Gesten in Dresden

Gesten in Dresden

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Gesten in Dresden

Der/Die FotografIn schreibt: "Auf der äußeren Balustrade der Katholischen Hofkirche in Dresden die unter Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen von Gaetano Chiaveri von 1739 bis 1755 im Stil des Barocks errichtet wurde, befinden sich unter anderem die Statuen von Basilius dem Große und Franz von Assisi.

Basilius der Große war ein Kirchenlehrer, Bischof und einer der drei heiligen Hierarchen (Die Drei Hierarchen des Christlichen Orients sind die drei Bischöfe Basilius der Große, Johannes Chrysostomos und Gregor der Theologe). Die Statue zeigt ihn mit ausgebreiteten Armen im Priestergewand mit dem linken Bein auf einem Felsen kniend. Neben ihm, auf meiner Aufnahme von seinem Bein verdeckt, sieht man ein Buch und eine Mitra mit Inful.

Franz von Assisi war der Gründer des Franziskanerordens. Er hält in der linken Hand ein Kreuz und blickt darauf. Seine rechte Hand ist abgesenkt und hält einen Schädel. An dem Gürtel der sein Mönchsgewand zusammenhält hängt ein Rosenkranz mit Kreuz.

Übrigens sieht man im Hintergrund zwischen den beiden Kirchenmännern die Spitze der Frauenkirche mit dem acht Meter hohen Turmkreuz.

Auf mich wirkte der Anblick aus dieser Perspektive wie die Momentaufnahme inmitten eines Gesprächs der beiden Männer. Die Körperhaltung und die Gesten von Basilius dem Großen und Franz von Assisi lösen diesen Gedanken bei mir aus. Vielleicht zeigt Basilius mit seiner Hand gerade auf das Kreuz in der Hand von Franz von Assisi, während sein Blick auf dem Totenkopf haftet und er fragt was das denn solle? Vielleicht fragt er, warum Franz einen Totenschädel in der einen Hand halte und das Kreuz in der anderen Hand? Gleichzeitig schaut Franz von Assisi in diesem Moment auf sein Kreuz und denkt möglicherweise darüber nach, welche Worte seine Antwort am besten ausdrücken könnten?"
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Kommentare 71

Die Diskussion für dieses Foto ist deaktiviert.

  • Agora Bilddiskussion intensiv 19. September 2021, 9:11

    Die Diskussion hier ist nun beendet, Agora wird unter dem folgenden Bild fortgesetzt:
    o.T.
    o.T.
    Agora Bilddiskussion intensiv
  • Agora Bilddiskussion intensiv 19. September 2021, 9:11

    Karsten S. schreibt: “Vielen Dank an alle Teilnehmer für den angeregten und bewegten Meinungsaustausch. Ich freue mich über euer, teilweise sehr ausführliches, Feedback. Natürlich habe ich mich über die positiven Anmerkungen besonders gefreut, aber mein Dank gilt gleichermaßen auch für die kritischen Worte. Es ist für mich interessant zu erfahren, wie eine Aufnahme betrachtet wird und wie unterschiedlich sie auf den Betrachter wirken kann oder von ihm jeweils bewertet wird.
    Vorab: Wo und wie ist die Aufnahme entstanden? Als ich bei einem Besuch der schönen Stadt Dresden, von der Semperoper kommend, einen kleinen Bogen über den Theaterplatz in Richtung des König-Johann-Denkmals einschlug, sah ich plötzlich kurz die Spitze der Frauenkirche zwischen zwei der Statuen auf der gegenüberliegenden Katholischen Hofkirche aufblitzen. Dort blieb ich stehen, um mit Hilfe meines Telezoom-Objektivs noch etwas genauer hinzuschauen. Dabei wirkte der Anblick der beiden Statuen links und rechts des goldenen Turmkreuzes, aus dieser Perspektive plötzlich, wie die Momentaufnahme eines angeregten Gesprächs der beiden Männer. Ich hatte sofort verschiedene Ideen zum möglichen Inhalt der Konversation. Für mich war das ein Gedanken anregender Anblick den ich im Bild festhalten wollte. 
    Die beiden Statuen von Franziskus von Assisi und von Basilius sind 3,60m hoch und stehen über der Sakristei auf der äußeren Balustrade der Katholischen Hofkirche. Die Balustrade ist nach meiner Schätzung etwa 20m? hoch. Ich habe leider keine genaue Höhe in Erfahrung bringen können. 
    Meinen Standpunkt auf dem Theaterplatz zu verändern und damit den tollen Lichtpunkt des goldenen Turmkreuzes zwischen den Statuen zu verlieren, kam für mich nicht in Frage. Um also meine Bildidee eines möglichen Dialoges der beiden Männer zeigen zu können und dabei gleichzeitig so viel wie möglich von der goldenen Spitze der Frauenkirche auf meiner Aufnahme zeigen zu können, habe ich die Kamera mit ausgestreckten Armen über meinem Kopf gehalten und sie über das nach unten geklappte Display, anstelle des Suchers, so gut es ging ausgerichtet. 
    Die Aufnahme entstand dann mit Belichtungszeit 1/640 Sek., Blende f/5.6, Brennweite 400 mm bei ISO 100. Die Originalauflösung meiner Kamera, bei einem Bild im Verhältnis 4:3, beträgt 7952 x 5304 Pixel. Bei der Wahl meines Lieblingsformates von 16:9 beträgt die Auflösung 7952 x 4473 Pixel. Der von mir gewählte Ausschnitt ist nur minimal kleiner und hat die Abmessung von 7657 x 4307 Pixel. Da das Bild für die Agora eine Größe von max. 3 MB nicht überschreiten darf, habe ich dann lediglich die Abmessung auf 4800 x 2700 Pixel verkleinert. Nach Empfinden von mindestens einem von euch ist das ein zu starkes "croppen". Danke für den Hinweis.
    Was mich auch zum Nachdenken angeregt hat war, dass einige von euch Dinge sagten wie, „da es sich um eine rein darstellende Abbildung handelt, spricht nicht das Bild, sondern die abgebildeten Figuren den Betrachter an.“ Oder „Ich hätte hier lieber Bilder, die einen besonderen fotografischen Blick offenbaren.“ Ich finde diese Aussagen deswegen recht interessant, weil ich dachte, dass ohne Aufnahmen wie diese doch niemand „mit eigenen Augen“ einen solchen Blick auf die Statuen auf der Balustrade erhalten kann. Mit den eigenen Augen ist lediglich eine Aufreihung verschiedener Figuren in großer Höhe erkennbar. Niemals könnte man eine Art „möglicher Interaktion“ von unten sehen. Klar ist die Aufnahme letzten Endes nur eine Dokumentation dessen, was da ist, aber selbst dann, wenn man die Möglichkeit hätte jede einzelne Figur aus der Nähe zu betrachten, würden sich zwar die Details der Statuen erkennen lassen, aber niemals ein scheinbares Zusammenspiel zweier Figuren. Erst eine Aufnahme mit dieser „Bildidee“, ermöglicht das meiner Meinung nach. Und die Umsetzung einer Bildidee, von einer bestimmten Position aus, in einer ausgesuchten Perspektive, mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten und unter Berücksichtigung der vorhandenen Lichtverhältnisse usw., ist doch u.a. das was wir in der Fotografie machen. Oder zumindest versuchen zu machen ;-) 
    Ob das dem Betrachter gefällt oder nicht ist selbstverständlich Geschmacksache und bleibt sicher offen, aber ich finde es etwas schade, dass die Aufnahme von einigen Betrachtern lediglich als eine rein darstellende Abbildung wahrgenommen wurde. Irgendwie gefällt mir dann die Aussage „interessantes Bild, mit sympathischen Mängeln“ doch sehr viel besser :-) obwohl ich natürlich durch alle Kommentare etwas dazugelernt habe.
    Sehr gefreut hat mich auch, dass einige von euch sich von der Aufnahme angeregt fühlten weitere theoretisch mögliche Dialoge der beiden Kirchenmännern zu formulieren.
    Abschließend noch einmal meinen Dank an euch alle. Egal was ihr geschrieben habt! Denn das Wertvollste, das man einem Menschen schenken kann, ist bekanntlich Zeit. Die habt ihr euch genommen, um meine Aufnahme zu betrachten, meine Zeilen zu lesen und um mir euer Lob, eure Kritik und eure Meinung auszudrücken.
     
    Viele Grüße
    Karsten S.”
  • MBodo 18. September 2021, 1:28

    Das ganze Architekturensemble aus Terrassen, Brücken, Elbe, Zwinger, Semperoper, Hofkirche, Residenzschloss und Frauenkirche ist großartiger Fotokitsch. Drei davon sind hier im Bild zu sehen. Die beiden Skulpturen stellen eine Verbindung zwischen den drei Gebäuden her und wirken für mich insgesamt wie eine Theateraufführung mit Bühnenbild, über den Dächern von Dresden. Durch die satte Farbe wird der Kitsch noch unterstrichen. 
    Dazu passt für mich dann auch die Dialogfrage zwischen den Skulpturen, sonst wäre es kein "Theaterstück". Was sie vielleicht auszutauschen hätten, wird aber ein ewiges Geheimnis bleiben.
    Dokumentarisches Postkartenmotiv fällt mir zu dem Bild ein, mit Hintergrundrecherche durch Fotograf*in. Das würde gut in eine Reisereportage passen.
  • Gerd Scheel 17. September 2021, 11:41

    Ich frage mich jetzt auch noch mal,
    ob von unten fotografiert wurde,
    weil Franz von Assisi rechts steht?
    • Mittelosteuropa-Entdecker 18. September 2021, 7:46

      Spielt das Wissen darüber, wie exklusiv der Standort ist, eine Rolle bei der Bewertung? Bewusst oder unbewusst? Sollte er das? Die Drohnenvideos im Tourismusmarketing gehen mir jedenfalls allmählich auf die Nerven  ...
    • N. Nescio 18. September 2021, 9:57

      Wenn ich ein nicht optimales Foto -aus reiner fotosicht betreffs Komposition - verteidige, sage ich auch, dass bei den örtlichen Umständen nichts besseres möglich war … für den dokuzweck ist’s ja ok, aber als Beispiel einer gelungenen Komposition nicht.
    • Clara Hase 18. September 2021, 10:31

      eigene klägliche Aufnahme - auch ich stand schon etwas höher.
      der Kran markiert die Frauenkirche im Bau.
    • Gerd Scheel 18. September 2021, 11:01

      Das ist doch Klasse,
      wenn man dann noch den Plan aus deinem
      link als Vergleich dazu nimmt,
      sieht man wie mächtig alles ist
      und auch die Einzelbilder von vorn fotografiert.
  • Matthias von Schramm 15. September 2021, 21:53

    Nach Zwischenrecherche bin ich übrigens der Meinung, dass hier ein relativ hoher Standpunkt zum Abbilden notwendig war. Meine Vermutung, der/die FotografIn stand auf einem Balkon der Semperoper - entweder mit recht fettem Tele, oder wie bereits angemerkt gecroppt. Steht man vor der Hofkirche, ist die Perspektive viel tiefer und die Spitze der Frauenkirche ist so nicht sichtbar. Würde mich freuen, wenn im Abschlussbericht der Standpunkt des/der AutorIn erläutert wird. Aus speziellem Interesse und einer gewissen Dresden-Affinität.
    • Gerhard Körsgen 17. September 2021, 18:28

      Ich selbst habe keine Ahnung über die Verhältnisse vor Ort. Sollte der/die Bildautor*in diese Aufnahme mit "fettem Tele" (ich nehme an Du meinst Brennweiten ab oder jenseits der 300 mm /Vollformat) gemacht haben dann wäre allerdings das Freistellen welches ich als dienlich ansah möglicherweise per sé nicht möglich weil die Figuren zu sehr am Unendlichkeitsbereich sein könnten und dann eine solche Freistellung vielleicht gar nicht funktionieren KANN je nach Entfernung des Hintergrundes. Dahingehend interessiert mich der Abschlusskommentar auch.
    • Matthias von Schramm 18. September 2021, 1:19

      Moin Gerry @Gerhard Körsgen   zur Einordnung und ich bin leider kein Experte in Blendenermittlung bei Brennweiten und dem dann entsprechenden Look. Ich schätze nur. Aber bei Google Maps ist sichtbar, dass die Figur des F.v. Assisi über 200 Meter von der Kirchenspitze weg ist, die zur Frauenkirche gehört. Das Güldene Ding zwischen den Figuren. Experten können wahrscheinlich genau erkennen, welcher Blendenwert bei welcher Brennweite. Da aber dieses Foto offensichtlich gecroppt ist, was man seinem Format wohl ansieht auch - wird's wohl wieder komplizierter.
  • Bernadette O. 15. September 2021, 20:33

    Die Hauptleistung des Fotografen, der Fotografin liegt meines Erachtens darin, diese Situation zu sehen, diesen möglichen Dialog der beiden Figuren. Das finde ich interessant und anregend. Man könnte einen Wettbewerb ausschreiben mit den bekannten Sprechblasen, da käme sicher viel Interessantes dabei heraus.

    Fotografisch war die Situation wahrscheinlich schwierig zu meistern. Die Standpunktmöglichkeiten waren wahrscheinlich sehr eingeschränkt und daher kaum eine andere Perspektive oder Freistellung der linken Figur möglich. Die Entfernung der Figuren kann ich nicht einschätzen, da ich den Ort nicht kenne. Aber ich könnte mir vorstellen, dass sie nicht ganz nahe standen und herangezoomt werden mussten. Dann wird es natürlich schwierig mit der Freistellung, wenn man nicht das ideale Werkzeug (Objektiv, Kameratyp ...) dabei hat. 
    Und so wirkt das Bild insgesamt sehr unruhig. Vor allem die grosse rote Fläche des Daches zieht meinen Blick immer wieder auf sich.  Mir kam der Gedanke, wie das Bild in sw umgewandelt wohl wirken würde. Das ablenkende Rot würde wegfallen. Ob aber die übrigen Bildteile in sw noch genügend zur Geltung kämen? Man müsste sicher daran arbeiten. Schade wäre aber, dass das golden glänzende Kreuz zwischen den beiden Figuren seine Wirkung weitgehend verlieren würde. Es steht ja zwischen den beiden wie ein stummer Zeuge, der interessiert dem Gespräch zuhört und gerne vielleicht etwas einwerfen würde ...

    Insgesamt für mich ein interessantes Arrangement, eine gute Bildidee, bei der die Details der Ausführung einige Wünsche offen lassen. Wünsche, die sich in der konkreten Situation wohl kaum erfüllen liessen ...
  • Gerd Scheel 15. September 2021, 14:00

    Hier freue ich mich über die Kommentare,
    weil man in dieser Perspektive ein Gespräch sieht
    und da ist der link von Clara interessant,
    da da die Einzelbilder sind.
    Mein Daumen hoch geht an "framebyframe",  :)))
  • Gerhard Körsgen 15. September 2021, 11:59

    Grundsätzlich gefällt s mir gut für das Foto diese Position gewählt zu haben so dass eine Art Dialog dargestellt zu sein scheint. Allerdings ist die "Freistellung" nicht so gut geglückt, die Gebäudeteile lenken mich sehr ab, auch die unterschiedlichen Farben. Ausnahmsweise hätte ich mir eine Herangehensweise wie bei den Naturfotografen im Voting gewünscht die alles und ganz grundsätzlich immer derart "freistellen" dass hinter dem anvisierten Motiv nur eine wattige, undefinierbare Fläche bleibt - sowas wäre hier dienlich gewesen um den "Dialog" prägnanter darzustellen.
    Klar wäre dadurch weniger Lokalkolorit im Bild gewesen, aber diese Figuren werden wohl nur in Dresden SO "interagierend" dargestellt sein...oder ist diese Zusammenstellung allgemein so ? Kann ich mir nicht vorstellen. Aber religiös gebildetere User wissen da sicherlich mehr.
    Da ich wie gesagt religiös nicht sonderlich bewandert bin würde ich mir spaßeshalber eher eine Art Comedy-Dialog vorstellen...
    "Hey Franz, altes Haus, was hältst Du von dem Kreuz ? Astreine Ware, kaum gebraucht, nur 50 Ocken, dann gehört es dir ! Eine Mitra hab ich auch noch...wie wär s ?"
    "Soso...50 Ocken für den Schrott...der letzte der mir sowas anbot wärmt gerade meine Hand...°°..."
    Wäre es mein Bild hätte ich die grundsätzliche Aufnahmeposition beibehalten, aber eine bessere Freistellung durch ein Objektiv mit einer weiter zu öffnenden Blende versucht, sofern ich ein solches dabei´gehabt hätte (das war sicherlich ein Problem hier, ich ordne die Entstehung eher einer touristischen Besichtigungstour denn einer akribisch angegangenen Reportage zu).
    Dienlicheres Licht hätte auch helfen können...
    Insgesamt eine Aufnahme mit offensichtlichen Mängeln in der Ausführung, aber sympathischem Ansatz des "Sinnzusammenhangs".
    Man/frau könnte sich natürlich und sicherlich noch andere Dialoge vorstellen als ich es tat, bei einer solchen "Stelivorlage" blödele ich schon Mal gerne herum, ähem ;-)
    Insofern: Hat Spaß gemacht :-)
    • Gardin 15. September 2021, 13:00

      Gerhard Körsgen "Ausnahmsweise hätte ich mir eine Herangehensweise wie bei den Naturfotografen im Voting gewünscht die alles und ganz grundsätzlich immer derart "freistellen" dass hinter dem anvisierten Motiv nur eine wattige, undefinierbare Fläche bleibt - sowas wäre hier dienlich gewesen um den "Dialog" prägnanter darzustellen."
      Ja, das wäre auch für mich viel wirkungsvoller. Aber ich wüsste nicht wie ich das bewerkstelligen könnte. Deshalb meine vielleicht naive Frage, wie bekommt man das hin?
    • Matthias von Schramm 15. September 2021, 13:28

      Gerry hat es ja beschrieben. Das ist ein technisches Problem. Wenn ich mein Tele bspw. bis Blende 2.8 öffnen kann oder besser, dann ist das kein Problem. Ob man so ein mehrere Kilo schweres Trumm beim Stadtspaziergang dabei haben will, ist eine andere Frage. Einfach gesagt, je länger die Brennweite, desto weniger offen muss die Blende sein. Wenn ich z.B. mein Telezoom nehme bis 400mm ähnelt es meinem Telezoom bis 200mm vom Bildlook ziemlich, was daran liegt, dass ich das längere nur bis 5.6 öffnen kann, was bei 400mm für eine dolle Freistellung schon sorgt und das 200mm bis 2.8.
    • wittebuxe 15. September 2021, 13:32

      @Gardin:
      Näher 'ran, offenererere Blende?

      Oder (Gaußscher)Weichzeichner-Photoshop-Layer.
  • fotobücher 14. September 2021, 22:32

    Seit dem ersten Blick interessiert mich dieses Foto - wegen seiner Farbigkeit einerseits und andererseits aufgrund der Position und Haltungen der Statuen.
    Die Farben: Da ist die kräftige Farbe des Himmels im Kontrast mit dem Rot des Dachs und dem Grünspan. Die goldene Kuppelverzierung zieht immer wieder meinen Blick an. Für mich endet das Bild hinter der linken Person, weil die Wand dort so dunkel ist, als würde sie nicht mehr zum Bild gehören.
    Ich kenne das Gebäude nicht, noch weniger von dieser Position, daher fehlt mir der Blick dafür, welche Teile zum Gebäude gehören und was zu einem anderen Gebäude gehört. Die Schärfe/Unschärfe reicht mir hier nicht aus, das Bild erscheint verdichtet.
    Nun hat der Fotograf diese beiden Statuen zum Motiv gemacht und sich so positioniert, dass es aussieht als stünden sie in einer Art Dialog. Man kann sich fragen ob sie debattieren oder diskutieren?
    Mein erster Eindruck war, dass Franziskus sich das Kreuz in seiner Hand so ansieht, als würde er überlegen, was er damit anstellen will. HIer kann man, genauso wie in die Gestik Basilius mit einer Phantasie viel interpretieren, alles falsch.
    Aber genau das macht das Bild interessant - hier sind zwei “Menschen” in einer Interaktion und automatisch versuche ich die Situation zu lesen. Ausserdem frage ich mich, was das an Basilius linker Seite ist - zuerst dache ich an einen Hecht, aber das macht keinen Sinn. Die Bildhauer früher haben sehr viel mit Symbolen gearbeitet um ihre Nachricht zu transportieren.

    Bedingt durch die Lokation ist der Bildaufbau leider nur so “geht so”, die llinke Wand, die Dächer im Hintergrund, irgendwie stört das Alles und gleichzeitig ist es wichtig, um den Ort im Bild zu beschreiben. Die Position zu verändern ist vielleicht nicht möglich gewesen und es hätte auch die Position der goldenen Verzierung im Bild verändert.

    Für mich ein interessantes Bild, mit sympathischen Mängeln, das ich sicher noch einige Male ansehen werde.
    Vielen Dank für das Zeigen.
    • fotobücher 14. September 2021, 22:41

      Basilius Skulptur verliert in diesem Bild immer gegen den Hintergrund. Wenn man links hinter der Franziskus Skulptur scheiden würde, ergäbe sich ein neues, auch interessantes Bild. Der Dialog der beiden bleibt aber interessanter, als nur eine einzelne Skulptur.
    • Gerd Scheel 14. September 2021, 23:25

      Wenn man schon so genau schaut
      sollte man auch lesen, dass es bei Basilius
      die Mitra an der Seite ist.
    • fotobücher 14. September 2021, 23:42

      Ist das so? Ich schaue mir das Bild an, schreibe meinen Text, danach lese ich den Text der Bildautorin. Manchmal gehe ich auch darauf ein, manchmal nicht.
      Ich habe nichts am Hut mit kirchlichen Dingen. Mitra musste ich suchen, da fand ich meine Hechtinterpretation gar nicht zu schlecht.
      Verzeih mir bitte, Gerd, ich möchte der Bildautorin lediglich einen präzisen Eindruck meines Sehens vermitteln.---es kann auch ein Bildautor sein, das weiß man erst am Ende.
  • Wolf Schroedax 14. September 2021, 19:58

    Basilius sagt: " Gib mir das Kreuz - gib´s endlich her!   Was willst Du damit , wenn Du den Viechern predigst. Die können mit diesem Symbol doch überhaupt nichts anfangen!"
    Aber Franziskus überlegt, überlegt und überlegt und überlegt  -  und überlegt ......
  • jundi 14. September 2021, 11:23

    Sehr interessant finde ich die exakte Beschreibung und die historische Einordnung. Für mich ist leider das Foto wie ein Gemälde, mit dem der Maler zu viel erzählen will und damit das Wesentliche aus dem Auge verloren hat.
  • Matthias von Schramm 13. September 2021, 14:52

    Gut an dem Bild finde ich, dass die Spitze der Frauenkirche eine Art Lichtpunkt setzt zwischen den beiden Figuren. Es hat eine optische Trennhöhe aus dieser Perspektive wie z.B. ein Tennisnetz. Es scheint so als gäbe es ein Rededuell zwischen den beiden Basilius und Franz von Assisi, dazu passt dieses gedachte Trennband. Da dieses "Band" aber in Wirklichkeit nicht vorhanden, lenkt sich mein Blick viel stärker auf die rechte Figur, auf Franz von Assisi. Ein Totenschädel gilt in der Geschichte der Religionen (ohne mich da wirklich auszukennen) als Todessymbol, aber kurioser Weise auch als Schutzengel. Warum F.v.A das Kreuz so hält, weiss ich nicht. Beinahe ist es wie ein Schwert gehalten, welches man sich in den Leib rammt. Der Blick aber auf das Kreuz ist schon besonders.

    Das Foto ist eine unbesondere Teleaufnahme für mich, welche beide Figuren weder freistellt, noch gut Kontext zeigt. Die Spitze der Frauenkirche ist wie oben beschrieben ein interessanter Part in diesem Bild. Aufgrund der Stellung vor dem blauen Himmel ist die rechte Figur auch viel prägnanter und nicht nur, weil sie etwas in den Händen hält. Das Bild leidet unter dieser Wahl der Beengung, dadurch ist die Kommunikation der Figuren nicht prominent rausgestellt und der Eindruck des Dresdner Flairs bleibt auf der Strecke. Gut finde ich die Andeutung des Sockelbaus für die Figuren, eine Balustrade oder ähnliches. Aber auch hier ist zu viel oder zu wenig drauf und das macht die Aufnahme unruhig.

    Für mich geht es bei dem Zwiegespräch der Figuren um die Suche nach Lebensphilosophien, vielleicht sogar um die generelle Frage, welchen Weg Religion künftig gehen soll. Freilich aus der Sicht etwa Anfangs des 13. Jahrhunderts. Der Betrachter muss sich viel von den Fragen selbst beantworten, die Fotografie ist ihm dabei wenig hilfreich.
  • Wolfgang Wilhelm Itter 13. September 2021, 13:18

    Hallo zusammen
    Da ich weiss, wie eng es oben auf den Kirchen ist, will ich zunächst zum fotopoint nichts schreiben.
    Links kräftig rechts vom krummen kupfernen Fallrohr beschneiden. Oben den Balkon auch weg. Unten, wo wir einmal dabei sind, evtl. auch noch, so, dass der durchscheinende Himmel verschwindet ?

    Das rote Dach und die mittige Kirchturmspitze hätte ich gerne auch scharf abgebildet gesehen oder beides noch unschärfer.

    Nachdem ich jetzt gelesen habe, was schon geschrieben wurde,
    Zeichnung in den Heiligen ist vorhanden. Ich würde das Foto mal gross ziehen und den Bildschirm entsprechend kippen, dann ist es okay.

    Ein oder zwei Schritte nach links wenn möglich?
    Und wenn der „Begeher“ winkt und ruft nicht beirren lassen, weiter fotografieren…
    wäre das Foto so eingereicht worden, hätte ich gar nichts schreiben können.
    Den Heiligen sei Dank.
    Bis dann
    wo
  • HF25 12. September 2021, 23:37

    erster eindruck vom foto: altes und neues bunt gemischt.
    der fotograf hat seinen standpunkt so gewaehlt, dass er in seiner aufnahme dem ueberwiegenden alten grau-gruen der kirchengebaeude mit dem neu eingedeckten dach einen froehlichen roten farbfleck unserer tage entgegensetzt. ausserdem strahlt im hintergrund ein neu goldbelegtes turmkreuz auf und laesst auf juengst erfolgte instandsetzungsarbeiten schliessen.
    durch die wahl seines kamerastandortes gelang dem fotografen die freistellung der beiden personenstandbilder aus stein nahezu vollstaendig; vermutlich hat er dafuer ein glas mit grosser brennweite eingesetzt und einen erhoehten standort gewaehlt. die personenstatuen zeigen sich dadurch im foto verzerrungsfrei.
    bei der rechten person als der besser gegen den himmel freigestellten lassen sich alle einzelheiten erkennen. ein moench in kutte,  die auffaellig hoch in der rippengegend von einer kordel zusammengehalten wird, von der eine  lange kugelkette mit kreuz herunterhaengt.  seine rechte herunterhaengende hand haelt einen totenschaedel gegen den gesaeßknochen gedrueckt, die linke haelt ein unter die herzgegend gestemmtes langkreuz neueren datums, auf dem der gesenkte blick des moenches ruht. die koerperhaltung ist eindeutig, seine entscheidung gefallen; gegen den tod, dessen symbol er an eine der im christentum verachtetsten koerperstellen haelt, und fuer das leben, dessen christliches symbol sich in herznaehe und in seinem blick befindet.
    die vom betrachter aus gesehen links stehende statue ist wegen der schechteren freistellung schwieriger in ihren einzelheiten zu erkennen. die koerperhaltung ist nicht so standfest und entschlossen wie bei der anderen, der mann schaut den anderen an, sucht mit der rechten an dem gebaeude mit wankenden knien halt, streckt die linke hand in richtung des moenchs aus und scheint sich auf ihn beziehen zu wollen. raetselhaft bleiben die gegenstaende neben seinem bein, der hoch aufragende erinnert von der form her an ein saiteninstrument.
    die umfangreichen erlaeuterungen zum foto lassen die aufnahme als eine dokumentarische gebaeudeaufnahme erscheinen. darueber hinaus versucht der fotograf dem betrachter seine eigene deutung zu vermitteln und verhindert dadurch ein vorurteilsfreies anschauen bei denen, die seine zeilen vor der betrachtung der aufnahme lesen.
    eine einschaetzung der fotografischen leistung ist ohne ortskenntnisse kaum moeglich, die vorurteilsfreie rueckmeldung der betrachteransichten wegen der langen erlaeuterung einschliesslich eigener deutung vermutlich vom fotografen kaum gewuenscht.    lg horst
  • Agora Bilddiskussion intensiv 12. September 2021, 14:58

    Beim Titel hatte sich ein Tippfehler bei der Übertragung in die Agora eingeschlichen. Der korrekte Titel ist: „Gesten in Dresden“. Vielen Dank an den Autor für den Hinweis.
    • fotobücher 17. September 2021, 20:40

      Ah, interessante (und korrekte) Betrachtungsweise - ich dachte immer Gesten ist mit den Händen (vielleicht auch mit dem Körper) und Mimik mit dem Gesicht.
    • Mittelosteuropa-Entdecker 18. September 2021, 7:38

      Ich gehe immer noch davon aus, "Gesten ist mit den Händen (vielleicht auch mit dem Körper) und Mimik mit dem Gesicht", den Aspekt "einfrieren" kann ich aus meinen Jahrzehnten Alltagserfahrung so nicht bestätigen.
    • wittebuxe 18. September 2021, 9:49

      Ja, wenn man auf Reisen die Landessprache nicht beherrscht und man in der Apotheke ein Mittel gegen akuten Durchfall benötigt, sind aussagekräftige Gesten und ebensolche Mimik DAS Werkzeug nonverbaler Kommunikation :-)
    • N. Nescio 18. September 2021, 10:00

      Gestik unterstreicht die autentiziät jeglicher verbaler Kommunikation - Scheiben kann man viel, aber wenn die Gestik zeigt, dass das gegenüber die Worte wirklich ernst meint, kriegt man entweder vertrauen oder zieht das Schwert.

      Die Geste des Vogelfütterns macht Franz Assisi von weitem erkennbar. Warum er hier im Bild mit dem Kreuz fuchtelt, weiß ich nicht.