“Löffeldok” - beim Rauchkammer reinigen - zweiter Teil

“Löffeldok” - beim Rauchkammer reinigen - zweiter Teil

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“Löffeldok” - beim Rauchkammer reinigen - zweiter Teil

“Löffeldok” - beim Rauchkammer reinigen - erster Teil
“Löffeldok” - beim Rauchkammer reinigen - erster Teil
Ralf Göhl


„Keine Angst ich verspreche Euch hoch und heilig ihn bis Freitag vorzustellen“.
Demzufolge geht es nun wie versprochen weiter.

Eine leichte Drehung verbunden mit neuen Blickwinkel auf das Geschehen im Bw durch meine Kamera lässt uns nun auch den „Löffeldok“ mit Gesicht halbwegs erkennen.
Genau genommen war er da noch sehr jung, in der Blüte seiner Jahre, weit weg von seinen eigentlichen Ziel mal Dok zu werden.
Ihr müsstet den gestandenen Mann der es zu etwas gebracht hat jetzt sehen. Er ist rund um einer von uns geblieben.

Dafür erfüllte er sich den Traum vieler Eisenbahnfreunde im langsam aussterbenden Dampfzeitalter wenigstens in dem Semesterferien auf einer Dampflok so richtig als Heizer fahren zu dürfen.
Nein bei keiner Museumsbahn auf eigener Strecke einfach mal ein paar Kilometer hin und her dampfen wo der Fahrplan keine maßgebende Rolle spielt.
Kein anderer Zug dir im Nacken sitzt.
Sondern viel besser noch. Auf einen der großen Dampfer im ganz normalen Plandienst wollte er seinen Mann stehen die immer noch für die DR unverzichtbar waren.
Eine Dampflok ist gut daher gesagt, dabei es handelt sich um keine geringere als die wunderbare allseits bekannte Altbau 01.
Die 1980 noch fast im Ursprungszustand unterwegs waren dabei zuverlässig ihren Dienst verrichteten.
Beeindruckend besonders wegen ihrer große Ohren (Wagner- Windleitbleche) wie wir die Dinger nennen.
Dazu war sie nun wieder ein Sahnestück die Altbau 01 2204 die sich schon im stolzen Dresdener Museumsbestand befand.
Wurde wegen wirtschaftlichen Schwierigkeiten dem Mangel an Öl wieder den normalen Betriebsdienst zugeführt.
Kam somit am 10. März 1980 als erste von vier Altbau 01ern
von Dresden in unseren Bw vorgefahren.


Sonntag 2. November 1980, immer noch unverdrossen löffelt mein gutgelaunter noch ausgeruhter Medizinstudent Rauchkammerlösche deren Berg unten neben der Lok an Größe immer mehr zunimmt.
Längst schon randvoll gefüllt inzwischen unser Tender mit den kostbaren Nass. Das seine Briese Dosierungsmittel in der entsprechenden Mischung weiß/braun bereits verdaut hat.
Später werde ich, wenn wir zurückfahren können noch den Sandkasten nachfüllen denn man weis ja nie.
Aber auch nicht zuletzt um ein kraftvolles schleuderfreies Anfahren zu ermöglichen. Besonders an gewissen Bahnhöfen und Haltepunkten die in Krümmungen liegen benötigen ein wenig von dem was Gleise griffiger werden lässt, Sand.
Nie vergessen zu kontrollieren sollte man die Sandrohre auf Durchgang. Ansonsten nützt dir auch der vollste Sandkasten überhaupt nichts.


Das Querformat meines Fotos lassen uns mehr als den beschwingt löffelnden Heizer bei der Arbeit zusehen.
Sondern wieder einmal eröffnet es uns zusätzlich einen Bw Einblick an diesen ruhigen Sonntags Zustand.
Vielleicht findet dabei der eine oder andere Modellbahnfreund noch Anregungen ?
Die kleine Bude hinter den Schild mit der Ankündigung der Ausschlackstelle ein Überbleibsel aus der längst vergangener Zeit als es noch die hauptamtlichen Kanalratten (böser Ausdruck für Ausschlacker) rund um die Uhr gab.
Als ich anfing im Fahrdienst stand man auf dem Kanal oft nervig in langer Schlange wartender Preußen und Einheitsloks an. Es waren ja nicht nur die eigenen Loks die restaurierten dazu kamen jede Menge von anderen auswärtigen Bw´s dazu.
Hier dient die Bude mit einer noch hervorragend funktionierenden Dampfheizung eigentlich nur noch als Unterschriftenhütte der Lokführer für intakte Funkenschutzeinrichtungen an der Lok.
Im Winter auch als Material und Aufenthaltsraum für die Warmhalter der abgestellten Dieselloks.
Um sich mal unsichtbar zu machen, von der Bildfläche zu verschwinden war der Sandofen ideal. Dessen Eingang befindet sich neben der Eisenleiter links am Gebäude dahinter.
Mehr ein herrlicher Winterplatz weil auch da die mollige Wärme von dem Dampf beheizten Sandofens das Innere es fast auf Sauna Temperaturen brachte. Manchmal lagen in dunklen Ecken sogar Flaschen herum deren Inhalt normal nicht erlaubt war. Alles vorbei Schwamm drüber.
Doch ich bin mir sicher solch Orte gab es in jeden Bw.

Etwas von einer 44er rechts und der neuen Traktion BR 132 links auf dem Bild runden alles ab wobei unbestritten die 01 2204 mit unseren „Löffeltok“ der Star sind.
Wenn in diesen Jahren es bei der DR auch ständig rauf und runder ging wie auf einer Achterbahn fiel die fest verankerte großflächige Parole an der Schuppenwand vor Scham dennoch nicht herunter.
Deren Spruch folgendermaßen lautete, hier nicht sichtbar:
„MIT KLARER KAMPFPOSITION AUF DEM BEWÄHRTEN KURS DES X PARTEITAGES WEITER ERFOLGREICH VORAN“.
Im übrigen juckte das Geschreibsel sowieso niemanden außerdem war es auch hoch genug aufgehängt so dass es einen kaum belästigte.
Ob bewusst oder unbewusst das sei jetzt mal dahingestellt.

Dennoch die Arbeit auf der Dampflok machte uns auch ohne die platten sich wiederholenden Parteisprüche Spaß aber auf eine ganz andere unsere Art.

Dazu noch ein Foto was wohl keiner Worte bedarf !

Ein Bild das mehr sagt als Worte
Ein Bild das mehr sagt als Worte
Ralf Göhl

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In einen anderen Forum kam u.a, das als Echo zu meinen Beitrag.

dampfachim
Datum: 25.02.12 17:24
Hallo Ralf,
die Welt ist doch ein Dorf.
Ich hatte den Löffeldoc auch schon als Linksaußen. War echt schön und informativ. Der kann Geschichten erzählen...
Ich werde ihn auch bald wieder bahnärztlich konsultieren müssen. Ist ja gleich um die Ecke. ;-)

Es hat nicht nur Spaß gemacht. Es war auch sehr kurzweilig. Selbst die längste Schicht vergeht an seiner Seite wie im Fluge.
Er hat einige Belehrungsfahrten rechts, aber auch einige Heizerdienste absolviert.
Ich werde die Grüße natürlich ausrichten.

Ich halte Deine Schilderungen keineswegs für gesponnen. Das hat alles Hand und Fuß.

Euer Ralf

Kommentare 14

  • Steffen°Conrad 3. März 2012, 8:12

    Eine herrliche Geschichte die durchaus Parallelen zur Elektrischen und deren Werkstattmannen hatte.
    Mühsame Arbeit ist das hier im Bild,
    Hochachtung wer das heut freiwillig macht!
    vgconni
  • Lutz Käppler 2. März 2012, 22:25

    Wieder eine traumhafte Aufnahme! Und die Geschichte dazu ist einfach köstlich! Dieser Löffeldok ist auch beim BW Glauchau gefahren. Ich kannte ihn nicht persönlich, aber beim Glauchauer Lokpersonal war er wohl bekannt. Er ist mir auch mehrmals vor die Linse geraten.Wahrscheinlich ist er gegen Ende des Dampfbetriebes in Saalfeld nach Glauchau gewechselt.

    Gruss Lutz
  • Dieter Jüngling 2. März 2012, 19:03

    Es sieht doch aber wirklich so aus, als ob ihm das "Löffeln" richtig Freude bereitet. Ist doch auch gut so.
    Viele Grüße an ihn und an dich, D. J.
  • Wolfgang Graßl 2. März 2012, 17:51

    der Löffeldok, das ist gut. Wieder eine interessante Geschichte. Ich kenne auch zwei inzwischen kurz vor der Rente stehende Eisenbahnfreunde, die damals in den Semesterferien im Bw Crailsheim arbeiteten.
    Viele Grüße, Wolfgang
  • Ralf Göhl 2. März 2012, 16:44

    @ blind lense, > Heinz sicher hast du recht aber ich meinte aber wirklich Museumsbahnen die nicht auf den Netz der Staatsbahnen ihre Fahrten abwickeln.
    Wie z.B. als ich damals von Fladungen - Ostheim fuhr.
    Oder als wir auf der Stecke Treysa - Oberaula allein fuhren.
    Da lief es so sorglos ab ohne all dem von Dir beschriebenen.
    Nun ich hätte das anders formulieren sollen.
    So habe ich es ergänzt mit -
    “ … Museumsbahn AUF EIGENER STRECKE ….„ hoffe das reicht ?

    Gruß Ralf
  • Hartmut Wohlfarth 2. März 2012, 16:07

    Bild und Text einfach Umwerfend, Klasse !!!!!!!!!!
    Schade das der Blick auf dem Kulm Durch die Schilder Versperrt ist.
    GLG Hartmut
  • Maschinensetzer 2. März 2012, 12:56

    Herrlich anzusehen und auch zu lesen. Auch das Licht war Dir hold.
    Hier mal ein Größenvergleich:
    Schweizer Erfindungen
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    Viele Grüße
    Thomas
  • blind lense 2. März 2012, 12:08

    Das ist der Vorteil der der frühen Geburt. Wer kann so etwas noch erleben und fotografieren? Schön daß du uns alle daran teilnehmen läßt.

    Übrigens, Museumszüge fahren auch im Plan und denen sitzt manchmal auch was im Nacken. Aber sie werden meist ausgebremst, weil eine S-Bahn Verspätung hat und den Vorrang bekommt. Dann ist der Fahrplan auch Makulatur. Schlimmer ist die fehlende Infrastruktur. Da sieht der Plan einen Wasserhalt von 30 Minuten vor, aber um zum Hydranten zu gelangen, braucht man schon 15 Minuten, weil man die Hauptgleise kreuzen muß´, wo alle Nase lang was Wichtiges drüber fährt.
  • Klaus Kieslich 2. März 2012, 11:57

    Da schliesse ich mich Jan voll an
    Gruß Klaus
  • Jan-Henrik Sellin 2. März 2012, 11:45

    Wieder einmal hervorragend aufgenommen und erzählt.
    Viele Grüße an Dich, Jan
  • Roni Kappel 2. März 2012, 11:04

    Hallo!

    Herrliche Szene! :-)

    lg,
    Roni
  • Michael PK 2. März 2012, 11:01

    Sitze gerade beim Arzt im Wartezimmer wegen meinem gebrochenen Daumen.Da habe ich richtig schön Zeit Dein Bild zu studieren und in aller Ruhe Deinen Text zu lesen.Ralf beides wunderbar und so kann ich sinnvoll die Zeit vertreiben
  • Sandzug 2. März 2012, 10:52

    Hallo Ralf,

    Klasse Aufnahme aus dem Alltag, die durch die tolle Geschichte dazu noch viel wertvoller wird. Vielen Dank fürs zeigen und erzählen.

    VG Markus