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Astrid Wiezorek


Premium (World), Gera in Thüringen

Oscar

Ich habe ihn Oscar genannt, weil er so frech wie Oscar ist.

Die TÄ schätzt ihn auf ca. 6 Jahre und dass er (anhand seines Fells und Körperbaus)
bisher auf der Straße gewohnt hat und ein richtiges Streunerle ist.

Das könnte sich ja nun ändern, aber es wird sehr, sehr schwer werden.

Nach einem erneuten Überfall, welcher sich am Sonntagabend um 23.30 Uhr auf unsere Stubentiger mit großem Geschrei und Kampfszenen mitten in unserem Wohnzimmer ereignete, gelang es mir nun endlich dieses weiß / schwarz gefleckte Fellbündel mit Hilfe einer Falle einzufangen. Der TA stellte fest, dass es sich um einen unkastrierten Kater, der ca. 6 Jahre alt ist, handelt. Er wurde nun kastriert und geschippt, die Kosten übernahm der Tierschutzverein Gera. Streuner, oder wilde Katzen, gelten in Gera als unvermittelbar, sie werden weder im Tierheim noch im Tierschutz (Katzenstation) aufgenommen. Das wussten wir ja schon und deshalb holten wir den Kater auch wieder vom TA ab. Eine Nacht durfte er noch zur Ausnüchterung in einer Quarantänebox in der Katzenstation vom Tierschutzverein verbringen. Von dort holten wir ihn gestern ab. Ich habe bestimmt sehr viel Katzenerfahrung und das ist auch nicht mein erster Streunerkater welchen ich eingefangen habe. Aber so einen Wildfang wie diesen Kater hier, habe ich noch nie erlebt. Er hat uns schier in den Wahnsinn getrieben. Wir haben es einfach nicht geschafft, ihn wieder aus der engen Quarantänegitterbox in die Transportbox zu bekommen. Und dass zu dritt, auch noch mit Hilfe der erfahrenen Frau von der Katzenstation. Ohne dicke Handschuhe und 3 Decken wäre es gar nicht gegangen und trotzdem zerkratze der Kater meinem Mann noch, bis aufs Blut, die Hände. Oscar entwickelte in vollster Panik ungeahnte Kräfte und schien schier 100 Messerscharfe Krallen zu besitzen. Selbst durch den kleinsten Schlitz der Katzenbox teilte er Schläge aus. Er fauchte, schrie und spukte wie von Sinnen um sich. Wir kamen einfach nicht mehr an die Öffnung der Box heran um das Gitter zu schließen. Nach einer Stunde Kampf gelang es endlich meinem Mann den Kater in der Transportbox zu fixieren, so dass er die Gittertür fest verschließen konnte. Wir wickelten die Box zur Vorsicht auch noch in ein großes dickes Badehandtuch ein. Zum Glück hatte ich die Eingabe den Kater samt Box NICHT im Auto auf die Rückbank zu stellen, sondern ihn im Kofferraum zu transportieren. Ich betone es noch mal, ZUM GLÜCK. Bereits auf der Heimfahrt hörten wir, wie der Kater im Kofferraum hauste. Das klang genau so, als zerlegte er gerade unser Auto von innen her. Als wir zu Hause ankamen und den Kofferraum öffneten, schoss uns Oscar wie eine Kanonenkugel über unsere Köpfe hinweg entgegen. In vollster Panik donnerte er wie eine Rakete Richtung Straße und rannte ohne Einhalt kurz vor einem heranfahrenden LKW hinüber. Er verschwand in Richtung Gartenanlage. Der LKW konnte gerade noch bremsen, aber das war sehr, sehr knapp. Uns saß der Schock in den Gliedern, der Kater hatte die Transportbox im Auto völlig zerlegt. Er hatte das große, dicke Badehandtuch durch die Gitterstäbe gezogen, welches nun wie ein Korken fest steckte. Wahrscheinlich konnte er so die Gittertür nach innen biegen, dass sie unten aus dem Scharnier glitt und sich durch den Spalt hindurchzwängen. Unvorstellbar, hätten wir den Kater auf der Rückbank gehabt. Ich mag da gar nicht dran denken, was sich da während der Fahrt im Auto abgespielt hätte.
Ich dachte gestern: „Den sehen wir nie wieder, der hat die Nase voll.“ Aber um 21.00 Uhr saß er schon wieder an gewohnter Stelle an unserer Küchentür. Ich habe ihm Futter gegeben was er auch ganz gierig fraß. Er hatte sicher riesigen Knast, da er 2 Tage nichts gefressen hatte. Er schien mir auch nicht böse zu sein, fauchte nur mal ganz kurz.
Nun bin ich gespannt wie das hier weiter geht. Ich gebe ja die Hoffnung nie so schnell auf. Kerbi und Fauchi waren ja auch so verängstigte Streunerle, welche ich mit der Zeit zahm bekam. Aber die waren nicht so aggressiv. Oscar kennt da nichts, der teilt richtig aus. So etwas habe ich in meiner Jahrelangen Tierschutzarbeit noch nie erlebt.
Aber es hat mich auch wieder gelehrt, dass man Katzen / Kater die man nicht kennt und die noch wild und nicht zahm sind, wirklich alles zutrauen muss und dass man vor solchen Tieren absoluten Respekt haben sollte. Panik, Angst und Hunger lassen Tiere ungeahnte Kräfte entwickeln, das kann man mit Worten gar nicht beschreiben.
Sollte ich Oscar wirklich zahm bekommen, dann darf er auch mit hier wohnen bleiben. Vorausgesetzt er verträgt sich mit unseren Tigern. Zumindest könnte ich ihm dann ein geeignetes Zuhause suchen. Aber so wie er sich jetzt noch verhält geht das gar nicht. Einen Unterschlupf scheint er zu haben.

Ich bete jetzt jeden Tag, dass er nicht der B 7, welche direkt vor unserem Haus entlang führt, zum Opfer fällt und dass er gesund bleibt. Nochmal lässt er sich garantiert nicht einfangen, das ist so klar wie Kloßbrühe.

Kennt jemand diesen Stubentiger?
Kennt jemand diesen Stubentiger?
Astrid Wiezorek

Kommentare 22

  • Trautel R. 12. Januar 2020, 22:15

    dann wollen wir alle ganz sehr die daumen drücken, sehr gut deine collage von oscar. viel mühe hast du dir mit dem begleitenden text gemacht.
    lg trautel
  • A. Deichvoigt 12. Januar 2020, 20:02

    Ein hübscher Kerl, ich wünsche ihm alles Gute.
    Was für ein Glück das ihr ihn im Kofferraum hattet. Wer weiß, wie das sonst ausgegangen wäre.

    LG AD
  • Lieselotte D. 12. Januar 2020, 14:02

    dann wünsche ich euch alles Gute und dass der Kater sich bald für euch entscheidet und
    häuslich wird. Ihr habt ja ganz schön bei der Aktion Federn gelassen
    LG Lieselotte
  • mathias.b 12. Januar 2020, 13:42

    ohje, welch eine geschichte, da hattest du einen siebten sinn das ihr oskar im kofferraum transportiert habt, nicht auszudenken was sonst passiert wäre...
    ...ich finde es ganz toll das du dich um den "kleinen wilden" kümmerst und ihm eine chance gibst, ich hoffe mal das er ruhiger wird und sich mit sophie und fauchi verträgt,  das wäre schön dann hätte er ja ein tolles zuhause gefunden....
    ich drücke euch die daumen das alles gut geht...und daumen hoch für deine arbeit !!
    lg
  • Elke Becker 12. Januar 2020, 13:40

    Alle Achtung, das nenne ich mal vollen Einsatz! Das habt Ihr wieder toll hinbekommen. Jetzt drücke ich ganz fest die Daumen, dass Oscar die Chance nutzt, die Ihr ihm gewährt
    und alle Beteiligten zufrieden sein können.
    LG Elke
  • Rosalitschka 10. Januar 2020, 8:06

    Eine unfassbare Geschichte!!!
    Ich bin voller Respekt und Bewunderung.
    Liebe Grüße Rosi
  • Sabine we. 9. Januar 2020, 19:47

    Da kann ich nur sagen,Glückwunsch Astrid, für so viel Engagement, so wie ihr euch um Straßenkatzen  kümmert. 
    Wir haben ja schon über Oscar gesprochen und ich glaube auch,dass Du es schaffst,den wilden Oscar so zahm zu bekommen, dass er sich auch mit Sophie und Fauchi versteht und er sich bei euch wohlfühlen kann. Es wäre doch ein happy End  ! 
    Der Oscar hat so ein niedliches Gesicht und es wäre ihm zu wünschen,dass er nun nach 6 Jahren ein schönes zu Hause bekommt,ich drücke jedenfalls alle Daumen ! 
    LG Sabine
  • Jü Bader 9. Januar 2020, 9:55

    Warum nur hat er sich dich ausgesucht! Ich glaube er weiss schon was er tut! Unglaublich diese geballte Kraft - eine wahre Naturgewalt. Wer so aggressiv ist, kann auch sehr stark lieben! Wünsche dir einen kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont und viel Erfolg. hab mir gerade nochmal das Bild von Oskar angeschaut, hat eine sehr schöne Fellzeichnung.
    lg jürgen
  • alicefairy 9. Januar 2020, 9:45

    Oh mein Gott. Das ist doch der helle Wahnsinn. Aber euch traue ich es zu, dass ihr ihn zahm bekommt.
    Ich wünsche von Herzen Geduld und Ausdauer dafür!
    Lg Alice
  • Mary.D. 9. Januar 2020, 9:35

    Was für eine Geschichte....unglaublich was Oscar für Kräfte entwickelt hat.
    Der kleine Tommy hat sich ähnlich verhalten,als ich ihn nach der Kastration abholte...allerdings ist er ja ein kleines Bürschchen,sodaß nichts schlimmes passiern konnte.
    Aber er war ein paar Tage total verstört und schreckhaft.
    Ich hoffe,daß Oscar jetzt,wo er kastriert ist in Zukunft was zutraulicher wird.
    Ich drücke dafür die Daumen!LG Mary
  • Manuela V. 9. Januar 2020, 9:27

    Was für eine Wahnsinnsgeschichte, Astrid!
    Ich kenne das auch. Als wir mal einen schwer verletzten wilden Kater mit einer Falle vom Tierheim mit Superfutter einfangen wollten, war unser gefräßiges Katzi in der Falle, der hungrige Kater aber lange nicht! :-)
    Ich denke auch wie Heide. Das ist wohl die einzige Möglichkeit, sein Vertrauen zu bekommen.
    Jedenfalls großes Kompliment für Euren Einsatz!
    Liebe Grüße
    Manuela
  • Frau Uschis Mama 9. Januar 2020, 9:23

    Vielleicht hättest du ihn lieber Herkules nennen sollen :-)))
    Meine Mutter hatte auch einmal so einen Streuner eingefangen, bei dem 1. Tierarztbesuch verwüstete er die Praxsis, doch nach der Kastration wurde er sehr schnell zutraulich und extrem schmusebedürftig. Und mit den 3 Katzendamen meiner Mutter hat er sich sehr schnell angefreundet. Hoffentlich klappt es bei euch auch.
    Liebe Grüsse
    Dagmar
  • Heide G. 9. Januar 2020, 8:42

    au Mann, was für Geschichte. Ich denke auch, ihr füttert ihn draußen weiter und überlasst es ihm, ob er nicht doch eines Tages aufs Sofa will. Hilfreich wäre ein Katzenhäuschen in eurem Garten -
    Viel Glück!
    • Astrid Wiezorek 9. Januar 2020, 11:20

      @ Heide, schau dir mal die beiden Fotos genauer an, wo er frisst. Das Katzenhaus steht genau neben ihm und es hat sogar eine Fußbodenheizung. Es ist also für alles gesorgt.
      LG Astrid
    • Manuela V. 9. Januar 2020, 13:33

      Toll, Ihr seid genial!
      LG Manu
  • Karo-Irm 8. Januar 2020, 22:23

    Gott sei Dank erstmal, dass ihr gesund von dieser Autofahrt heim gekehrt seid! Das war ein sehr dramatisches Erlebnis mit allem drum und dran! Alle Achtung und große Anerkennung für eure Arbeit und Mühe! Hoffen wir für alle das Beste!
    lg Irm
  • Marlis E. 8. Januar 2020, 20:12

    Das ist wohl ein ganz außergewöhnlicher Kater, der sehr viel nicht Schönes erlebt haben mag, um sein Dasein immer kämpfen musste, und jetzt eine Heimat sucht, vor allen Dingen Fressen und auch Wärme. Ihr habt das für ihn, Euch hat er sich erwählt. Er wird wiederkommen, er kennt sich aus.
    Alle Achtung, was Ihr alles möglich macht.
    Liebe Grüße, und Daumen drücken für ein gutes Ende.
    Marlis