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Schnappschussman


Pro Mitglied, Münsterland (NRW)

Zum Advent

Liebe Freunde,
eigentlich wollte ich an diesem Morgen noch zum Rathaus um meinen Personalausweis zu beantragen, der nun abläuft. Doch ich bekam eine Fotomail zu meinem Foto 1. Advent und diese Mail hat alles andere in den Schatten gestellt, mir wurde wieder klar wieviele Menschen gerade in dieser besinnlichen Zeit sehr einsam sind bzw. sich einsam fühlen und schon jetzt Angst vor den Weihnachtsfeiertagen haben.
Für diese Menschen und für eine liebe FC-Freundin ist dieses heutige Foto gedacht"Einsam im Advent". Nicht alles ist immer aus Glanz und Gloria und für viele ist diese Zeit die schlimmste des ganzen Jahres. Wollen wir einen kleinen Moment auch an diese Menschen denken?!
Eine Geschichte möchte ich dem Foto auch noch hinzufügen und dann entlasse ich Euch wieder in die große FC Welt. Herzlichen Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt.
Jedesmal wenn Weihnachten kommt, muß ich an Herrn Sörensen denken. Er war der erste Mensch in meinem Leben, der ein einsames Weihnachtsfest feierte, und das habe ich nie vergessen können.

Herr Sörensen war mein Lehrer in der ersten Klasse. Er war gut, im Winter bröselte er sein ganzes Frühstücksbrot für die hungrigen Spatzen vor dem Fenster zusammen. Und wenn im Sommer die Schwalben ihre Nester unter den Dachvorsprung klebten, zeigte er uns die Vögel, wie sie mit hellen Schreien hin und her flogen. Aber seine Augen blieben immer betrübt.

Im Städtchen sagten sie, Herr Sörensen sei ein wohlhabender Mann. 'Nicht wahr, Herr Sörensen hat Geld?' fragte ich einmal meine Mutter. 'Ja, man sagt's.' - 'Ja ... ich hab' ihn einmal weinen sehen, in der Pause, als ich mein Butterbrot holen wollte ...'

'Herr Sörensen ist vielleicht so betrübt, weil er so allein ist', sagte meine Mutter. 'Hat er denn keine Geschwister?' fragte ich. 'Nein - er ist ganz allein auf der Welt...'

Als dann Weihnachten da war, sandte mich meine Mutter mit Weihnachtsbäckereien zu Herrn Sörensen. Wie gut ich mich daran erinnere. Unser Stubenmädchen ging mit, und wir trugen ein großes Paket, mit rosa Band gebunden, wie die Mutter stets ihre Weihnachtspäckchen schmückte.

Die Treppe von Herrn Sörensen war schneeweiß gefegt. Ich getraute mich kaum einzutreten, so rein war der weiße Boden. Das Stubenmädchen überbrachte die Grüße meiner Mutter. Ich sah mich um. Ein schmaler hoher Spiegel war da, und rings um ihn, in schmalen Rahmen, lauter schwarzgeschnittene Profile, wie ich sie nie vorher gesehen hatte.

Herr Sörensen zog mich ins Zimmer hinein und fragte mich, ob ich mich auf Weihnachten freue. Ich nickte. 'Und wo wird Ihr Weihnachtsbaum stehen, Herr Sörensen?' - 'Ich? Ich habe keinen, ich bleibe zu Hause.'

Und da schlug mir etwas aufs Herz beim Gedanken an Weihnachten in diesem 'Zuhause - In dieser Stube mit den schwarzen kleinen Bildern, den schweigenden Büchern und dem alten Sofa, auf dem nie ein Mensch saß - ich fühlte das Trostlose, das Verlassene in dieser einsamen Stube, und ich schlug den Arm vors Gesicht und weinte.

Herr Sörensen zog mich auf seine Knie und drückte sein Gesicht an meines. er sagte leise: 'Du bist ein guter, kleiner Bub.' Und ich drückte mich noch fester an ihn und weinte herzzerbrechend.

Als wir heimkamen, erzählte das Stubenmädchen meiner Mutter, ich hätte 'gebrüllt'.

Aber ich schüttelte den Kopf und sagte: 'Nein, ich habe nicht gebrüllt. Ich habe geweint. Und weißt du, ich habe deshalb geweint, weil nie jemand zu Herrn Sörensen kommt. Nicht einmal am Heiligen Abend...'

Später, als wir in eine andere Stadt zogen, verschwand Herr Sörensen aus meinem Leben. Ich hörte nie mehr etwas von ihm. Aber an jenem Tag, als ich an seiner Schulter weinte, fühlte ich, ohne es zu verstehen, zum ersten Male, daß es Menschen gibt, die einsam sind. Und daß es besonders schwer ist, allein und einsam zu sein an Weihnachten.



Euer Andreas

Kommentare 6

  • Angelika Marko 2. Dezember 2011, 9:13

    Ein schöner Adventgruß , Andreas.
    Danke dafür.
    LG Angelika
  • Helmi S. 28. November 2011, 19:35

    Lieber Andreas, Dein Foto und die kleine Geschichte dazu haben mich sehr ergriffen und nachdenklich gemacht. Du hast soviel Arbeit und Streß und doch denkst Du an Menschen, die einsam sind und niemanden haben, der ihnen einen Besuch und eine kleine Freude macht.
    Jeder sollte sich ein Herz fassen und in seiner näheren oder auch weiteren Umgebung nach einem einsamen Menschen schauen und diesen zu sich einladen und ihm ein kleines Geschenk überreichen. Wenn es jeder macht, werden viele ein schönes Weihnachtsfest erleben.
    glg helmi
  • Maria Kohler 28. November 2011, 18:25

    Andreas Du hast mit Deiner Geschichte etwas in mir aufgewühlt. Ich glaube wir, denen es verhältnis mässig gut geht, wir denken viel zu wenig an die die es nicht so gut haben. Und an die sollten wir auch mal denken, aber nicht nur zur Weihnachtszeit sondern auch das Jahr über. Sie brauchen unsere Hilfe.
    Danke Andreas für diese Geschichte die Du hier erzählt hast. Sie hat mich sehr nachenklich gestimmt.
    Ich wünsche Dir eine schöne Vorweihnachtszeit.
    GLG an Dich und Deine Familie
    Maria
  • picture-e GALLERY70 28. November 2011, 17:25

    eine einfühlsame lebensgeschichte vermittelst du im bild und im text. Gruss aus Münster von picture-e.
  • Puppenfee 28. November 2011, 15:47


    Deine Geschichte berührt mich ganz stark und ich bedanke mich sehr herzlich bei Dir. Und es macht mich glücklich, mein lieber guter Minnesänger, DICH zu kennen.
    Deine Helga+das Bettymäuschen
  • KleinerKnipsi 28. November 2011, 12:40

    tolle Idee in Bild und Text...
    wünsche eine schöne adventszeit

    lg knipsi