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Jeannette blast furnace

Jeannette blast furnace

2.098 23

Harald Finster


Free Mitglied, Aachen

Jeannette blast furnace

Jeannette Hochofen der Youngstown Sheet and Tube Company in Youngstown (Ohio/USA)

Amerikanische Hochofenwerke unterscheiden sich von den meisten europäischen Anlagen durch eine Reihe interessanter Details:
Die Hochöfen sind zumeist selbsttragend, d.h. der Ofenkörper trägt die gesamte Last der Aufbauten, insbesondere der Gichtgasrohre und des Schrägaufzugs zur Begichtung. Diese Aufgabe wird hierzulande meist von einem äusseren Stützgerüst übernommen.
In vielen amerikanischen Hüttenwerken werden den Hochöfen jeweils vier Cowper zugeordnet, wogegen es in Europa meistens nur drei sind.
Auch die Konstruktion der Cowper ist hier ungewöhnlich, da hier jeder Cowper einen eigenen Abgasschornstein besitzt, wogegen in moderneren Anlagen meist ein gemeinsamer Kamin für die gesamte Cowpergruppe verwendet wird.

Aufnahme vom 25.05.1992
Die Anlage wurde mittlerweile abgerissen.


Weitere Fotos von US-amerikanischen Hüttenwerken:
http://www.hfinster.de/StahlArt2/archive-Ohio-de.html
http://www.hfinster.de/StahlArt2/archive-Bethlehem-de.html
http://www.hfinster.de/StahlArt2/archive-Pittsburgh-de.html
http://www.hfinster.de/StahlArt2/archive-Youngstown-de.html
http://www.hfinster.de/StahlArt2/archive-Cleveland-de.html

Kommentare 23

  • Harald Finster 14. Februar 2014, 19:46

    @Berti: danke für Deinen Beitrag! In der westlichen Welt haben sich die Arbeitsbedingungen in den großen Werken sicherlich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verbessert. Allerdings ist mein Eindruck, daß sich vor allem in den USA die soziale Schere in dieser Zeit immer weiter geöffnet hat und daß ein erheblicher Anteil des materiellen Wohlstands der westlichen Welt auf der Ausbeutung von Arbeitern, teilweise auch von Kindern, insbesondere in Asien basiert. Die "dreckigen Industrien", die hier niemand mehr sehen will und die nicht in's schöne, grüne Bild passen, werden irgendwo in Schwellenländer "exportiert", wo wir sie nicht mehr sehen müssen.
    Gruß Harald
  • Berti71 14. Februar 2014, 19:20

    In 1995 besuchte ich das Bandstahlwerk in Cleveland.
    Technische Beiträge sind ausreichend geschrieben worden.
    Deshalb ein etwas anderer Beitrag. Wir waren eine deutsche Techniker Studiengruppe. Ein alter Stahlwerker hat uns geführt.
    Abgesehen vom techischen Niveau des Werkes von der Schmelze bis zum Bandcolli, hat mich besonders berührt, was der alte Werker erzählte. Er war in Cleveland geboren und wurde mit 12 Jahren das erste Mal in eine Ferienkollonie geschickt und hat dort ebenso zum ersten Mal in seinem Leben die Sonne gesehen.
  • Mirko Nettelnstrot 1. Juli 2006, 21:53

    danke, was ein winderhitzer macht wußte ich schon, aber wie das genau funktioniert nicht, außerdem war mir das wort cowper völlig unbekannt, danke
  • Harald Finster 1. Juli 2006, 14:47

    @Mirko:
    Ein Cowper oder Winderhitzer dient dazu, die in den Hochofen eingeblasene Luft auf etwa 1000 Grad Celsius vorzuerhitzen.
    Stark vereinfacht ist ein Cowper eine grosse stählerne Röhre, die mit gitterartig angeordneten Steinen gefüllt ist.
    Das oben aus dem Hochofen strömende Gas enthält brennbare Anteile (CO, CH4), die teilweise im Cowper verbrannt werden und dabei die Steine aufheizen. Wenn die Temperatur der Steine hoch genug ist, stoppt man die Gasverbrennung und leitet stattdessen Luft durch den Behälter, die die Wärme von den Steinen aufnimmt. Das geht so lange, bis die Steine wieder eine bestimmte Temperatur unterschreiten und erneut aufgeheizt werden müssen. Da der Hochofen natürlich ständig heissen 'Wind' benötigt, sind mehrere Cowper erforderlich, die wechselweise aufgeheizt werden. (In Europa üblicherweise drei, in USA oft auch vier.)
    Das Schema geht dann so

    Cowper 1: Wind -> Gas -> Gas
    Cowper 2: Gas -> Wind -> Gas
    Cowper 3: Gas -> Gas -> Wind


    "Gas" bedeutet, der Cowper ist "am Gas", wird also aufgeheizt, "Wind" bedeutet, er ist "auf Wind", gibt also seinerseits Wärme an den Ofenwind ab.

    Bei den hier sichtbaren Cowpern strömt das Gas von unten ein, wird nach oben geführt, strömt wieder nach unten und dann erneut nach oben, wo es durch die zahlreichen kleinen Stahlrohrkamine entweicht.
    Umgekehrt strömt der kalte Wind durch das links oberhalb der Cowper sichtbare horizontale Rohr in die Cowper und folgt dem selben Weg in umgekehrter Richtung.

    Diese Cowper mit drei Brennschächten sind/waren in den USA üblich. (Vier Stück pro Ofen, wie hier im Bild links zu sehen.)

    In Europa sind Cowper mit zwei Schächten üblicher, entweder in konischer Anornung, also aufsteigender und absteigender Schacht ineinandergeschachtelt, wie z.B. hier

    Es gibt auch (modernere) Konstruktionen, bei denen beide Schächte getrennt sind:
    http://www.hfinster.de/StahlArt2/archive-SteelDuisburg-BW-60-1-07.04.1997-de.html
    Gruss Harald

    Gruss Harald
  • Mirko Nettelnstrot 1. Juli 2006, 13:48

    was ist eigentlich ein cowper
  • Gerhard Busch 29. Januar 2004, 23:49

    So eine Anlage wird hier zum Landschaftspark umgewandelt.
    Gute Dokumentation.
    Gruß Gerhard
  • Jörg Schönthaler 29. Januar 2004, 19:58

    besser spät als nie :-)
    aber was soll man hier noch schreiben?
    wieder 1. liga . gute hintergrundinfos .
    grüße jörg
  • Marc Gerlitzki 29. Januar 2004, 12:17

    Das leutet selbst mir ein, danke Harald.

    Gruss Marc
  • Markus Grünthaler 29. Januar 2004, 8:57

    Hallo Harald,
    danke für die Recherche! Hier hatten wir natürlich den Vorteil, daß alle Cowper in der Hütte, auf alle Öfen verteilt werden konnten. Wir konnten über das Verbundrohrsystem jedem Ofen jeden beliebigen Cowper zuordnen. Das bedingte zwar ein mehr an Rohrleitungen und Ventilen/Schiebern, war aber im besonderen Fall sehr von Vorteil. Ehrlich gesagt wußten wir manchmal nicht, welcher Cowper gerade an welchen Ofen hing, von den Cowperleuten einmal abgesehen! Das ging aber nur deshalb so gut weil die Cowper alle an einem zentralen Platz standen und somit die Wege der Rohre relativ kurz waren, mit Ausnahme von Ofen IV, der hatte seine eignen drei Winderehitzer!
  • Harald Finster 29. Januar 2004, 8:43

    Nochmal zum Thema Cowper:
    über die steel-mailingliste habe ich von Glen folgende Antwort erhalten (übersetzt):
    Die Umstellung von vier auf drei Cowper könnte eine Folge der Automatisierung gewesen sein.
    In den frühen Tagen der Eisenherstellung wurde die Umstellung der Ventile zwischen Wind- und Gas-Betrieb manuell vorgenommen und dauerte einige Zeit. Der Ofen durfte nicht vom Wind genommen werden, so, daß für eine kurze Zeit zwei Cowper gleichzeitig am Wind waren.
    Außerdem war die Zuverlässigkeit der Steine geringer als heutzutage, so, daß einer der Winderhitzer für Wartungszwecke ausser Betrieb genommen werden konnte. Die Effizienz der Heizung könnte geringer gewesen sein als heute, so, daß eine längere Aufheizzeit erforderlich war, um eine ausreichende Windtemperatur zu erzielen.
    Gruß Harald
  • Manfred Geyer 29. Januar 2004, 0:40

    Ich traue mich kaum, es zu sagen.
    Aber mir gefällt das "Chaos" (im positven Sinn) auf dem Foto.
    Gruss Manfred
  • Andreas Grav 28. Januar 2004, 23:30

    Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Große Klasse.

    Andreas.
  • Michael Masur 28. Januar 2004, 21:04

    Lernen mit der fc. Klasse !
    Zum Foto selbst ist ja alles schon gesagt.
  • Marc Gerlitzki 28. Januar 2004, 20:42

    Mir schwindelt :-)) Danke für die ausführlichen Infos.

    Gruss Marc
  • Harald Freis 28. Januar 2004, 20:24

    Sehr informativ.
    Und das mit der Schärfe : kann jedem mal passieren.
    :-)
    Gruss
    Harald