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Im Räderwerk der Zeit

Im Räderwerk der Zeit

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Thomas Koziel


Free Mitglied, Kaiserslautern

Im Räderwerk der Zeit

Hinter dem Orgelgehäuse unserer Kirche, gab es eine kleine Tür, die um so mehr geeignet war, meine Neugier zu erwecken, als sie die meiste Zeit verschlossen gehalten wurde. Sie führte zum Turm, war gleichsam der Eintritt in eine Welt, in der die Geheimnisse von Glockengeläut und Stundenschlag ihren Sitz hatten. Als sie sich mir eines Tages öffnete, betrat ich Räume, in denen die Jahrhunderte einträchtig nebeneinander in der Umgebung von Staub und Spinnweben zu wohnen schienen und die alleine aufgrund dieser Tatsache den Flair einer besonderen Ehrwürdigkeit und Unantastbarkeit zu verströmen imstande waren. Eine schmale hölzerne Treppe, die steil in die Höhe zum nächsten Stockwerk des Turmes führte, erweckte meine besondere Aufmerksamkeit und wie magisch angezogen lenkte ich meine Schritte dort hin und stieg empor... und dann stand ich vor IHR. Es gab keinen Zweifel daran, dass SIE ein lebendiges Wesen war. Mit einer Mischung aus Angst und Neugier nährte ich mich dem hölzernen Gehäuse, in dem die Zeit gemacht wurde, in dem SIE tagein tagaus mit unermüdlichem Fleiße ihrer Arbeit nachging und das über Jahre, Jahrzehnte, ja über die Länge eines Menschenlebens hinweg, ohne auch nur eine Sekunde zu vergessen. Ihr Ticken, das mehr dem Klang eines Hämmerchens auf einem Metallblock ähnelte, allerdings begleitet von dem harten, energischen Ton metallischen Einhakens, hatte etwas Bestimmendes, keinen Widerspruch duldendes an sich und es schien offensichtlich, dass ihr Charakter von Strenge geprägt war. SIE würde es bestimmt nicht schätzen, wenn ich sie bei ihrer Tätigkeit störte...

Ehemalige Turmuhr der Apostelkirche in Lustadt.
Erbaut um 1900, heute funktionsfähig ausgestellt im Heimatmuseum Germersheim.

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