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Warum bei lebenden Insekten nie ein vollkommen scharfes Foto vom Facettenauge entstehen kann

Warum bei lebenden Insekten nie ein vollkommen scharfes Foto vom Facettenauge entstehen kann

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Frank Köhler


Basic Mitglied, Bornheim / Rheinland

Warum bei lebenden Insekten nie ein vollkommen scharfes Foto vom Facettenauge entstehen kann

und wann dies doch möglich ist :-)

In vielen Bilddiskussionen wird oft eine Unschärfe bei Insektenaugen bemängelt, besonders dann, wenn
die Augen einen großen Teil des Bildes ausfüllen, allerdings "schwammig" aussehen, während die Schärfe des
Kopfbereiches des Tieres anscheinend tadellos ist.

Je nach Art können die Augen aus wenigen bis hin zu tausenden Facetten gebildet werden. Insbesonders bei
größerer Komplexität kann die Anzahl der Facetten die Anzahl der zur Verfügung stehenden Bildpunkte
überschreiten - z:b. 200 Facetten im Bereich von 100 Pixeln - so dass eine detaillierte Darstellung am Bildschirm
computertechnisch unmöglich ist. Warum aber unter selbst günstigen Bedingungen Augen unscharf erscheinen
können, soll am obigen Beispiel der Kohlschnake erläutert werden:

- Das große Foto zeigt das Auge komplett. Es fallen beim lebenden Tier grüne und rote Bereiche auf.
- Unten rechts sind drei Facetten im Querschnitt grafisch dargestellt. Linse und ein Kristall brechen und bündeln
das einfallende Licht, um es den Sehzellen zuzuleiten. Die Strukturen sind also lichtdurchlässig und damit
transparent.
- Oben rechts wird ein unverkleinerter Bildausschnitt eines unterbelichteten Bildes widergegeben. Wir sehen hier
grüne Lichtpunkte bzw. Reflektionen, teilweise mit einer grünen Lichtkranz umgeben, die die Linsen markieren.
Die tieferliegenden Kristalle reflektieren rotes Licht.

Auf das gesamte Auge der Kohlschnake übertragen, erklärt sich nun die Farbverteilung: Je nach Lichteinfall und
Betrachtungswinkel werden nur grüne Reflektionen der Linsen, nur rote Reflektionen der Kristalle oder
Reflektionen von beiden wahrgenommen.

Daher wird - obwohl Facettenaugen im vollen Schärfebereich liegen - in vielen Fotos nur der frontal mit Blick auf
die Kristalle betrachtete Bereich scharf erscheinen, während seitliche Partien auf denen die relativ glatten Linsen
zu sehen sind, scheinbar unscharf sind (so oft bei Libellen). Aber Ausnahmefälle gibt es auch. Gute Abbildungen
von Facettenaugen können sich dann ergeben, wenn Facetten stärker gewölbt sind und/oder die Zwischenräume
zwischen den Facetten, die die charakteristische Wabenstruktur bilden, stärker und damit weniger lichtdurchlässig
entwickelt sind.


Beispiel für "starke Wabenstruktur":

Facettenauge des großen Heupferdes
Facettenauge des großen Heupferdes
Frank Köhler


Portrait einer Kohlschnake
Portrait einer Kohlschnake
Frank Köhler

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