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Untergang der Städte I

Untergang der Städte I

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Claudia Rothmund


Basic Mitglied, Koblenz

Untergang der Städte I

Über die Horizontale im Farbenrausch vertikale Spannung erzeugen!

Wieland Schmied behauptet 1996 in seinem Aufsatz über den Einfluss Friedrich Nietzsches auf die bildende Kunst, Nietzsche sei deshalb gleichermaßen allgegenwärtig wie aktuell, weil er den von ihm thematisierten Urkonflikt zwischen Dioynisos und Apoll als eine anthropologische Konstante markiere. Die im Sog Nietzsches agierenden Künstler beschreiben ihren Schaffensprozess häufig als ein dem entsprechendes Lebensgefühl; als einen Moment des Rauschhaften, vielleicht Festlichen – auch ekstatisch Entrückten, der aus alltäglichen Bindungen befreie. Das mag man abtun als eine Illusion, die in der Tat den Urkonflikt zwischen der von Apoll repräsentierten Haltung der Klarheit, der Selbstkontrolle und es Rationalen auf der einen Seite und der von Dionysos verkörperten Dynamik des Rauschhaft-Expressiv-Exzessiven für die Zeit des Schöpfungsaktes suspendiert.

Wieland Schmied schreibt dies zum Beispiel dem jungen Markus Lüpertz zu, der in der Sehnsucht malen zu wollen dazu gefunden habe „alles malen zu können, ohne etwas Bestimmtes malen zu müssen“. Er sei frei geworden dazu, immer wieder anderes zu machen und dabei doch stets das eine zu erreichen: Malerei!

Es mag sein, dass man den Berserker Friedrich Nietzsche verkennt und vollkommen missversteht, wenn man diesen schöpferischen Dispens für sich reklamiert und allenfalls Berserkern wie Hermann Nitsch zugestehen mag, die Gedanken Nietzsches in einem umfassenden Sinn aufgenommen und in Kunst übersetzt zu haben. Aber die Frage ist sicherlich berechtigt, ob man im Dämmerzustand Nietzsches selbst oder im „Orgien-Mysterien-Theater“ Hermann Nitschs enden bzw. landen muss, um für Nietzsches Anstöße offen zu sein.

Wie wird man auf eine Künstlerin aufmerksam? Durch die Werke, die ihrer Phantasie und handwerklichen Kunstfertigkeit entspringen. Letzteres: der Sprung aus der Vorstellungswelt auf die Leinwand geschieht in der Zeit. Als jemand, der Tisch und Bett mit Claudia Rothmund teilt, muss man dann in der Tat lernen, dass alles andere (Haushalt oder andere Verpflichtungen für eine Zeit ausgesetzt sind. Es ist jeweils die Zeit, in der sich Claudia ihrer Bilderwelt zuwendet. Dann passieren jene Kraftakte, die im Nachhinein leicht, licht und transparent wirken; obwohl schon die erste Ausstellung – hier in der Winzerschenke, bei Stefan Pohl – häufiger die Frage aufgeworfen hat, ob Claudia eine schwere Kindheit gehabt habe. Für das Lichte und Leichte im Schweren hier zwei Beispiele:

In den Variationen zum „Untergang der Städte“ entspringt aus einer raumfarblichen Neuinterpretation der Horizontalen eine ungeheure vertikale Spannung, die etwas rational Fassbares – den Untergang der Städte – in einem rauschhaften Farb- und Formenexzess zu einer Bildmächtigkeit wachsen lässt, wie sie selten zu sehen ist.

Dies gilt gleichermaßen für Twombly I und II. Diese Schöpfungen sind nicht Cy Twombly nachempfunden, sondern sie stellen eine Neuinterpretation der „Seeschlacht von Lepanto“ dar. Während Twomblys Monumentalwerke eher schlichten Mohnapplikationen gleichen, erfährt der bevorstehende Blutrausch im Aufeinandertreffen der spanischen und türkischen Galeeren hier eine wahrhaft angemessene Form- und Farbensprache.

Wenn Ihr die Halbwertzeit des Mohns - auf Leinwand gebannt – nachvollziehen wollt, dann stellen Claudias Mohnbilder die perfekte Illusion des Schönen im morbiden Übergang zu seiner Vergänglichkeit dar. Der Skandal ist – wie Rudi sagen würde – das all dies uns überleben wird.


Viel Spaß beim Betrachten von Claudias Bildern wünscht Euch ein nachhaltiger Bewunderer

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Ordner Acryl
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Exif

Kamera DMC-LX5
Objektiv ---
Blende 3.2
Belichtungszeit 1/60
Brennweite 17.1 mm
ISO 400