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Was ist neu?

Bär Tig


Pro Mitglied, Im Todesstern am Rhein

Americana: Flamingoed

Hier in Amiland ist ja jeder irgendwie wohltätig engagiert. Das muss auch so sein, denn nur durch private Initiative werden die Defizite ausgeglichen, die durch die ur-kapitalistische Gesellschaftsform zwangsläufig entstehen. So gibt es zum Beispiel grundsätzlich keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall - dafür hat man bezahlten sogenannten "Sick-Leave" auf dem Urlaubskonto, den man nehmen kann wenn man krank ist. Den Sick-Leave kann man über die Jahre ansparen, für den Fall dass man einmal wirklich schlimm krank wird. Denn wenn er aufgebraucht ist bekommt man zunächst keinen Lohn mehr, wenn man zu Hause bleibt und wird schließlich entlassen. Ich habe es bereits mehrfach erlebt, dass Mitarbeiter für schwerkranke Kollegen eine Sick-Leave Sammlung durchgeführt haben - denn er ist auch übertragbar - damit der Kollege nicht entlassen wurde und damit völlig ohne Krankenversicherung da stand. Aber auch für andere Zwecke wird hier gerne und oft die Hand aufgehalten. Berüchtigt sind dabei die jährlichen Girl-Scout "Cookie Sales", bei denen kleine Mädchen in Girl-Scout Uniform von Haus zu Haus geschickt werden um völlig überteuerte Kekse zu verkaufen. Von den Einnahmen gehen durchschnittlich 15% an die verkaufende Gril-Scout Truppe, 50% an die Dachorganisation und der Rest an den Hersteller der Kekse. Andere "Fundraiser" (wörtlich: Geldmittel-Aufbringer) bedienen sich ähnlicher Mechanismen, die darauf abzielen dass die Zielperson aus den verschiedensten Gründen nicht "Nein" sagen kann. Die neuste Masche ist dabei das "Flamingo Flocking". Das funktioniert folgendermaßen: Eine Gruppe Menschen beschließt Geld für eine gute Sache zu sammeln. Sie bestellen auf einer Web-Site ein Dutzend rosa Plastik Flamingos und ein Schild. In einer Nacht und Nebel Aktion werden die Flamingos und das Schild einem Freund oder Nachbarn in den Vorgarten gestellt. Er bekommt zudem noch einen Zettel, auf dem steht für welchen Zweck hier gesammelt wird. Um die Flamingos wieder los zu werden, muss er einen gewissen Betrag für diesen Zweck spenden. Außerdem kann er dann entscheiden, welcher von seinen Freunden oder Nachbarn als nächster "flamingoed" werden soll. Klingt irgendwie nach Kettenbrief, oder? Genauso funktioniert es auch, nur diesmal öffentlich und mit dem entsprechenden gesellschaftlichen Druck dahinter. Denn wer (außer mir ... aber ich bin auch ein unangenehmer Zeitgenosse ...) würde die niedlichen Tierchen einfach in den Mülleimer werfen und nicht einen kleinen Obolus für einen guten Zweck entrichten? Und außerdem macht das ja auch eine Menge Spaß, sich dann das nächste "Opfer" aussuchen zu dürfen, oder?! Es sei denn, das nächste Opfer hat bereits eine "Anti-Flamingo-Versicherung" abgeschlossen - aber dann sucht man sich eben jemand anderen aus. Alles für einen guten Zweck ...

Wer das selber einmal machen möchte, hier kann man die Flamingos kaufen:
http://www.flamingofundraising.com/

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