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Tagebaukrater, Braunkohlechemie, Natur und Kulturgeschichte

Tagebaukrater, Braunkohlechemie, Natur und Kulturgeschichte

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Tagebaukrater, Braunkohlechemie, Natur und Kulturgeschichte

Eine klaffende Wunde ist die Landschaft zwischen Erzgebirge (Krusne hory) und Böhmischen Mittelgebirge (Ceske stredohori). Man sieht vom Barockschloss Eisenberg (Jezeri, gehört zu Obergeorgenthal) bis fast zum Brüxer Schlossberg (Hnevin, links hinten mit Türmchen) eine lebensfeindliche Ödnis.
Sorry für die unkorrekten Schreibweisen, alle Buchstaben slawischer Alphabete kann man hier wohl nicht eintragen.
Aber damit nicht genug. Die Emissionen dieses Industriereviers waren verantwortlich für das große Waldsterben am Erzgebirgskamm vor etwa 40 Jahren.

Eisenberg in Nordböhmen beeinflusste zu seiner Blütezeit die Architektur und Musik Mitteleuropas. Das Schoss war umgeben von einem schon unter forstwissenschaftlichen Gesichtspunkten angelegten Park. Johann Wolfgang von Goethe lobte das Anwesen. Hier lebten zeitweise Christoph Willibald Gluck und Antonio Casimir Cartellieri sowie Antonin Dvoraks erster Musiklehrer Joseph Spitz. Irgendwann sollte ich eine Führung durch das Schloss mal mitmachen.

An dieser Stelle ist das Erzgebirge besonders steil. Geologen sprechen von einer Pultscholle. Welcher Teenager kann sich heutzutage einen täglichen Fußweg von etwa 2 x 500 Höhenmetern vorstellen (persönlich bekanntes Beispiel aus der Zwischenkriegszeit: Haus einer Schusterfamilie in Nickelsdorf ~ 735 m, Bürgerschule in Obergeorgenthal ~ 280 m)?

Auch wenn Mitteleuropa an vielen Stellen wieder sauberer wird, so richtig gelernt hat die Menschheit noch nicht.
Ist auf einem begrenzten Planeten ein unbegrenztes "Wirtschaftswachstum" realisierbar? Wie wäre es mit einem weitgehend vom Ressourcenverbrauch abgekoppelten "Glückswachstum"? Ob sich irgendwann im geschundenen Tal eine liebenswürdige Landschaft entwickelt wie derzeit ansatzweise rund um Leipzig?

Am Kamm kann man inzwischen wieder schöne Stunden beim Bad in kalten klaren Floßteichen oder beim Sammeln von Beeren und Heilkräutern erleben.
Dank übrigens an meine beiden Pfadfinder bei dieser Fahrradtour.

Kommentare 10

  • Sensor am Rande des Nervenzusammenbruchs 4. Dezember 2015, 18:35

    Solche Dokumentationen finde ich - neben den Idyllefotos - wichtig und aufschlussreich.
  • Lutz Bittag 19. September 2015, 9:14

    Wow! Was für ein krasser Gegensatz. Ein schönes Schloss vor solch einem kargen Hintergrund. Hab ich so noch nicht gesehen. Super präsentiert.
    Gruß LUTZ
  • Uwe Fligge 5. März 2015, 21:04

    Herrlicher Kontrast zwischen Vorder-und Hintergrund.

    VG Uwe
  • Gunnar MEI 3. Januar 2015, 16:02

    Das Schloss habe ich mir jetzt auch als Ziel für eine schöne Radtour vorgemerkt. Natürlich erst wenn der Fingerhut blüht.
  • Mittelosteuropa-Entdecker 2. Januar 2015, 18:47

    Einerseits brutal, ja, andererseits war es dennoch eine schöne Spätsommer-Fahrradtour, die eine Depristimmung auf den benutzten Wegen am Südhang zwischen verbühtem Fingerhut gar nicht so hochkommen ließ.
  • Foto-Volker 29. September 2014, 17:41

    unwiederbringlich verloren, die schäden waren noch vor 20 jahren im riesen-, iser- und erzgebirge zu "bewundern".
    zum glück erholen sich die wälder.
    auch wir in der lausitz hatten und haben unter dem bergbau zu leiden.
    aber die rekultivierungsmaßnahmen schreiten voran.
    Lausitzer Seenland: Der Verbindungskanal zwischen Senftenberge See und Geierswalder See
    Lausitzer Seenland: Der Verbindungskanal zwischen Senftenberge See und Geierswalder See
    Foto-Volker
  • Mittelosteuropa-Entdecker 26. September 2014, 3:36

    Hallo Heinz, wir scheinen überhaupt einige gleiche "Lieblingslandschaften" zu haben. Grüße zurück
  • Heinz Höra 25. September 2014, 23:10

    Das interessiert mich sehr, was Du hier zeigst und schreibst, weil mir schon einige Male bewußt wurde, daß ich mich auch mal dort etwas umschauen sollte. Diese vom Braunkohleabbau geschundene Landschaft habe ich aber auch schon fotografiert, nur von der anderen Seite aus, z. B. hier: http://www.panorama-photo.net/panorama.php?pid=14114
    Sei gegrüßt von Heinz
  • Mittelosteuropa-Entdecker 27. August 2014, 12:02

    Hallo Anne, Dank für Deinen aufmerksamen Kommentar. Klar können auch lebensfeindliche Flächen wie Sand und Eis romantisch wirken, und Technikfans bekommen im Bergbau jede Menge zu bestaunen. Aber hier sah es mal aus wie bei Caspar David Friedrich, das ziehe ich dann schon vor.
  • annes.sicht 26. August 2014, 20:14

    Danke für die ausführliche Info zum Bild.
    Sehr beeindruckend festgehalten. Das Spannungsfeld zwischen idyllischem Schloss und Ödnis der anschließenden Landschaft, wenn gleich der Dunst der Weite in seinen pastellenen Farben schon fast wieder romantisch wirkt, aber nur auf den ersten Blick.
    Sehr eindrucksvolle Aufnahme.
    VG Anne.

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Kamera PENTAX K-r
Objektiv smc PENTAX-DA L 18-55mm F3.5-5.6
Blende 8
Belichtungszeit 1/400
Brennweite 28.1 mm
ISO 200

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