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Franz-Josef Wirtz


kostenloses Benutzerkonto, Düsseldorf

Zurück auf Null

Im Dorf Holz der Gemeinde Jüchen im Gebiet des s Garzweiler II wird alles wieder auf Null zurückgedreht. Die ehemaligen Bewohner müssen noch einmal ganz von vorne anfangen. Unsere Energiepolitik mit einem Anteil der Braunkohle von rund 25% an der Stromerzeugung verlangt von vielen tausend Menschen, dass sie sich von ihrer angestammten Heimat trennen, damit die unter den Orten und fruchtbaren Feldern liegende Braunkohle für eine kurzfristige Nutzung gefördert werden kann. Ein Teil der ehemaligen Bewohner wird umgesiedelt. Wer nicht freiwillig geht wird zwangsenteignet. Wer zu früh resigniert und geht, bevor das offizielle Umsiedlungsverfahren begonnen hat bekommt noch nicht einmal eine Entschädigung. Wer am Umsiedlungsort 'gut dasteht' ist dem Argwohn der ehemaligen Nachbarn oder den uninformierten Fremden ausgesetzt. Die Behauptung, aus der Sache doch gut entschädigt noch zu profitieren wird gerne genährt. Wieviel von einem schönen neuen Haus durch Eigenleistung und durch Kredite bei der Bank und unter der Verwandschaft aufgebracht wurde sieht man einem Neubau nicht an. Nicht selten waren Umsiedler bald völlig überschuldet und wurden zu Mietern im einst eigenen Haus. Richtigen Rat zu bekommen ist schwierig. Wem soll man noch vertrauen, wo man doch von allen Seiten die ganze Zeit immer nur betrogen wurde und so viele Versprechungen gebrochen wurden. Zurück auf Null ist am Ende der Umsiedlung dann mitunter auch der Glaube an die Menschlichkeit, die Vernunft, die Demokratie.

Aufnahme aus Juni 2008

http://maps.google.com/maps?f=q&hl=de&q=Holz+J%C3%BCchen,+Rhein-Kreis+Neuss,+Nordrhein-Westfalen,+Deutschland&ie=UTF8&cd=8&geocode=FYiSCwMd4qhiAA&ll=51.09006,6.465755&spn=0.012265,0.015836&t=h&z=16&iwloc=addr

Kommentare 10

  • Elmar Terfloth 28. September 2009, 21:52

    Ich empfand es als sehr bedrückend, durch ein Dorf mit lauter zugemauerten Fenstern und Türen zu laufen. Ein eindringliches Zeitzeugnis aus unserer Zeit.
    Gruß Elmar
  • Nikonjürgen 11. September 2008, 21:17

    Es ist schon traurig,wenn die Kohle kommt muß das Dorf halt weg.
    VG Jürgen
  • Angela DS 10. September 2008, 12:11

    Danke für die Infos!!
    LG, Angela
  • Edith M. 10. September 2008, 1:37

    @Angela: nein, es ist die Seitenstraße links vor der Kapelle. http://www.panoramio.com/photos/original/4671132.jpg Sie heißt wohl Augustastraße. Gegenüber auf der Hauptstraße liegt der Hof "Kartoffeln vom Erzeuger". Bis hier hat sich der Abrissbagger von Osten vorgearbeitet.
    Den Blick gibt es noch http://www.panoramio.com/photos/original/10950346.jpg jedoch ohne die Fotografen und wohl nicht mehr lange. Das weiße Haus links war am 14. 9. schon nicht mehr komplett. Es ist sehr still geworden im Ort, wenn nicht gerade die Abrissbager zugange sind.

    In Spenrath hat sich seit Monaten nichts getan. Der gelbe Hof wird noch bewirtschaftet.
    LG Edith
  • Angela DS 9. September 2008, 18:16

    Und bei uns in unmittelbarer Nähe geht's in Pier weiter. Steht eigentlich der gelbe Bauernhof in Spenrath noch?
    @Edith: Ist damit der Bauernhof links in der Seitenstraße am Ortseingang gemeint?
    LG, Angela
  • Edith M. 9. September 2008, 1:44

    Kanapp 2 Monate später war da nur noch NICHTS - das Haus mit der Null - abgerissen und alle anderen in dieser Seitenstraße bis auf eins, das noch bewohnt ist, auch.

    LG, Edith
  • Stimme aus dem Off 9. September 2008, 1:13

    Holz war das erste Dorf, das ich als Geisterdorf kennenlernte. Zu diesem Zeitpunkt war Otzenrath schon zu 3/4 abgerissen. Mittlerweile scheint auch von Holz nicht mehr viel zu stehen. Alles geht seinen geregelten Gang, langsam aber stetig und unbeeindruckt von politischen Wechselspielen. Nichts ist verläßlicher als das Streben nach Profit.
  • Michael Hohnen 8. September 2008, 23:56

    Sehr gut gesehen und umgesetzt!
    @Lisa
    deine Empfindungen kann ich gut nachvollziehen
    mir geht auch oft so
    lg
    Michael
  • Franz-Josef Wirtz 8. September 2008, 23:55

    Der einzige Trost ist wohl zu sehen, dass es eben noch Menschen gibt, die sentimental sein können. Sonst müsste man ja völlig an sich verzweifeln.
    Borschemich-Magnolie, die nicht umsiedeln kann
    Borschemich-Magnolie, die nicht umsiedeln kann
    Franz-Josef Wirtz


    Ein markanter Baum in Garzweiler:
    Die letzten Tage des Baums ...
    Die letzten Tage des Baums ...
    Lothar Post


    An der Motivklingel gezogen hatte in dem Fall übrigens
    Edith M. .
  • Lisa162 8. September 2008, 23:48

    Traurig, wieviel gewachsene, alte Struktur und wieviele Bodendokumente da vernichtet werden!
    Dagegen hilft auch keine "Entschädigung". (Ich kann mich erinnern, dass ich vor einem Birnbaum stand und geheult habe..... Naja, vielleicht bin ich auch besonders sentimental.)
    Danke für das Foto und den Link,
    Lieber Gruss, Lisa