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Leipzig, 10. November 1989: Visumstempel abholen

Leipzig, 10. November 1989: Visumstempel abholen

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smokeonthewater


World Mitglied, Berlin

Leipzig, 10. November 1989: Visumstempel abholen

Der Morgen nach dem Mauerfall:
Die Bürger lassen Arbeit Arbeit sein und stellen sich bei den Polizeidienststellen
(und wenige Tage später bei Verfügbarkeit auch bei der Staatsbank für 15 D-Mark Taschengeld) an,
um sich ein Visum für BRD und Westberlin in den Personalausweis stempeln zu lassen.

Eine Schlange fast ohne Ende …



mit Duplikator-Vorsatz digitalisierte Dias

Kommentare 10

  • gelbhaarduisburg 27. September 2014, 21:07

  • smokeonthewater 2. Januar 2013, 11:15

    @Kai: Den Schürer-Verweis habe ich der Vollständigkeit halber drin. Die Zahlen werden hier nicht genannt, fließen aber irgendwo in die Bilanz mit ein. Ob und inwieweit sie die Schulden kompensieren, ging aus Wiki nicht hervor. Die Bilanz fiele aber so oder so negativ aus.

    Egal auch, ob Volkseigentum sich an den Staat verschulden kann oder nicht. Der Staat konnte jedenfalls das Volkseigentum andersherum auch nicht zu Geld machen (im Gegensatz zur Bundesregierung, die ihr Tafelsilber verscherbelt, indem sie Staatsbetriebe privatisiert). Mit Eigentum kann man nicht bezahlen, nur mit Geld (das man natürlich auch drucken kann, das dann aber noch weniger wert ist). Entscheidend ist die Liquidität.

    Daher ist auch die konkrete Schuldensumme sekundär. Bankrott heißt, nicht liquid zu sein. Und wenn man keine Kredite mehr bekommt, ist man eben nicht mehr liquid. Denn den bequemen Luxus einer jährlichen Neuverschuldung durch Kreditaufnahme wie in der BRD gab es in der DDR nicht. Die DDR wäre erneut auf den guten Willen eines FJStrauß angewiesen, doch der war schon 1988 von uns gegangen. Ohne neuerliche Devisenspritze wäre das nicht mehr 20 Jahre gut gegangen, wie Frau Dahn vermutet, sondern bestenfalls 20 Monate. Zudem hätte die moralische Resignation der Menschen das Ganze noch beschleunigt, auch bzw. erst recht ohne Grenzöffnung.

    Wenn man die DDR betriebswirtschaftlich betrachtet, hat sie nur deshalb so lange überlebt, weil sie trotzdem noch so exportstark war. Ansonsten ist die Wirtschaftsgeschichte der DDR eine Abfolge abgewürgter Initiativen und Ideen, was kein Betrieb auf Dauer verkraftet. Die inkompetente Regierung hat überall reingequatscht und erfolgversprechende Projekte kaputt gemacht. Paradebeispiel: der Kompaktwagen aus Zwickau, der lange vor dem VW Golf den internationalen Markt hätte erobern können. Oder die "Sanierung" des Schienennetzes. Die guten alten Holzschwellen wurden gegen Betonschwellen ausgetauscht. Günter Mittag persönlich veranlasste, dass statt der teuren Betonmischung eine preisgünstigere verwendet wird. Und siehe, schon nach 4 Jahren waren die neuen Schwellen am Ende, weshalb die Züge dann an vielen Stellen nur noch schleichen durften. Du wirst Dich sicher erinnern ... Oder die "Neuerervorschläge": Sie wanderten in der Regel in die Schublade, weil sie das diffizile Gefüge knapper Ressourcen organisatorisch gefährdeten, also hat man lieber weitergewurschtelt.

    Wie man das weitere 20 Jahre hätte durchhalten können – noch dazu vor dem Hintergrund der Leistungsexplosion durch IT und Internet –, ist mir schleierhaft. Die DDR hat nicht im luftleeren Raum existiert, sondern war in die wirtschaftliche und politische Entwicklung der Welt eingebunden. Selbst wenn es noch ein Stück weitergegangen wäre, die DDR-Absatzmärkte im Osten (die ohnehin unsere Liquidität durch ihre Verschuldung ebenfalls verschlimmert haben) sind alle weggebrochen – tödlich für eine "Exportnation". Ich kann Frau Dahn wirklich nicht ernst nehmen.

    Prosit Neujahr!
    Dieter
  • Kai A 2. Januar 2013, 0:13

    Der erste Absatz Deines Wiki-Zitats bestätigt ja nun gerade nicht die Bankrott-These. Entweder, Du hast das der Fairness wegen mit zitiert, oder nicht richtig gelesen.
    Im sog. Schürerpapier wird eine höhere als die tatsächlich vorhandene Verschuldung angenommen.
    Gleiches ist auch hier

    http://www.memo.uni-bremen.de/docs/m9921.pdf

    zu lesen:

    „Die Auslandsverschuldung der DDR war also mit 20,3 Mrd. DM um mehr als die Hälfte
    niedriger, als wir es im Oktober 1989 mit den 49 Milliarden Valutamark aufgrund der
    damals geltenden, von Mißtrauen geprägten Beschlußlage ausweisen mußten."
    ( Schürer in: „Ansichten zur Geschichte der DDR", Bd. VI, S. 392/393)
    Na also: die "Beschlußlage" zwang Schürer dazu, das Politbüro selbst zu desinformieren

    Interessant auch der Absatz zur Inlandsverschuldung:

    Die DDR-Betriebe waren mit brutto 260,4 Mrd. M bei der Staatsbank verschuldet, hatten jedoch
    Sichteinlagen von 60,6 Mrd. M. Diese "Schulden" resultierte hauptsächlich aus Zwangskrediten
    für die normalen Investitionen, weil die Gewinne und Amortisationen überwiegend durch den
    Staat zentralisiert wurden und daher eine überhöhte "Kredit"-Anrechnung für Importe erfolgte

    Und:

    Die hieraus resultierenden 104 Mrd. DM Altschulden der THA-Betriebe sind im Kern ein
    fiktiver Schuldtitel, denn der reale Gegenwert hierfür war über den Export abgeflossen.
    Außerdem kann das Volkseigentum sich nicht an den Eigentumsträger, also an den Staat, in
    realer Weise verschulden.

    Imho ist die DDR, wie auch bei Daniela Dahn nachzulesen, moralisch gescheitert, die hätten auch noch 20 jahre weiter so gewirtschaftet.

    Auf obigen Bildern sieht's ja auch so marode nicht aus ;-)

    GNJ
    Kai

  • smokeonthewater 30. Dezember 2012, 11:26

    @Kai: Lies Wikipedia "DDR", Kapitel "Wirtschaft". Darin heißt es:
    »Im geheimen Schürer-Papier wurden bei der Berechnung des Schuldenstands die Guthaben der Außenhandelsunternehmen der DDR KoKo aus Gründen der Geheimhaltung nicht berücksichtigt, sodass eine weitaus höhere Verschuldung angenommen wurde als tatsächlich vorhanden war.[106] Dies bestätigte auch Schürer selbst in späteren Veröffentlichungen.[107][108] Gegenüber dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet betrug die Nettoauslandsverschuldung 19,9 Mrd. DM.[109] Die Devisenliquidität war 1989 nach den Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und der Bundesbank tatsächlich vorhanden.[110] Gegenüber den Ländern des sozialistischen Wirtschaftsgebiet erreichte die DDR 1989 eine Netto-Gläubigerposition (Guthaben) von 6,0 Mrd. Valutamark.[111] Hinzu kamen Verbindlichkeiten staatlicher Betriebe gegenüber dem DDR-Staatshaushalt. (...) Ob die Wende durch die Gefahr einer akuten Zahlungsunfähigkeit ausgelöst oder begleitet wurde, ist in der Forschung umstritten. Nach Stefan Wolle stand das SED-Regime in seinem letzten Jahr "kurz vor der Zahlungsunfähigkeit".[112] Dies wird bestritten von dem Historiker Armin Volze.[113]«
    Ich folge den Ansichten von Wolle, denn die von der Bundesbank bescheinigte "Devisenliquidität" dürfte auch nur auf die üblichen Bilanzierungstricks bezüglich Rückzahlungsfristen zurückzuführen sein. Wenn Du die hier genannten Zahlen plus die nicht genannten Schulden heranziehst, muss man annehmen, dass spätestens 1991 die Wirtschaft zusammengebrochen wäre. Wer hätte in dieser Situation weitere Milliardenkredite bewilligt? Die BRD sicher nicht nochmals. Und die Ostblockländer waren bei der DDR selbst verschuldet und wären ohnehin nicht für Kredite in Frage gekommen. Für mich ist das de facto ein Bankrott.
  • Kai A 30. Dezember 2012, 6:25

    @ smokeonthewater:
    Fakt ist, dass die DDR nichts mehr zurückzahlen konnte, also "bankrott" war.

    Magst Du diese Deine Aussage belegen?
  • smokeonthewater 15. September 2012, 23:27

    @Jürgen: Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch auf uns zukommen wird, wenn es so weitergeht ...
  • Pixeltoni 15. September 2012, 19:57

    Das sieht ja beinah aus wie zur Weltwirtschaftskrise . .1929 ? oder so .

    LG Jürgen
  • smokeonthewater 11. September 2012, 16:36

    @utico: Devisen, also D-Mark und Dollar, waren in bar eigentlich nicht verfügbar. Die DDR war in Höhe des Strauß'schen zinslosen Kredits ("Swing") mit 4 Mrd. D-Mark nach außen verschuldet, nach innen standen nur noch die Produktionsstätten, Häuser und Grundstücke in marodem Zustand da – de facto ein Schuldenstand, der sich in den späteren Sanierungs- und Sozialfolgekosten der Entlassungen beziffern ließe.

    Im Vergleich zur Bundesrepublik mit 2.041,982 Mrd. Euro Schulden sind 4 Mrd. D-Mark "Peanuts", und eigentlich ist die BRD billiardenfach bankrotter, als es die DDR je war. Fakt ist, dass die DDR nichts mehr zurückzahlen konnte, also "bankrott" war. Die Bundesregierung heute nimmt immer wieder neue Schulden auf sich und zögert somit den Bankrott hinaus. Nur gab der DDR niemand als ausgerechnet Franz Josef Strauß einen Kredit. Und ohne Kredit kann man auch keine neuen Schulden machen. Das war das Ende.

    Die Aufteilung des Volksvermögens - also der maroden Immobilien und Grundstücke - an die ehemaligen Besitzer und die ökonomisch mächtigen Unternehmen in der Bundesrepublik, begünstigt durch die Treuhandanstalt, die jeden Management-Buy-out zu verhindern wusste, ging dann alles für die DDR-Bürger verloren. Die "Gläubiger" haben sich schadlos halten können. So läuft es auch bei jedem Insolvenzverfahren hierzulande ab.

    Witz (?): Die Wiedervereinigung ist erst dann vollzogen, wenn jeder ehemalige DDR-Bürger aus den Grundbüchern verschwunden ist.

  • smokeonthewater 11. September 2012, 12:05

    @utico:
    Über Nacht geht nach 28 Jahren die Grenze auf. Da stellt man sich gern an. Mit "Wendehals" hat diese völlig menschliche Reaktion nun wirklich nichts zu tun. Und wenn's was umsonst gibt, habe ich im goldenen Westen auch schon Schlangen gesehen ;-)

    Und Du kannst ja mal mit Null Geld in der Tasche in eine fremde Stadt fahren. So erging es nämlich den bis dahin reiseberechtigten Rentnern. Entwürdigend, oder? Die 15 D-Mark für jeden mussten sehr kurzfristig locker gemacht werden – in einem bankrotten Land. Außerdem wurden beim ersten Westbesuch 100 D-Mark Begrüßungsgeld von den dortigen Banken ausbezahlt.

    Keine Ahnung, was die Leute sich gekauft haben. Viele haben auch bloß mal im "Café Kranzler" auf dem Ku'damm die Atmosphäre genossen. Kulis gab's als Wahlkampfgeschenke …

  • Jojo Metzi 11. September 2012, 5:25

    Birma Arbeit. Die Zeit sollte niemand vergessen.