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Simone Mathias


Pro Mitglied, Plüderhausen

Krötenwanderung

Riesige Tierherden wandern nachts kilometerweit durch den Wald. Sie folgen dabei seit Generationen dem gleichen Weg. Die Straßen, die sie dabei überqueren, werden von der Polizei gesperrt, und die Autofahrer durch das Radio gewarnt. Wo eine Sperrung nicht möglich ist, werden die Tiere von freiwilligen Helfern über die Fahrbahn begleitet, an manchen Orten werden auch die Straßen aufgerissen und Unterführungstunnel gebaut, um den Tieren ein gefahrloses Unterqueren zu ermöglichen.

Was sich anhört wie ein Bericht aus fernen Ländern, spielt sich in jedem Frühjahr bei uns zu Hause ab. Die Erdkröten, um die es sich dabei handelt, sind zwar nur faustgroß, doch immer mehr Menschen haben Interesse am Leben dieser sonderbaren Tierart gefunden, so daß entsprechende Verkehrssicherungsmaßnahmen schon allein wegen der Tierfreunde notwendig werden, die die Tiere nachts über die Straße tragen (schließlich gab es schon Unfälle mit Todesfolge).

Kröte mit Männchen huckepack schwimmt im WasserWas ist so faszinierend an diesen kleinen warzigen Gesellen, daß manche ihr Leben für sie riskieren? Liegt es an ihrem Aussehen, ihrer Lebensweise oder steckt mehr dahinter?

Die Erdkröte verbringt den Winter typischerweise eingegraben im Waldlaub. Wenn die Tage im Februar und März länger werden, erwacht sie aus ihrer Winterstarre und wartet auf einen geeigneten Zeitpunkt, die Wanderung zu ihrem Laichgewässer zu beginnen. Wenn es jetzt noch anfängt zu regnen, sind die Tiere nicht mehr zu halten. Als hätten sie sich abgesprochen, machen sie sich aus allen Richtungen auf den Weg zu dem Teich, in dem sie geboren wurden. (Diese "geheime Absprache" funktioniert so gut, daß in einer Nacht weit über tausend Tiere beim Überqueren einer Straße gezählt wurden, und in den darauffolgenden Nächten nur ein paar Dutzend. Tage später wieder tausend.)

Krötenweibchen trägt Männchen huckepackWenn sich auf der langen Wanderung Krötenmännchen und Krötenweibchen begegnen, nimmt das Weibchen das viel kleinere Männchen auf den Rücken und trägt es den weiteren Weg. In dieser typischen Haltung als "Doppeldecker" treffen die Tiere dann in ihrem Teich ein. Hier befinden sich bereits etliche andere, und spätestens hier treffen sich auch noch die letzten Pärchen um ihre Eier abzulegen, indem sie diese in langen Schnüren um Pflanzenstengel wickeln. Natürlich gibt es auch einige Nachzügler, die selbst im April noch nicht in ihrem Teich angekommen sind. Gerade diese sind es, die neue Teiche besiedeln und ihre Eier sogar in Pfützen ablegen.

Nach der Eiablage verlassen die Elterntiere wieder das Gewässer und verbringen den Sommer auf Wiesen, Feldern und Gärten, wo sie Insekten jagen, um sich im Herbst wieder im Laub zu vergraben und auf das nächste Frühjahr zu warten.

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) hat, unterstützt vom NABU, die Erdkröte zum „Lurch des Jahres 2012“ gekürt. Erdkröten zählen zu den Arten, die am direktesten vom ehrenamtlichen Engagement profitieren. Kein anderer Verband betreut so viele Amphibienschutzzäune und stationäre Anlagen wie der NABU. Abertausende ehrenamtliche Arbeitsstunden werden so Jahr für Jahr geleistet. Zäune aufstellen, Eimer eingraben, über die Straßen tragen – wichtige Aktivitäten wie diese, hat die Erdkröte viele Male vor dem Straßentod gerettet und vor größeren Bestandszusammenbrüchen bewahrt, was die Arbeit rund um die „NABU-Kröte“ so unentbehrlich und achtungswürdig macht.
Seit vielen Jahren haben Naturschützer dem Amphibientod an unseren Straßen den Kampf angesagt. In der ganzen Republik sind Naturschutzgruppen Jahr für Jahr aktiv, stellen Fangzäune auf, tragen Kröten über die Straße und legen Ersatzlaichgewässer an. Ohne dieses vielfache Engagement wäre es um unsere Frösche und Kröten deutlich schlechter bestellt.

Kommentare 5

  • Eifelpixel 26. April 2012, 18:36

    Faszinierend wie die Natur funktioniert.
    LG Joachim
  • mirabay 26. April 2012, 11:51

    stark gemacht und interessant beschrieben. Bei uns haben die Schüler extra Zäune gebaut, damit sie nicht überfahren werden.
    Lg
    Sara
  • Conny Müller 25. April 2012, 15:17

    Danke für diese tolle Information.Auch uns es es schon häufig passiert, dass wir die Kröten über die Straße getragen haben.
    LG
    Conny
  • Holger Maack 25. April 2012, 12:57

    Sehr schön beschrieben und ein schönes naturbelassenes Bild.
    VG HM
  • Hans-Joachim Helgert 25. April 2012, 8:37

    Ja sehr aktiv diese Tierchen und im Lahn-Dill-Kreis große Strecken die mit Schutzeinrichtungen an Straßen und Wegen bestückt sind.
    Der Lohn:Ein Froschkonzert das mich immer anrührt.
    LG Hans

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Kamera NIKON D7000
Objektiv AF-S DX Nikkor 10-24mm f/3.5-4.5G ED
Blende 9
Belichtungszeit 1/125
Brennweite 10.0 mm
ISO 400