78.208 77

Wellenspiel

Das Foto ist spontan entstanden, als ich spätnachmittags mit der Kamera auf der Seebrücke in Zingst unterwegs war. Mich hat die Kombination des Wellenspiels mit dem Jungen angerührt. Das Foto war eigentlich monochrom blau.

-=-=-=-=-=-

Willkommen zu Agora - Bilddiskussion intensiv
Wir freuen uns, dass Du Dich intensiver mit diesem Foto auseinandersetzen möchtest.

Bei Agora liegt der Schwerpunkt auf der Wahrnehmung und Interpretation des Fotos - weniger in dessen Bewertung.

Daher folgender Tipp für Dich:
Stell Dir bei der Betrachtung des Bildes zum Beispiel folgende Fragen:
- Was sehe ich?
- Was löst das Bild in mir aus?
- Wie verstehe ich das Bild?
- Welche Aspekte im Bild sprechen mich besonders an?

Diese und andere Fragen helfen Dir, das Foto zu analysieren, es zu verstehen und einzuordnen. Und andere Betrachter des Fotos können Deine Gedanken zum Foto als Ausgangspunkt für eine Diskussion und weiteren Austausch sehen. Es profitieren also alle davon.
Wir freuen uns auf Deine ausführliche Anmerkung und Deine Gedanken zum Foto!

Wichtig:
Wir bitten Dich darum, die Anmerkungen auf das Foto zu fokussieren.
*Destruktive und/oder verletzende Anmerkungen und Kommentare, die nichts zur inhaltlichen Diskussion des Bildes beitragen, werden gelöscht. *

Kommentare 77

Die Diskussion für dieses Foto ist deaktiviert.

  • Agora Bilddiskussion intensiv 7. Februar 2021, 9:36

    Hier ist die Diskussion nun beendet.
    Agora wird unter diesem Foto fortgesetzt:?
    Auslauf Putlitzbrücke
    Auslauf Putlitzbrücke
    Agora Bilddiskussion intensiv
  • Agora Bilddiskussion intensiv 7. Februar 2021, 9:36

    schreibt:
    „Zunächst möchte ich mich mal für die rege Diskussion ganz herzlich bedanken.
    Ich will erst mal versuchen, einige Fragen zu beantworten:
    Wie ich bereits erwähnte, ist das Foto am Spätnachmittag entstanden. Wie Ortskundige bereits richtig klarstellten, verläuft die Seebrücke in Zingst genau in Süd-nördlicher Richtung. Der Junge lief östlich von mir vom Strand weg auf das Meer zu, d.h., das Foto entstand von Westen nach Osten.
    Das Foto entstand am 7.10.2020 um 17:37. ich hoffe, in dieser Richtung damit Klarheit geschaffen zu haben. Jetzt zu einigen technisch-stilistischen Kommentaren: Die Bildbearbeitung dieses Fotos bestand lediglich in einem nachträglichen Zuschnitt, relativ starker Kontrast- und Klarheit-Anhebung sowie die bereits erwähnte Transposition ins Schwarz-Weiß. Eine lokale Aufhellung oder Abdunklung hat nicht stattgefunden.
    Wer von den Diskussionsteilnehmern Interesse hat, kann sich ab morgen auf meinem Account noch das originale und eins von der etwas weiteren Umgebung vom selben Standort in dieselbe Richtung aufgenommene Foto anschauen.
    Nun gab es ja auch noch einige, schon philosophisch zu nennende, Kommentare, zu denen ich sagen kann, dass ich freudig-erstaunt bin, zu welchen Gedanken und Gefühlen dieses Foto bei deren Autoren geführt hat. Vielleicht kann ich hier noch ein paar Gedanken zu meiner Art des Fotografierens äußern; Ich bin nun nicht der Typ, der sich im Vornherein lange Gedanken zur Entstehung eines Fotos macht, sondern mein Ansatz ist der, aus dem, was mir begegnet, das Motiv zu erkennen und spontan ins Bild zu setzen. So habe ich auch aktuell auf die Stimmung, die diese Szene transportierte, reagiert: Der Junge zeigt in meiner Wahrnehmung eine ruhige, zum Innehalten animierende, sich nicht von dem Trubel ringsherum, der wie üblich dort herrschte, irritieren lassende Haltung, wie sie gerade bei Kindern öfter wahrgenommen werden kann. Und diese Konzentration auf sich und das Wasser korrespondiert durchaus mit dem filigranen, sanften Wellenspiel um ihn herum.
    Nun muss ich natürlich gestehen, dass mir diese Gedanken und Gefühle nicht im Augenblick des Auslösens klar waren, sondern erst im Zusammenhang mit der Formulierung dieses Abschluss-Kommentars gekommen sind. Insofern kann ich sagen, dass diese Diskussion mich dankenswerterweise „gezwungen“ hat, mir mehr Gedanken über das, was mich beim Fotografieren antreibt, zu machen. Danke auch dafür.“
  • ShivaK 5. Februar 2021, 21:59

    Kleine Frage: wielange soll dieses Bild hier eigentlich noch diskutiert werden?
    • Gerhard Körsgen 5. Februar 2021, 22:49

      Bis Sonntag vormittags. Dann kommt ein neues. Wenn agora ein neues hat ;-)
    • ShivaK 6. Februar 2021, 6:48

      sie haben mit Sicherheit ... und wenn die Administratoren (leider sind sie für uns ja noch anonym) selbst eins erfinden müssen ;-)))  ... solch eine Unterhaltung und Spielwiese lässt sich doch niemand entgehen ;-)))
      (und wahrscheinlich ist es sogar ein Alleinstellungsmerkmal dieser Plattform, was ja in solchen Zeiten so rein marketingtechnisch auch von Vorteil sein mag)
  • Jörg 59792 5. Februar 2021, 19:32

    Vorweg: Mir gefällt das Bild sehr gut.
    Es ist so angenehm unprätentiös. Der Junge geht da einsam, anscheinend ohne Ziel, kontemplativ entlang und genießt vermutlich den nassen Sand -- in der Dämmerung. Ist er in dem Alter, wo die Welt beginnt zum Rätsel zu werden? Sinnt er über sie nach?
    S/W ist die ideale Darstellungsform. Durch das streifend einfallende Licht wird das Wasser zu Anfassen plastisch. Ich hätte vermutlich vom oberen Teil bis kurz vor die Bohlen das Meer abgeschnitten. Es braucht's nicht zur beschriebenen Aussage, auch wenn diese garnicht beabsichtigt war. Für mich ist sie einfach da.
  • C.S.one 5. Februar 2021, 17:23

    Ich oute mich vorneweg, dass ich noch nie in Zingst war, und mir deshalb keine Gedanken darüber machen muss, in welcher Richtung, von wo nach wo der Junge läuft und zu welcher Jahres- oder Tageszeit. :) Ich betrachte einfach das Bild, das mir präsentiert wird.

    Mir gefallen der Bildaufbau, die Stimmung und die Wahl von S/W. Die farbige Version würde mit Sicherheit eine andere Stimmung ausdrücken. Ob besser oder nicht, spielt keine Rolle, der Bildautor/die Bildautorin hat es so gewollt und gewählt.

    Die Hauptfaszination in diesem Bild liegt für mich im Folgenden: Der Junge kommt vom oberflächlich Trockenen und läuft Richtung Wasser, das auf beiden Seiten und vor ihm bereits den Sand überflutet. Das ist spannend: Will er ins Wasser? Aber hat ja noch die Jacke an. Solche Gedanken regen meine Fantasie an, machen das Bild für mich interessant.

    Daraus folgt, dass alles, was hinter den Buhnen ist, eigentlich nur ablenkt und überflüssig ist. Vielleicht könnte man sie als obere Begrenzung des Bildes stehen lassen, vielleicht auch ganz weglassen, damit man sich als Betrachter voll und ganz auf den Jungen und die Wellen konzentriert? Auf jeden Fall würde aus meiner Sicht ein engerer Bildausschnitt die Bildaussage stärken und fokussieren.

    Je länger ich das Bild betrachte umso dominanter stellt sich mir zudem die Frage, wie dieses Bild wirken würde, wenn es horizontal gespiegelt wäre. So, wie es ist (und tatsächlich war), läuft der Junge irgendwie "rückwärts". Dies empfinde ich, wie wohl sehr viele andere aufgrund unserer kulturellen Prägung zumindest unterbewusst so. Würde er von links nach rechts gehen, würde er "sprichwörtlich" zu neuen Ufern aufbrechen, in die Zukunft hineinwaten. Weiter unten hat das ja schon jemand gemacht und für mich wirkt das Bild in dieser Version viel harmonischer und ausgeglichener.

    Nun stellt sich die Frage, ob des Künstlers Freiheit so weit gehen darf oder nicht. Aber da kommt dann wieder die Absicht des Bildautors zum Zug: Will ich eher dokumentieren oder will ich gestalten. 

    So oder so, danke für diesen bereichernden Bildbeitrag!
    • HF25 5. Februar 2021, 20:14

      ??? ...   fuers kurze schwimmen zur abhaertung im herbst werden kleine wasserfeste packsaecke genutzt.    lg horst
  • AnBel 5. Februar 2021, 14:08

    Die Stimmung im Bild finde ich eher erdrückend, die Haltung des Jungen ist traurig. Der Bildaufbau ist perfekt.
    • wittebuxe 5. Februar 2021, 14:33

      Es ist erstaunlich, wie viele Interpretationen so ein  Bild zulässt - ich sehe den Jungen eher konzentriert, nachdenklich; entweder  kommt er von einer erledigten Aufgabe, oder er hat sie noch vor sich. Er wirkt entspannt, leider sieht man nicht, was er in seiner rechten Hand trägt, es hat womöglich mit dieser Aufgabe zu tun.

      Viele meinen ja, dass ein Bild nichts erzählen kann. Das könnte in soweit stimmen, als das man eventuell umgekehrt selbst dem Bild etwas erzählt - aus seiner eigenen, tief verinnerlichten Erfahrung.
      Darüber werde ich mir mal Gedanken machen (müssen) ;-)

      Der Bildaufbau ist wirklich perfekt.
    • ShivaK 5. Februar 2021, 14:41

      er hat die Ärmel hochgekrempelt ... das spricht dafür, dass er Wasser holen will ... ich vermute, er trägt einen kleinen Eimer zum Wassertransport. Oder er geht das Eimerchen seiner kleinen Schwester ausspülen, weil die Familie langsam nach Hause gehen möchte ...
    • HF25 5. Februar 2021, 15:12

      @ wittebuxe: da gebe ich dir recht, bei der deutung und auch schon bei der aufnahme erzaehlt ein bild oft mehr ueber den fotografen / den betrachter als ueber das abgebildete. 
      zum eindruck des traurigen koennten hier die vielen tiefen schwarztoene beitragen...
      meine vermutung ist, dass der junge seine schuhe und stuempfe traegt  :-)     lg horst
    • Clara Hase 5. Februar 2021, 18:56

      ich finde er geht ganz konzentriert und zielbewusst ins Wasser- als hätte er etwas vergessen - es ist Nachmittag -die sonne senkt sich ab - was auch die Gegenlichtaufnahme zeigt.
      Ich habe mir das Bild auch umgedreht - da bekomme ich x-Beine davon. Beitrag 100 - nun reichts aber - der kümmel ist nicht nur gespalten sondern bereits Mehl.
  • mnb_3000 3. Februar 2021, 19:16

    Das Bild wirkt auf mich sehr meditativ: Ruhe in der Bewegung, der Junge teilt dass Bild im goldenen Schnitt, was die Ausgewogenheit und Ruhe noch mehr unterstreicht, es ist aber trotzdem nicht statisch. Alles ist in Bewegung. 

    Wenn ich mich in den Jungen versetze, spüre ich eine Lust den Wellen entgegenzugehen und das Unbekannte zu erforschen.

    Durch sw werden Junge und Meer zu einer Einheit.
  • wittebuxe 1. Februar 2021, 23:45

    Für mich sieht es so aus, als ginge der Junge auf diesen kleinen Pril zu, dessen Wasseroberfläche sichtbar gekräuselt ist - wie man es kennt, wenn die Flut zurückkommt und er schnell wieder vollläuft. Hieße, das Meer ist in seinem Rücken. Da ich ortsunkundig bin, wäre ich auch gespannt auf eine nachvollziehbare Erklärung zu Aufnahmeort und -richtung. Denn der Autor hat neben einem Foto, das - in mir - eine gewisse Sehnsucht und Ruhe auslöst, unbewusst(?) ein unterhaltsames Rätsel mitgebracht - das selbstverständlich ergründet werden muss ;-)
  • HF25 1. Februar 2021, 15:42

    eine aufnahme mit klassischem bildaufbau, der in der waagerechten und in der senkrechten eine teilung in drei bereiche erkennen laesst und den jungen mann guenstig entsprechend seiner gehrichtung ins bild setzt. die schatten und lichter im bild lassen vermuten, dass die aufnahme im herbst oder im fruehjahr entstanden ist.
    ueber das bereits geschriebene hinaus sehe ich im bild vor allem, dass es eine geschichte erzaehlt. eine lebensgeschichte mit der ueberschrift „der junge mann und das meer“... / evtl, auch “der junge mann und das mehr“ ;-) ...
    fotografisch besonders, indem die umrisse durch abdunklung ungewoehnlich hart herausgestellt wurden; entweder durch eine programmeinstellung der kamera oder die heute uebliche nachbearbeitung per software, falls das foto digital erstellt wurde. als analoge aufnahme waere eine besondere dunkelkammerbearbeitung moeglich; auch zur bewussten wandlung des farbigen in ein sw-foto.
    die durch das sw noch zusaetzlich unterstuetzte haerte der umrisse dient sowohl der grafisch gelungen betonung der unterschiedlichen wellenformen und -linien als auch der ansprechenden darstellung der buhnen und des jungen mannes. sie erschliesst aber auch die wesentliche inhaltliche geschichte dieser aufnahme, die von der auseinandersetzung des jungen mannes mit dem leben, hier mit dem meer, erzaehlt…
    gerade die meereskueste mit ihren gegensaetzen von wasser und trockenheit, waerme und kaelte, licht und dunkelheit, regelmaessigkeit und einzigartigkeit usw. bietet dazu vielfaeltige gelegenheit und wird immer wieder gern von menschen zum austesten und erweitern ihrer persoenlichen grenzen genutzt. der alte brauch der abhaertung durch meerwasser bekommt in unserer seuchenzeit ausserdem eine zusaetzliche bedeutung als massnahme zur steigerung der abwehrkraefte des koerpers gegen die gefaehrlichen krankheitserreger.
     entsprechend seines alters sucht der junge mann seine persoenliche grenzerfahrung und -erweiterung nicht gleich im sturmgebraus auf dem offenen meer oder im brandungsbereich, sondern im verhaeltnismaessig sicheren schutzbereich der buhnen. moeglicherweise handelt es sich um einen von vielen regelmaessig betriebenen abhaertungs-spaziergaengen mit blossen fuessen und anschliessendem kurzem wassergang mit nacktem koerper, um sich abzuhaerten und bereitzumachen fuer das im fruehjahr regelmaessig anstehende „anschwimmen“, das die kuestenbewohner als grossereignis feiern. dadurch schliesst sich auch der bogen zu der anfangs erwaehnten besonderen haerte der umrisse, die der fotograf in dieser aufnahme bewusst herausgearbeitet hat.
    Kurzum: eine feine, in sich stimmige aufnahme, sowohl inhaltlich als auch foto-grafisch.
    diese harten umrisse waeren allerdings auch farbig moeglich gewesen; evtl. waere die aufnahme farbig sogar noch ueberzeugender :-)      lg horst
    • Wolf Schroedax 2. Februar 2021, 8:44

      @HF25:  ...du hast die Möven vergessen dazu zudenken,  und ihr spöttisches
       L iahiahiahiahiahiahiahia chen ....  lgw
  • milchschäfer2 1. Februar 2021, 12:56

    kann mir vorstellen , dass das Foto auch ohne das zusätzliche (ablenkende) Thema Buhnen oben ganz gut rüberkommt , hätte diese einfach weggeschnitten
    • Wolf Schroedax 4. Februar 2021, 22:19

      Die Buhnen finde ich zwar sperrig, aber auch wichtig in der grafischen  Komposition::  sie lenken nämlich auch ab von der hinter ihnen liegenden Unschärfe. Diese erzeugt nämlich eine Glanzlosigkeit der Wasseroberfläche, weil  deren Feinstruktur verschwimmt.  Man könnte die flachen Wellen deswegen fast für Sandbänke halten (oben links).  Deswegen fehlen den zwei schwarzen  Flächen oben rechts auch die Randmerkmale, welche sie als relativ trockenen Sand ausweisen würden...   lgw
  • Gerhard Körsgen 1. Februar 2021, 9:45

    Gefällige Aufnahme.
    Erinnert mich spontan und unvollständig - viele Details sind anders - an Werner Bischof's berühmte Aufnahme "Auf dem Weg nach Cusko".
    https://www.leicastore-frankfurt.de/werner-bischof-auf-dem-weg-nach-cusco-peru-1954
    Wahrscheinlich kam mir diese Assoziation wegen der vergleichbaren Fußhaltung der Protagonisten. 
    Aber auch "an sich" gefällt mir die Aufnahme gut. Das sw empfinde ich als "klassisch" und angenehm die graphischen Strukturen betonend. 
    Die monochrom blaue Version würde mich aber auch interessieren. Ich könnte mir vorstellen dass diese stimmungsmäßig ganz anders wirkt.
    Wäre es mein Foto hätte ich den Bildausschnitt anders gesetzt und wahrscheinlich versucht den Jungen noch ein Tickchen mehr nach rechts hin zu platzieren.  Vielleicht in Tateinheit mit einem ein wenig "widescreenigeren"  Schnitt insgesamt.  Aber auch das genaue Gegenteil wäre denkbar, also quadratisch oder nahezu, mit dem Jungen als Zentrum.
    So wie hier zu sehen gefällt es mir aber auch. Vielleicht ein bisschen "brav" dieser Schnitt. Aber kann man/frau schon so machen.
    Wenn der/die Fotograf/in sagt dass das Foto spätnachmittags entstanden ist dann glaube ich das erstmal. Auf mich wirkt es so als würde der Junge Richtung Meer gehen.
  • Bernard B.. 31. Januar 2021, 22:06

    „Das Foto ist spontan entstanden“ - Wie gelingen einem solche Fotos, im ENTSCHEIDENDEN MOMENT? Manchmal ist es, wie wohl hier („spontan“), Glückssache (der Fotograf/die Fotografin konnte eine solche Situation nicht vorhersehen); manchmal ist es auch eine Sache der Geduld, des Wartens auf eine Situation, die er/sie erahnt und die eine Szene zu einer besonderen emporheben: der Lichtschimmer auf dem Wasser, der Schattenwurf bei tief stehender Sonne.
    Entscheidend ist, dass der Fotograf solche atmosphärischen Situationen, sobald sie sich darbieten, erkennt und rasch ergreift. Und das ist ihm/ihr hier gelungen, finde ich:
    der kurze Moment, in dem der Junge seinen vorderen Fuß aufsetzt (erinnert mit diesem Moment und dieser Spiegelung, auch wenn sehr weit hergeholt, an einen ähnlichen Moment, in dem H. Cartier-Bresson hinter dem Bahnhof Saint-Lazare auf den Auslöser drückte),
    und der längere Moment, in dem die von vorne scheinende Sonne die Meeresoberfläche zum Scheinen bringt.

    „Das Foto war eigentlich monochrom blau“ - und so sicher mindestens genauso reizvoll wie die in Schwarzweiß umgewandelte Version, denn was drückte ‚Meer‘, zumal hier, wo das Meer das Bild von oben bis unten füllt und die Person praktisch vollständig umfließt, besser aus als monochrom blau, le grand bleu?

    Und wenn den Fotografen „die Kombination des Wellenspiels mit dem Jungen“ zu dieser Aufnahme bewogen hat, so stellt für mich als Betrachter das entstandene Bild zunächst ein STIMMUNGSBILD dar, in dem Sinne, dass es in der Lage ist, beim Betrachter einen angenehme Stimmung zu evozieren: Wasser, Meer, angenehme Assoziationen mit (derzeit wohl auch Sehnsucht nach) anderen als zweiten und dritten Wellen - Meereswellen, Urlaub, Sonne, Wärme, unbeschwerte Tage, Freiheit von manchen Zwängen, fotografiert bei reizvollem Gegenlicht, also: Glitzern auf dem Wasser, interessanter Schattenwurf. 

    FORMAL-TECHNISCH erstaunt mich, wie die Wellen dargestellt sind und was das Bild auch zu einem besonderen macht:
    zum Teil (Quadrant links unten) wirken sie sehr interessant, da so noch nicht auf einem Foto gesehen, fast grafisch-abstrakt (noch abstrakter als es jedes Foto prinzipiell, technisch bedingt, sein muss) - wäre hier der Vergleich mit der Drucktechnik Stich irrtümlich?
    Zum Teil (Quadranten rechts unten, links oben) wirkt das Abgebildete so durchsetzt mit Artefakten (im fotografischen Sinn), wie Zeile um Zeile von Strichen und Feldern von Punkten, oder zum Teil (oben Mitte, rechts) so verwaschen-konturlos (eine sehr reduzierte dynamic und tonal ränge, nur 4 Graustufen), dass dies erinnert an ältere Science Fiction-Filme, wo zu diesem Mittel gegriffen wurde, um bei Video-Übertragungen anzudeuten, dass das Bild gleich zusammenbricht.
    Diese Darstellung (ob der Nachbearbeitung oder einem sehr schlechten Bildsensor geschuldet) empfinde ich als fehlerhaft und störend, zumal sie in bizarrem und mir nicht in der Sache begründeten Kontrast steht zur einwandfreien technischen Darstellung des Jungen und seiner unmittelbaren Umgebung. 

    Recht eindeutig erscheint mir als Grund ‚nachträgliche Bildbearbeitung‘, warum rechts Mitte und oben drei helle Flächen abgedunkelt wurden; dass eine Abdunklung sinnvoll erscheint, da die hellen Flächen sonst sofort das Augenmerk auf sich zögen, ist eine Sache, allerdings: wie dies geschah, würde ich nur als ungekonnt-plump und somit störend bezeichnen, die Flächen sind eher Flecken geworden: ohne Sorgfalt, ohne Bemühen um ein Einpassen und differenziertere Abdunklung innerhalb und zur Umgebung.

    Das Bild wirkt KOMPOSITORISCH harmonisch-rund, die Bildaufteilung horizontal und vertikal (Pflock-Linie, Position des Jungen im Bildrahmen) dürften die Anhänger der Drittel-Regel als erfüllt abhaken können. 

    Formal können auch die VIELFALT der teils parallel laufenden, teils kreuz und quer verlaufenden Linien, die unregelmäßigen FORMEN und das Spiel von Licht und Schatten auf dem Wellen-Gekräusel gefallen, Makro- und Mikrostrukturen, Vielfalt im (eine Ebene höher) Gleichen: jede Welle gleich, und doch jede Welle einmalig, anders als alle anderen.
    Auch wenn es sich nur um ein Bild von Wasser am Strand handelt: das Bild wirkt in seiner Homogenität doch abwechslungsreich und lädt ein zum längeren Verweilen des Blicks auf ihm, zugleich strahlt es Ruhe und Gelassenheit aus, so dass es sicher immer wieder gern betrachtet werden mag.

    Das Bild bietet aber weit mehr als Assoziationen mit angenehmen Stimmungen, nämlich, sofern man sich darauf einlassen will, eine ganz andere, tiefere Dimension, die dem Bild einige METAPHORISCHE Deutungsmöglichkeiten erschließt, ausgehend von folgenden Aspekten:
    - Durch Weglassen von Unwesentlichem wirkt es elementar. 
    - No line on the horizon: der Himmel ist (wegen des erhöhten Aufnahmestandpunkts) nicht sichtbar, die zum Strand laufende Wellen füllen das ganze Bild aus. 
    - Die Wellen kommen von links - doch der Junge, allein, geht dahin, woher die Wellen kommen, in Richtung tieferes Wasser, offensichtlich ruhig und gefasst.
    - Die Wellen drängen vor, ziehen sich zurück, Wasser umfließt den Jungen von praktisch allen Seiten - doch wo der Junge geht, ist ein fast halbtrockenes Stückchen Land.
    - Der Junge befindet sich jetzt auf der (von Holzpflöcken markierten) geschützteren Seite, die größeren, gefährlicheren Wellen sind (noch?) jenseits. 

    Auch wenn mir bei diesem Bild technisch einiges reizvoll, anderes fehlerhaft-störend erscheint, so ist es doch nie die Technik, die ausschlaggebend ist, ob ein Bild für einen Betrachter als gelungen erscheint, sondern, wie es auf ihn wirkt und was es ihm bietet an Deutungsmöglichkeiten:
    Hier ist ein Bild, bei dem man sich der formalen Vielfalt im Einen erfreuen kann, das aber auch ein fast poetisch-meditatives Stimmungsbild sein kann, ja sogar ein Bild, das metaphorisch in unterschiedliche Richtungen interpretierbar ist.
    • Wolf Schroedax 2. Februar 2021, 20:42

      @Zitat " Bildbearbeitung .. rechts oben und Mitte und oben drei helle Flächen abgedunkelt .."    -   Diese dunklen Flächen sind "halbgetrocknetes  Land"  wie das, über welches der Junge gerade gegangen war... Also m.E. kein isolierter Bearbeitungseffekt.
    • ShivaK 3. Februar 2021, 5:46

      sehe ich wie Wolf ... hier wurde nicht bearbeitet ... das ist der Ebbesand, der von der letzten kleinen Welle verschont wurde.
      Nein, hier wurde alles belassen und nichts bearbeitet, außer vielleicht der Kontrast hochgezogen, aber vielleicht noch nichtmal das (war ja schon späterer Nachmittag)
    • Clara Hase 3. Februar 2021, 20:13

      die dunkelflächen sah ich als Schatten an - die Wellen und sanddünen sehen allerdings hinter den Wellen brechern anders aus. Na egal. Tee ein mal in die Runde
    • Wolf Schroedax 5. Februar 2021, 9:55

      @clara::: siehe bei milchschäfer; 1.Febr.21, 12:56
  • Wolf Schroedax 31. Januar 2021, 18:03

    Blaue Stunde in Schwarz-Weiß !  Es hebt den graphischen Aspekt des Bildes, aber nicht die Stimmung.  Man scheint sich noch nicht einmal darüber einig zu werden, ob es morgens oder abends aufgenommen ist und in welcher Himmelrichtung der Junge unterwegs ist. Eine kleine Rolle spielt auch die Tide. Es könnte Niedrigwasser sein, und der Junge geht, um die Hummerfallen zu kontrollieren  .....oder um die Seebrücke zu fotografieren - vom Wasser aus,,,
    • Helge Jörn 31. Januar 2021, 22:15

      Das Ufer bei Zingst verläuft fast genau von Ost nach West; die Buhnenreihe - in die Ostsee hinein - daher - vom Ufer aus gesehen - von Süd nach Nord. Und ganau aus der Richtung können auch nur die Wellen kommen. Von Norden. Ergo geht der Junge in nördlicher Richtung. Wenn er dabei von der Brücke aus fotografiert wurde und Gegenlicht vorherrscht, dann kann dies nur aus dem Osten kommen. Also am Morgen.
      Oder aber:
      @ Saxon-2 Du hast recht. Die Buhnen auf der westlichen Seite der Brücke liegen viel näher an dieser als auf der östlichen. Die Tiefenschärfe spricht gegen die Verwendung eines Teles oder großer Brennweite. Bleibt um das Rätsel zu lösen noch die Möglichkiet, dass der Autor das Foto gespiegelt hat um eine Bewegung von links nach rechst zu suggerieen. Hat ihm vielleicht besser gefallen. Mir übrigens auch.
    • Saxon-2 31. Januar 2021, 22:57

      Im Text steht, " Das Foto ist spontan entstanden, als ich mit der spätnachmittags mit der Kamera auf der Seebrücke in Zingst unterwegs war."
      Also kann es nicht Morgens sein.
      Ich habe gerade drei Aufnahmen von Platte geholt, und entwickelt, 18 Uhr, 19 Uhr und 20 Uhr, um den Schattenverlauf zu prüfen ;-).
      Alle drei Uhrzeiten sind auch wesentlich heller.
      Ich hab eine Idee was das Bild ist ;-).
      18 Uhr zeigt sich in etwa der Schattenverlauf des Jungen, das Ende Mai und erste Juni Woche, so grob per Daumen.
      Und damit beende ich das jetzt, ich weiß jetzt was ich wissen wollte.
      Gruß Saxon
    • Helge Jörn 1. Februar 2021, 0:07

      Kommt hin wenn ich mir das auf Photographer's Ephemeris ansehe.
      Ich habe auch so meine Idee zu dem Bild.
      Aber vom Strand weg geht der Junge auf jeden Fall :)
      Und damit ist für mich hier dann auch Schluss :)
      War nett sich mit dir zu unterhalten!
      VG   Helge
    • Wolf Schroedax 1. Februar 2021, 20:24

      Die horizontale Spiegelung (Helge J. 31.1.21; 19:36) als des Rätsels Lösung  !
       Bei mir persönlich passt das Bild dann auch besser in die Koordinaten ... lgw 
      Wellenspiel
      Wellenspiel
      Agora Bilddiskussion intensiv
  • Clara Hase 31. Januar 2021, 16:16

    das Foto ist auf mich sehr ansprechend. die harten Kontraste, die Schatten, das malerisce Gewirble des Wasser vor und hinter den Wellenbrechern - das Lecken des Wasssers am Ufer oder überhaupt - flaches Wasser - weiss ich nicht.
    Hinter dem Jungen läuft sozusagen ein Schattten - aber auch darüber hinter den Wellenbrechern eine Art Zelt oder Fahne in tiefem Schwarz. Ich habe schon gelesen, dass es evtl Schatten der Brücke auf der rechten Seite des Fotos sein könnten.

    Wie er da voranschreitet, mit relativ grossem Fuss und doch gelassen .
    Was er in den Händen trägt vermag ich nicht zu deuten. Zu sammeln gibt es j a immer etwas.

    Das wird ne anstrengende Woche weils nichts zu kritteln gibt.
    monochrom-Blau- wäre es vermutlich unfreundlich und düster im Ausdruck.
    klapp klapp ein feines Foto

    PS es gibt sogar eine Spieglung von seinem forschen Bein - Körper auch - also käme die sonne wohl von da uns entgegen.
  • ShivaK 31. Januar 2021, 13:16

    Wenn ich das Foto so betrachte, muss ich spontan an den jungen Tadzio bei Thomas Mann denken. Ein Junge geht in Richtung Meer und wird dabei für ihn unbemerkt beobachtet. Durch das Foto werden wir mit zum Beobachter und können uns vorstellen, was ihn wohl antreibt. In seiner rechten Hand sehe ich schwach umrissen etwas, was er zum Meer hin mitnimmt; ein Sieb vielleicht, vielleicht aber auch ein kleines Boot. Es bleibt offen und der Phantasie des Betrachters überlassen; angesichts seiner Kleidung darf man davon ausgehen, dass er nicht baden will.
    Fotografisch hätte ich es gerne in dem erwähnten Blau gesehen, denn auch ich gehöre nicht zu den Verfechtern der These, dass eine Schwarz-weiß-Transformation automatisch aus einem Foto Fotokunst macht (abgesehen davon sagt natürlich niemand, dass der Bildautor hier Fotokunst zeigen will). Von der Bildgestaltung ist es für meinen Blick nicht spektakulär, aber solide. Ob man die Dunkelstellen lieber durchgezeichnet sieht, ist sicher Geschmacksache; ich hätte es glaube ich gut gefunden, zumal es mit den heutigen Mitteln keinen großer Aufwand bedeutet. Außerdem hätte man oben etwas schneiden können, da die dunklen Sandbänke eher ablenken als etwas zum thematisierten Wellenspielbild beizutragen.