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Eine Prinzessin entblättert: die Knospe der Barlia metlesiciana (Himantoglossum metlesicsianum)

Eine Prinzessin entblättert: die Knospe der Barlia metlesiciana (Himantoglossum metlesicsianum)

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Joerg Hallerbach


kostenloses Benutzerkonto, Roesrath

Eine Prinzessin entblättert: die Knospe der Barlia metlesiciana (Himantoglossum metlesicsianum)

Die Barlia ist eventuell mit der Meerzwiebel, einer schon im Altertum bekannten Arzneimittel-Pflanze, unbeabsichtigt (?) nach Teneriffa verbracht worden und hat dort (genau wie die Meerzwiebel) eine eigene Art ausgebildet. Oder sie ist schon viel länger dort und hat die Kulturterrassen erst besiedelt, nachdem es keine natürlichen Bäche und Flüsse mehr gab. Auf jeden Fall scheint die massive Veränderung des Wasserregimes (nicht nur) für die Barlia ein großes Problem darzustellen.

Neuerdings gehört die Orchidee zu den Riemenzungengewächsen. Die blütenlose Pflanze verwechselt man leicht mit der Urginea hesperia (kanarische Meerzwiebel) und dem rotschäftigen Blaustern (Scilla haemorrhoidalis)

2011 wurde der Teneriffa-Endemit in der (deutschsprachigen) Literatur als "nicht gefährdet" beschrieben (J. Stierli). Dem lagen 9 zum Teil sehr kurze Winter Feldforschung zu Grunde (zwischen 2001 und 2011), wobei nur ein einziges Mal die komplette Vegetationsperiode zumindest annähernd beobachtet werden konnte. Obwohl ich keinen Zweifel an der Seriosität der zitierten Untersuchung hege (ich hätte sie mir in jedem Jahr zeitlich ausgedehnter gewünscht) , finde ich die Angaben des Autors durch meine eigenen Beobachtungen nicht bestätigt. Dies liegt nur zum Teil an den Brandschäden von 2007 und nur zum Teil an dem extrem trockenen Winter 2011-2012 (weniger als 10% der Normalniederschläge!). Insgesamt fehlt mir sehr die Suche nach den geotektonischen und geochemischen Zusammenhängen.

Unsere preziose Orchis reagiert empfindlich (doch nicht nachhaltig) auf Feuer und erheblich auf die Niederschlagsmenge des Vorblütejahres. Doch auch die Barlia im Vorjahr (nach dem guten Winter 2010-2011) ) war alles andere als normal.

Es gibt wohl dramatische Schwankungen. Die Barlia scheint ihre Blütezeit immer weiter nach vorne zu schieben: 2005 blühte sie schon am 19. Dezember, in 2013 zeigt sie ihre Knospen erst einen Monat später (!). Dazwischen lag der gute Winter von 2011-2012, so dass diese Verschiebung der Blüte (Verkürzung der Lebenszeit!) sehr überrascht. Die Art ist eventuell weniger häufig als angegeben (Fehlbestimmungen bei blütenlosen Pflanzen?) - und sollte als "gefährdet" eingestuft werden (wie es die Inselverwaltung auch tut), vor allem weil ihre ökologische / standörtliche und klimatische Sensibilität noch nicht hinreichend erforscht ist. Bei klimatisch sensiblen Pflanzen sind Entwarnungen in den Zeiten der Klimaerwärmung leichtsinnig / fahrlässig.

Es wäre sehr empfehlenswert, ein effizientes Naturschutzmanagement im Bereich der alten Kulturterrassen (von Chio bis Ifonche) zu realisieren und die touristische Versiegelung zu stoppen. Viel dringender als der weitere Autobahnbau ("Anillo Insular") oder der nächste Golfplatz erscheint mir die Wiedervernässung des Barranco de Aripe / Vergara und des Barranco de Bermeja / Barranco del Cazador aus ihren kalkhaltigen (!) Quellen.

mehr Infos unter: http://bibliofil.de/ca-archiv/uploads/Die%20Teneriffa-Barlia%20in%20Not%20(3).pdf

Die Aufnahme stammt vom 20.1.2013 (bei Santiago del Teide)

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