Indian Spirit

3. Platz im Contest "Verlassene "Orte" .
Vielen Dank an alle die für diese Bild gestimmt haben, sowie an das Team vom Juryvoting !

Vielen Dank an Mike JB für den Galerievorschlag und auch hier vielen Dank an alle Voter, die den Einzug dieses Bildes in die Galerie ermöglicht haben.

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hier noch die Geschichte zu der tollen Wanderung dorthin
(Bild spielt selbstverständlich wie immer auch ohne die Geschichte) :



Dieser versteckte Spot in den Canyonlands/Utha stand schon seit ein paar Jahren auf meiner Agenda und dieses Jahr sollte es nun endlich klappen.
Im August toben nämlich hier in den Canyonlands fast täglich heftigste Gewitter, so dass eine Wanderung zu diesem Spot fast regelmässig abgelehnt wird von den dortigen Rangern (wenn man denn fragt...was man allerdings auch tunlichst machen sollte...).
An diesem Tag nun sah alles ganz fantastisch aus.
Die Wettervorhersage hatte zwar Gewitter für die Nacht angesagt, aber noch war alles schön.
Als wir zu Rangerstation kamen empfing uns der Ranger allerdings trotzdem mit Stirnfalten im Gesicht als wir unsere Wanderung bei Ihm anmelden wollten.
Wir seien seit gut 10 Tagen die ersten, die sich wegen der ständigen Gewitter trauten dorthin zu wandern sagte er.
Er checkte gleich unsere Ausrüstung bezüglich Wasser, GPS, Taschenlampen sowie First-Aid-Kit, und nachdem er sich noch unsere Namen aufgeschrieben hatte entliess er uns dann doch mit einem Lächeln im Gesicht, die Sonne schien schliesslich und eigentlich war alles gut.

Wir begannen unsere Wanderung durch die steinige Steppe dennoch mit einem unguten Gefühl, denn die ersten Gewitterwolken zeigten sich schon am Himmel. Ausserdem waren durch die heftigen Regenfälle der vergangenen Tage jegliche Spuren die auf einen Weg deuteten weggewaschen worden, so dass uns nur die vereinzelt aufgestellten Steintürmchen zeigten dass wir noch auf dem richtigen Weg waren.

Eigentlich easy, und so erzählte ich meinen Kindern während des Weges dass wir zu einem spannenden Ort wandern würden, der der Legende nach von Indianern entdeckt und über Jahrhunderte verehrt worden war. Angeblich sei er immer noch so erhalten wie ihn die Indianer vor langer Zeit zurückgelassen haben, und so verging die Zeit wie im Fluge bis wir zum finalen und steinigen Ab- und Aufstieg zu diesem wunderbaren Spot ansetzten.
Es handelt sich um einen versenkten "Alkoven" der sich durch ausbrechendes Felsgestein in einer gigantischen überhängenden Steilwand gebildet hat, vor der wir nun staunend standen und an der wir uns nun erst abwärts und dann wieder aufwärts die Steilwand entlanghangeln mussten.
Sprich: um in diese kleine Höhle zu erklimmen muss man von unten die Steilwand hoch, um dann sozusagen von unten in den Alkoven hinein zu klettern. Meine Kinder fanden das natürlich grossartig, und auch wenn es eigentlich nicht allzu schwer ist dies zu meistern hat man als Familienvater dann dann doch so die einen oder anderen Bedenken...;-)
Die Steilwand bot eine herrliche "Akustik" und so wurde unsere Kletterpartie begleitet von ständigem singen und Rufen unserer Kinder , die sich gar sich satt hören konnten an den vielen Echos die die umliegenden Felsenmassive zurückwarfen.
Wenn wir nicht vorher uns eine bebilderte Wegbeschreibung vom Ranger hätten zeigen lassen, dann wären wir sicher niemals dort angekommen, so schwer ist der kleine Alkoven in der gigantischen Steilwand auszumachen. Erst auf den letzten 20 Metern erahnt man die kleine Höhle und das was einen dort drinnen empfangen soll. Und den eigentlichen Steinkreis sieht man tatsächlich erst dann wenn man den letzten Felsvorsprung überwunden hat.
Ehrfürchtig stehen wir vier plötzlich vor dieser Kulisse und gehen vorsichtig auf den seit zig Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten existierenden und von Indianern angelegten Steinkreis zu. Selbst meine Kinder bewegen sich ungewöhnlich vorsichtig ;-) , um nicht ungewollt einen noch so belanglosen Stein zu verrücken...
Alles wirkt still und unberührt, trotz der Fussspuren der anderen Wanderer die diesen Ort vor uns besucht haben. Eine fast schon sakrale Stimmung beschleicht mich und meine Süsse, und so setzen wir uns erst einmal in den Sand und schauen stumm über den Kreis hinaus in die in Jahrmillionen gewachsene Landschaft die uns hier umgibt.
Neben einem grossen Stein finden meine Kinder plötzlich eine blaue Metallbox. Neugierig wird diese aufgemacht und zum Vorschein kommt eine Art Poesiealbum mit handschriftlichen Eintragungen von Wanderern wie wir es waren, die dort teilweise sehr emotional und bewegend ihre Eindrücke und Empfindungen zu diesem Ort niedergeschrieben hatten.
Was für eine schöne Geste und Idee der Verantwortlichen des Canynland-Nationalparks dachte ich nur , sich hier persönlich verewigen zu können und das Erlebte ein wenig mit anderen Gleichgesinnten Wanderern teilen zu können.
Ich begann die letzten Eintragungen zu lesen. Die letzte Eintragung lag tatsächlich fast 12 Tage zurück was im Umkehrschluss hiess, dass wir vier die einzigen waren die seit den vergangen letzten 12 Tagen diesen Ort erwandert hatten. Was für ein Gefühl. Und wieder fuhr es einen ein wenig in die Beine als einem bewusst wurde wie allein man hier oben dann doch war, und wie besonders dieser Ort denn sein musste, trotz des eigentlich nicht übermässig langen und anstrengenden Weges bis hierhin.

Ich weiss nicht wie lange wir am Rand des Kreises sassen. Still und jeder in seine eigenen Gedanken versunken schauten wir in die Landschaft, und selbst die Kinder waren so viel ruhiger als sonst.
Ein absolut besonderer Ort !
Langsam sammelte ich mich wieder und begann mein Stativ aufzubauen.
Das Licht war fantastisch, ohne direkte Sonne aber mit einem grandiosen Wolkenhimmel und einer dramatischen Lichtstimmung, so wie ich es liebe.

Ich machte gerade meine letzte Aufnahme als mit einem male ein lautes und langgezogenes Grollen uns alle in Mark und Bein erschütterte.
Erschreckt schauten wir auf und sogleich bemerkten wir auch ein paar in der Ferne aufflammende Blitze.
Ich glaube so schnell und konzentriert habe ich noch nie meine Fotoausrüstung wieder verstaut gehabt und zum Rückzug geblasen...
Die Kinder durften natürlich nichts merken von meiner leichten Panik die mich beschlich, hatte mir doch der Ranger gesagt wir sollten auch nur bei den ersten Anzeichen eines Gewitters auf jeden Fall im Alkoven bleiben und zur Not die Nacht dort verbringen. Auf keinen Fall sollten wir versuchen den Rückweg an zu treten.
Nun, wir hatten keine Ausrüstung für die Nacht dabei, und meinen zwei Kindern wollte ich eine solche Nacht auch nicht antun, und so beschloss ich so schnell wie möglich diesen doch so wunderbaren wie spirituellen Ort zu verlassen, und dem Gewitter doch noch zu entkommen.
Gewitter in den Canyonland sind wahrhaftig kein Spass, das hatte ich im Jahr zuvor erfahren, wo ich fast um mein Leben habe bangen müssen als ich von einem Solchen mitten in der tiefsten Nacht überrascht wurde (siehe meine Story zu dem Bild "Mighty Nature" ) .
Nun um es abzukürzen: obwohl wir alle eigentlich sehr gut trainiert waren geriet nach dem noch vorsichtigen Abstieg (Logo, das geht nur vorsichtig und langsam) vor allem der Aufstieg zu einer sportlichen Herausforderung.
Das brüllende Gewitter ständig im Nacken sitzend kletterten wir so schnell wir konnten die Felsen hoch und suchten uns in abenteuerlichem Tempo den Weg durch den teilweise Geröllhaldenartig steil aufwärts führenden Pfad .
Meine Kinder merkten doch sehr bald, dass da was nicht stimmen konnte...
Seitenstiche, etwas was ich trotz meines 14 KG schweren Rucksackes eigentlich gar nicht kenne plagten mich, und die vielen Zwangspausen für meine Kinder und meiner Süssen gerieten für mich zu einer absoluten Geduldsprobe.
Wir machten den Rückweg in unfassbaren 50 Minuten, eine absolute Rekordzeit für diesen Trail denke ich, und angekokmmen beim Auto nahmen wir uns alle erst einmal in den Arm. Was für ein Segen dachten wir alle nur..die Erde hat uns wieder.
Im Auto brach das Gewitter dann in voller Wucht über uns herein....eigentlich auch zum Fürchten, absolut, ...aber nichts gegen das Gefühl in einer von jeglicher Zivilisation abgeschnittenen Gegend mit einem brüllenden Monster im Nacken sitzend auf der Flucht zu sein....

Immer wenn ich mir die Bilder von diesem Ort anschaue haut es mich irgendwie immer wieder um, und ich bekomme wieder weiche Knie...
(und das aus zweierlei Hinsicht... ;-) )


Danke an meine lieben Kinder und meine Süsse, die das alles immer wieder und wieder mit mir mitmachen... ;-)


©Manfred Voss
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