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Was ist neu?
Geschlechtsspezifische Trauerkultur...

Geschlechtsspezifische Trauerkultur...

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Ars moriendi


Free Mitglied, gestorben für heute

Geschlechtsspezifische Trauerkultur...

...oder warum in der Sepulkralkultur immer Frauen dargestellt werden.
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Frauen durften als einziges Geschlecht in der damaligen Zeit eine Trauerklage erheben.
Sie waren es auch, die diese Tradition von Generation zu Generation weiter gaben.
Früher war die Totenklage die einzige Chance in der Öffentlichkeit ihre Trauer kundzutun.
Keinesfalls handelten die Gesänge von einem selber, da dieses Thema überaus tabuisiert war in der Männerwelt.
Bekannt ist auch, dass Frauen sehr viele Emotionen zeigen können und sie sind sich bewusst darüber, dass das Zeigen der Gefühle sehr heilsam sein kann.
Sie wissen was Verlust bedeutet, sie wissen wie man beklagt und sie wissen auch wie man loslassen kann.
"Frauen sind vertraut, seit jeher, mit der Königin der Emotionen: der Trauer!" (Zitat von Reimann/Grsak 2007).

Einige Menschen nehmen an, dass die Trauerfiguren der Verstorbenen ähneln oder der Hinterbliebenen.
Dem ist zu 90% nicht so.
Es gab, und es wird auch so bleiben, immer ein zeitgenössisches Idealbild der "Trauernden" und somit hat es nichts mit der Realität gemein.
Es gibt zwar einige Attribute, die immer wieder gerne mit in die Gestaltung des Grabmals eingebracht werden konnten (z.B. Mohnblumenstrauß, ein fast schon altes Gesicht,...), aber das war dann auch schon alles.
Frauen sind einfach seit dem Mittelalter die Personifikation der Trauer. Sei es aus Stein oder Bronze.
ich würde aber behaupten, dass sich das Ganze doch ein wenig ausgleicht.
Ist es nicht so, dass in der Sepulkralkultur auch Männer auftauchen?
Wer wird denn als Pilger dargestellt? Niemals eine Frau.
Wer wird als Sämann gezeigt? Nie eine Frau.
Wer taucht zu 70% auf einem Relief auf? Keine Frau.
Aber wer wird wohl als Verstorbener geehrt mit einem Abbild seiner selbst?
Wie soll es anders sein...
... natürlich der Mann.
Ihr solltet einfach mal zählen wie viele Büsten es von Frauen gibt bzw. wie viele Bronze-Medaillons.
Von zehn Stück findet ihr evtl. gerade mal eine.
Und dann versteckt diese sich auch meist ganz unscheinbar im Hintergrund des Mannes.

Und zu guter Letzt.
Seht euch mal die Traueranzeigen an.
Eine Studie von Pfarrer Hansjörg Biener von der Universität Nürnberg-Erlagen hat ergeben, dass von zehn "größeren" Todesanzeigen alleine sieben meist einem Mann gelten.
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Für Katharina von Herne , die mich mal wieder auf dieses Thema brachte.
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Collage aus Fotos von der heutigen Düsseldorf-Tour mit Michelle1909
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Kommentare 18

  • weisse feder 18. Januar 2011, 12:43

    wahnsinng, diese collage, da hattest du bestimmt auch viel arbeit... ich möchte mich für keine entscheiden müssen, sie sind allesamt wunderschön... naja, doch, die links unten mit den zöpfen... sieht man nicht alle tage... suuuper...liebe grüsse claudia
  • d`A 7. Oktober 2008, 23:01

    Informativ und dazu gelungen dargestellt. Schön gemacht.
  • Gerhard R. Müller 28. Juli 2008, 17:53

    sehr schöne collage mit vielen guten und eindrucksvollen Detailaufnahmen .

    Lg Gerhard
  • Axel B. 16. Juli 2008, 14:24

    Auch ich möchte mich hier einreihen :-)
    Mir gefällt sowohl die schlichte und doch sehr wirksame Collage als auch das was Du dazu schreibst.
    Ein interessantes Thema mit schönen S/W Impressionen.
    Grüße vom
    Axel
  • Claudia Griebl 10. Juli 2008, 8:18

    Ich finde das Thema, sehr spannend, allerdings finde ich jedes einzelne Bild sehr schön, haette sie lieber einzeln als Serie gesehen.
    Aber jeder ist anders,
    Einen ganz schönen Tag noch
  • Der Kitschknipser 2. Juli 2008, 9:57

    Eine absolut geniale Zusammenstellung, bin begeistert! Vielen Dank für die interessanten Infos dazu. :)
  • Frizz U. Geli Burkard 27. Juni 2008, 19:38

    interessante aspekte über die ich ehrlich gesagt noch nicht nachgedacht habe....
    die sammlung von frauengesichtern finde ich grossartig

    lg geli+frizz
  • sonnezoe 26. Juni 2008, 20:16

    sehr schöne zusammenstellung...lg zoe
  • Ars moriendi 26. Juni 2008, 14:13

    @Katharina von Herne: FM
  • Ars moriendi 26. Juni 2008, 14:07

    @ClausR: Es ist schwer alles so in die richtigen Worte zu packen.
    Man kann es sich nicht so leicht machen,wie ich es da oben gemacht habe.
    Chronos, Charon, Gabriel, Michael,...
    ...all diese werden immer als männliche Figuren dargestellt. Da kommt keine Frau in Frage.
    Man kann sagen, dass es sich ziemlich im Gleichgewicht hält, was die geschlechtsspezifische Trauerdarstellung anbelangt.
    Was die Erotik anbelangt:
    Im Zeitalter der Romantik, welches etwa 1793 begann, wurde der Tod in Gedichten und Geschichten eine höchst erotische Figur.
    Todessehnsüchte wurden beschrieben.
    Der letzte Kuss von Gevatter Tod, der sich ein junges Mädel geholt hat, der Biss eines Vampyrs, der den letzten Lebenstropfen genießt,...
    ...alles Sinnbild eines erotischen Todes.
    Warum dann auch nicht auf den Friedhöfen? Seit etwa 1815 kamen die nackten Schönheiten auf den Friedhöfen Europas auf.
    Man darf aber jetzt nicht denken, dass mit ende der Romantik, etwa 1830, das alles aufgehört hat.
    In Deutschland fing es erst so richtig an.
    Ein Dank an WMF und der 8. Abteilung (Galvanoplastiken), die mit sehr viel Interesse die Originale aufgekauft haben, um daraus Formen für die Gipskörper zu machen.

    Und bescheiden sind deine Gedanken nicht *g*
    So ganz unrecht hast du nicht.
    Um dieses Thema mal ganz aufzugreifen, reicht hier der Rahmen nicht aus. Meine Meinung.
    Grüßle, Sandra
  • Katharina von Herne 26. Juni 2008, 12:39

    Das Thema ist nicht neu,nicht wahr? ;)
    Ich finde es wichtig, das drüber gesprochen wird! Wir wollten auch auf dem Friedhof nachdenken..;)
    Tolle Portraits!
    Wie verliebt man sich in eine Steinfigur? ...;)
  • ClausR 26. Juni 2008, 11:29

    Schöne Collage - interessanter Text.Die Sachen die du sagt kann man wohl bestätigen, wobei man auch unterscheiden muss zwischen Engelsfiguren, die oft auch männlich dargestellt sind (oder Männer mit sehr weiblichen Zügen) und reinen Trauerfiguren, die fast immer weiblich sind (habe aber auch Ausnahmen gesehen). Ich denke, dass die Skulpturenkunst auf Friedhöfen erst etwa 1850 so richtig entstand und so das klassizistische Ideal einer trauernden Frau häufig zu finden ist. Das selbe gilt auch für die "schöne Leiche" einer sanft entschlafenen jungen Frau wie sie zB Schadow mit Königin Luise v. Preussen in Charlottenburg abgebildet hat. Dass Männer meistens als Relief oder Büste abgebildet wurden hat glaube ich eher damit zu tun, dass damals eben die Männer die Berühmtheit erlangt haben und Frauen im Hintergrund waren. Erst anfang 19Jh hat ja die Gleichberechtigung so halbwegs einzug in die Gesellschaft erhalten.
    Interessant finde ich, dass viele Trauerfiguren sehr erotisch dargestellt werden, was man vielleicht als Akt der Lebensbejahung auf einem Ort des Todes verstehen kann.
    Naja,sind nur meine bescheidenen Gedanken,
    gruss,Claus
  • Ars moriendi 26. Juni 2008, 8:29

    @Fizz: Es ist nicht aller Tage Abend *lach*
  • Fizz 26. Juni 2008, 8:27

    Boooah...
    wundervolle Collage...
    Traumhaft -
    obwohl ich gerne alle Pics in "Groß" gesehen hätte
    aber toll, Sandra - Kompliment !!
    Lg, Fizz
  • Ars moriendi 26. Juni 2008, 8:01

    @Michelle1909: Hochgeladen habe ich erst um 20Uhr*g*
    Bearbeitet um 23Uhr (mit dem Text, den ich 1000mal umgeschrieben habe).