Diese Website verwendet Cookies, um verschiedene Funktionalitäten bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Website erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Weitere Informationen  OK

Was ist neu?

Markus Grünthaler


Free Mitglied, Sulzbach-Rosenberg

Energie für die Hütte

Eine der größten und faszinierendsten Anlage auf der Hütte war die ehem. Gebläsehalle mit den Gasgebläsen und Generatoren zur Stromerzeugung!
Als im Jahre 1896 die erste elektrische Beleuchtung auf der Hütte installiert worden war, wurde 1903 die erste Gasmaschine montiert, die die Kramer-Klett,sche Maschinenbauges. Nürnberg, später MAN, lieferte. Der 90 PS Maschinensatz wurde mit Generatorgas aus Kohle und Anthrazit betrieben. Das Ergebnis war sehr zufriedenstellend, so daß bereits 1905 und 1906 zwei ausschließlich mit Gichtgas betriebene Gebläsemaschinen folgten. Eine Generatorgasanlage am Hochofen lieferte den benötigten Brennstoff. Allerdings mußte das bisher ungereinigte Gichtgas für den Einsatz in den Gebläsemaschinen gereinigt werden. Das führte zum Bau der ersten Gasreinigung direkt neben der Gebläsehalle (Abbruch in den 80ern).
Damit waren die Voraussetzungen für den zügigen Ausbau der Zentrale erfüllt und die Umstellung der Wind-und Energieerzeugung von Dampf auf Gas konnte mit dem Bau zweier Gasdynamos, 1907 und 1912, einer kombinierten Dynamo-Gebläsemaschine, 1910, sowie einer neuen Zwillings-Gasgebläsemaschine, 1912, vervollständigt werden.
Die Gebläsehalle war um 1905 erbaut worden und die gelungene Funktionalität und die Ästhetik der Halle und der Anlagen scheint den Ingeneuren des beginnenden 20.Jhd. im Blut gelegen zu haben. Die formschöne Architektur mit den Rundbogenfenstern, den Stahlfachwerkwänden mit Hüttenstein-Ausmauerung, sowie die Stahlkonstruktion des Daches strahlen eine einmalige Harmonie und Schönheit aus.
Der Maschinensaal war mit beige-roten Fließen ausgelegt, alle Handläufe und Armaturen waren in blitzenden Messing ausgeführt.
Wer den Generator-und Maschinensaal betrat, den empfing eine warmfeuchte, mit Öl angereicherte Luft, er hörte ein ständiges Rauschen und Singen der großen Schwungräder und Dynamos, verbunden mit einem eigenartigen vibrieren des gesamten Bodens.
Niemand durfte diese Halle mit schmutzigen Schuhen betreten, die Maschinisten waren stolz auf den Glanz und die Sauberkeit ihres eisernen Herzens der Hütte!
Altgediente Maschinisten, die sich 40 und mehr Jahre liebevoll um ihre Maschinen kümmerten, wachten nachts zuhause auf wenn einer der Dynamos oder ein Gebläse aus dem "Tritt" gerieten und nicht mehr "rund" lief! Sie waren ein Teil ihrer Anlage und fuhren sie mit Gefühl und Herz!
Ich konnte es einmal als kleiner Bub an der Seite meines Großvaters selber erleben, welch erhebender Anblick sich in dieser Halle dem Betrachter bot und wir standen lange vor den sich drehenden Rädern und den rasend schnell arbeitenden Steuerstangen. Unvergesslich!
65 Jahre liefen diese Maschinen rund um die Uhr und erzeugten in ihrer Betriebszeit 1,8 Mrd. kWh Drehstrom, 500 Mio. kWh Gleichstrom und 25 Mrd. cbm Hochofen-u. Stahlwerkswind. Eine eindrucksvolle Leistung.
Keine Maschine hatte je einen Totalausfall! Darauf sind die alten Maschinisten noch heute stolz.

am 25. Januar 1973 setzt Obermeister Girbert, der selbst 50 Jahre für den Betrieb der Maschinen zuständig war, die Anlage still.
Eine unheimliche und merkwürdige Stille lag über dem Werk und den Stadtteil Rosenberg.
Die Maschinen wurden demontiert und verschrottet, die Halle zur Hälfte abgebrochen und umgenutzt.
In manchen Ecken und an einigen Orten sieht man noch in Fragmenten die alte Zentrale und sie erzählt in diesen Resten von früher und träumt von einer schönen Zeit, voller Öl-u. Dampfdunst, als sie noch Würde hatte und gebraucht und gepflegt wurde...die alte Zentrale!

Kommentare 27

  • Angelika Stück 7. Januar 2004, 10:07

    eben andreas...mir fällt nur noch ein wooow ein! tolle doku:-) angelika
  • Andreas Grav 6. Januar 2004, 23:22

    Was soll ich dazu jetzt noch sagen ?!

    Ein sehr schönes, historisch wertvolles Bild. Von dem technisch wertvollen und auch gefühlvollem Text ganz zu schweigen :-)

    Andreas.
  • Harald Finster 6. Januar 2004, 20:41

    So eine E-Dampfmaschine hab ich auch noch zu bieten, allerdings seit ca. 1965 nicht mehr in Betrieb:
    http://www.hfinster.de/StahlArt2/archive-SteamEngines-de.html
    (Weiter unten auch noch (schlechte) Bilder der Walzenzugmaschine in Völklingen.)
    Gruß Harald
  • Sebastian Suchanek 6. Januar 2004, 17:14

    @Markus:
    Stahl aus Korea und China *ist* billiger als aus Einheimischer Produktion. Wirf mal einen Blick alleine auf die Löhne. Außerdem: Wenn in China ein Hochofen hochgeht und es dabei die halbe Belegschaft erwischt, kratzt das keinen. Bei uns wäre (zu Recht) das Geschrei groß. Und Sicherheit kostet auch...

    @all:
    Was mich persönlich viel mehr irritiert (höflich formuliert) sind Technologie-Exporte wie der Transrapid. (Zumal ich da was im Hinterkopf habe, daß uns dabei die Chinesen lizenzrechtlicht ganz schön über den Tisch gezogen haben.)
    Der hiesige hohe Lebensstandard (über den ich natürlich nicht gerade böse bin) hat dafür gesorgt, daß wir bei Primär- und Sekundärprodukten (wie das oft zitierte "Kohle und Stahl") kaum noch international konkurrenzfähig sind.
    Damit alleine könnte ich gerade noch leben. Es steht schließlich nirgendwo geschrieben, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse der 50er und 60er Jahre festzementiert sind, daß Deutschland ein unumstößliches Recht auf Wohlstand oder daß sich der Rest der Welt nicht anstrengen darf, um seinerseits zu Wohlstand zu kommen.
    Was mich erheblich mehr beunruhigt, ist mein Gefühl, daß Deutschland als Entwickler neuer Technologien ins Hintertreffen gerät. Das ist nämlich etwas, worin wir (noch) einen guten Ruf haben und gleichzeitig etwas, worin wir trotz hohen Löhnen international konkurrenzfähig wären.
    Wenn erstmal *das* geschieht, können wir uns sehr warm anziehen.


    Aber um mal wieder zu etwas erfreulicherem zu kommen, das auch etwas mehr mit Markus' Bild zu tun hat: Zumindest /ein/ dampfbetriebener E-Generator steht in Mannheim im "Landesmuseum für Technik und Arbeit":
    http://www.suchanek.de/temp/generator.jpg
    Links, gerade noch am Bildrand zu erkennen, ist der liegende Zylinder der Dampfmaschine. Die Anlage ist funktionsfähig und wer wie ich etwas Glück hat, kann sie auch in Aktion erleben.
    (BTW: Der Rest des Museums hat zwar einige weitere interessante Exponate, aber die Gestaltung des Museums an sich finde ich eher mäßig.)
  • Veit Huber 6. Januar 2004, 8:54

    @ Bernhard + Sebastian and all:
    Wer sich ein wenig mit Energietechnik (nicht -politik) wird wissen, daß wir keine Alternative zur Kerntechnik (nicht: Nuklear-Brenner!!!) haben, jedoch das Zeitalter von Dampfmaschinen und riesenhaften Kolbenmotoren vorbei ist. Harald F. wird zustimmen, daß und immer wieder der Wirkungsgrad einholt. Das allerdings auch, wenn jemand davon spricht, Wasserstoffautos seien CO2-frei. Das würde stimmen, nutzen wir die Kerntechnik, z. B. mittels eines Hochtemperaturreaktors, der in der H2-Synthese ohne den Umweg über Strom ausgekommen wäre. Aber unsere Damen und Herren in den Landtagen (hier speziell Düsseldorf) wußten es ja besser, jetzt ist es der Herr Tritt-ihn in Berlin...
    Beschähmend, daß der sich niemanden leisten kann, der Ahnung hat...

    Tja, sorry mal wieder für meine Auswüchse, das Bild beeindruckt aber ungemein. Ich würd in der Halle wohnen wollen...

    Guten Tag
    Veit
  • Christian Brünig 5. Januar 2004, 22:46

    Hübsche Phillippiken über Deutschlands Zunkunft!!
  • Markus Grünthaler 5. Januar 2004, 22:43

    @Christian: Ja das war zuletzt die Halle III der Pfannenwirtschaft und der Pfannenmaurer. Hier standen die Deckelfeuer I - IV die die Pfannen nach der Neuzustellung ausgetrocknet haben und auf Betriebs-Vortemparatur gebracht haben. Ebenso wurden in dieser Halle alte Pfannen mit dem Reißzahn ausgebrochen und vom alten Mauerwerk befreit!
    In der Vorhalle, die auch noch zur früheren Gasgebläsehalle gehörte, wurden die Konverterböden erneuert und die Schieber für die Stranggusspfannen gesetzt!
  • SPERRZONE 5. Januar 2004, 22:32

    tolle dokumentation und geniales bild!! solche historischen aufnahmen erachte ich als sehr wertvoll. ich schätze es auch sehr, wenn derart kompetente infos zu den bildern mitgegeben werden. vielen dank!
    greetz,
    beat
  • Christian Brünig 5. Januar 2004, 22:23

    Nur ganz nebenbei: ist das die Halle, wo zuletzt die Pfannenwirtschaft drin stand?
  • Markus Grünthaler 5. Januar 2004, 22:22

    Die traditionellen Handwerks-und Industriezweige die unser Land einstmals groß und berühmt gemacht haben werden vernichtet, demontiert und für billiges Geld ins Ausland verschachert. Dort baut man alles wieder mit unserer Unterstützung durch Techniker und Steuermilliarden wieder auf. Danach kauft man absurder Weise die dort mit unseren alten Anlagen oder unserer Technik erzeugte Ware wieder ein. Das ist ein Hexeneinmaleins und das begreifen nur die Parkettschnösel an den internationalen Börsen. Durch diese Transaktionen verdienen die sich dumm und dämlich. Millionen von Arbeitslosen müssen es ausbaden! Kohle und Stahl (z.B.) sind nur bei uns nicht mehr rentabel, wo anders komischerweise schon! Kernkraftwerke sind nur bei uns gefährlich, woanders nicht! Die Nachbarstaaten warten schon darauf, daß man bei uns deas letzte KKW abschaltet dann gibts den Strom aus einem KKW das 2 km von unserer Grenze entfernt steht, zum 10 fachen Preis versteht sich! Und der Bil-Zeitungsinformierte Wohlstandsmichel sieht es, liest es und hört es, macht die Augen zu und schläft weiter, bis zum einstmals bösen Erwachen! Dann ist es allerdings zu spät, die Verantwortlichen in die Wüste zu schicken, die sind nämlich schon dort, in Dubai und logieren dann Burij el Arab, dem einzigen sieben Sterne Hotel und lachen sich den Buckel krumm über soviel Blödheit und Naivität!
    Dann können wir bei vielen Aldi und Lidl-Märkten einkaufen, mit geliehenen Geld das uns freundliche Kredithaie zu überteuerten Zinsen gepumpt haben und wenn uns dann vom Fastfood-Fraß schlecht geworden ist zahlen wir beim Hausarzt Eintritt, bekommen ein Rezept, bei dessen Gebühren man von selber wieder Gesund wird, legen uns aufs Sofa und lesen wieder die Bild-Zeitung, die uns dann die sensationelle Meldung bringt, daß Dieter Bohlen ein neues Buch geschrieben hat und es in jeden guten Haushalt gehört.
    Der restliche Verstand der dann noch übrig ist, wird zum lesen des neuesten Börsentickers gebraucht, der uns dann sagt, daß unsere "Volksaktien" leider wieder an "Wert" verloren haben und von den 10 € die wir für sie bezahlt haben nur noch 3 ct übrig sind. Dieses Opfer müßen wir allerdings bringen damit es mit unserer Wirtschaft endlich wieder bergauf geht und unsere Manager und Politiker durch eine kräftige Gehalts-und Diätenerhöhung vorm sicheren Hungertod bewahrt werden.
    Armes Deutschland, traurige Zukunft!
  • Harald Finster 5. Januar 2004, 22:13

    MOX-Anlage, VW, Transrapid...
    ... Aachener Nadelfabriken, Dortmunder Warmwalzstraße, Stahl- und Hüttenwerke, Europas modernste Kokerei (ist g'rad unterwegs) ...
    Gruß Harald
  • Sebastian Suchanek 5. Januar 2004, 21:54

    @Harald:
    "Wir können nicht davon überleben, dass wir uns jeden Tag gegenseitig die Haare schneiden." Einer der wenigen wahren Sätze von Friedrich Merz. :-)

    @Bernhard:
    Meine Meinung zum Thema Energiewirtschaft habe ich schon kurz unter geschrieben.
    Und wenn's halt in ein paar Jahren gar nicht mehr geht, wandern wir halt nach China aus. Die MOX-Anlage, VW und der Transrapid sind ja schon dort. (Und bei über 1Mrd. Menschen fallen wir 80Mio. auch nicht groß auf.)
    Reis soll ja lecker sein...
  • Harald Finster 5. Januar 2004, 21:41

    @Bernhard: "Wie will sich Deutschland in den kommenden Jahrzehnten über Wasser halten...?"
    Ganz einfach, mit Dienstleistungsbetrieben, also Banken, Versicherungen, Anlagebaratern, Steuerberatern.
    Wir schaffen Wirtschaftswachstum, indem wir Geld hin- und herschieben! Wir schaffen neue Arbeitsplätze, indem wir immer kompliziertere Verwaltungs- und Sozialversicherungsstrukturen aufbauen, die niemend mehr durchschaut - was wiederum ein Heer von Beratern und Verwaltern erfordert.
    So funktioniert das - man muß nur ganz fest daran glauben.

    Wie immer der Standard-Hinweis:
    http://www.hfinster.de/StahlArt2/Feudalkultur-de.html

    Gruß Harald
  • Markus Grünthaler 5. Januar 2004, 21:00

    @Sebastian: Das mit der Nennleistung zum Schluß kann ich Dir leider nicht sagen, zulange ist das alles her und es gibt erstaunlicherweise sehr wenig Unterlagen zum Thema Gasmaschinen. Viele Gespräche mit alten Maschinisten haben auch nicht viel gebracht. Die Kollegen sind teilweise in den 80ern und können sich an Details nicht mehr so gut erinnern. Den einen der es bestimmt weiß erwische ich immer nicht aber ich bleib dran.
    Zum Thema Gleichstrom: In dieser Zeit liefen in der MH gut die Hälfte aller Kräne noch mit Gleichstrommotoren und viele andere Antriebe auch, daher dieser Mischbetrieb in den Stromarten!
  • Eberhard Kamm 5. Januar 2004, 18:55

    Tolles Foto und eine super Erklärung !!

    LG Eberhard