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No Compromises - Kyle Visser

No Compromises - Kyle Visser

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No Compromises - Kyle Visser

Basketball Bundesliga 14.11.2009
ENBW Ludwigsburg vs Ratiopharm Ulm 80 : 71


Ein verrücktes Spiel mit dem besseren Ende für Ludwigsburg


Ich muß zugeben, noch nie ist es mir so schwer gefallen, einen Spielbericht zu schreiben, weil sich dieses Match auch nicht im Entferntesten in die Kategorie „normale Bundesliga-Partie“ einreihen lässt.

Kurzversion gefällig?

Ludwigsburg liegt bis zwei Minuten vor Ende der Partie konstant mit zumeist 10 Punkten in Rückstand, geht 1 Minute und 5 Sekunden vor der finalen Schlusssirene zum allerersten Mal in Führung und gewinnt am Ende mit 9 Punkten Differenz.

In der ausführlicheren Version hört sich das dann so an:

Nach einem Lauf von 5 gewonnenen Spielen in Folge geht die Heimmannschaft ENBW Ludwigsburg als klarer Favorit in die Partie gegen Ratiopharm Ulm, welche die jüngste und unerfahrenste Truppe der BEKO BBL stellt, die aber mit Robin Benzing und Per Günther zwei Deutsche Nationalspieler in ihren Reihen hat, die sich bereits seit längerem im Fokus diverser NBL-Scouts befinden.

Dabei erwischte der Favorit das bislang schlechteste Start-Viertel dieser Saison mit vielen unnötigen Fehlern und Ballverlusten und einer in dieser Form nicht gekannten Abschlussschwäche. So musste das Team von Coach Tolga Öngören mit einem 13-Punkte-Rückstand das zweite Viertel beginnen (8:25).

Im zweiten Viertel war zwar immer noch keine klare Struktur im Spiel der Ludwigsburger zu erkennen, jedoch konnte man den Rückstand durch eine engagierte kämpferische Leistung kurzzeitig auf nur 1 Punkt verkürzen, bevor sich die Ulmer letztlich fangen konnten und dann ihrerseits wieder auf 9 Punkte zum Schluß der ersten Spielhälfte davonzogen.

Herausragend vor dem Seitenwechsel auf Ludwigsburger Seite Richard Chaney mit einer starken Defensiv-Leistung (insb. im zweiten Viertel) und David McCray, dessen gewaltiger Zug zum Korb und seine drei 3-Pointers die Ludwigsburger überhaupt noch im Spiel hielten. Auch war McCray zu diesem Zeitpunkt der einzige, der den sehr agilen und effektiven Ulmer Point Guard , Per Günther, unter Druck zu setzen vermochte.

Aber bereits im zweiten Viertel wurde die taktische Marschroute der Gäste aus Ulm offensichtlich, und sie spielten sie ein ums andere Mal erfolgreich: Zentral attackieren, und sobald sich die komplette Ludwigsburger Defense um das Brett geschart hatte, wurde der Ball nach außen an den Kreis gespielt, wo ein Ulmer Distanzschütze (zumeist Lee Humphrey mit einer sensationellen Quote von 71%) ohne die geringste Störung den Korb anvisieren und seine Dreier in Serie versenken konnte.

In der zweiten Spielhälfte bekam dann auch Kyle Bailey, der neue Spielmacher der Ludwigsburger, mehr Spielminuten, und er nutzte sie gut. Zwar konnte auch er dem Spiel seiner Mannschaft, die aus vielen einzelnen starken Individualisten besteht, keine klare Struktur im Spielaufbau vermitteln, jedoch setzte er seine persönliche Klasse mit sehr viel Elan und in manch sehenswerter Einzelaktion effektiv ein. Dennoch lag man auch am Ende des dritten Viertels noch immer mit 8 Punkten (51:59) zurück, was sicherlich auch darauf zurückzuführen war, daß auf Ludwigsburger Seite offensichtlich niemand durchschaut hatte, wie die Ulmer ihre 3-Punkte-Schützen freispielten und so in großen Stile Punkte sammelten, die in jedem Falle vermeidbar gewesen wären.

Im letzen Spielviertel war dann Krimi angesagt, und es kam die große Zeit des Domonic Jones, der ein ums andere Mal durch die Ulmer Defense ging wie ein heißes Messer durch die Butter und maßgeblichen Anteil daran hatte, daß Ludwigsburg in diesem Viertel einen 10-Points-Scoring-Run hinlegte und ENDLICH – 1 Minute und 5 Sekunden vor dem Ende – zum allerersten Mal überhaupt in dieser Partie – in Führung gehen konnte.

Der junge Ulmer Trainer, Mike Taylor, konnte den einsetzenden Run der Gastgeber auch durch zwei Auszeiten nicht mehr unterbinden und musste quasi hilflos mit anschauen, wie seine Mannschaft in der finalen Spielminute förmlich auseinanderbrach und letzten Endes unter dem frenetischen Jubel der knapp 5000 Fans in der neuen Arena noch mit 80:71 unterging.

Matchwinner waren der defensiv überragend spielende Richard Chaney und in der Offensive Domonic Jones. Eigentlich müsste man unter dieser Rubrik auch noch David McCray erwähnen, der in der ersten Hälfte ein ganz großes Spiel gemacht hatte, jedoch von Coach Tolga Öngören in der zweiten Hälfte überhaupt nicht mehr aufs Feld geschickt wurde. Hätte LB diese Partie verloren, wäre Öngören ob dieser Personalie sicherlich in Rechtfertigungsnot gekommen. Aber wie es im Sport immer ist: Hat die Mannschaft gewonnen, hat der Trainer alles richtig gemacht...

Fazit: Ludwigsburg hat seinen famosen Lauf fortgesetzt und nunmehr das sechste Spiel in Serie gewonnen. Was jedoch nachdenklich stimmt ist die Tatsache, daß diese Siege nicht durch eine klar strukturierte Spielanlage errungen wurden, sondern TROTZ des Fehlens einer solchen. In den Köpfen der Spieler mag sich eine „wir-gewinnen-trotzdem“- Mentalität festgesetzt haben. Aber es werden unweigerlich auch Niederlagen folgen, und wenn dann die Sieger-Mentalität der Individualisten zu schwinden beginnt und man es nicht gelernt hat, sich diese als Team erfolgreich zurück zu erarbeiten, kann sich ein solch ein grandioser Lauf auch schnell ins Gegenteil verkehren.

Mike Taylor wird sich sicherlich heute Nacht vor dem Einschlafen gefragt haben, wie es überhaupt möglich sein konnte, dieses Spiel noch aus der Hand zu geben. Und falls er überhaupt schlafen konnte, wird er morgen nach dem Aufwachen auch keine Antwort wissen...

Fotos und Spielbericht: Andreas Grunwald

No Compromises - Kyle Visser war bester Mann auf dem Platz
No Compromises - Kyle Visser war bester Mann auf dem Platz
Sportfotodienst Stuttgart Andreas Grunwald

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