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An der Davids-Zitadelle von Jerusalem

An der Davids-Zitadelle von Jerusalem

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Karl-Heinz Wagemans


Premium (Pro), Krefeld

An der Davids-Zitadelle von Jerusalem

Im Jahre 24 vor Christus ließ Herodes der Große auf dem westlichen Hügel Jerusalems auf den Grundmauern einer älteren Anlage eine Festung mit drei massiven Verteidigungstürmen, um die Westseite der Stadt zu sichern. Die Festung diente als Bastion des westlichen Stadttors und des angrenzenden Herodespalastes in der neu errichteten Oberstadt. Als die Römer nach dem Jüdischen Krieg – in dessen Verlauf auch der Herodianische Tempel zerstört wurde – die Stadt schleiften, ließen sie diese drei Türme als Erinnerung an Jerusalems vormalige Größe stehen. In byzantinischer Zeit wurden zwei der Türme zerstört, der Sockel des Dritten ist bis heute am Jaffator zu sehen. Als Suleiman der Prächtige im 16. Jahrhundert eine Altstadtmauer erbaute, kam auch eine Zitadelle dazu. Diese erhielt 1665 auch ein Minarett, das heute Davidsturm heißt.
Trotz des Namens Davidszitadelle besteht kein Bezug zum biblischen König David. Die Namensgebung beruht auf einem Irrtum: In byzantinischer Zeit wurde aus den Aufzeichnungen des römisch-jüdischen Historikers Flavius Josephus fälschlicherweise geschlossen, das alttestamentliche Jerusalem habe auf dem westlichen Hügel – auf dem heute die Zitadelle steht – gelegen und der Turm Phasael so in Zusammenhang mit König David gebracht. Tatsächlich befand sich die Davidsstadt südlich des Tempelbergs und dem Berg Ophel. Die Muslime, die Jerusalem 637 eroberten, übernahmen diese Zuordnung und gaben Phasael den Namen Mihrab des Propheten David. Westliche Reisende, die Jerusalem im 19. Jahrhundert auf der Suche nach biblischen Spuren besuchten, glaubten – wiederum irrtümlich – in einem der Zitadelle im 17. Jahrhundert hinzugefügten Minarett besagten Davidsturm zu erkennen und übertrugen so den früheren Irrtum von Phasael auf eine osmanische Moschee.

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