Sensorreinigung Testbild

Sensorreinigung Testbild

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Roland Klecker


Premium (Pro), Dortmund

Sensorreinigung Testbild

Aufgrund der aktuellen Diskussion hier im Forum:
http://www.fotocommunity.de/forum/read.php?f=125&i=81596&t=81596 habe ich mal ausführlich aufgeschrieben,
wie eine einfache Nassreinigung bei mir aussieht.
Ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, funktioniert aber sehr gut:

Wenn Auspusten mit einem Blasebalg oder Ohrenklistier nicht hilft, dann hilft vielleicht meine Standard-Methode weiter.

Dazu verwende ich:
Echte Q-Tips, die fusseln nicht und sind in der Regel auch rein, wenn man die Box geschlossen aufbewahrt. Die immer genutzten aus dem Badezimmerschrank sind natürlich ungeeignet.
Eine Mischung aus 70%igem Isopropyl-Alkohol (zu 70%) und Wundbenzin (30%). KEIN Waschbenzin, das verflüchtigt sich viel zu schnell!.

Die Mischung aus diesen beiden Teilen verflüchtigt sich nicht so schnell, kann aber ordentlich wegpoliert werden. Ein positiver Nebeneffekt ist auch, dass man kaum Dämpfe einatmet. Isopropyl-Alkohol und Methanol sind in hoher Konzentration giftig, man sollte sich also den Umgang mit diesen Stoffen vom Apotheker erklären lassen! Er wird ohnehin wissen wollen, wozu man den Stoff haben will.

Dazu empfiehlt sich eine Kopflampe oder beleuchtete feststehende Arbeitslupe wie man sie von Löt-Tischen u.ä. kennt. Nur mit ausreichend Licht kann man die Flecken sehen und beurteilen, ob der Sensor wirklich ordentlich rein und poliert ist.

Die Umgebung sollte grundsätzlich recht frei von Staub und Zugluft sein, aber trotzdem gut belüftet, damit es kein Problem mit den Lösungsmitteldämpfen gibt.

Vorab prüfe ich den Verschmutzungsgrad der Kamera und die Lage der Flecken. Hierzu stelle ich das Objektiv manuell unscharf und belichte bei kleinstmöglicher Blende (f/20-f/32, je nach Objektiv) eine halbe Minute lang (30 sec, nicht 1/30 sec (-:). Währenddessen richte ich das Objektiv auf eine möglichst weiße Fläche und wackele dauernd, um nicht aus Versehen doch eine Struktur des Raumes oder der Wand irrtümlich als Sensorfleck anzusehen.

Mit dieser Methode werden ausschließlich Sensorflecken recht scharf abgebildet, alles andere dürfte in reinem Weiß (oder einem anderen unifarbenen Ton, je nach Licht und WB) untergehen.

Damit erhalte ich ein Bild, das ich mir in Ruhe auf dem Rechner anschauen kann, um mir die Lage der schlimmsten Flecken zu merken. Beachten: Das Bild wird spiegelverkehrt und auf dem Kopf aufgenommen, ein Fleck der im Bild oben links sitzt ist also auf dem Sensor unten rechts zu finden (in Aufnahmerichtung der Kamera, in der Draufsicht ist er unten links).

Es tauchen verschiedene Formen von Sensorflecken auf. Manche sind offensichtlich als Stäubchen zu erkennen, andere einfach nur als mehr oder weniger kreisrunder Punkt.
Manchmal sind es einige wenige, so dass zu vermuten ist dass bei einem Objektivwechsel (oder durch viel Pumpen mit einem billigen Zoom-Objektiv) Umgebungsdreck in den Sensorraum gelangt ist.

Viele fein verteilte runde Flecken können ein Hinweis auf Feuchtigkeitsniederschlag sein, der dann auf dem Sensor als Tropfen getrocknet ist. Merke: Wenn bei einem Wechsel der Location (kalter Außenbereich - warmer Innenbereich) die Brille oder das Objektiv beschlägt, kann dasselbe mit dem Sensor passieren!
So was hatte ich erst vor ein paar Wochen, es war selbst mit Lightroom kein Vergnügen die über 40 deutlich sichtbaren Flecken von weit über Hundert Bildern zu bekommen :-(

Des weiteren kann man am obigen Bild sehen, dass der Sensor auch flächig verschmutzt sein kann, in diesem Fall wohl durch Nikotinbelag. Dies war das erste Testbild von einer gebrauchten EOS 30D, die ich vor drei Jahren gekauft hatte.
Es brauchte vier Durchgänge, bis ich den braunen Schlamm vom Sensor entfernt hatte, danach war er aber wie neu.
Vorher hatte ich mich allerdings gewundert dass die Kamera so schöne warme Töne produziert hatte :-)

Aber nun zum Reinigungsvorgang:

Im ersten Arbeitsgang blase ich den Spiegelkasten aus, sehr ausführlich und sorgfältig. Die Gehäuseöffnung zeigt dabei selbstverständlich nach unten!
Dann öffne ich über die manuelle Reinigungsfunktion der Kamera den Verschluss. Natürlich ginge dies auch über das Einschalten von Live-View oder einer langen Belichtungszeit, hier könnte aber jeder versehentliche Tastendruck den Verschluss schließen und den Spiegel nach unten klappten lassen. Das wäre äußerst ungesund für die Mechanik und kostet im Schnitt so um 350,- Euro.
Vorteil: Die Kamera ist nachher runderneuert und der Sensor wurde auch professionell gereinigt :-)

Die Reinigungsfunktion schützt davor, weil sie sich nur über den ON/OFF-Schalter beenden lässt. Außerdem wird vor sich entleerendem Akku gewarnt, i.d.R. mit einem Piepton. Ist der Akku von Beginn an zu leer wird der Verschluss gar nicht erst geöffnet und ein Warnhinweis angezeigt. Dies alles schützt vor Beschädigung der Spiegelmechanik oder des Verschlusses.

Jetzt wird erstmal der Sensorraum ausgeblasen, ebenso sorgfältig wie der Spiegelraum. Es ist darauf zu achten, die Spitze des Blasebalgs nicht allzu tief in den Sensorraum zu stecken, der doch recht starke Druck direkt an der Düse kann mitunter schwache Lötstellen oder feine Kontakte beschädigen.

Im dritten Schritt tupfe ich mit einem Q-Tip die oben genannte Flüssigkeit deckend auf den Sensor, so dass die ganze Oberfläche benetzt ist.
AUF KEINEN FALL REIBEN!
Wenn Dein Staub sich doch als Sandkorn herausstellt oder als was ähnlich hartes Mineralisches verkratzt Du dir damit nur den Tiefpassfilter! Also mit nassem Q-Tip tupfen, gern auch zwei-, dreimal hintereinander.

Dann trockentupfen, auch zwei- bis dreimal. Wenn Du dann sicher bist keine festen Störenfriede mehr auf der Fläche zu haben mit einem weiteren trockenen Q-Tip die Sensorfläche ordenlich, aber pfleglich und sanft polieren, bis keine Schlieren mehr zu sehen sind. Blß nicht am Material sparen! Ein Päckchen Q-Tips kostet keine 2 Euro und reicht für 50 Reinigungen, locker! Da macht es keinen Sinn so ein Ding zweimal in die Kamera zu stecken, das erhöht nur die Gefahr der erneuten Verschmutzung!

Nun noch zur Kontrolle ein Testbild wie eingangs beschrieben und ggfls. denselben Vorgang wiederholen.

Das hört sich alles recht kompliziert an, aber mit ein wenig Übung ist das in weniger als 5 Minuten erledigt, selbst mit 2 Durchgängen. Am längsten dauern dabei die Testbilder :-)

Hoffe dass diese kleine Anleitung ein wenig weiterhilft!

Für ganz harte Fälle gibt es dann auch noch die Reinigung mit Sensorfilm, aber das sollte man geübteren Fingern überlassen ;-)
http://www.sensor-film.com/de/
Alle weiteren Infos zu diesem Thema hält aber auch das fc-Wiki bereit, einfach mal reinschauen:


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http://www.fotografenworkshops.de

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Exif

Kamera Canon EOS 30D
Objektiv Unknown 28-70mm
Blende 36
Belichtungszeit 30
Brennweite 70.0 mm
ISO 100