Zellteilung oder Geburt eines Universums

Zellteilung oder Geburt eines Universums

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Eckhard Meineke


Premium (Pro), Münster

Zellteilung oder Geburt eines Universums

Jena, 17. November 2009. Nikon Coolpix L19. JPEG. ISO 800. Brennweite 14,9 mm. 1/129 sec f/4,8. Belichtungsautomatik mit Korrektur -0,3 LW. Bearbeitung: Ulead PhotoImpact X3. Filter: Comic Flach Detail 50. Nachschärfen des auflösungsreduzierten Bildes 20/100.

Milchstraße (Zentrum)
Milchstraße (Zentrum)
Eckhard Meineke

Elementarteilchen oder: Hinter das Licht führen
Elementarteilchen oder: Hinter das Licht führen
Eckhard Meineke

Hommage à Max Ernst
Hommage à Max Ernst
Eckhard Meineke

Solaris
Solaris
Eckhard Meineke


„Warum ist das Weltall glatt?

Die Hintergrundstrahlung scheint mit höchster Genauigkeit gleichförmig zu sein [...]. [...] Es scheint, daß der Urknall mit höchster Präzision losgegangen ist, nach allen Richtungen genau gleich. Wer immer damals das Weltall entstehen ließ, er hat auch nach allen Richtungen gleich gut gezielt.

Aus der Hintergrundstrahlung folgt, daß die Welt auch heute gleichmäßig ist. Denn wäre ihre Krümmung nicht überall dieselbe, würde die Hintergrundstrahlung, die aus verschiedenen Richtungen zu uns kommt, an den Verbeulungen des Weltalls wie in riesigen Linsen gebündelt oder zerstreut werden. Sie wäre nicht isotrop. Galaxien und Galaxienhaufen sind zwar Unregelmäßigkeiten, die das Weltall verbeulen, sie sind aber nur kleine „Rauhigkeiten“, wie die Poren auf der Oberfläche einer Apfelsine. Die Hintergrundstrahlung sagt uns, daß die Welt im Großen gleiche Krümmung hat, trotz der Galaxien-Runzeln.“

(Rudolf Kippenhahn: Licht vom Rande der Welt. Das Universum und sein Anfang. 3. A. Stuttgart 1985, S. 319f.)

„Wir sind da, weil die Welt glatt ist

Unter ihren denkbaren Welten haben Collins und Hawking solche, die rasch wieder zusammenfallen. In ihnen ist keine Zeit gewesen, Galaxien zu bilden. Welten, die für immer expandieren, zeigten zwar sich verstärkende Unregelmäßigkeiten, aber die Materie fliegt in ihnen so rasch auseinander, daß die Gravitation keine Galaxien bilden kann. So blieb das zwischen den beiden Extremen liegende Weltall. In ihm wird die Hintergrundstrahlung isotrop. Weil dieses Weltall sich unendlich lange ausdehnt, ist genügend Zeit vorhanden, um Galaxien wirklich entstehen zu lassen. Die Expansionsbewegung ist so langsam, daß die Schwerkraft trotz der Fliehbewegung die Materie zu Galaxien werden läßt.

So kommen Collins und Hawking zu dem Schluß, daß die einzigen Arten von Weltall, in denen sich eine isotrope Hintergrundstrahlung herausbildet, gleichzeitig solche Welten sind, in denen sich Galaxien bilden und die daher Leben hervorbringen können. In den Weltallformen, die eine nichtisotrope Hintergrundstrahlung haben, gibt es uns nicht. Niemand ist da, der solch ein Weltall und seine unregelmäßige Hintergrundstrahlung wahrnehmen kann. [...] Wir sind da, weil die Welt glatt ist. [...] Ich bin, weil die Welt isotrop ist. Nur ein Weltall mit isotroper Hintergrundstrahlung lernt denken. [...]“

(R. Kippenhahn, a. a. O., S. 321f.)

"Einige Zeit lang war die Ansicht beliebt (und wurde eifrig von der Tagespresse verbreitet), der denkende Ozean, der die ganze Solaris umspült, sei ein gigantisches Gehirn, das Jahrmillionen der Entwicklung vor unserer Zivilisation voraus habe; das sei etwas wie ein 'Jogi des Kosmos', ein Weiser, Gestalt gewordene Alltagsweisheit, die längst die Nichtigkeit jeglicher Betätigung begriffen habe und deshalb uns gegenüber unbedingtes Schweigen bewahre. Das war einfach unwahr, der lebende Oezan betätigt sich ja - und ob! -, nur eben anders, nicht den menschlichen Vorstellungen gemäß; also baut er weder Städte noch Brücken, noch Flugkörper... hingegen befaßt er sich mit tausendfältiger Umformung, mit 'ontologischer Autometamorphose'..."

(Stanislaw Lem, Solaris. Roman, 1975)


http://www.youtube.com/watch?v=AY62QByUYJQ

"As Time Goes By"

music and words by Herman Hupfeld

[This day and age we're living in
Gives cause for apprehension
With speed and new invention
And things like fourth dimension.
Yet we get a trifle weary
With Mr. Einstein's theory.

So we must get down to earth at times
Relax relieve the tension
And no matter what the progress
Or what may yet be proved
The simple facts of life are such
They cannot be removed.]

You must remember this
A kiss is just a kiss, a sigh is just a sigh.
The fundamental things apply
As time goes by.

And when two lovers woo
They still say, "I love you."
On that you can rely
No matter what the future brings
As time goes by.

Moonlight and love songs
Never out of date.
Hearts full of passion
Jealousy and hate.
Woman needs man
And man must have his mate
That no one can deny.

It's still the same old story
A fight for love and glory
A case of do or die.
The world will always welcome lovers
As time goes by.
Oh yes, the world will always welcome lovers
As time goes by.

© 1931 Warner Bros. Music Corporation, ASCAP

Kommentare 51

  • Eckhard Meineke 1. März 2012, 23:37

    Liebe Brigitte, ich stelle mir immer vor, daß unser ganzes Universum nur die Zelle eines höheren Lebewesens ist. Das beruhigt ungemein ... oder auch nicht. ;-) Eckhard
  • B.K-K 1. März 2012, 11:04

    feine Bea, welche die Darstellung der Zellteilung realistisch erscheinen läßt - :-)))

    LG Brigitte
  • Eckhard Meineke 3. März 2010, 21:55

    Lieber Bringfried, natürlich kannst Du in dem Bild das sehen, was Du darin sehen willst. Übrigens lächelt die rechte Orangenhälfte wirklich ;-). Eckhard
  • Bringfried Seifert 1. März 2010, 15:49

    da lächelt selbst das rechte Embryo über Deine Sturheit ;))
    Gruß, Bringe
  • Eckhard Meineke 25. Februar 2010, 8:15

    Lieber Bringfried, nein ;-). Es geht in der Tat um die Imagination der Zellteilung. Eckhard

  • Bringfried Seifert 23. Februar 2010, 18:02

    der erste Kuß zweier Embryos?
    Gruß, Bringe
  • Eckhard Meineke 4. Februar 2010, 21:46

    @ Flighty Furrow (Besprechung): Lieber Flighty Furrow, zwar hat Harry Mulisch absolut recht, vor allem auf der Makrokosmosebene, da wir das Universum nicht so sehen, wie es zu dem Zeitpunkt wirklich aussieht, in dem wir es als etwas Wirkliches zu sehen glauben. In unserer Gegenwart sehen wir nur die mehr oder weniger entfernte Vergangenheit. Auf der Mikroebene des Sonnensystems oder gar des menschlichen Zusammenlebens hat er zwar absolut gesehen auch recht, aber da sind, besonders bei letzterem, die Zeitdifferenzen so gering, dass sie nicht ins Gewicht fallen. Bekanntlich hat der Mensch einen subjektiven Gegenwartsmoment von drei Sekunden Dauer. Leute wie Mulisch würden vielleicht auch zu denen gehören, die ernsthaft behaupten, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings anderswo einen Sturm auslösen könnte, was aufgrund des Phänomens der Dämpfung aber nicht zutrifft. Natürlich ist auch die Geschichte mit dem „Gemeinsamkeit“ zweier Menschen durch einen ganz bestimmten Akt vor allem für die beiden beteiligten Zellen wahr.

    Über die Übersetzungstheorie gibt es wie zu erwarten viele Bücher. Welche Metaphern es auch in der Antike oder später für den Vorgang des Übersetzens gegeben hat, sachlich geht es darum, dass beim Übersetzen Wörter gefunden werden müssen, deren aktuelle Bedeutung den Wörtern der Vorlage entspricht, Sätze, deren Aussageinhalt dem Satz der Vorlage entspricht, Texte, deren Sinn dem Sinn des Vorlagetextes entspricht. Dass das einen kongenialen Übersetzer erfordert, ist klar, und insofern wird eine vollkommene Übersetzung stets ein Ideal sein, an das man sich annähern mag, das aber unerreichbar bleibt. Auch hier tritt allerdings der Umstand der Dämpfung dergestalt ein, dass eine solche unüberwindliche Schwierigkeit nur bei literarischen Texten höchster Qualität auftritt, etwa bei James Joyces „Ulysses“, für den sich dann ein Wollschläger finden muss. Bei Alltagstexten, die a priori nie eine solche extreme inhaltliche Qualität erreichen, ist demgemäß auch eine befriedigende Übersetzung kein Abrakadabra.

    Das Bild will eine Vorstellung von der Geburt eines Universums suggerieren, die von der Idee der Zellteilung ausgeht. Bei dieser wird ja wohl die Erbinformation der ursprünglichen Zelle in die beiden entstehenden neuen mitgenommen. Zugleich impliziert die Vorstellung der Zelle, dass die beiden mikroskopisch kleine Bestandteile eines größeren Körpers sind, dieser wiederum Teil einer für ihn als Lebensgrundlage dienenden Umwelt und so weiter. Es projiziert also die Idee, die wir von unserer eigenen Mikroebene haben, auf unsere Makrokosmosebene. Damit wird der Vermutung Ausdruck gegeben, dass die Dinge sich nicht nur in der Mikrokosmosebene ad infinitum fortsetzen, sondern auch auf der Makrokosmosebene.

    Eckhard
  • Eckhard Meineke 4. Februar 2010, 8:53


    dradio.de
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1118326/

    Galaktische Geisterfahrer
    Kosmische Objekte bewegen sich entgegen der Expansionsrichtung des Alls
    Von Guido Meyer
    Astronomie. - Weil sich das Weltall in alle Richtungen ausdehnt, entfernen sich Galaxienhaufen wie Rosinen in einem aufgehenden Kuchen immer weiter voneinander. Doch nun haben Wissenschaftler eine Ansammlung von Galaxienhaufen entdeckt, die der Expansion des Kosmos trotzen und sich eigensinnig in eine andere Richtung zu bewegen.
    "Es gibt eigentlich keinen physikalischen Effekt, der das erklären könnte."

    Wenn Wissenschaftler sich so äußern, dann stehen sie meist vor einem großen Rätsel.

    "Was zieht Galaxienhaufen, was also die größten Massekonzentrationen im Universum sind, alles in die gleiche Richtung, über solche enormen Entfernungen hin?"

    Harald Ebeling guckt am Institut für Astronomie der Universität von Hawaii von Honolulu aus hinaus ins All - und entdeckt dort Merkwürdiges.

    "Was also kann so eine Strömungsbewegung hervorrufen, über solche enormen Entfernungen?"

    Fragen über Fragen, aufgeworfen von 1400 Galaxienhaufen, die sich in einer Entfernung von rund drei Milliarden Lichtjahren von der Erde eine Sonderrolle im All herausnehmen. Sie rasen zwischen den Sternbildern Zentaur und Vela mit etwa drei Millionen Stundenkilometern in die falsche Richtung - in eine Gegend nämlich, aus der sie eigentlich fliehen sollten, da die Expansion des Weltraums diesen immer weiter auseinander treibt.

    "So ein Galaxienhaufen, der hat eine Masse von zehn hoch fünfzehn Sonnenmassen. Das ist eine Eins mit 15 Nullen hintendran. Das ist ein ziemlicher Haufen Masse. Um so etwas zu beschleunigen über große Entfernungen, braucht man ungeheure Massekonzentrationen. Das widerspricht dem kosmologischen Prinzip, dass Masse auf großen Skalen ungefähr gleichmäßig verteilt ist. So eine enorme Konzentration kann man theoretisch nicht erklären."

    Und da alles, was für Astronomen im Dunklen liegt, auch so heißt - so wie Dunkle Energie und Dunkle Materie -, hat diese Bewegung einen entsprechenden Namen bekommen: die Dunkle Strömung, wie Alexander Kashlinsky vom Goddard Space Flight Center der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa im US-Bundesstaat Maryland erläutert.

    "Wir haben dieses Phänomen 'Dunkle Strömung' genannt, weil die vorhandene, von uns beobachtete Massenverteilung im All diese Bewegung nicht erklären kann. Sie vollzieht sich entgegen der Ausdehnungsrichtung des Weltraums."

    Also müsse die Ursache für die treibende Kraft der galaktischen Geisterfahrer außerhalb des von uns beobachtbaren Weltraums liegen, folgern die Wissenschaftler. Und das heißt: mindestens 45 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt, jenseits des Ereignishorizonts, den wir von der Erde aus einsehen können, jenseits einer Entfernung also, aus der das Licht seit dem Urknall Zeit hatte, uns zu erreichen.

    "Das Ganze muss also so weit weg sein, dass wir es nicht mehr sehen könnten. Und das katapultiert das Ganze aber in einen Bereich im frühen Universum, der uns also überhaupt nicht zugängig ist. Und da würden wir also tatsächlich solche Ungleichheiten finden, die diese Strömungsbewegung hervorrufen."

    Wenn es keine Ansammlung von Masse ist, da diese nach allen bisherigen Annahmen auf der kosmologischen Skala gleichmäßig verteilt ist, dann müssten es eben "Ungleichheiten" im Raum selbst sein, die diese mehr als tausend Galaxienhaufen auf ihre eigensinnige Bahn zwingen, so das Astronomenteam.

    "Da wäre eine wahrscheinlichere Erklärung, dass einfach die Raumzeit ein bisschen geneigt ist. Man könnte sich das so vorstellen, dass die Strömungsbewegung nicht dadurch hervorgerufen wird, dass man an irgendeiner lokalen Stelle eine enorme Massenkonzentration hat, sondern dass im Wesentlichen alle Masse so auf einer schiefen Ebene rutscht. Das heißt, es gibt keine großen Unebenheiten oder Ungleichmäßigkeiten, sondern es ist ein gleichmäßiger Gradient in der Raumzeit, der das Ganze hervorruft."

    Dass wir den Kosmos als gleichförmig empfinden, wäre demnach eine Illusion, weil wir in unserem beobachtbaren Universum in einer Art Blase leben, die homogen ist. Der Raum außerhalb des Ereignishorizontes wäre von der Expansion des Alls noch nicht ausreichend auseinandergezogen, gestreckt und geglättet worden.

    "Sehr früh in der Geschichte des Universums war die Raum-Zeit inhomogen. Sie enthielt jedoch eine oder mehrere kleine, homogene Blasen. Mit der Ausdehnung des Alls expandierte auch dieser Blasen bis zu einer Größe, die heute den gesamten, von uns einsehbaren Teil des Kosmos' umfasst. Wenn wir aber weiter hinausgehen und diese Blase verlassen könnten, sähen wir Unregelmäßigkeiten in der Raum-Zeit, die für diese Dunkle Strömung verantwortlich wären."

    So wie sich Planeten deswegen um die Sonne bewegen, weil diese den Raum krümmt, würden die Galaxienhaufen am Rande des Alls also einfach nur den "Verwerfungen" des Raumes dort draußen folgen. Bislang freilich ist all das nur eine gewagte Theorie, von der völlig unklar ist, wie sie sich je bestätigen ließe. Sollte sie dennoch korrekt sein, käme das freilich einer Revolution unseres Weltbildes gleich.

     
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  • Eckhard Meineke 3. Februar 2010, 19:14

    Lieber Flighty Furrow, danke! Ich antworte etwas später, wenn ich

    Im Orient-Express
    Im Orient-Express
    Eckhard Meineke


    etwas Muße dazu habe. Das wird aber erst am Freitag sein. Eckhard
  • Flighty Furrow 2. Februar 2010, 14:16

    .

    Het ruimtelijke is steeds ook het tijdelijke. Kijk ik naar de sterrenhemel, dan kijk ik in het diepe verleden. Maar ook de zon zie ik zoals zij er acht minuten geleden uitzag: zeven minuten geleden kan zij gedoofd zijn. Als ik met iemand praat die een meter van mij af staat, dan zie ik hem zoals hij er één driehondertmiljoenste seconde geleden uitzag, terwijl zijn woorden nog veel langer geleden werden uitgesproken, namelijk één direhondertdertigste seconde. Dat wil zeggen: ieder mens bevindt zich eenzaam in zijn heden. Zolang hij niets aanraakt, is hij omgeven door het verleden, - terwijl hij zelf, omgekeerd, voor alle anderen geschiedenis is. Een gemeenschappelijk nu wordt allen door middel van de seksualiteit bereikt. Dit gedeelde moment is vervolgens het biologische creatieve.

    Text: Harry Mulisch

    Das Räumliche ist auch das Zeitliche. Blicke ich in den Sternenhimmel, dann schaue ich in die tiefe Vergangenheit. Sogar die Sonne sehe ich wie sie vor acht Minuten aussah: Vor sieben Minuten kann sie erloschen sein. Wenn ich mit jemandem spreche, der ein Meter von mir entfernt steht, dann sehe ich ihn wie er vor einer dreihundertmilionsten Sekunde aussah, während seine Worte vor noch viel längere Zeit ausgesprochen wurden, nämlich vor einer dreihundertdreißigsten Sekunde. Dies bedeutet: Jeder Mensch befindet sich einsam in seiner eigenen Gegenwart. Solange er nichts berührt, wird er von der Vergangenheit umgeben, während er selbst für alle Andere Vergangenheit ist. Gemeinsamkeit wird nur durch den Akt der Sexualität erreicht. Dieser geteilte Moment ist der biologisch kreative.

    Übersetzung: Flighty Furrow

    a) Metapher - In der Antike wurde für das Übersetzen eines Textes von einer in die andre Sprache die Metapher des Flussübersetzens verwendet.

    b) Grenzen der Vorstellung - Man setzt sich über ein Hindernis hinweg, um an die andre Seite zu gelangen. So einfach kann übersetzen sein.

    c) Unverständnis - Es geschieht in der Hoffung, dass ein Text unverständlich in der Ursprungssprache, in der Muttersprache des betroffenen Publikums, zugänglich wird.

    d) Teilen - Aus ein und dem ursprünglich Selben wird zwei. Ein Dilemma – ebenfalls aus der Antike bekannt. Auch die Orange bleibt die (biologisch) Selbe, aber jede hälfte ist nun auf sich selbst gestellt. Der übersetzte Text ist für den Autor vielleicht nicht mehr verständlich, obwohl es der Gleiche bleibt.

    e) Die erträgliche Leichtigkeit des Seins - Die Tatsache, dass wir das Präsens des Alls de facto gar nicht wahrnehmen, zeigt uns unsere Vergänglichkeit und dass wir aus einer Materien sind die uns dies vielleicht nie 'erlauben' wird. Wollten wir diesen (Zeit)Fluss überqueren - wobei ein kurzer Ausflug zum Mond einer obengenannten "dreihundertmilionsten Sekunde" gleichkommt, sozusagen als 'Kleiner Grenzverkehr' zwischen Erde & Himmel in der Lächerlichkeit verweilt – dann bräuchten wir gute "Übersetzer" – so das Göttlichen der Antike?

    f) Der Tod - Gute Übersetzter sind Künstler. Künstler können über-setzen: Es ist sein Harfenspiel, welches Charon dazu verführt Orpheus über den Fluss zu setzen. Dieser gelangt so lebendig in den Tod. Wir denken wir schauen nach vorne wenn wir ins All blicken – dabei sehen wir nur Vergangenheit: Lebendig im Toten.

    g) Würden wir tatsächlich nach hinten schauen, erginge es uns wie Orpheus? Wer ist unsere Eurydice?

    h) Die Mitte - Zurück zur zweigeteilten Orange – wir haben Einblick in ein biologisches Micro-Macro-Universum. Mit modernster Technik & Software wurde das Ausgangsbild übersetzt in eine andere (Bild)Sprache. Siehe Punkt a - c.

    i) Vor versus Nach - Wir sehen, der Vorteil der Textübersetzung bleibt die Vorlage.

  • Eckhard Meineke 22. Januar 2010, 21:33

    Lieber Carsten, der "Monkey Club", übrigens die Originalbezeichnung für die Wochenendveranstaltung des in der Bildlegende genannten Etablissements, ist für mich in der Tat das Paradigma für ein entweder bewusstloses oder aber feiges und hinterhältiges Leben, dem wir in der Vergangenheit und Gegenwart Gesellschaften und Verhältnisse verdanken, in denen Mobbing über Menschlichkeit regiert.

    Tratsch im Treppenhaus
    Tratsch im Treppenhaus
    Eckhard Meineke


    Und wenn auch der Anlass, dieses Motiv zu fotografieren, sehr spezifisch war, so ist doch die Aussage generalisierbar. Ich teile deine Auffassung, dass man natürlich nicht glauben muss, sondern das Entscheidende an der Sache die Bemühung um das Verstehen der Existenz ist. Mit der kleinbürgerlichen Lebensauffassung, die zum Teil das Thema des nächsten Bildes "Queen" sein wird, kommt man jedenfalls nicht weiter. Was die Auffassung von Karl Marx betrifft, so kann diese allenfalls für falsch verstandene kleingeistige Religiosität gelten, und das, was unter "Kommunismus" oder "Sozialismus" gepredigt wurde, war selbst eine Ersatzreligion, die in ihrer praktischen Verlogenheit kaum überboten werden kann. Darum ist sie ja auch gescheitert. Eckhard
  • Carsten Mundt 22. Januar 2010, 19:08

    Lieber Eckhard,

    der Monkey Club kommt mir doch sehr bekannt vor...

    http://de.wikipedia.org/wiki/Drei_Affen

    Praktischerweise liefert der Wiki-Artikel auch gleich im letzten Abschnitt das mit, was wir wohl in unserem Kulturkreis am ehesten damit verbinden: Ignoranz.

    Möglicherweise ist Religion eben nicht nur Opium für das Volk, wie ein berühmter deutscher Denker sagte, sondern sie könnte auch dem Menschen ein Leitfaden und Anregung sein, über Gott und die Welt nachzudenken. Insofern kann sie uns auch etwas über uns selbst sagen. Egal, ob ein Mensch schlussendlich zu der Erkenntnis kommt, dass er nicht "glaubt", oder ob er "glaubt", allein die gedankliche Auseinandersetzung damit ist doch recht fruchtbar, denn man wird sich dabei zwangsläufig auch mit dem Menschsein und humanitären Fragen auseinandersetzen müssen.

    Wenn man hingegen alles von Anfang an ablehnt und ignoriert, wird das keine Konsequenzen haben und so ist der "Monkey Club" eventuell auch eine der Ursachen für das "Böse" in der Welt.

    lg Carsten



  • Eckhard Meineke 22. Januar 2010, 17:19

    Lieber KD, in unserem Kulturkreis und in anderen auch wird man praktisch in eine Religion hineingeboren, ob man will oder nicht. Ich fasse die Religionen - jede Religion - als historisch gewordene Form auf, mit der sich Menschen einen höheren Zusammenhang ausdenken, der ihrem Leben Sinn gibt, mehr nicht. Dass eine der Religionen gegenüber den anderen den Besitz der Wahrheit beansprucht oder gar die Anhänger anderer Religionen als "Heiden" oder "Ungläubige" ansieht, ist eine mittelalterliche Marotte, die in Teilen der Welt leider fortlebt, weil wir ja, wie sich ein kluger Mensch einmal sinngemäß ausgedrückt hat, chronologisch in der gleichen Zeit leben, aber kulturell in verschiedenen. Jenseits der historischen Formen der Religionen einen Sinn der Schöpfung zu suchen, scheint mir eine Aufgabe für jeden zu sein, der sich bewusst mit seinem Leben befasst. Nun, wie weit unsere Spezies eine längere phylogenetische Lebensdauer haben wird als der homo neanderthalensis, wird sich zeigen ... hoffentlich nicht bereits zu unseren Lebzeiten. Aber so richtig energisch tut unsere Art eigentlich nichts für ihren Fortbestand. Bereits Schiller hat das gewusst, wenn er sinngemäß schrieb, dass der Einzelne gut und klug sein könne, aber in der Masse wandle sich der Mensch zum Toren: "Jeder, sieht man ihn einzeln, ist leidlich klug und verständlich, sind sie in corpore, gleich wird ein Dummkopf daraus". Und wenn nicht ein Transparent mit dieser Einsicht darauf in der Nähe des Hauptgebäudes der Friedrich-Schiller-Universität hinge, hätte ich gar nicht gewusst, dass Schiller bereits die Erkenntnisse der Psychologie der Massen im 20. Jahrhundert vorweggenommen hat.

    Monkey Club
    Monkey Club
    Eckhard Meineke


    Eckhard
  • Karl-Dieter Frost 22. Januar 2010, 15:26

    Lieber Eckhard, danke für Deine umfassende Erwiderung, die dazu beiträgt, ein wenig Struktur in manche krausen Gedanken zu bringen. Sich in einer der Konfessionen aufgehoben zu fühlen gibt ja einerseits ein Gefühl der Ordnung oder Einordnung, wirft andererseits aber auch die Frage auf, warum Angehörige anderer Konfessionen einen geringeren Anspruch auf die Richtigkeit ihres Glaubens haben müssen. Ich glaube nicht, dass eine Schöpfung, wenn sie uns denn willentlich einen herausragenden Platz im Gesamtgefüge eingerichtet hat, nur einen Teil der Spezies mit dem "wahren" Glauben beschenkt hat. Das heißt ja nicht, dass es falsch ist, überhaupt einen Glauben zu haben. Er gibt Halt, Gemeinschaft, Hilfe und sicher auch Trost in vielen Lebenslagen und hat in gesellschaftlicher Hinsicht im Wandel der Geschichte sicher auch immer seinen guten (leider auch oft seinen bösen) Zweck erfüllt.

    Wie lange wir in unserer irdische Sekunde als Homo sapiens noch auf diesem Planeten unsere Zellen Teilen und damit auch immer wieder ein neues Wunder eigener Universen erzeugen ist ungewiss. Unsere Parallelentwicklung, den Homo neanderthalensis, hat es ja schon vor etwa 30.000 Jahren aus dieser Bahn getragen. Bis dahin aber werden wir uns, wie Du treffend sagst, sicher nicht langweilen! :-)

    Gruß KD
  • Eckhard Meineke 21. Januar 2010, 16:58

    Lieber KD, danke! Deine Gedanken gehen ungefähr in die Richtung der meinen. Auf jeden Fall ist klar, dass die Idee des persönlichen, jeden Einzelnen liebenden und ihm auch helfenden Gottes eine wunderbare Vorstellung ist, aber mit den Fakten der Erfahrungswelt kollidiert, woraus bekanntlich das philosophisch-theologische Problem der Theodizee, also der Frage, wie die Existenz des Bösen in der Welt begriffen werden kann, entstand. Dieses kann menschlich befriedigend eigentlich nur so gelöst werden - ich sprach es bereits einmal unter einem Bild Carstens an -, dass wir uns ein anderes Bild von der Schöpfung machen, und zwar eines, in dem die Instanz der Schöpfung zwar Wesen wie uns ermöglicht, zu leben und einen kosmisch kurzen Augenblick am Erkennen der Schöpfung teilzuhaben, wir uns aber nicht einbilden können, dass nun jeder in jedem Augenblick einen "Schutzengel" besitzen müsse. Vielmehr entsteht die Teilhabe am Göttlichen im praktischen Leben dadurch, dass sich eine Gesellschaft kulturell verantwortbare Prinzipien des Zusammenlebens im Lichte der göttlichen Schöpfung setzt und diese auch zu verwirklichen trachtet. So erfährt also der Einzelne die Göttlichkeit seines Seins nicht durch die Gewissheit steter Hilfe von oben, sondern so, dass er überhaupt lebt und mit anderen die Verwirklichung des Humanen vorantreiben kann. Wenn denn die Zeitläufte so sind, dass man dazu die Chance hat. Katastrophen wie jetzt die in Haiti oder gesellschaftliche Katastrophen wie die großen Mördereien des 20. Jahrhunderts

    Non omnis moriar (1): Der Schatten
    Non omnis moriar (1): Der Schatten
    Eckhard Meineke


    sind dadurch keineswegs ausgeschlossen; leider! Auch nicht das individuelle Leid durch Krankheit und Anderes. Im Grunde bemüht sich ja jeder, der an der Schöpfung nicht als etwas Sinnlosem oder gar Absurdem verzweifeln will, wie es zum Teil den Existenzialisten geschah, in den erfahrbaren Weltlauf einen Sinn für sich selbst und einen Sinn für das Geschehen insgesamt zu bringen; bisher ist möglicherweise keine bessere Lösung als die gerade skizzierte gefunden worden; jedenfalls kenne ich keine.

    Was nun die Entstehung des oder eines Universums betrifft, gehen gewiss viele Leute von dem Modell aus, das Du versinnbildlichst oder das auch Max Ernst mit seinem Bild "Die Entstehung einer Galaxie" andeutet. Aber bezüglich dieser Frage ist der menschliche Verstand angesichts der von Dir mit Recht angesprochenen Ungeheuerlichkeit des Ganzen ja ohnehin auf Spekulation und auf Metaphern angewiesen. Da nun in der organischen Welt das Modell der Zellteilung ein Grundprinzip ist, könnte eine diesbezügliche Spekulation es auch auf die Ebene der Genese eines Universums übertragen. Das würde auch bedeuten, dass es wie bei der Zelle Milliarden dieser Universen gäbe und immer so weiter. Die Schöpfung wäre also noch weitaus größer angelegt, als es bereits die Idee von EINEM Universum beinhaltet. Insoweit leben wir gewiss in einer zutiefst "wunderbaren" Welt, die wir in ihrer Totalität nie auskosten können werden. Wer sich langweilt, ist doch ein armer Teufel. Eckhard