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1981 drei Tage vor Weihnachten .......

1981 drei Tage vor Weihnachten .......

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1981 drei Tage vor Weihnachten .......

....... genau da bin ich abermals hängen geblieben bei der Auswahl meines Fotos für den heutigen Freitag.

Winter 1981 in Saalfeld
Winter 1981 in Saalfeld
Ralf Göhl

Nein ich konnte es einfach nicht übers Herz bringen. Nach dem ich bereits den winterlichen Nachschuß von 41 1150 hier gezeigt hatte sollte aber das andere Bild, ein paar Sekunden vorher geschossen, nicht unterschlagen werden.

Drückt dies doch die an dem Tage herrschende unheimliche Stille in der ruhigen kalten Winterstimmung aus. Unterbrochen nur von dem lauten bellen der 41er die den Bahnhof Saalfeld verlassenden mir immer näher kommt. Sachte versucht die Sonne den leichten Nebelschleier über dem Bahnhof zu durchbrechen in einen zärtlichen gelblich/rot. Zugleich einen herrlichen Kontrast bildend zur der aus dem Schornstein kräftig quellende Abdampffahne. Nahe zu majestätisch mit ihren schlanken Kessel, auf der rechten Seite leicht durch weißen Dampf ihr Triebwerk versteckend, nähert sie sich meiner Kamera.
Deuten könnte man ihre fordernde Aussprache in der Vorbeifahrt als, „ drücke drauf, drücke drauf “. Was ich natürlich tat und nicht nur einmal.

Der Tag wie auch die davor und danach waren von außerordentlicher Kälte geprägt.
Aber hier auch gut auszumachen das es so ist. An den über das ganze Foto sich ausbreitenden weltbekannten „Affenfelsen“. Wo verwunderlich kaum zu glauben kein Fan sich um das winterliche Treiben unten auf den Gleisen kümmert.
Unnatürliche Ruhe seltsamer weise denn nicht mal ein Auto poltert über die sonst so dicht befahrene B 281.
Doch der Eisenbahnbetrieb läuft unbeirrt, unverdrossen weiter unten auf den Gleisen in alle Richtungen.
Somit könnte man sich genauso gut mit dem damaligen Spruch der DB brüsten, „Alle reden vom Wetter, wir nicht“.
Selbst eine 119er versucht mitzukämpfen ohne unter zu gehen. Rollt nach den Gsp 1 (Fahrverbot aufgehoben) nun an den Start in den Bahnhof.
Ein Blick zwischen den beiden Loks ins Bw gaukelt einen zusätzlich Ruhe vor doch dem ist nicht gar nicht so.
Die Schlosser und Elektriker kämpften um jede einsatzfähige Lok unverdrossen denn so dicke sah es nicht aus mit dem was einen Zug in Bewegung bringt.
Zu allen Unglück am Tag zuvor und das stimmte mich sehr traurig hatte unbedachtes Lokpersonal meiner Ex Planlok 01 0522 erst entschärft. Einen Treibzapfen weggerissen weil die Experten eingefroren überaus unbedacht die Lok verfahren wollten.

Nun am 21.12.1981 waren mein Heizer und ich vorsorgehalber zur Reserve von 6.00 – 18.00 Uhr eingeteilt. Um sofort einzuspringen wenn es irgendwo klemmt oder nicht weiterging im Getriebe der DR so hieß die Parole.
Dazu bekamen wir als Werkzeug die 44 0115 in die Hände gedrückt. Mit deren Kraft war es möglich sowohl als ob alle Zuggattungen zu fahren. Vielleicht Höchstgeschwindigkeit benachteiligt bei E+D - Zügen mit ein wenig Fahrzeitverlust aber was auf der Strecke zugesetzt wird holt die 44er plus gutes Lokpersonal beim Anfahren heraus. Das zu beweisen brauchte wir an dem Tag nicht.
Nachdem die üblichen Arbeiten sowie eine Nachschau an der Lok erledigt waren, eben alles was dazu gehört, meldeten wir uns beim Lokleiter einsatzfähig. In der Hoffnung nun die Kantine besuchen zu können sich etwas aufzuwärmen bei heißen Kaffee und der obligatorischen Bockwurst.
Pustekuchen nix da, irgendetwas war mit der Lok für den E 802 faul die auch das Vorheizen der Verstärkereinheit ihres Zuges im Plan hatte. Also mussten wir in den saureren Apfel beißen raus fahren nach Gl 6 neben den bekannten Wasserkran im Bahnhof wo der Zug stand.
Alles Routine, der Ölöfen bollerte Dampf quälte sich sichtbar durch den ganzen Zug. Den Heizhahn am letzten Wagen noch mit Gefühl gedrosselt. Der Heizdruck steht bei 4 Dingern knapp vor dem roten Strich, ebenso das unser Heizungssicherheitsventil ja nicht abbläst.
Ein Kontrolldurchgang im Zug bestätigte mir wir haben unseren Auftrag erfüllt kein Reisender wird auf seine Fahrt nach Leipzig frieren müssen.
Heute würde man locker dazu sagen, ihr habt einen guten Job gemacht.
Für uns war es immer mehr als ein Job. Das Wort war für uns damals hinter den eisernen Vorhang genau genommen ein Fremdwort.
Berufung gepaart mit Eisenbahnerehre trieb uns an aber auch die Wirtschaftsprämie welche die Brigadekasse auffüllte. Diese wiederum finanziert ausgelassene Brigadeabende mit Familie, Wandertage, Bowling usw.
Ein Kantinengang, war ja nicht doch eine selbst mitgebrachte Knacker eingewickelt in Silberpapier auf dem heißen Wasserstand abgelegt verbreitete nicht nur eine Duftnote der besonderen Art im Führerstand sondern schmeckte uns beiden nun besonders gut.
Später dann über Lautsprecher krächzend wurden wir informiert abzuhängen und zurück ins Bw zu fahren.
Gesagt getan, so schlichen wir uns zurück um uns leise sowie unauffällig im Gelände abzustellen. Die Tarnung kann nicht so gut gewesen seien denn der Hofhund (Außenlokleiter) war uns schnell auf die Spur gekommen.
Zwischen Loks kam er gehetzt an in der Hand hielt er ein Schlüsselbund. Mündlich teile er uns mit die 44 0305 sollte wir schnellstmöglich zum Leben erwecken. Fertig nach der Reparatur stand sie kalt im Schuppen.
Jetzt ging es erst richtig rund dazu die Kälte, aber ehrlich lieber hätten wir in der Reserve mit der 44er Züge jeglicher Art egal in welche Richtung gefahren. Unsere Lok war abgeölt, mit allem versehen was man so braucht um durch die reizvolle Winterlandschaft zu gondeln.
Doch Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps oder auch die Arschlochskarte gezogen.

Ganz so wild war das Aufheizen nun auch wieder nicht denn es dauert seine Zeit bevor die Lok ihr eigenes Leben wieder hat. Die Nabelschnur (Heizkupplungen) zwischen beiden Lok 44 0115 + 44 0305 endlich gekappt werden kann.
Immerhin fand ich genug freie Zeit in den 12 Stunden Dienst sonst wäre es mir wohl kaum gelungen einige der herrlichen Winterfotos nebenbei zu schießen.

Ach ja, - überraschend am folgenden Tag wer hätte das gedacht war der Lokführer von 41 1150 meine Wenigkeit.
Mit der Lok waren wir noch bis zum 1. Weihnachtfeiertag voll aktiv im winterlichen kalten Rennen eingespannt.
Welches aber seinen Tribut forderte, so war uns durch was auch immer ein Bremshängeeisen abgerissen. Dabei sollte es nicht leider bleiben schließlich stellte ich noch einen Anriss an der rechten hinteren Kuppelstange bei meiner Nachschau fest.
Was zum vorläufigen unweigerlich aus bis zum Januar führte.

Ralf

Kommentare 9

  • Hartmut Wohlfarth 28. Februar 2010, 20:54

    Deine Zeilen lassen mich Schwelken und Reisen in die Vergangenheit, schwer aber schöööön war die Zeit !!
    VG Hartmut
  • Ralf Göhl 17. Januar 2010, 17:21

    Erfreulich das einigen meine Geschichten zusagten und ihnen aus dem Herzen sprechen die vom Alltag der vergangenen Deutschen Reichsbahn berichten.
    Vor und hinter den Kulissen.
    Bei all denen möchte ich mich für ihr Interesse herzlich bedanken.

    Na dann bis Freitag euer Ralf


  • Henning Gothe 16. Januar 2010, 11:19

    Danke Ralf, für Deinen äußerst unterhaltsamen Beitrag! Ich bin froh, einen Teil der Atmosphäre damals miterlebt zu haben!
    Henning
  • Steffen°Conrad 16. Januar 2010, 9:27

    Noch mehr als das Foto ( mit heutigem entsprechenden historischen Wert) gefällt mir die Geschichte.
    Als die Reichsbahner mit Berufsehre, Improvisationstalent und Fleiß den Winterverkehr aufrecht erhielten.
    Sie wurden vieleicht von der Mangelwirtschaft gebremst,
    auch so mancher Vorgesetzte war nicht der Idealfall-
    aber von Rendite, Einsparen von Wintermaßnahmen oder anderen neuwestlichen Begleiterscheinungen, ( Erscheinungen die das Wort Chaos durchaus verdienen), war nicht die Rede.
    Alles in allem das perfekte "Wort (und Bild) zum Freitag"
    vgconni
  • CyranoPuschkin 15. Januar 2010, 18:53

    ENDLICH mal wieder "Ein echter Göhl" !!!
    Historisches Foto + wunderbare "Insider-Story" ... !
    DANKE !!!
  • Gerhard Kerschke - g.k. 15. Januar 2010, 18:26

    @Ralf, nicht nur deine Wirklich anschaulichen Reichsbahnfotos, auch deine Erinnerungstexte dazu sind immer seh- und lesewert;
    Thema Winter: Damals hatten wir uns auf den Winter mit Schnee vorbereitet und heute, wenn 3cm Schneehöhe ist sind die meisten schon überfordert und Wintervorbereitung hatte ich am 03. und 05. in Wittenberge gesehen, als die Weichenheizungen das zuwehen nicht mehr geschaft hatten und keiner mit dem Besen zu sehen war; Bei der PEG lief es fast so wie ohne Schnee;

    Grüße von Gerd
  • Cherrybalou 15. Januar 2010, 13:49

    Schönes Erinnerungsfoto und dazu eine rührende Geschichte !!!
    Grüße, Frank
  • Klaus Kieslich 15. Januar 2010, 12:43

    Wow,eine erstklassige Präsentation
    Gruß Klaus
  • Oliver Seitz 15. Januar 2010, 12:16

    Tolle Erinnerung - und die passende Geschichte. So etwas vergisst man nicht ...

    Oliver