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Was ist neu?

Dirk Hofmann


World Mitglied, Eitorf

I'm a little bit famous now???

Sonntag, 13. April 2003

Nachdem sich so viele Menschen für die Geschichte von Bubba (Sorry ... hatte den Namen bei unserem ersten Treffen falsch verstanden) interessiert haben, wollte ich ihm Gelegenheit geben, sich direkt an Euch zu wenden.

So bin ich heute Nachmittag an seine Kreuzung gefahren und habe ihm erst einmal kurz berichtet, welche Resonanz sein Bild und seine Geschichte hier gefunden haben. Als ich ihm von den inzwischen fast 2500 Klicks erzählte, lächelte er ein wenig und meinte: So I'm a little bit famous now!

Ich schlug vor, gemeinsam etwas essen zu gehen und wollte ihm dann eure Anmerkungen zeigen. Schlitzohrig wie er zu sein scheint, wies er mich nicht gerade indiskret darauf hin, dass er ja in dieser Zeit einen heftigen Verdienstausfall habe ... ;-) ... Ich mag es wenn die Menschen nicht allzu lange drumherum reden und 10$ wechselten aus meiner Börse in die Tasche seiner Weste ...

Wir fuhren dann gemeinsam in ein McDonalds Restaurant. Schon als er sich in meinen Wagen setzte merkte ich, dass seit unserem letzten Treffen (und wer weiss wie lange vorher schon) kein Wasser -geschweige denn Seife - seinem Körper auch nur nahe gekommen wäre.
Für die Passanten war das sicherlich ein seltsamer Anblick, dieser Obdachlose in einem Cabriolet ...

Als wir angekommen waren bot ich ihm an, essen zu können, was er wolle. Er wollte lediglich ein Big'n'tasty - Menü, was ich mit einem weiteren Burger aufstockte.
Während er seinen Burger aß, habe ich ihm die wichtigsten Passagen Eurer Anmerkungen übersetzt.

Er war genauso oft sprachlos, wie Ihr es wart und einige Male liefen ihm Tränen in seinen verfilzten Bart ...

Wir wurden unterbrochen, von einem anderen Obdachlosen, der draussen vor dem McDonald's Playland stand und uns auf spanisch ansprach ... Ich verstand kein Wort ausser "Taco ...". Jetzt passierte etwas, mit dem ich nie gerechnet hätte: Bubba griff sich den Extra-Burger und durch den Zaun streckte sich eine Hand gierig danach, um als sie ihn hatte blitzschnell zu verschwinden.
Als ich meine Kamera hochgerissen hatte, druckste sich der Unbekannte hinter einem Plakat herum und fragte: "Police?" ... Ich beruhigte ihn, aber wie man unten sieht, traute er mir doch nicht ...

Nachdem ich Bubba meinen Respekt für dieses Teilen ausgesprochen hatte, bat ich ihn, seine Antworten direkt an Euch zu wenden:

""Hallo Fotocommunity!

Ich habe mir dieses Leben nicht ausgesucht. Nachdem ich mir meinen Rücken gebrochen hatte, konnte ich nicht mehr arbeiten. Noch heute kann ich schwere Dinge nicht mehr heben ... Ich kann nicht dafür, dass ich bin wie ich bin ... Als ich nicht mehr arbeiten konnte gab es niemanden, der sich noch für mich interessierte ... heute verachten die Leute mich für das, was ich bin. Einige werfen mir Kleingeld aus dem Wagen auf meine Verkehrsinsel, andere drehen ohne einen Blick die Fenster hoch ...
(Frage an mich: Ich bin also wirklich berühmt ... ein kleines bischen? Ja, in der Community schon ...)
Ich tue was ich kann, um die Army zu unterstützen ... ich habe keine Ansprüche an die Army ... habe meine Zeit dort gedient und das war es ... Wahrscheinlich werden tatsächlich die Helden von heute morgen wie ich auf der Strasse leben ... sie müssen Arbeit finden, wenn sie zurück kommen ...
Ich unterstütze die Truppen und die Regierung ... Die Regierung bewahrt uns vor Terroristen. Es ist besser, wenn wir in ihrem Land kämpfen und nicht in unserem.
Natürlich würde mir Geld helfen .... aber die Regierung braucht auch Geld um zu kämpfen. Aber ich stimme zu ... ich bräuchte auch einiges davon ... vielleicht könnte ich dann ein Haus kaufen ... ""

Er erzählt noch, dass er keine wirkliche Familie mehr hat ... Ein Bruder und eine Schwester leben in Houston, aber die wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Bubba war nach dem Tod seines Vaters im letzten Jahr nach Houston gefahren (Freunde hatten ihn mitgenommen ... wer bleibt sein Geheimnis) und seine Schwester gesehen. Sie hat ihm eine grosse Mahlzeit zubereitet, aber schlafen durfte er nicht bei ihr ... Sie hat ihren Mann beauftragt ihn hinaus zu komplimentieren ... Er schlief damals unter einer Brücke ...
Das Rückfahrticket, immerhin 84$, hat ihm eine Kirche bezahlt. Er ist mit dem Bus aus Houston nach El Paso gefahren und hat vom Priester noch 7$ bekommen, um unterwegs etwas essen zu können.

Auf der Rückfahrt sagte ich ihm noch einmal, dass mich die Geste mit dem Burger sehr beeindruckt hat ... Ich fragte, ob sich die Obdachlosen untereinander helfen. Er antwortete, dass er helfe, wo er könne, doch er schliefe immer alleine.

Ob er Angst vor davor habe, ausgeraubt zu werden?

Nein, ich habe Angst umgebracht zu werden ... Ich habe einmal einen Jungen gefunden ... gleich unter der Brücke dahinten ... der lag da inmitten seines Blutes ... eine grosse Pfütze ... ich habe ihn gegen den Ellbogen getreten, um zu sehen ob er noch lebte ... aber er war tot. Die Polizei hat uns damals alle verhaftet und für zwei Tage festgehalten ... Später haben sie zwei Leute wegen Mordes an dem Jungen in San Antonio festgenommen. Einer der Festgenommenen hatte immer noch die Börse des Toten bei sich ...

Auf meine Frage, wie lange er noch glaubt auf der Strasse leben zu müssen:
Wahrscheinlich für immer ... eines Tages werden sie mich finden ... tot in meinen Zelt, unter einer Brücke oder in einem Feld ...





"... we'll kick Saddams ass ..."
"... we'll kick Saddams ass ..."
Dirk Hofmann

Kommentare 16

  • Dennis Nelke 29. August 2003, 9:19

    Finde die Fotos und besonders die Geschichte gut gelungen..........vielleicht solltest du wirklich zur Presse gehen oder mal ein Buch schreiben :-)
  • Peter F 20. August 2003, 21:40

    good luck old buddy
    schöne story
    gruss peter
  • Hoch- Und Querformat 10. August 2003, 0:31

    @Dirk:
    Danke für die Story - macht echt nachdenklich!
  • Markus Benk 14. April 2003, 13:35

    Auszug aus der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung:

    We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.—That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed.—That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, it is the Right of the People to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying its foundation on such principles and organizing its powers in such form, as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness.

    Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich, dass alle Menschen gleich geschaffen worden sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, zu denen Leben, Freiheit und Streben nach Glück gehören; dass zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingesetzt sind, die ihre rechtmäßige Gewalt von der Zustimmung der Regierten herleiten; dass, wenn immer eine Regierungsform diesen Zwecken verderblich wird, es das Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen und diese auf solchen Grundlagen aufzubauen und ihre Gewalten in solcher Form zu organisieren, wie es ihm zur Gewährleistung seiner Sicherheit und seines Glücks geboten scheint.

  • Der Roman 14. April 2003, 11:48

    Hi Dirk und die anderen,
    beeindruckt hat mich hier vor allem Deine (Dirk) Herangehensweise. Du zeigst uns einen Menschen der "unteren 10000" ohne etwas wegzulassen oder hinzuzufügen. Nicht zuletzt durch Deine Bildunterschrift, das Erlebte mit Bubba, verleihst Du dem Gesamtwerk (Bild + Story) eine wirkliche Authentitität.
    Sinnvolle Diskussionen über das weltpolitische Geschehen werden dadurch gefördert.
    ThanX

    Many regards
    Roman

    PS: Traurig aber wahr, wie sonst als so sollte Bubba zu den aktuellen Geschehnissen und seiner Regierung (Regierungstruppen) stehen. Sie sind doch nicht diejenigen die Seinesgleichen (unmittelbar!!!) ermorden. Auch das sollte zu denken geben.
  • Egon Vellusig 14. April 2003, 9:49

    @Dirk: Na ja, es gibt nicht allzuviel, was man in El Paso machen kann :-).
  • Dirk Hofmann 14. April 2003, 9:29

    hahaha ... egon ... na, du bist lustig ... grins

    sagen wir es einmal so: wenn ihr wüsstet, was ich beruflich mache, würde dem ein oder anderen beim betrachten meiner bilder sicher der mund offen stehen bleiben ... grins

    dennoch ehrt mich das kompliment sehr ... danke dafür!

    und den usern, denen ich in einem anfall von jugendlichem leichtsinn schon einmal verraten habe, womit ich meine brötchen verdiene, sei auf diesem weg ein symbolischer maulkorb verpasst ... grins

    ihr würdet heftig den kopf schütteln ... glaubt mir ... ;-)

    gruß
    dirk
  • Egon Vellusig 14. April 2003, 9:25

    Hm, ich weiß ja nicht was Du von Beruf bist. Aber hast Du Dir nicht schon mal überlegt, eigentlich den falschen Beruf ergriffen zu haben :-)? Was Du hier betreibst ist Journalismus von der besten Sorte und Du hast die Gabe das Gesehene so rüber zu bringen, daß die Betrachter und die Leser davon wirklich berührt werden.

    Schöne Grüße, Egon
  • Blende EinsAcht 14. April 2003, 9:01

    !!! (
  • Günter Rolf 14. April 2003, 8:39

    Hi Dirk,
    Den Anfang dieser Geschichte hatte ich leider verpasst.
    Desshalb hatte ich eine Menge zu lesen.
    Sowohl die Bilder samt Beschreibung, als auch die Anmerkungen haben mich beeindruckt.

    lg Günter
  • Steffen S. 14. April 2003, 8:08

    Eine gute, beeindruckende und anrührende Doku.
    Mehr möchte ich nicht dazu sagen.

    LGS
  • Dirk Hofmann 14. April 2003, 7:45

    hallo oliver ...
    hatte gehofft, dich hier zu sehen ... :-)
    ja, habe ich ... in der tat ... nicht nur die nettigkeiten, sondern auch die harschere kritik.

    ich habe (und das meine ich jetzt nicht böse) einige male versucht, ihn gerade mit deinen kommentaren aus der reserve zu locken ... aber egal wie: der mann ist nicht von seiner position abzubringen ...
    einen konkreten hinweis auf deine anmerkungen findest du in seiner antwort, dass er sicher auch geld gebrauchen könne, aber die regierung brauche ja genauso geld, um den krieg führen zu können ...

    genau diese thematik versuche ich mit den bildern von der strasse, oder veranstaltungen wie der totenehrung vom freitag herübner zu bringen: die amerikaner denken in vielen belangen absolut unterschiedlich ...

    mit bekannten aus der ehemaligen ddr, die auch hier in el paso sind, habe ich vor einigen tagen gemeinsam festgestellt, dass die indoktrierung hier sich nicht wesentlich von der damaligen unterscheidet ... hier wird sie aber vermutlich noch viel intensiver zu hause fortgesetzt, als in der ddr ...

    ich sehe vielleicht ein wenig zu schwarz ... aber ich verstehe das geschehen in der welt von tag zu tag besser, weil ich merke, dass die amerikaner in grossen teilen wirklich hinter dem stehen, was gerade geschieht ...
    selbstverständlich spreche ich hier nur von meinen persönlichen und subjektiven eindrücken!

    gruß
    dirk
  • Willi Maltzahn 14. April 2003, 7:22

    @dirk

    ja mach das vielleicht hilft das schon irgendwie weiter !
  • Dirk Hofmann 14. April 2003, 7:19

    die idee ist sehr nobel willi ...
    allerdings wäre das hier ein fass ohne boden ...
    ich bin ein klassisches landei ... komme ungelogen aus einem 170-Seelen-Ort ... obdachlose kannte ich nur aus dem fernsehen, weil sie in deutschland häufig aus den fussgängerzonen entfernt werden ... hier trifft man sie an jeder grösseren Kreuzung ... ungelogen ... an jeder!
    vor einiger zeit habe ich hier einen dänischen franziskanermönch kennen gelernt, der eine indianer-mission mit anderen geistlichen zusammen betreibt ... vielleicht kann ich von ihm erfahren, ob und wie man wirklich sinnvoll helfen kann ...
    dirk
  • Willi Maltzahn 14. April 2003, 7:12

    Gibt es vielleicht einen Weg wie man helfen könnte ?

    Tja leute also, wenn jeder von uns, der für die 2500klicks verantwortlich ist sagen wir mal 1€ oder 2€ spenden würde denke ich wäre es ein kleiner Anfang !

    Gruß

    Willi

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