die russische Gefangenenabteilung. Es schreibt darüber folgendes:„Traurig verließ ich die mir lieb gewordene Abteilung und ich muss es gestehen, auch die Kriegsgefangenen. Noch nie im Leben hatte ich so gutmütige, zuvorkommende, ehrliche Leute getroffen, wie bei dieser Russenabteilung.“
Am Abend trifft er in Trient ein und geht zu seiner alten Einheit, dem Standschützenbataillon Schwaz, zurück.

Anfang November 1916
Das Bataillon wird über Calliano nach Ravazzone und Isera verlegt. Dort richten sie sich häuslich ein, der Winter stand ja vor der Türe. Dieser Frontabschnitt, an den sonnigen Flanken des Etschtals, war zu dieser Zeit ein sehr ruhiger. Es fanden keine Gefechte statt.

25. November 1916
Ludwig schreibt:„Am 22. November erfuhren wir den Heimgang unseres greisen Monarchen, des Kaisers Franz Joseph. 3 Tage darauf wurden wir auf Kaiser Karl vereidigt. Sämtliche Mannschaft, die dienstfrei war und sich in Isera befand wurde auf dem Dorfplatz versammelt. Ein Offizier hielt eine Ansprache und darauf wurde der Eid auf den neuen Herrscher abgenommen. Der alte Lois war nicht zu bewegen sich auch auf den Dorfplatz zu begeben. Er meinte, jetzt schon so oft den Eid geleistet zu haben, jetzt müsse einmal Schluss sein. Wenn sie ihm alten Menschen, der schon wegen der Bürde seiner Jahre mit einem Fuß im Grab stehe, nicht mehr trauen, sollten sie ihn lieber gleich erschießen.“

24. Dezember 1916
Erneuter Heimaturlaub. Gegen Mittag Ankunft am Bahnhof Schwaz. Sein Vater war auch schon zu Hause, aus gesundheitlichen Gründen war er „ständig beurlaubt“.
Ludwig schreibt:„Am Abend saßen wir beim Christbäumchen, das trotz der traurigen Zeit aufgeputzt war. Wenn auch nicht wie in den Vorkriegsjahren viele schöne Geschenke darunter lagen, wir waren doch alle vier glücklich und zufrieden, weil wir nur alle wieder beisammen sein konnten, ja wir waren vielleicht glücklicher wie an allen anderen, vorhergegangenen Christabenden.

6. Jänner 1917
Mit dem Zug nach Calliano und von dort über Nomi und Villa Lagarina zurück nach Isera.

7. Jänner 1917
Ludwig übernimmt die Proviantur-Kanzlei des Standschützenbataillons.

Mitte Februar 1917
Stellungswechsel des Standschützenbataillons Schwaz. Die Kompanien bezogen die vordersten Stellungen bei Marko. Ludwig in seiner neuen Funktion, verblieb beim Train welcher bei Lizzana lag. Ludwig schreibt:„Die Gräben selbst zogen sich vor der gänzlich zerschossenen Ortschaft Marko rechts hin gegen den Bahndamm und die Etsch. Sie waren schön angelegt, sauber und durchwegs im Mehlsand. Vor den Gräben selbst war ein starker Drahtverhau, sogar zeitweise mit Starkstrom geladen. Rechts der Etsch waren die Italiener gerade uns gegenüber, hatten aber den einen Vorteil, dass sie gegen Cresano hin eine erhöhte Gebirgsstellung einnahmen und uns trotz guter Maskierung in die Schützengräben sahen und darin herumspazierende Posten als Zielscheibe für ihre Schießversuche machten. Es waren gute Schützen drüben, sehr wahrscheinlich mit eingespannten Gewehren und Zielfernrohren. Oft und oft gaben sie eine Probe ihrer Treffsicherheit ab. Einmal nahmen sie die Zeiger der Kirchturmuhr in Marko aufs Korn und durchlöcherten sie. Eines Tages stellte in der Nähe der Kirche ein Offizier seinen Fotoapparat auf und wollte gegen den Feind hin das Gelände fotografieren, doch kaum war er mit der Vorbereitung fertig, vernahm man in einer Entfernung von ca. 500 Metern einen kaum hörbaren Schuss und der Offizier brach zusammen. Ein Herzschuss aus dieser weiten Entfernung hatte ihm das Lebenslicht im Nu ausgeblasen.“

Kommentare 11

  • B-A-U-M-I 30. April 2009, 20:53

    Das ist aber eine gelungene Arbeit.Große Klasse!
    Lieben Gruß
  • Dagmar Senff 19. März 2009, 22:43

    Hallo lieber Ludwig,
    ich kann mich eigentlich immer nur wiederholen. Allerdings gewinnt man immer mehr den Eindruck, dass Du mit jeder Doku professioneller wirst. Wirklich sehr beeindruckend wie Du alles akribisch dokumentierst. Ich freu mich auch sehr, dass Deine Fan- Gemeinde immer größer wird. Die Bearbeitung Deiner alten Fotos ist einfach perfekt! GLG Dagmar
  • Jean Albert Richard 14. März 2009, 16:38

    Wieder wertvolle Zeitdokumente mit einer ausführlichen Dokumentation!
    LG

    Jean
  • Hermann Neu 12. März 2009, 8:36

    Beeindruckendes Fotodokument von der Alpenfront.
    lg. hermann
  • Krebs 11. März 2009, 12:33

    Deine Doku begeistert mich auch, weil hier offensichtlich ein großes Bemühen um Wahrhaftigkeit besteht. Gerade über mehrere Generationen ist die Gefahr, daß sich Tatsachen verschleifen, groß. Ich selbst, in der DDR aufgewachsen, habe geradezu eine Allergie für Verdreherei und Gaukelei von Nachrichten und Geschichte entwickelt. Wunderbar, daß Du immer wieder aus dem Tagebuch zitierst, und die Berichterstattung aus einem nahezu neutralen Standpunkt lieferst. Fantastisch auch, das Du dieses wertvolles Material zugänglich machst.
    Eine der wenigen Quellen zum 1. Weltkrieg, die für mich einprägsam waren, ist der "brave Soldat Schweg". Sicher ein sehr satierisches Werk, aber vor allem zum Schluß, als es sehr sarkastisch wird, entsteht für mich doch eine sehr realistische Aussage über den Beginn der zwei großen Kriege und Verhängnisse.
    Meine Schwiegereltern waren deutsche Vertriebene aus Ungarn. Sie haben viel über diese Zeit erzählt, so daß ich eine doch engere Verbindung zu dieser Doku finde. Mein Geschichtsbild formt sich größtenteils aus Zeugenberichten, wozu ich das hier zähle.
    LG Peter
  • Tanjung-Pinang 10. März 2009, 8:46

    Eine tolle Doku.
    Die Gasmaske sieht interessant aus.
    lg monika
  • Mick-el-Angelo 9. März 2009, 19:44

    Der Fotograf hat es geschafft und den Herren ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Vermutlich war das zu jener Zeit etwas ganz besonderes. Klasse Doku.
    LG, Michael
  • Reimund List 9. März 2009, 18:51

    Sehr detailiert und sorgfältig hast du wieder deine Texte verfaßt. Du wirst noch einen Bildband vom 1. Weltkrieg herausgeben wenn du so weitermachst,-)
    Du hast Material in Fülle, ein Glücksfall für dich. Hüte es gut. Sehr interessantes in Bildern für uns.
    vg R.
  • zuppi 9. März 2009, 7:32

    Wie immer....interessant !

    Gruss, Zuppi
  • H STi 9. März 2009, 7:22

    Interssantes Bild!
  • Hilde Nairz 9. März 2009, 6:55

    eine äusserst interessante Doku,die Du uns hier lieferst- Respekt kann ich nur sagen-Gruss Hilde