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Karlas Füße

Auf den Rückweg von der Comerzbank-Arena zur Isenburger Schneise (wo die großen Parkplatze sind), trafen wir unterwegs eine Frau, die eine eingerollte Eintracht-Frankfurt-Fahne über ihre Schulter trug und dabei hemmungslos weinte. Irgendwie ging das zu Herzen und ich kam mit Karla, so heißt sie, in’s Gespräch. Sie stammt aus einer Eintracht-Familie, ihr Vater, der leider viel zu früh verstorben ist, hatte Karla schon im Alter von acht Jahren als Eintracht Mitglied angemeldet und sie immer mit zu den Spielen genommen. So wächst eine Fußball-Liebe. Karla verpasst kaum ein Heimspiel und fährt zu knackigen Auswärtsspielen auch meistens mit. Für sie bedeutet es eine Katastrophe, das „ihre Eintracht“ die nächste Saison aller Wahrscheinlichkeit nach in der II. Liga spielt. Karla lebt für die Eintracht, es war rührend wie sie ihren Tränenfluss, der kaum zu stoppen war, mit ihrem etwas zu großen Eintracht-Trikot abtrocknete. Da hätte sich manch einer der Spieler der Profispielerabteilung eine Scheibe abschneiden können. Karla ist Rotkreuzfahrerin und schiebt einen echt harten Dienst, meistens auf der Autobahn und im Stadtgebiet Frankfurt. Sie fährt nachts, damit sie „Ihre Eintracht“ am Wochenende spielen sehen kann. Es war eine seltsame Situation eine ausgewachsene Frau vom um die vierzig Jahren so weinen zu sehen. Ich war hin und hergezerrt zwischen Komik und Anteilnahme. Jedenfalls hat Karla das Herz am rechten Fleck. Sie hatte , das bemerkte ich so ganz nebenbei, für das schwere Geläuf schon unpassende Schuhe an. Als ich sie fragte, ob ich ihre Füße fotografieren dürfe ? fing sie plötzlich an zu lachen und meinte „so eine Ulknudel, wie mich hätte sie schon lange nicht mehr gesehen. „Klaro, mach mal“, meinte Karla. Klar, dass sie in der Verfassung nicht komplett (total verheult) fotografiert werden wollte. Ich werde Karla die Fotos ihrer Füße zumailen. Mit solchen Fans im Rücken wird die Eintracht auch wieder aufsteigen, das sagte ich ihr zum Schluss, was ein echter Trost für sie zu sein schien.

Kommentare 33

  • Lothar (Leo) Labonte 12. Mai 2011, 13:35

    Ein Hardcorefan geht mit seiner Mannschaft durch dick und dünn, so ist es richtig.
  • Redpicture 10. Mai 2011, 21:04

    das ist ein echter fan.

    eine schöne geschichte.

  • Albi 09 10. Mai 2011, 19:14

    Finde ich irgendwie rührend, dass Du Karla noch so in Bewegung setzen konntest. Sie scheint ja einen echten Stepptanz aufgeführt zu haben, so wie ihre Füße durch´s Bild tanzen. ;-) Die Nylonsöckchen haben auch ihr Bestes gegeben. ;-)
    LG,
    Albi09
  • Margareta St. 10. Mai 2011, 13:28

    Lieber Günter,
    für mich ist es zwar unverständlich, dass man so sehr weinen muss, weil ein Fußballverein absteigen kann/muss.
    Für mich zählt in erster Linie das Leid der Menschen. Da muss ich weinen.
    Trotzdem nehme ich diese Frau ernst, denn ein jeder Mensch muss so sein, wie er sein muss.
    LG Margarete
  • Günter K. 10. Mai 2011, 11:57


    @Doreen, das könnte passieren. ;-), aber was soll’s. Ich fand es einmal bei dem Stöckelbild interessant, das in einem Fußballstadion zu sehen. Und Karla, da sprechen eben stellvertretend ihre Füße für sie. Und manchmal sagen Stellvertreter mehr über eine Person aus, als die Mimik des Gesichts. LG Günter
  • Günter K. 10. Mai 2011, 11:54

    @Ina, danke für Dein Statement. Es ist richtig, da mit Logik und Argumenten, „das kostet ja“ heranzugehen, ist wenig zielführend. Wobei der Alkoholkonsum subjektiv gesehen bei manchen Leuten, die da drin sind, schon heftig ist. Und die Brühe ist ja richtig teuer und gibt es nur gegen Bons ab 10 oder 15 €, also sind mehrere Getränke „vorprogrammiert“. Das Finanzieren, ich persönlich gehe 2, 3mal im Jahr in ein Fußballstadion, ist überschaubar. Wäre ich jetzt ein wachechter Fan, dann liefe das schon in das Geld. Und Randale geht schon mal gar nicht, die „Proteste“ dieser Rabauken wenden sich heute gegen dies, morgen gegen das, die Beweggründe, die angeblichen, sind austauschbar. Es geht nur um die Randale, jemanden in die Fresse hauen. Man tut aber vielen, vielen Fans, Unrecht. Sie mit den Blödmännern in einen Topf zu werfen. Ich hatte mit Eintracht- oder auch Kölner Fans richtig gute Gespräche. LG Günter
  • Günter K. 10. Mai 2011, 11:46

    @Maddy, genau, bei der Geschichte weiß man eigentlich nicht, ob man lachen oder heulen soll. Wahrscheinlich ist beides richtig, je nach Sicht des Betrachters.
  • Maddy M. 10. Mai 2011, 10:02

    Eine herrliche Geschichte, bei der ich richtig mitfühlen musste .... muss aber auch zugeben, ich hätte mir das Lachen echt verkneifen müssen!
    Kann aber schon verstehen, wie sie da mitfieberte und dann enttäuscht in Tränen ausbrach!
    Feine Geschichte mit passendem Bild!
    LG Maddy
  • doreen43 10. Mai 2011, 9:09

    Noch eins und du wirst als fußfetischist abgestempelt. Ich schau auch gern auf die Füße anderer Menschen- wobei mich eher die Schuhe interessieren. Aber ist als Frau ja schon fast normal, oder!? Tolle und fesselnde Geschichte zum Bild. Lg Doreen
  • Helga Jobst 10. Mai 2011, 9:04

    Eine rührende Geschichte.
    Anfangs dachte ich, du erzählst uns wieder eine lustige Anekdote, so wie wir es von dir gewöhnt sind.
    Eigentlich ist es ja doch eine lustige Geschichte.
    Witzig wie manche Menschen reagieren.
    Dein Bild paßt "irre gut" zu deinen Zeilen.
    L.G. Helga
  • Stefan Jo Fuchs 10. Mai 2011, 7:37

    eine liebevolle und rührende reminiszenz, lieber günter!
    lg stefan
  • Simone Mathias 10. Mai 2011, 7:01

    als mindestens so überzeugter vfb stuttgart fan kann ich karla voll verstehen und die hat mein tiefstes bedauern. ich weiss was dieses zittern bedeutet und zum heulen war mir dieses jahr oft genug... ;o((

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    glg, simone
  • LauraFlorence 9. Mai 2011, 23:41

    Na, da muss ich doch glatt ein Tränchen der Rührung verdrücken.. das sind noch Originale.. Menschen mit Herz. Für Sie ist die Eintracht ja auch ein Stückchen Familie, wenn sie schon als Kind mit dem Vater gegangen ist.. er ist ja nicht mehr da.. aber die Eintracht.. und nun droht sie die auch zu "verlieren". Ob diese Spieler, die um Millionen pokern, wohl wissen, für wen sie spielen. Ich glaube es nicht.. sonst würden sie sich keine Allüren leisten aus Respekt vor Menschen, die so viel Anteilnahme und Einsatz zeigen. Aber dass sie Dein Anliegen zum Lachen fand, ist ebenso verständlich wie schön. Dann mail Du Karla mal ihre Füße. Danke für die schöne Geschichte :-))
    LG Laura
  • monro Monika Rohlmann 9. Mai 2011, 21:41

    Bodenständige Schuhe, leicht verwischt die erdverbundene Haftung. Sie scheint durch den Abstieg ins Wanken geraten zu sein. Eine traurige SAGA...
    Deine BEA dazu - sehr einfühlsam!!
    LG Moni
  • Sabine Dußling 9. Mai 2011, 21:12

    Eine wirklich rührende Geschichte. Ich dachte wohl erst, sie hätte einen Freudentanz aufgeführt, aber nach deinen Zeilen. Aber Kopf hoch für Karla, sie steigen wieder auf!
    GLG Sabine