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Israfil Yildizkan


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Über mich

Berlin Spandau Neustadt Kiez Reporterin Susette Wahren hat den vorliegenden Text über Israfil Yildizkan verfasst.

Israfil Yildizkan - Quartiersrat, Fotograf, Autor, Zahlenjongleur

Zum ersten Mal traf ich Israfil Yildizkan im Dezember 2011 auf dem Weihnachtsbasar der Spandauer Neustadt. Ein freundlicher Mann um die 50 - mit dunklem Schnauzbart. Er drückte mir seinen riesigen, sehr schweren Canon-Fotoapparat in die Hand und sagte: „Mach` ein Foto von uns!“

Stets engagiert für die Neustadt
Israfil Yildizkan ist im Stadtteil schon lange durch sein Engagement bekannt. In diesem Jahr findet zum dritten Mal das Kulturfest statt, das er organisiert. Auch gehört er zu den zwölf gewählten Bewohnern im Quartiersrat - jenem Gremium im QM, das bei größeren Vorhaben unter mehreren Bewerbern den passenden Träger auswählt und über hohe Fördersummen entscheidet.
Viele haben sich schon über die wunderbaren Fotos von Herrn Yildizkan gefreut. Da er sehr viele Veranstaltungen in der Spandauer Neustadt mit seinem Apparat besucht, entwickelt er sich langsam zu einem Foto-Chronisten des Stadtteils.

Autor eines Gedichtsbandes
Aber wussten Sie auch, dass Herr Yildizkan schreibt? Ein Gedichtband in türkischer Sprache ist schon erschienen. „Birtutam“ heißt der Band, was so viel heißt wie: „von allem eine Hand voll - von allem ein bisschen“.
Wir veröffentlichen hier von ihm ein Gedicht Freund, komm endlich » auf deutsch und » auf türkisch Ey Dost (gel art?k).

„Das Gedicht war schwer zu übersetzen! Denn schon alleine für den Titel gibt es eigentlich keine Übersetzung: das türkische Wort dost heißt übersetzt Freund, meint aber sehr, sehr viel mehr als ein Freund. Ein dost ist alles für einen, wenn man einen hat“, erklärt Herr Yildizkan.

Geboren in der Türkei nahe der georgischen Grenze

„Mit Deutschland war ich übrigens immer schon heimlich verbunden“ witzelt er. „Ich bin 1961 zur Welt gekommen, und kaum war ich geboren, wurde in Deutschland die Mauer gebaut. 1988 bin ich nach Deutschland gezogen. Kaum war ich dort, fiel die Mauer.“ Er lacht.
Israfil Yildizkan kommt aus den Gebirgen Ostanatoliens, 120 km weiter beginnt das Schwarze Meer, um ihn herum Gebirge von 3.000 m Höhe. „Mein Dorf lag nur 1.800 m hoch. Die Menschen dort haben ganz rote Gesichter, wegen der dünnen Luft. Die Sommer sind sehr heiß, die Winter sehr kalt. Aber am schönsten ist der Frühling. Der Frühling dort ist ganz wunderbar. “

Nur ein Katzensprung nach Georgien
Wenig hinter dem Dorf verriegelte damals der eiserne Vorhang den weiteren Durchgang nach Georgien.
Eigentlich wollte er Lehrer werden, zog ans Schwarze Meer, um das Lehrerseminar zu besuchen. Doch es kam anders: er bekam eine gute Stelle beim Finanzamt in Ankara und ließ sich als Gerichtsvollzieher beamten. Unzufrieden mit dieser Tätigkeit studierte er bald darauf Betriebswirtschaft und wechselte beim Finanzamt in eine gehobenere Stellung.
Dass er bald seine Frau kennenlernen und ihr nach Deutschland folgen würde, wusste er da noch nicht. Mitten in der Abschlussprüfung die Hochzeit. „Ich habe einen Tag geheiratet und bin dann mit dem Bus 20 Stunden nach Ankara zur Prüfung gefahren. Die Prüfung habe ich bestanden und bin wieder 20 Stunden zurückgefahren und habe weiter gefeiert.“

"Nach Berlin kam ich wegen der Liebe"

Seine Frau lernte er in einem besonders heißen Sommer kennen. „Zufällig waren wir beide genau zur gleichen Zeit in unserem Dorf auf „Heimaturlaub.“ Ich zu Besuch aus Ankara, meine Frau zu Besuch aus Berlin. Das war völlig verrückt! Wir sind entfernt verwandt und ich kannte jeden einzelnen aus ihrer Familie: sämtliche Tanten, Onkel, Kusinen - alle kannte ich! Nur sie hatte ich noch nie gesehen. Wir wussten gleich am ersten Tag, dass wir heiraten möchten - und am dritten Tag hatten wir uns schon heimlich verlobt.“

Pendeler zwischen der Türkei und Deutschland
Nach der Hochzeit führten beide ihr Leben noch eine Weile fort wie bisher: seine Frau reiste zurück nach Deutschland, wo sie bei Siemens noch ein paar Jahre arbeiten wollte, Herr Yildizkan blieb in Ankara beim Finanzamt. Dann kam 1987 Tochter Duygu in Berlin zur Welt. Als Herr Yildizkan Frau und Tochter ein Jahr später in Berlin besuchte, erkannte die Kleine ihn nicht, er war für sie ein Fremder. Darüber war er so geschockt, dass er beschloss, seiner jungen Familie nach Deutschland zu folgen - wenigstens für einige Zeit.
„Ich kam also wegen der Liebe nach Berlin“, schmunzelt er.

Leben in Spandau Neustadt

Fotos: Israfil Yildizkan
Heute ist Tochter Duygu 25 Jahre alt und studiert Kriminologie. Sie ist heute auf der Karriereleiter zur Kommissarin. Ein Sohn kam zwei Jahre später zur Welt.
„Das Leben bietet einem oft Chancen - kleine und große“, sagt Herr Yildizkan. „Es kommt vor allem darauf an, dass man die Chancen sieht und sie nutzt.“ Und Israfil Yildizkan sah und ergriff sie: er fand in Deutschland eine richtig gute Arbeit - bei der Kassenärztlichen Vereinigung. „Da bin ich jetzt auch schon seit 20 Jahren. Und das, obgleich ich gar nicht so gut deutsch spreche“, schmunzelt er. „Ich bin dort übrigens auch der einzige Türke.“

In der Spandauer Neustadt hat er sich ein angenehmes Umfeld geschaffen. „Wir haben bis zum Jahr 2000 im Haus meiner Schwiegereltern in der Lasiuszeile gelebt. Dann habe ich mit meinen Schwagern und Schwägerinnen in der Neuendorfer Straße ein komplettes Gebäude gekauft. Dort wohnen wir jetzt mit vier Familien - jede Familie hat eine eigene Etage. Meine Frau ist inzwischen die „Kindergärtnerin“ für die ganzen Kinder der Familie und ich mache seit 10 Jahren die Betriebskostenabrechnung für das ganze Haus.

Susette Wahren
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Kenntnisse

  • Fotograf (Einsteiger)
  • Fotograf (Fortgeschritten)
  • Fotointeressiert