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Tobias Freye


Free Mitglied, Bielefeld

PHOTO SHOOT #1

PHOTO SHOOT - THE MEDIUM IS THE MESSAGE

experimentelle Fotografien mit der Camera Obscura zur Posttraumatischen Belastungsstörung von ISAF Soldaten

"Menschen verlassen das Land und kehren zurück mit Erfahrungen, die auf extreme Weise anders sind, als die ihrer zurückgebliebenen Mitmenschen."
Jonathan Shay, Psychiater

Seit Beginn der Operation Enduring Freedom im Jahr 2001 bilden Soldaten verschiedenster Nationen die International Security Assistance Force (ISAF) in Afghanistan. Dass sie dabei unter einem enormen psychischen Stress stehen, zeigt nicht zuletzt die Zahl derer, die ihr Leben lassen mussten.

Allein 53 Soldaten des deutschen Kontingents der Bundeswehr verloren seit Beginn des Einsatzes ihr Leben. Doch nicht alle kamen im Kampf oder durch Terroranschläge um: 18 von ihnen starben bei Unfällen oder begingen Selbstmord, da sie dem psychischen Druck nicht mehr gewachsen waren. Wer körperlich unversehrt in die Heimat zurückkehrt, hat unter Umständen erst viel später an den extremen Eindrücken zu leiden.

Diese unsichtbare Verwundung kann sich im schlimmsten Fall zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) entwickeln, der schlimmsten Form einer psychischen Störung. Mit dem Abzug der ISAF-Truppen aus
Afghanistan ist damit zu rechnen, dass die Anzahl der traumatisierten Veteranen in den kommenden Jahren - nicht nur in Deutschland - enorm ansteigen wird.

Mit der Arbeit "photo shoot" soll dem Kriegstrauma ein Gesicht verliehen werden. Sie lässt diese unsichtbare Verwundung von Soldatinnen und Soldaten der internationalen Schutztruppe, die an einer PTBS leiden, sichtbar werden.

Der Soldat lädt sein Gewehr in einem Abstand von etwa 8 Metern zu einer Kiste, die zuvor mit Filmmaterial bestückt wurde. In dem Moment, in dem das Projektil die Kiste durchlöchert, erzeugt sie ein Lichtbündel und generiert ein Bild, das auf die lichtempfindliche Schicht projiziert wird. Zuletzt trifft das Projektil den Film und beendet seine Bahn. So verzeichnet der Film einen doppelten Einschlag: den der leuchtenden Photonen und den des Projektils. Da sich die Gesetze der Optik und die der Ballistik gleichen, kommen die beiden Abdrücke perfekt zur Deckung: im Bild erscheinen die bildgenerierende Schüsse, deren Projektile die Kamera erst entstehen lassen und zugleich zerstören.

Der Schütze trägt hier einen "Kampf" mit sich selbst aus, den er nicht gewinnen kann. Wohin er auch zielt, er verwundet sich durch diesen "Fotoschuss" selbst im Zentrum seiner psychischen Erkrankung - dem Zentralen Nervensystem (ZNS). Der Täter wird zum Opfer und erst durch die gewaltsame Zerstörung des Filmmaterials entsteht daraus die Abbildung eines vom Krieg traumatisierten Soldaten.

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