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Gajus


Premium (Pro), Renningen

Sehnsucht

Kalt und starr sind meine Glieder,
bedrückt und angstvoll ist mein müdes Herz.
Wie rasch vergehen doch des Tages Stunden,
versinkt die Welt, verweht die Zeit,
begraben unter des Vergessens grauem Schleier,
von Lethes Fluten fortgespült.
Drum, Chronos, betöre mich nicht mehr!
Nicht länger will ich sein dein Knecht,
wie ein Tor dem Flackern deines Truges folgen.
Mögen des Himmels Blitze zerschmettern
dein Stundenglas, das uns zu Sklaven macht,
uns Wehrlosen den Lebensatem raubt.

Wie aber sehnt es mich nach dir,
heiliger Glutstropfen aus der Ewigkeit.
Berausche mich mit deinem süßen Gift,
das Tod bringt der Vergänglichkeit,
und mich befreit vom Schein des steten Wandels!
Gerinne hinein in mein flüchtiges Jetzt,
und lass meine lechzende Seele von dir kosten,
dass du mir wirst zum nie vergehenden Augenblick!
Hingeben will ich mich dir, ganz und gar,
in dir versinken, zerschmelzen,
in dir mich ganz verlieren,
güldnes Licht.


(Winterabend im Harz)

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