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Träumen vom Eisenbahnwinter wie verrückt ist das denn

Träumen vom Eisenbahnwinter wie verrückt ist das denn

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Träumen vom Eisenbahnwinter wie verrückt ist das denn

Freitagsfoto !
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Sicher erwarteten jetzt die Meisten von Euch ein Foto mit viel Dampf dazu Schnee satt !
Doch heute steigen wir mal um auf Diesel in der Hoffnung das es Euch ein wenig gefällt.

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Winter über ganz Deutschland bis jetzt jedoch Fehlanzeige.
Doch zur Vorsicht sei geraten noch ist er nicht vorbei. Überraschungen sind immer drin in der Wundertüte der Natur. Wie uns zum Beispiel damals der Winter 1987 einmal mehr gezeigt hatte.
Ja da kam es noch mal richtig dicke wie ich es in meinen Taschenbuch für Triebfahrzeugführer nachlesen kann.

Auch im Winter 1986/87 war ich wieder mal abgetaucht aus den Fahrdienst arbeitete stationär in der Brigade III als Warmhalter.
Um unsere Dieselloks die im Bw Saalfeld oft zur genüge herumstanden immer auf Körpertemperatur zu halten. Sozusagen damit ihnen nicht das Wasser in ihren Adern gefriert

Am 20. Februar Freitag zum Sonnabend Nacht 1987 schüttelte die Frau Holle schon mal mächtig großzügig ihre Betten über Thüringen aus.
In den folgenden Tagen war der Großangriff vom General Winter schon so gut wie vorbei.
Alles pegelte sich danach ein, sprich man gewöhnte sich daran. Der Mensch ist und bleibt eben ein Gewohnheitstier. Ebenso an den verharschten Schnee wie auch an die mäßige Kälte. Die einen sonst von allein ganz ungewollt schon einen Schritt schneller als normal laufen lässt.
So ging es mir die nächsten Tage noch relativ gut. Die Arbeit hielt sich verhältnismäßig in Grenzen nachdem die langen Nächte vorbei waren.
Nächte zumal am Wochenende waren nicht ohne weil der Hof da immer voll überflüssigen Loks stand. Die lassen dich mitunter ganz schön rotieren.
Beim Lauf der Dinge hat alles immer mal ein Ende das war für mich Montag früh 6.00 Uhr.
Es folgte im vier Brigadeplan Aft (Arbeitsfreier Tag) wie es so schön heißt und am Dienstag war Ruhe ehe Mittwoch es mit Frühschicht weiter ging.
Sonntag 1. März das Wochenende laut Plan hatte ich für meine Familie und mich Frei.
Der große Vorteil vom vier Brigadeplan jedes zweite Wochenende hat man Frei. Was im Fahrdienst gar nicht der Fall ist.
Montag 2./3. März ging es 22.00 Uhr mit Nachschicht laut Plan weiter im Geschäft an der Arbeitsfront Bw.
Wie um mich nur mal zu ärgern zog gerade der Winter alle Register zeiget uns Menschen und Maschinen was ne Harke ist.
In meinen schlauen Buch vermerkte ich das Wintertheater kurz mit folgenden Worten;
“Erneuter Wintereinbruch starker Schneefall, starker Frost”.
Wenn beides zusammen kommt ist meist die Kacke am dampfen. Da wünscht man sich lieber Zuhause zu seien im warmen Bett. Höchstens den so optisch herrlich rieselnden Schnee von innen durch die Fensterscheibe besinnlich zuschauen zu können.
Wünsch gehen manchmal in Erfüllung.
Irgendwie und das war nicht beim Genex Geschenkdienst GmbH Ost Berlin kurzfristig bestellt, gar mit harter D- Mark bezahlt, hörte es in der zweiten Hälfte der Nacht auf mit schneien.
Die eisigen Temperaturen blieben jedoch weiterhin erhalten sodass ich mehr als genug zu tun hatte damit mir ja kein Diesel am Frost Tot abnuckelt.
Anderseits im Spind lag mein Fotoapparat herum da war die Versuchung kaum zu unterdrücken. Ich brauchte dafür aber einiges an Zeit um mit dem Stativ zu arbeiten. Nur wie das nun bewerkstelligen.
Es war eine stock finstere Nacht im Bw aber die paar Lampen dort mit dem super Reflektor Schnee waren nichts für Diebe und solche Gestalten die unbemerkt in Ruhe Fotos machen wollten.
Wohlgemerkt das fotografieren war auch für mich streng verboten.
Wenn ich mir heute das alles so durch den damals noch unbedachten Kopf gehen lasse frage ich mich immer wieder. Wie konnte das nur gut gehen ?
Natürlich durfte die Arbeit nicht darunter leiden.
Um Himmelswillen nur keine Lok erkalten lassen oder gar zum absterben bringen.
Immer behilflich dabei bei allem mein Außenlokleiter in der Brigade III. Wir waren im Bw die unzertrennlichen "Zwei" wie manche immer mal wieder hinterrücks lästerten. Wo der Eine war der Andere nicht weit.
Wir halfen und ergänzen uns vorzüglich gegenseitig bei unseren Dienstpflichten.
Heute spricht man elegant von einer „Win- win Situation“ was für uns altmodisch zum beidseitig Nutzen war.
Nebenbei erwähnt Donnerstags fuhren wir beiden immer mit einer großen Liste für das halbe Bw zum Privatfleischer einkaufen usw.

Alles war geritzt und ich ging mit meinen Stativ und Kamera ans Werk.
Was unter anderen dabei herausgekommen ist das könnt ihr auf meinen Foto in Ruhe nun begutachten.
Nacht, Schnee plus Licht dazu das war meine Welt und es wurde mir allein von der Anspannung her Warm bei meinen tun.
Bei dem Blickwinkel vom reichlich erst frisch verschneiten Dampfkanal aus richtete ich mein Objektiv gen Drehscheibe und Lokschuppen.
Der gute alte Wasserkran der einst zig 1000 Dampfloks speiste bekam eine weiße Mütze aufgesetzt. Wie auch der Absperrschieber. Beide sind im fasst Ruhestand scheine sich Sorgen zu machen das ihnen das Wasser in der Leitung nicht erstarrt.
Davor nur meine Fußspuren im Schnee sie zeugen von einen anderen vorherigen Motivstandpunkt.
Nächtlicher Hochbetrieb im Bw Saalfeld wo sich nach dem Dampfer sterben nun die Dieselloks richtig breit gemacht haben.
Kein zischeln eines Hilfsbläsers oder das rhythmische
abreitenden einer Luftpumpe dringt an dein Ohr. Kein Achtungspfiff aus einer stolzen Messingpfeife lässt dich aufhorchen.
Nur das Getröte von Typhon kreischt ab und zu mal durch die Gegend.
Ja es ist echt kalt sodass die Außenhaut der Loks mit Eiszapfen verziert sind. Doch der Betrieb musste weiter gehen dabei fällt mir gleich die alte DB Werbekampagne ein.
„„Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“
Wenn ich mich nicht täusche liegt das Plakat noch irgendwo bei mir herum. Auf das ich einst ganz stolz gewesen war, die Betonung liegt dabei auf war.
Unberührt jungfräulich liegt der Dampfkanal das Gl. 29 da. Nur von vorn neben dem Sandofen hatte sich eine Lok reingewagt. Aber inzwischen kurz vor meiner Knipserei die Flucht ergriffen hatte.
Vier Stunden später 6.00 Uhr ging es endlich unter die heiße Dusche wo mit Wasser wahrlich nicht gespart wurde.
Die Lebensgeister geweckt zog es mich Heim nach Pößneck Ost ins Plattenbaureich.
Vermerkt war in meiner schlauen Gedächtnisstütze dann noch folgendes.
Am 7. + 9. März noch mal leichter Schneefall sowie am 15 + 16. März etwas mehr.
Am 21. März war der Spuk vorbei und zu lesen „Kein Schnee mehr“

Fazit der Geschichte von 1987, wer weis schon was dieser Winter noch an Überraschungen für uns zu bieten hat ?

Euer Ralf

Kommentare 15

  • Hartmut Wohlfarth 16. April 2014, 12:30

    Schön geschrieben lieber Ralf, es war Einmal ...., jetzt Stehen U Boote und andere Traktionen im BW rum und ab da ging es Berg ab :-( !!!!
    .... und jetzt, ein Trauriges ENDE !!!
    LG Hartmut
  • Laufmann-ml194 29. Januar 2014, 20:21

    so war es 1988, genau Ende Februar kam der Winter mit Chaos und Macht
    zunächst mal Dein Text, mit einer der ausführlichsten, der Stimmung und Hintergründe wiedergibt

    Dein Foto wirkt infernalisch, als ob die 119 (? sehe die U-Boot-Form) in der Mitte beginnen würde von Innen auszubrennen

    vfg Markus ml194
  • Maschinensetzer 20. Januar 2014, 23:17

    "Alle reden vom Wetter. Wir nicht."
    "Alle reden vom Wetter. Wir nicht."
    Maschinensetzer
    ...an den Werbespruch hatte ich mich vor kurzem auch noch einmal erinnert!

    Dein Foto ist schon klasse – auch ohne Dampf – und es gibt trotz der Dunkelheit Einiges zu sehen. Den Exodus eines Dieselmotors bei Frost können sich heute nicht mehr Viele vorstellen.

    Viele Grüße
    Thomas
  • Dieter Jüngling 18. Januar 2014, 23:07

    Ralf "ohne Dampf"?
    Nee, da riecht es in allen Ecken nach dem, was die BW-Atmosphäre ausmacht.
    Feine Winteraufnahme und super Erlebnisschilderung.
    Danke Ralf.
    Gruß D. J.
  • Gerhard Huck 18. Januar 2014, 12:35

    Ein Bild zum Schwelgen und dazu ein Kapitel höchstlebendiger Eisenbahngeschichte! Danke!
    Viele Grüße
    Gerhard
  • BR 45 17. Januar 2014, 21:44

    "Warmhalter" klingt nach nix aber war schon ein verantwotungsvoller Job ohne den sich kein Rad hätte drehen können.
    Ein feines Nachtfoto mit Einblick in Deine Arbeit damals-Klasse!
    Am meisten beeindrucken mich hier die leuchtenden Bullaugen und die vereiste Seitenfläche an den U-Booten.
    Grüsse Max
  • Roni Kappel 17. Januar 2014, 17:56

    Hallo!

    Herrlich! :-)

    lg,
    Roni
  • Ralf Fickenscher (2) 17. Januar 2014, 17:50

    Super aufnahme das passt alles ganz wunderbar.Und diene einführung ist klasse.

    Vg.Ralf
  • Raoul Brosch 17. Januar 2014, 11:43

    "Im U-Boot brennt noch Licht" kommt einem da spontan in den Sinn, wenn man die leuchtenden Bullaugen sieht.
  • Bernd-Peter Köhler 17. Januar 2014, 11:28

    Deine Schilderung zu diesem Freitagsfoto zieht einen mal wieder so richtig in die Szene rein!
    Munter bleiben, BP
  • Andreas Leipoldt 17. Januar 2014, 11:02

    Hallo Ralf.
    Da hast Du uns wieder eine schöne Begebenheit aus Deinem Arbeitsalltag geschildert und auch gleich ein passendes Bild mitgeliefert.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
    VG ANDREAS
  • Klaus Kieslich 17. Januar 2014, 10:59

    Super Präsentation
    Gruß Klaus
  • makna 17. Januar 2014, 10:45

    Da hatte Euch "General Winter" fest im Griff - alle Achtung !
    Wieder einmal herrlich beschrieben ... Danke !
    Und Dein nachts um 2 Uhr erstelltes Motiv:
    Spitze !!! Auch mit den Dieselloks !!!
    BG Manfred
  • DR-Junior 17. Januar 2014, 10:37

    Danke für den neuerlichen spannenden Einblick in deinen Dienstalltag und dein gewagtes Knipsen.
    Das Foto ist klasse und bietet eine Menge an Details wie du selbst schon geschrieben hast.
    Spannend finde ich aber auch die Motorenraumbeleuchtung der 119er, sieht aus als ob es im Inneren brennen würde. Aber auf jeden Fall ist noch Leben in den Maschinen.
    Ein schönes Wochenende und viele Grüße aus SLF
    René
  • U. Dietz 17. Januar 2014, 10:33

    Hallo Ralf,
    eine sehr stimmungsvolle Nachtaufnahme, bei der besonders die beleuchteten Bullaugen der 119 gefallen.

    MfG
    Uwe

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