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Wulf von Graefe


World Mitglied, Ostfriesland

Vorsorge

Raubwürger versteckt sich einen Mäusehinterschinken in einem Binsenbüschel.

Dass sich die Würger Beute (oder Teile davon) auf Dornen spießen oder in Astgabeln klemmen, ist ja gut bekannt. So etwas wird dann auch oft als Zeichen ihrer Anwesenheit einmal gefunden.

Was er hier macht, ist aber doch etwas anders und brauche ich auch gestern ein Weilchen, um zu kapieren, was er da treibt. Zudem nach dem noch einmal wiedergefundenen Raufußbussard meine Tagesration Aufmerksamkeit eigentlich schon ziemlich abgenudelt war.
Aber da ich diese Art auch als Wintergast hier nur noch ganz selten zu sehen bekomme (und dann noch kaum einen Kilometer neben dem anderen schon raren Gast), sehe ich ihm denn lieber doch noch eine Weile zu.

So sitzt er erst noch recht "normal" auf verschiedenen Spitzen der Wegrandbüsche, macht dann aber merkwürdige "Überfälle" an die Grabenböschung und sitzt dann plötzlich mit diesem "Teil" im Schnabel auf einem Pfosten.
Und da nun gerade kurz die Sonne direkt entgegenstehen muss, die ich mir vorher vergeblich zu Aufnahmen bei dem besonderen Bussard gewünscht hätte, halte ich seinen "Fang" erstmal für frisch erjagtes Mäuslein (oder evt auch einen Zaunkönig).

Er fliegt damit dann in die Wiese zu diesem Binsenbüschel, wo er es von oben zwischen die starren Halme stopft. Dann wird es noch einen Moment begutachtet und fliegt er ohne etwas davon. Und wie ich erst bei vorsichtiger Nachsuche nach ihm merke, auch nicht nur in die Nähe, sondern gänzlich unauffindbar "weg"!

Zu Hause erst auf den Bildern sehe ich, dass das nicht frische Beute sondern weniger als eine halbe Maus ist. D.h., was ich ihn scheinbar fangen sah, war das vorher schon an anderer Stelle versteckte Stück.
Das war ihm dort offenbar nicht gut untergebracht und fand er hier nun besser aufbewahrt.
Ob er selbst das wohl dort wiederfindet oder überhaupt versucht, wäre natürlich interessant zu wissen. Von Turmfalken kenne ich, wie sie diverse (ganze) Mäuse verstecken (und dann meist unter solche Büschel geschoben).
Aber dass da je einer nachgesucht hätte, habe ich nie gesehen.

Kommentare 13

  • Jo Kurz 12. Januar 2008, 17:34

    eine äusserst interessante beobachtung und auch noch ganz wunderbar dokumentiert.
    noch vor einem monat sah ich hier mehrere raubwürger (und hoffte auf ein akzeptables foto *g*) aber sie blieben leider nicht. um so mehr geniesse ich deines!
    gruss jo
  • Wulf von Graefe 12. Januar 2008, 17:11

    @Hans
    das möchte wohl zur Brutzeit von Belang sein können, aber in den Winter'revieren' haben sie doch mehr mit einer ohnehin vorhandenen Menge "ähnlich Interessierter" zu tun.
    Wer das sehr ausgiebig "betreibt" (wie etwa die Turmfalken), dem würde ich doch schon eine "versuchte Vorratswirtschaft" zutrauen. Wenn sie doch das eine oder andere Teil noch einmal wiederfänden, hätte es sich doch "schon bewährt".
    lg Wulf
  • Hans Link 12. Januar 2008, 16:55

    Ob das Verstecken möglicherweise weniger der Vorratswirtschaft gilt als dem Ziel, es zu vermeiden, durch offen liegengelassene Reste das Interesse möglicher Beuteparasiten zu wecken?
    LG Hans
  • Fabienne Muriset 12. Januar 2008, 16:00

    Das ist ja wieder mal eine besonders interessante Geschichte, die du da für uns beobachtet hast. Wie es mit dem Verfalldatum des "Hinterschinkens" stehen mag, wird wohl von der Temperatur abhängen. "Einmal Aufgetautes nicht wieder einfrieren" - ob der Raubwürger diese Regel wohl kennt? ;-)

    Grüsslis
    Fabienne
  • Wulf von Graefe 12. Januar 2008, 5:33

    @all
    danke euch sehr für das Interesse (zudem es ja fot. doch arg zu wünschen übrig läßt)!

    @Marina
    Aber ich sagte doch Hinterschinken! Wie kommst Du dann auf Schnitzel?
    So ganz abwegig ist die Überlegung aber ja nicht, dass es auch etwas Verspieltes (aus überschüssiger Vitalität) hat. Besonders da sie mit dem geeigneten Platz schon noch mehrfach "umdisponieren" können.
    Bussarde sind da viel "phantasieloser", indem sie bei Nahrungsüberfluß einfach halbe Mäuse liegen lassen.
    @Hans
    Beim Raubwürger habe ich das so zum ersten Mal gesehen. Aber bei den Turmfalken habe ich schon einige (auch mehrtägige) Nachkontrollen gemacht:
    Es war dann etwa halbehalbe entweder weg oder noch (bis über eine Woche) am Platz.
    Wenn ich dann mal einen "User" sah, waren das Krähen oder Elstern. Meist wird aber wohl nachts von Hermelinen, Ratten, etc. "abgeräumt".
    @Anette
    was Deine Beobachtung meint, ist sicher eher einfach "Fehlgriff". Was die Fälkchen einmal verstecken wollen, das nehmen sie schon sichtbar erstmal auf und suchen dann einen anderen Platz dafür.
    @Andreas
    da hast Du mit dem AF schon sehr recht! Der hatte mir hier auch ein "viel schöneres" nahes Bild auf dem Pfosten voll verpfuscht.
    Aber in dieser Situation würde manuelle Einstellung auch nicht mehr Schärfe aus diesen Lichtverhältnissen herausholen.
    lg Wulf
  • B. Walker 12. Januar 2008, 3:08

    Wieder eine Deiner erstaunlichen Beobachtungen mit sehr interessanten Fotos und originellem Text beschrieben.
    LG Bernhard
  • Andreas Kögler 12. Januar 2008, 1:38

    klasse entdeckt,ein typisches Bild zur jetzigen Jahreszeit mit der flach einfallenden Sonne,für jeden Autofocus eine Herausforderung.
    gruß andreas
  • Annette Ralla 11. Januar 2008, 21:52

    Hast Du ein Glück! Klasse dokumentiert!
    Nun weiß ich auch warum Turmfalken nach dem Sturzflug auf Beute manches Mal ohne dieselbe hochkommen.
    LG Annette
  • Tanya R. O. 11. Januar 2008, 19:01

    Klasse Doku! Immer wieder sehr interessant zu lesen :-) Ich danke dir dafür!
    Dafür war ich heute wiedermal 4 Stunden am Klingnauer Stausee. Ich muss das öfters machen, es ist so erholend und wunderschön dort!
    lg Tanya
  • Maria-L. Müller 11. Januar 2008, 15:29

    Eine sehr schöne Dokumentation.
    LG Maria
  • Bri Se 11. Januar 2008, 12:55

    Klasse Beobachtung, sehr schön festgehalten und wie immer sehr interessant und anschaulich beschrieben.
    LG Brigitte
  • Hans Link 11. Januar 2008, 12:54

    Sehr schön dokumentierte Beobachtung. Hast du denn vielleicht mal gelegentlichen in den Verstecken der Würger und Turmfalken nachgesehen, ob dort noch etwas ist?
    LG Hans
  • Marina Luise 11. Januar 2008, 11:47

    Wow - das ist ja eine ganze Abhandlung zu diesem 'Spätzchen'! :)) Vielleicht ist es ihm im Winter zu langweilig - keine Flirts, kein Nestbau, keine Jungen - und da hat er für sich und die seinen ein neues Spiel entdeckt: Schnitzeljagd! :)) (das alte Kinderspiel, bei dem man Papierschnitzel als Fährte auslegt und der Weg muss gefunden werden!)