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Mondchen und Ringel von Stephan Roscher

Mondchen und Ringel


Von 

Stephan Roscher

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30.03.2003 um 14:17 Uhr
, Lizenz: Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender. All pictures © by the senders.
Unter Vogelfreunden ist es bekannt, daß in einigen deutschen Parks die Baumwipfel fest in der Hand von dereinst aus der Gefangenschaft geflüchteten Sittichen, insbesondere Halsbandsittichen, sind. Auch größere Papageienvögel - etwa Amazonen - befinden sich vereinzelt darunter und sind somit als "heimische Wildlifevögel" zu bewundern.

Dies ist einerseits schön und interessant und bereichert unser Beobachtungsspektrum, ganz abgesehen davon, daß auf diesem Weg wesentliche ornithologische Erkenntnisse über die erstaunliche Anpassungsfähigkeit von exotischen Vögeln gewonnen werden können. Andererseits führt die Dominanz dieser überaus durchsetzungsfähigen Tiere zu einer beinahe "brutalen" Verdrängung einheimischer Vogelarten aus den betreffenden Parks.

Bekannte Adressen sind z.B. die Wilhelma in Stuttgart oder der Luisenpark in Mannheim, in deren Baumbeständen sich die munteren Exoten tummeln. Ein äußerst ergiebiger Ort für bundesdeutsche Papageienforscher ist freilich auch der Biebricher Schloßpark in der hessischen Landeshaupstadt Wiesbaden.

Dort finden sich besonders in den riesigen Platanen viele hundert Halsbandsittiche, aber auch Alexandersittiche, Keilschwanzsittiche, Finschsittiche, Nymphensittiche, Mohrenkopfpapageien und Amazonen, die in den Wintermonaten am besten zu beobachten sind, solange das Astwerk noch kahl und nicht von frischem Grün bedeckt ist.

Zu diesem Themenkomplex ist die vorzügliche Webseite "Papageien vor der Haustür -
Halsbandsittiche in Wiesbaden" von Detlev Franz zu empfehlen:

http://www.papageien.org/USER/D_Franz/


Franz hat die Vögel über lange Zeiträume beobachtet und auch die Schicksale von Einzelindividuen verfolgt. Der Amazonentrupp im Schloßpark ist derzeit 10 Tiere stark. Mein Foto zeigt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das unzertrennliche Pärchen, dem Franz aufgrund eindeutiger Merkmale die Namen "Mondchen" und "Ringel" verliehen hat, vgl.:

http://www.papageien.org/USER/D_Franz/Df_ale4.htm#einzelne


Franz beschreibt die Venezuela-Amazone "Mondchen", auf meinem Foto links mit gerade geöffnetem Schnabel zu sehen, wie folgt:

"Erkennungszeichen sind auf jeder Kopfseite deutliche, an eine liegende Mondsichel oder ein Dreieck erinnernde kräftig gelbe Wangenflecken, die unter dem Schnabel miteinander - farblich blasser - verbunden sind. Die Stirn ist dunkelgrau, mit einem leichten Einschlag ins blaue. Der Flügelspiegel ist rot, der Flügelbug selten zu erkennen, vermutlich vorwiegend gelb. Am rechten und linken Fuß fehlen die Krallen der äußeren Zehen."

Lebensabschnittspartner "Ringel" hingegen, eindeutig eine Blaustirnamazone, wird so charakterisiert:

"Der Stirnfleck ist hellblau, der Kopf oben hellgelb. Um das Auge ist ein hellgelber Ring vorhanden, der nicht wie bei "Einzelgänger" in den hellgelben Kopffleck übergeht. Der Flügelspiegel ist rot, der Flügelbug zumindest teilweise gelb. Der Vogel ist am linken Fuß mit einem durchsichtigen Kunststoffring beringt. Auch seine Zehen zeigen Deformationen der Krallen."

Meine Aufnahme entstand am Nachmittag des 8. März 2003 und zeigt das harmonierende Amazonenduo relaxend auf einer großen alten Platane.

Bilddaten: E 100 RS & B-300 - 1/650 Sek. - F 3.5 - ISO 100 - 711 mm Brennweite.

Und hier noch als kleine Zugabe eine vom Winter 2001 stammende Aufnahme aus dem Biebricher Schloßpark, die ein Pärchen Halsbandsittiche beim Verrichten der natürlichsten Neben- bzw. Hauptbeschäftigung der Welt zeigt. ;-)

Anmerkungen:

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Gerd Rossen, 30.03.2003 um 14:30 Uhr

Wahnsinn !! Für mich auch immer wieder faszinierend, wie durchsetzungsfähig diese Tiere sind. Und vor allem, dass sie auch diesen realitiv kalten Winter überlebt haben.
Ob sie nun für die heimische Vogelwelt eine Bedrohung darstellen kann ich nicht beurteilen, aber das neue Arten in bestimmten Gebieten auftauchen, dafür andere woanders hin ausweichen, gabs ja schon ewig. Bloss diese Vögel kommen ja aus ganz anderen Breitengraden.

Aber Schuld sind ja in keinem Fall die Vögel, sondern der Mensch. Ist ja genauso mit dem Ochsenfrosch und den Schmuckschildkröten in unseren Seen, die anscheinend wirklich eine Bedrohung unser einheimischen Frösche/Kröten und Sumpfschildkröten darstellen.

Klasse Aufnahme und ein sehr aufschlussreicher Text, werde mir heute Abend mal in Ruhe die Links anschauen.

LG
Gerd



Rose Von Selasinsky, 30.03.2003 um 19:51 Uhr

Danke für diese lehrreiche bebilderte Lehrstunde! Top!!!
LG Rose



Stephan Roscher, 30.03.2003 um 21:18 Uhr

@Christian: speziell der rheinische Raum - klimatisch zu den mildesten Gegenden Deutschlands zählend - hat es den freilebenden Sittichen angetan, da sie dort wohl am besten die Winter überstehen und ihre Bruten durchbringen können. In dieses Schema paßt Köln ebensogut wie Wiesbaden-Biebrich. Und Stuttgart liegt ebenfalls in einer milden Klimazone. Von den "vogelfreien" Sittichen wußte ich lange zuvor, daß sich bei uns freilich auch Amazonen-Populationen - vereinzelt wurden sogar schon Graupapageien gesichtet - in freier Natur über längere Zeiträume behaupten können, hat mich zunächst überrascht. Wenn man sich "Mondchen" und "Ringel" auf dem Foto anschaut, aufgenommen bei Temperaturen von höchstens 5 Grad, kommt man nicht umhin festzustellen, daß die beiden entspannt und sehr zufrieden (nebenbei auch wohlgenährt) wirken, also keineswegs unter dem deutschen bzw. "rheinischen" Winter zu leiden scheinen.
Gruß Stephan



Sonja Winter, 30.03.2003 um 21:33 Uhr

Echt starkes Foto! Wir haben zu Hause auch eine Blaustirnamazone schon seit 7 Jahren namens "Genoveva". Wenn die mal das Weite suchen sollte kann ich ja beruhigt sein, weil es so weit von uns nach Köln nicht ist.
LG Sonja ;-)



York von Selasinsky, 30.03.2003 um 21:53 Uhr

Im Luisenpark in Mannheim habe ich diese Burschen auch schon gesehen...wie kommen die eigentlich durch den Winter?
War darüber sehr erstaunt,jetzt weiss ich dank der guten Beschreibung,was so bei uns mit den Sittichen los ist.
Gruss York



Stephan Roscher, 30.03.2003 um 22:17 Uhr

@York: Moment, hast Du im Luisenpark Halsbandsittiche oder Amazonen gesehen? Ich habe dort bislang nur Sittiche beobachten können.
Gruß Stephan



Jule Lorenz, 30.03.2003 um 23:50 Uhr

Ein sehr schönes Foto von Mondchen und Ringelchen
und ein ausgesprochen interessanter Text dazu!
Ich bin praktisch in und mit dem Biebricher Schloßpark aufgewachsen, aber vor 50 bis 60 Jahren gab's dort noch keine Sittiche, "nur" sehr viele Nachtigallen. Im Osten der Niederlande (angrenzend ans Münsterland) habe ich in den vergangenen Jahren im Sommer auch schon zwei Sittiche in Eichen und Kastanienbäumen gesehen. Nach deinem Bericht werde ich natürlich in diesem Jahr mal besonders darauf achten.
Danke, auch für die Links, und viele Grüße, Jule



Peter P., 30.03.2003 um 23:53 Uhr

Toll, was man in unseren Parks mittlerweile so alles finden kann. Nicht nur Abfälle und Drogendealer, sondern richtige Naturschönheiten. Hervorragend das Foto und die Dokumentation dazu.
MfG P.P.



Rudolf Kellenberger, 31.03.2003 um 11:46 Uhr

Hallo Stephan,

Die Beiden scheinen sich in unserer Gegend sehr wohl zu fühlen. Offensichtlich geniessen die Beiden die Zweisamkeit sehr. Ich danke Dir für die weiterbildenden Ausführungen.

Gruss Rudolf



Maria Schmitz, 31.03.2003 um 12:06 Uhr

Bin begeistert von Foto und Informationstext. Meinen nächsten Papagei hole ich mir einfach im Park. :-))
Gruss Maria



Sven Wenzel, 1.04.2003 um 0:15 Uhr

stark, was man hierzulande so alles "wildlife" antreffen kann! eines tages laufen dann auch noch löwen und leoparden in unseren wäldern und auen spazieren ;-) klasse doku!
*SVEN*



Stephan Roscher, 1.04.2003 um 1:25 Uhr

@Jule: danke für Deinen sehr interessanten und authentischen Kommentar, der die älteren Zeiten im Biebricher Schloßpark schön beleuchtet. Für die Nachtigallen - dies ist die Kehrseite des Sittichsegens - ist nun leider kein Platz mehr im Park.
Gruß Stephan



Karsten Wedertz, 7.04.2003 um 11:27 Uhr

Ist schon spannend, wie durch Einwirkung des Menschen sich die Biotope verändern und exotische Tiere sich Plätze fern ihrer Heimat ergattern.

Die beiden wirken wie ein harmonisches Ehepaar - ein gelungener Schnappschuß mit einer sehr lehrreichen Erläuterung.

Gruß, Karsten



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