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Frauenzimmer III

Frauenzimmer / 3. Fortsetzung
„Das war also nun der erste Kuss nach Jahren. Das Berühren von Lippen, das sanfte Spiel der Zungen im Atem des Anderen“, dachte er gleich, als er am anderen Morgen wach wurde. Zuhause bei sich natürlich, denn schnelles Eingehen auf Frauen war seit Jahren nicht mehr ein Bestandteil seines täglichen Verhaltens. Ihm kam in den Sinn: „Sie hat einen wunderbaren Atem, der mich entführt in die Oasen einer Wüste. Er duftet nach Lavendel, Datteln und sauberer Meeresbrise.“.
Er erschrak über sich selbst bei dieser Sprache, dieser entrückenden und entrückten Bildhaftigkeit aus dem Sprachschatz seiner Großmutter, die immerhin 6 Kinder gehabt hatte, dem Liebesleben also so abgeneigt nicht hat sein können. Und das Wort Liebesleben, wie leicht es ihm jetzt durch den Kopf huschte, sein Denken zu beherrschen anfing, ihn abhielt von den Notwendigkeiten des Alltags, wie er glaubte. Ja, ja, er, der über Vierzigjährige, der Arbeit für die Essenz des Lebens hielt und hält, erinnert sich jetzt an Mundduft, so nennt er es bei ihr, und ist irgendwie außer sich, dass man auf Nebensächlichkeiten seine Energie verschwenden kann. Und dennoch: Sein strenges Gedankengebäude, sein Effektivitätsgehabe, seine Lust am Produzieren von Dingen des menschlichen Bedarf, dieses alles verspürte die Bewegungen eines leichten Bebens der Stärke 0,5. Mehr wollte er sich nicht zubilligen. Er wollte weiterhin trennen zwischen seinem Spielbein und Standbein, wie er es als ehemaliger Anhänger von Schalke 04 häufig zu sagen pflegte. Pflegte, richtig, pflegte. Am frühen Morgen schon machten ihm seine Erinnerungen an gestern deutlich, wie seine Seele endlich das Tanzen wieder aufnahm und begann, fröhlicher durch den Tag zu eilen. Sein Ziel: Das nächste Telefonat, die nächste Begegnung. Sie heißt Viktoria. Wenn das kein gutes Omen ist?

Siehe: www.smuel-seaweed.eu / fortsetzung

Kommentare 6

  • E-Punkt 12. April 2010, 20:09

    Interessant das Ganze.
    Danke an Rudolf und Yvonne.

    LG Elfi
  • Anne Louise Schneider 12. April 2010, 14:30

    wieder ein schönes Frauenzimmer und ein feines Bild. Die Geschichte werde ich heute Abend in Ruhe lesen.
    Grüß dich, Anne
  • Yvonne Steiger 11. April 2010, 16:36

    wenn ich noch hinzufügen darf, daß im Mittelalter der einzig wirklich gut beheizte Raum einer Burg den Frauen zustand, natürlich nur den blaublütigen. Sie versammelten sich dort um ihr ' adeliges Frauenhandwerk' zu tun. Wollte man nun etwas von den edlen Damen, so sagte man einfach: 'Ach laßt uns mal das Frauenzimmer fragen, was sie dazu meinen.' Voila, und so ist es bis heute..
  • Rudolf Aloisius Wiese 11. April 2010, 16:02

    Ursprünglich bezeichnete der Begriff früher den Hofstaat einer Adligen. Später wurde er auch angewandt als Bezeichnung für eine Frau. Heute ist der Begriff antiquiert. Für mich nicht. Ich führe ihn zurück in die Jetztzeit und meine damit nichts als den Begriff Frau, ich bezeichne die abgebildeten Frauen nicht als meinen Hofstaat.
    Rudolf
  • E-Punkt 11. April 2010, 13:49

    wirkt intellektuell!


    Woher kommt wohl der Begriff
    Frauenzimmer? Ich meine Zimmer.
    Klasse Serie deine Frauenzimmer.

    LG Elfi
  • Yvonne Steiger 11. April 2010, 12:57

    yessss!!