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Frühling vor 27 Jahren 1980 von Ralf Göhl

Frühling vor 27 Jahren 1980


Von 

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16.03.2007 um 11:21 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures © by the senders.
Ja, ich hatte es euch versprochen, die schönen kalten Winterbilder ab sofort wegzustecken.
Ob das wohl richtig war?

Seit Tagen schon der schönste Sonnenschein, alle möglichen Blumen zeigen sich mit ihrer herrlichsten Färbung.
Nicht nur das erste zarte Grün der Wiesen, Sträucher und die dieses Jahr sehr früh die einsetzende Baumblüte läßt das Einheitsgrau verschwinden.
Die Natur erwacht in ihrer Vielfältigkeit, verstreut die wunderbarsten Farbschattierungen über das Land.
Merkbar schon, die Tage sind länger hell, es geht wieder aufwärts.
Das sogenannte Frühlingsgefühl erwacht in den Menschen sowie in der Natur.

Wir drehen die Zeitmaschine zurück um 27 Jahre, also auf das Jahr 1980.
Ein Jahr voller Überraschungen für das Lokpersonal im Bw Saalfeld, ausgelöst durch wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Weg vom knappen Öl der Russen zurück zur Kohle, die als solche nur am Anfang als gut bezeichnen werden konnte.
Dann sich schnell in den „Blumenerde“ aus Kostengründen verwandelte.

Das war noch die "Gute Laune Kohle" ganz zum Anfang der aufflammenden Rostlok Epoche.
Warten auf den Zitteraal von Ralf Göhl
Warten auf den Zitteraal
Von
20.10.06, 11:32
17 Anmerkungen

Öl oder Kohle, die Eisenbahnfreunde jedenfalls waren entzückt über den Wechsel der Loks im Bw Saalfeld. Bereits abgeschriebene als Heizloks eingesetzte Maschinen aber auch die als 01 Museumslok erkorene 01 204 mußte bei uns wieder antreten.
Heizer wurden gesucht, da ganz schnell einige die auf den bequemen Öler sich eingerichtet hatten beim Bahnarzt vorsprachen. Mit einen Attest in der Tasche vom Doktor sich zurück meldeten.
Die Kampfreserve der Partei, junge Schlosser und Elektriker aus der Werkstatt mußte die Lücken füllen.
Also waren die Rostloks zu Anfang noch mit 3 Mann besetzt um die neuen auf der Kohlelok auszubilden.
Auffällig merkbar vermehrte sich an der Strecke und im Bahnhof die Anzahl der Jäger aus aller Welt mit ihren Kameras.
Gleich zwei oder mehr Fotoapparate hingen da um den Hals, standen auf Stative geschraubt herum. Ausrüstungen mitunter wie bei einem Pressefotografen.
Nicht nur meine Freunde Hal aus Holland, Dieter aus Offenbach versuchten den Sound der Dampfer einzufangen.
Um der Nachwelt zu erhalten was eine Dampflok unter Dampf ausmacht, so zu sagen ihre Aussprache zu verewigen.
Wenn es mir angetragen wurde gab ich mein bestes dazu.
Aber der Schalk überkam mich hin und wieder doch, in dem ich lächelnd an der Reißleine von einen der drei Sicherheitsventile zog.
Es muß mörderisch seien, mitunter sehr schmerzhaft was da über den Kopfhörer ans Ohr gelangt.
In der Kneipe beim Bier später dann habe ich natürlich eine Runde ausgegeben.


Schwierigkeiten hin oder her den Frühling hielten sie 1980 jedoch nicht auf wie wir sehen können auf meinen Foto mit der Kirschblüte im Bild.
Ein Blick über die 01 läßt uns das erste Grün aber auch noch mehr Bäume die zu blühen beginnen erkennen.
In der Mitte steht der Star, stolz auf seinen 2 Meter großen Treibrädern, umrahmt von dem was uns die Natur da in Szene gesetzt hat
In der Licht spendenden Frühlingssonne sich sichtbar wohl fühlend die 01 1512 in ihrer neuen Heimat.
War sie doch die erste vor kurzen als Kohle gefeuerte 01 aus der Hauptstadt der DDR gekommen ins Thüringer Land.
Nun sollte die 01 1512 nach ihren Gnadenbrot Einsätzen als Heizlok noch einmal zeigen was in ihr steck, dass sie überhaupt noch nicht zum alten Eisen gehört.
Schaut ich mir mein gutes Stück so an verbreitet sie da in Wartestellung einen ausgesprochenen Wohlfühl – Ausdruck.
Köchelt so vor sich hin mit leichten schwarzen Rauchschwaden aus dem Schornstein.
Ihre Kohle auf den Tender ist schlechter als die auf der Ladestraße herum liegt.
So kommt schon der heimliche Wunsch auf, mit einen der nutzlos in der Gegend herumstehenden Förderbänder, schnell wenn’s keiner sieht was auf zu laden.
Keine Sorge die 01.5 frißt den Dreck ohne dumm zu tun, mit einem Nachteil bei jeder Schippe quillt es schwärzer aus den Schornstein.
Der P 4009 mit ein Wagenzuggewicht von nur 169 Tonnen und den 67 Kilometern bis Saalfeld ist für so eine Lok nur Spielerei. So hat es auch an dem Tage keine Probleme gegeben.
Der Eisenbahnfotograf wird es gleich erkennen, faßt auf Bellingrodt – Stellung, hatte ich mir die Lok gefahren.
Wollen nicht pingelig seien 2 cm nach vorn dann hätte es gestimmt.
Die bekannte gute Saalfelder Lokpflege ging unter in den durcheinander der damaligen Ereignisse.
Mein Führerhaus wischte ich mit einen Öllappen ab so das ein wenig schwarz durch kam.
Der Heizer ist immerhin dabei die Anschriften der Lok wieder sichtbar werden zu lassen.
Planlok Einsatz fand eben nicht statt, so z. B. waren wir am Vortage noch mit der 01 1518 die Tour D 504 gefahren.

Dem freundlichen Frühlingswetter sei Dank wurde es ein immerhin historische Foto das die vergangene Zeit mit dem rauf und runder gut widerspiegelt.

Die Kirschen werden wie jedes Jahr Rotglänzende Backen bekommen dazu einen herrlich süßen Geschmack.
Spätestens dann wird die vielseitig zu verwendende Mütze der Lokpersonale, wie es Bernd einmal in einer Geschichte beschrieben hat, zum Einsatz kommen.
Eisenbahner sind immer auch Jäger und Sammler mit einer gewissen Schlitzohrigkeit gewesen.

Ralf

Anmerkungen:

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Bernd Kauschmann, 16.03.2007 um 13:06 Uhr

Es war schon eine verrückte Zeit damals, als keiner so richtig wusste womit am nachsten Tag gefeuert wird. Die Improvisation hat aber immer wieder einigermaßen funktioniert. Man war es eben gewohnt in fast jeder Beziehung.
Ich habe mich jedenfalls auch gefreut, die altbekannten "Gesichter" von der Berlin- Dresdener Strecke noch einmal im Betriebsdienst zu sehen.
In Dresden hatte man damals einen Schnitt gemacht. Leistungen unter der Würde einer Schnellzuglokomotive wollte man den Maschinen nicht antun. Nun kam es, aus der Not geboren, doch dazu.
Ich erinnere mich an den Ausspruch eines Berliner Lokführers in der Elsterwerdaer Kantine. "Da kann man ja die Schwellen zählen", maulte er, als sie mit der Bockreserve einen Leerwagenzug gebracht hatten. Außerdem möchte ich noch sagen, dass es in Saalfeld wenig Maschinen gab, denen man nicht das Bemühen um äußere (nicht nur) Pflege ansah.
An die 01 512 habe ich Erinnerungsstück, es ist etwa 85x20cm groß und garantiert echt.
Ja, und der Frühling... Das Unterwegssein fehlt. Jeden Tag etwas anderes sehen, erleben und etwas Schönes war immer dabei. Arbeit soll Spass machen... ist für viele leider auch Vergangenheit
Liebe Grüsse Bernd



Klaus Kieslich, 16.03.2007 um 14:49 Uhr

Wieder eine ganz tolle Präsentation !!!!!!
Gruß Klaus



Thom@s Jüngling, 16.03.2007 um 15:42 Uhr

Ralf, tue bitte allen Eisenbahnfans und Geschichtsinteressierten einen Gefallen und schreib' deine Erlebnisse in einem Buch nieder - es wäre eine unverantwortliche Verschwendung, diese Geschichten im Archiv vergammeln zum lassen und sie dem Vergessen auszuliefern.

Ich sehe bei euch "Alt-Eisenbahnern" (deren Zahl hier zum Glück stetig steigt) immer wieder Dinge, die mir bisher fremd waren. Eine Reko-01 mit Rostfeuerung ist mir bisher kaum untergekommen. Gleichzeitig staune ich, dass man diese schwere Maschine mit 169 Tonnen abspeist...da wiegt die Lok ja mehr als der Zug.

Was mich aber wirklich begeistert ist, dass man im anstrengenden Eisenbahn-Alltag auf der Dampflok sich noch die Zeit genommen hat - und überhaupt das Interesse hatte - seine Lok optisch ansprechend abzulichten. Das ist wohl das, was den Unterschied zwischen Beruf und Berufung ausmacht - man spürt die Leidenschaft, die selbst bei der harten Arbeit dabei gewesen sein muss!

Gruß Thomas



Ettore Palatino, 16.03.2007 um 17:17 Uhr

Die 1512 hab ich auch noch gesehen 82 ,aber meine
Bilder kann ich hier nicht bringen.Das hier ist sehr schön
getroffen mit den Blüten im Vordergrund.Passt jetzt zum
hoffentlich kommenden Frühling.
v.G.Ettore



Gerhard Jacobs, 16.03.2007 um 18:55 Uhr

Hervorragendes Bild!!

VG Gerhard



Hans Niemann, 16.03.2007 um 22:20 Uhr

Wieder ein schönes Foto von Ralf. Die Geschichten sind schon Interressant, aber ein Buch zu veröffentlichen ist nicht so einfach. Was hilft es wenn 20 Fans es sich wünschen, es muß eine hohe Auflage sein das es sich lohnt, sonst übernimmt kein Verlag den Druck.
LG Hans



Rolf Diesing, 16.03.2007 um 23:52 Uhr

Das Bild und die Geschichte sind wieder erste Klasse... Die schöne Lok - zu dieser Zeit mit Rostfeuerung eigentlich eher ein "Notstopfen" für die Energiekriesen - gefeuert mit Lausizer Braunkohle 2.Wahl. Was muss das eine elende Heizerei gewesen sein, wenn es mit Steinkohle schon nicht einfach ist, eine 01 unter Last auf Druck zu halten. In den Tendern der Museumseisenbahnen sieht man ja - zum Glück für die Heizer - heute nur gute Fettkohle schimmern.

Einen heimischen Kohleofen zu befeuern ist sicher nicht mit einer 01 vergleichbar aber daher bekannt ist mir der Unterschied im Brennwert zwischen den "Brikett" oder auch "Klütten" wie man hier sagt, und den teureren "Eierkohlen" aus Antrazitkohlestaub. Mit Braunkohle bekam ich mein damaliges Wohnzimmer nur durch "stochen" richtig "warm", mal abgesehen von der Schlepperei um die schweren Klütteneimer aus dem Keller nach oben zu kriegen. Mit den Eierkohlen wurde es auch bei eisigem Frost fast von selbst "schön warm" und das Feuer hielt die ganze Nacht durch. Dank moderner Zentralfernwärme und wartugsarmer Öl/Gasbrenner in wärmegedämmten Häusern eine Erfahrung, die heute auch nicht mehr selbstverständlich ist.

Es is dir wieder ein mal gelungen, Ralf. :)

Gruß Rolf Diesing



Rothauge, 17.03.2007 um 2:04 Uhr

Deine Erzählungen les ich immer wieder gerne mit den Bildern!

GM



Ralf Göhl, 17.03.2007 um 16:53 Uhr

Verrückte und doch schöne abwechslungsreiche Zeiten waren es 1980 bei der DR, die noch bis 1981 anhielten.
Bernd wird mir recht geben, der Mensch gewöhnt sich an alles.
@Thom@s, - mit dem Buch schreiben verhält es sich so wie Hans darüber schreibt.
Aber man sollte nie, nie sagen.
@Rolf D., - glaube mir wir sind mit den unterschiedlichsten Mist an Kohle gefahren vorwiegend Abraum von Polen oder Rußland.
Aber nie mit Braunkohle da hätten wir aufs Brett gesch.....(Die alten Herren haben davon erzählt, das war noch vor 1960 als ich bei der DR angefangen)
Ständig wären die Rohre zu gewesen usw.
Wie ich geschrieben hatte entwickelt der Rekokessel der 01 der extra für schlechte Kohle ausgelegt ist damit gut Dampf.
Früher mit den alten Preußen (P8, G12, T14) das war ein harter Kampf bei solcher Kohle um noch Wasser und Druck zu bekommen.
Da schreibst Du von Museumseisenbahnen mit guter Kohle.
Teilweise gebe ich Dir recht, doch ich habe noch erlebt das die gut aussehende Kohle gar nicht so gut war.
Mehr über das Thema Kohle kann Erich sagen.
Sachen sind da geschehen die ich bis dahin noch überhaupt nicht gekannt hatte.
Die Roststäbe sind weggeschmolzen oder weg gebrannt.
Allein die Sorte und deren Zusammensetzung ist wichtig.
Um noch mal zu den alten Preußen zu kommen, am besten sind wir mit einer Mischung von 1:1 gefahren.
Förderkohle = Brikett und eine gekonnte Feuerführung hatten sich gut bewährt für die langen schmalen Feuerbüchsen.
Danke für euere Aufmerksamkeit und ein schönes leider verregnetes Wochenende wünscht allen
Ralf



Wolfgang Graßl, 17.03.2007 um 20:03 Uhr

Ja, der Frühling... hoffentlich kommt er bald, hab die Nase voll vom Winter, der keiner war. Und wieder ein schönes Bild von Dir.
Viele Grüße, Wolfgang



Uli Blankenhorn, 17.03.2007 um 20:14 Uhr

Ein schönes Zeitdokument mit einer wunderbaren Geschichte drumherum. Sehr interessant deine
Erklärungen. VG Uli



Steffen Conrad, 18.03.2007 um 7:39 Uhr

Ein malerisches Frühlingsbild-
die Lok wird filigran und wuchtig darin-
Deine Geschichte ist wieder voller Kleinigkeiten des damaligen Alltages ..die man fast vergessen hatte...

Hat man euch auch mit Donezkohle geärgert-
ein alter Kollege im meinem Verein schimpfte mächtig über diese...
Vg Steffen




Michaela Heckers, 18.03.2007 um 19:08 Uhr

Ein Frühlingsbild der etwas anderen Art... ;-)
Faszinierend, weil so nicht mehr im Gedächtnis, finde ich den direkten Größenvergleich zwischen dem kleinen Menschlein und der Maschine, die so friedlich vor sich hinqualmt und nur andeutet, zu welcher Kraftentfaltung sie fähig ist...
LG, Michaela



Matti Geist, 18.03.2007 um 22:01 Uhr

Das Motiv! Ich hab schon in der Bildvorschau gesehen, daß das nur Camburg sein kann... Das inspiriert mich doch gleich , in der Kiste zu wühlen nach Kohle 01-Bildern. Oder besser nicht? Ich denk da noch an die Doppelung der vorletzten Woche...
Gruß
Matthias



Gabriele Schachoff, 20.03.2007 um 23:21 Uhr

Ein wunderschönes Bild und dazu eine interessante Geschichte, vileen Dank dafür.
Da spürt man wirklich die Liebe zu Deinem Beruf und den Maschinen.



Lutz68, 12.06.2010 um 15:14 Uhr

Sehr schön !!


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