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"Black Eye - Galaxie" - M 64 - Coma Berenices II

"Black Eye - Galaxie" - M 64 - Coma Berenices II

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Helmut - Winkel


Premium (Basic), Freudenberg

"Black Eye - Galaxie" - M 64 - Coma Berenices II

Aufnahmedaten : M64 Coma Berenices

Aufnahmedatum : 23.4.1987
Aufnahmeort : Freudenberg i. Südwestfalen
Instrument : 8 Zoll-SC-Teleskop
Blende : 10
Öffnung : 200 mm
Brennweite : 1140 mm
Kamera : Tiefkühlkamera
Film : Kodak Ektachrome 200 Prof.
Filter : -
Belichtungszeit : 15 Minuten
Entwicklung : E-6-Prozess, 6 Min./38°C
Ausschnittvergrößerung : 6 X
Bearbeitung : Adobe Photoshop 6.0

Im Jahre 1779 entdeckte Johann E. Bode die Galaxie
M 64. Er erkannte in ihr aber nur einen "kleinen, nebel-
haften Stern". Ein Jahr später stiess Charles Messier
auf dasselbe Objekt und verzeichnete es unter der
Nummer 64 in seiner Liste.
Die Struktur von M 64 ist sehr ungewöhnlich. Sie wurde
von einigen als Hubble-Typ Sa und von anderen als Sb
klassifiziert. Die Spiralarme zeigen eine wunderschön
feine und einheitliche Struktur ohne Spur einer Auflö-
sung in Sternenwolken oder Nebelknoten.
In der Zentralregion macht sich plötzlich eine gewaltige
Staubwolke bemerkbar und fasst die ganze nördliche
und östliche Seite des Zentrums ein. Dieser Staub-
wolke verdankt die Galaxie den Namen Blackeye:
Die einen sehen im Kern das Lid eines geschlos-
senen Auges und in der Dunkelwolke die langen,
geschminkten Wimpern; für die anderen ist die
Dunkelwolke eine dicke, buschige Augenbraue
und der Kern das Auge, das einen anblickt. Im
deutschen Sprachgebrauch bedeutet "black eye"
"Schwarzes Auge".
Auf Fotografien von Grossteleskopen zeigt die Staub-
wolke viele feine Details und bricht dann auf in eine
komplizierte Region von gemischter dunkler und
leuchtender Materie, welche die Zentralregion um-
randet.
D'Arrest glaubte, das Zentrum teilweise aufgelöst zu
sehen, während Lord Rosse die hellen Flecken als
einen nahen Sternhaufen von kleinen Sternen inter-
pretierte.
Die wahre Natur von M 64 wurde erst kürzlich entdeckt:
In der Galaxie rotieren zwei unabhängige Scheiben in
unterschiedlicher Richtung!
Beobachtungen mit dem Very Large Array in New Mexico
und dem Westerbork Synthesis Radio Telescope in den
Niederlanden zeigten, dass neutraler Wasserstoff in der
Kernregion von M 64 andersherum rotiert als der Rest
der Scheibe. Wo die beiden Scheiben sich aneinander
reiben, verliert das Gas an Drehimpuls und stürzt in den
Kern der Galaxie. Dieser Prozess ruft die eigenartige
Struktur hervor. Er ist auch nicht stabil, sondern wird,
so schätzt man, in etwa einer Milliarde Jahren enden.
Zu dem Zeitpunkt wird alles Gas aus beiden Scheiben
ins Zentrum gefallen sein und dort erneute Sternent-
stehung anregen.
Es wird vermutet, dass die Galaxie eine Gaswolke,
vielleicht eine kleine elliptische Zwerggalaxie, einge-
fangen hat. Dieses Material besass ungeordnete Be-
wegungen und verursachte eine konträre Rotation der
inneren Scheibe. Das System stabilisierte sich über
einen Zeitraum und Sterne konnten sich bilden. Sol-
che gegenläufige Scheiben sind äusserst selten.

Ein weiteres bekanntes Exemplar ist die junge ellipti-
sche Galaxie NGC 4550 im Sternbild Virgo.
Die genaue Entfernung von M 64 ist nicht präzise ermit-
telt worden, aber sie scheint bei ungefähr bei 20-25 Mil-
lionen Lichtjahren zu liegen. Die Rotverschiebung liegt
bei 420 km/s, was etwa ein Drittel des Wertes für eine
typische Galaxie des Virgohaufens ist. Der scheinbare
Durchmesser von 9.2' entspräche dann 60'000 Licht-
jahre. Andere schreiben M 64 eine Entfernung von 44
Millionen Lichtjahren zu, was etwa den doppelten
Durchmesser zur Folge hat.
Das Licht von M 64 ist etwas gelblicher als das von
vielen anden Spiralgalaxien, die integrierte Spektral-
klasse ist etwa G7.

Kommentare 14

  • Trautel R. 19. Februar 2010, 7:43

    dieses motiv wirkt besonders geheimnisvoll auf mich.
    lg trautel
  • Josef Käser 2. Mai 2008, 8:12

    Hallo Helmut

    Wenn ich bedenke mit welcher Technik Du damals vor bald 20 Jahren diese Galaxie fotografiert hat, so ist Dir meine grosse Hochachtung gewiss.
    Heute ist es ja vergleichsweise einfacher, wenn auch immer noch anspruchsvoll.
    Ich danke Dir für Deine stets geschätzten Kommentare zu meinen Bildern.

    Ein schönes WE und LG Sepp
  • Fritzla 15. März 2007, 23:46

    Cool gemacht, sieht aus wie ein strahlendes Ufo, Helmut!
  • Mick-el-Angelo 13. März 2007, 18:31

    Und schon bin ich wieder schlauer, die Frage nach der Tiefkühlkamera beim vorigen Foto aus dieser Reihe hat sich somit erledigt.
    LG, Michael
  • Helmut - Winkel 13. März 2007, 18:06

    @Bettina Stein-Stelter
    Erklärung zur Tiefkühlfotografie:
    Durch starke Abkühlung der Filmschicht bis -40°C ( mit CO2/ - 78C° ) kann deren Schwarzschildverhalten beeinflußt werden. Besonders Farbfilme haben die ungünstige Eigenschaft, daß sie bei längeren Belichtungszeiten die Farben nicht mehr naturgetreu oder so gut wie gar nicht mehr wiedergeben. Dieser Effekt liegt an dem unterschiedlichen Schwarzschildverhalten der einzelnen Farbschichten, der bei Langzeitbelichtungen zu mehr oder weniger ausgeprägten Farbverschiebungen führt. Durch die starke Kühlung der Filmschicht während der Aufnahme, können diese Effekte verbessert bzw. aufgehoben werden.

    Verschiedene Amateure haben den Bau einer Tiefkühlkamera beschrieben. Durch den hohen technischen Aufwand ist die Tiefkühlfotografie unter Amateuren heute allerdings nicht mehr weit verbreitet. Sie wurde erst durch die Gashypersensibilisierung, später dann durch die Digitaltechnik abgelöst.

    Damals, in den achtziger Jahren, gab es sogar eine Tiefkühlkamera von Celestron (Celestron Williams cold camera), die ich im 35mm - KB - Format verwendete.
    Ich benutzte CO2 als Kühlmittel, das ich direkt vom Händler vor Ort bezog.
    LG Helmut
  • Helmut - Winkel 13. März 2007, 17:51

    ...wie ein Kreis ohne Umfang
    ist der Welten Natur;
    als Zentrum ohne Mitte
    ruht sie in sich pur...

    (Ein poetischer Aphorismus
    vom All, der mir gerade einfiel)

    LG Helmut

  • J. Mayr 13. März 2007, 15:53

    Vielen Dank für die Fotos und den Text jeweils dazu...

    Das Weltall ist ein Kreis, dessen Mittelpunkt überall, dessen Umfang nirgends ist." Blaise Pascal (19.06.1623 - 19.08.1662)

    Gruß
    Johannes
  • Steffen Kuehn 13. März 2007, 14:46

    Wie immer sehr gut !
    vG; Steffen
  • Helmut - Winkel 13. März 2007, 10:15

    Vielen Dank für all eure netten Anmerkungen.
    @Bettina
    Die Erkärung der Funktionsweise folgt heute im Laufe des Tages.
    LG Helmut
  • Bettina Bürgel-Stein 13. März 2007, 7:18

    Ich finde das alles sehr spannend und dieses Bild gibt wieder einmal einen tollen Einblick! Aber das mit der Tiefkühlkamera musst Du noch mal erklären :-)
    LG Bettina
  • Bernhard M Müller 13. März 2007, 3:27

    Lieber Helumut,
    ich möchte hier auch nochmal anmerken, dass
    dieses Bild jetzt super ist auf meinem Monitor.
    Tiefes Schwarz im Hintergrund und die Galaxie
    herrlich in den Farben und wie immer ausführlicher
    und auch für Laien noch teilweise verständlicher Text.
    Ich bezeichne mich nicht mehr als Laien, da
    ich mich ja schon über 30 Jahre mit der
    Materie beschäftige... ;-))
    Herzliche Grüsse Bernhard
  • Peter F.W. 13. März 2007, 0:34

    ...wesentlich besser geworden, gefällt mir...
    lg peter
  • Guido Beutler 12. März 2007, 23:41

    Hi,

    also erstens klasse, wie Du die Sterne im Bild fest haelst. Besonders hat mir aber zusaetzlich auch gefallen, dass Du etwas wissenswertes ueber Dein Motiv einstellt. Ich lerne gerne etwas dazu und Dein Bild zu betrachten macht mit der Erlaeuterung noch mehr Freude.

    vG, Guido
  • Christian Reisch 12. März 2007, 23:09

    Unfassbar ist für mich auch, solche faszinierenden Objekte zu peilen,
    so dass sie fotografisch festgehalten werden können, -
    meine Bewunderung!
    Liebe Grüße - Christian :-)