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Erwachen der Felder

Erwachen der Felder

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Bernd Brügging

DE
Premium (Basic), Velen

Erwachen der Felder

Ich war an diesem Morgen schon bei eintreten der Dämmerung unterwegs. Die Wettervorhersage erschien im Hinblick auf den bevorstehenden Sonnenaufgang optimal. Der Aufnahmeort, als auch die genaue Position mit Blickrichtung Osten hatte ich ebenfalls am Vorabend schon ausfindig gemacht. Als ich die Location erreichte, wurden meine Erwartungen bei weitem übertroffen: Die alte, knochige Eiche als zeitloses Symbol für die Beständigkeit stand majestätisch im Zentrum dieser idyllischen Ansicht. Ihr filigranes Astwerk zeichnete sich wie ein kunstvolles Scherenschnittmuster gegen das warme Morgenlicht ab. Der Himmel war, wie oftmals am frühen Morgen, in emotional wirkende Farben getaucht, während der Nebel die Landschaft in eine stille, fast unwirkliche Atmosphäre hüllte. Der schmale, diagonal nach hinten verlaufende Feldweg führte meinen Blick tief in die Landschaft hinein und verstärkte das Gefühl von Weite und Unendlichkeit. Ein Traktorgespann fuhr gemächlich eine Spurrille endlang, das Geräusch des Motors hallte durch die morgendliche Stille. Der landwirtschaftliche Zyklus begann - ein Sinnbild für den stetigen Rhythmus der Natur. Es war wohl der erste Arbeitstag auf dem Feld nach den nun endenden, langen Wintermonaten. Das abgeerntete Maisfeld wartete darauf, für das anstehende Umpflügen vorbereitet zu werden – ein untrügliches Zeichen für den beginnenden Frühling. Die aufsteigende Sonne schob sich hinter die Eiche, löste den Nebel nach und nach auf und tauchte die Ebene in ein weiches, diffuses Licht. Am Himmel zogen Wildgänse ihre Bahn. Sie kündigten den neuen Tag an, als würden sie die Natur aus ihrem Winterschlaf rufen. Für mich ergab sich an diesem Morgen eine perfekte Kombination aus Licht, Natur und landwirtschaftlicher Tradition – ein Moment, in dem die Zeit für einen Augenblick stillzustehen schien.

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