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Ein Brief an den Weihnachtsmann

Ein Brief an den Weihnachtsmann

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bullymom


Free Mitglied, Hannover Landkreis

Ein Brief an den Weihnachtsmann

Lieber guter Weihnachtsmann,

da ich leider mit vier Pfoten nicht in der Lage bin, selber einen Brief zu schreiben, heule ich jede Nacht den Mond an, weil ich hoffe, dass Du zufällig auf Deinem Schlitten vorbeikommst und mich hörst. Bitte sag Deinen Rentieren, sie sollen sich nicht von meinem Gejaule erschrecken lassen. Wir Vierbeiner müssen zusammenhalten und ich will ihnen ja nichts tun….
Nun habe ich alter Haudegen ein paar Wünsche an Dich, um deren Erfüllung ich dringend bitte. Ich und meine Freunde hier möchten so gerne ein warmes Zuhause haben. Einen kuscheligen Ort wo wir lieben können und geliebt werden. Eine Familie von Zweibeinern, die wir beschützen können, die mit uns spielen und uns versorgen. Als Dank werden wir unsere Ohren spitzen, jedes Geräusch um unser Zuhause herum kontrollieren, mit unseren Nasen verdächtige Gerüche aufspüren…denn unsere Nasen, ja die sind um ein unglaublich Vielfaches besser als die des Menschen. Wir werden unsere Halter bis aufs Blut verteidigen, die Kinder trösten wenn sie sich verletzten und behüten, als wären sie unser eigen Fleisch und Blut. Es wird auch Probleme mit uns geben, da viele meiner Art gar keine Erziehung mehr kennen. Hier hinter Gitter warten wir nur auf das nette Lächeln eines Menschen, der sich unser erbarmt….wir überleben, leben aber nicht wirklich, mögen uns die Angestellten hier auch noch so gut versorgen. Das Herz bleibt immer kalt.
Schau Dir meine Zwingernachbarin an. Eine hübsche Terriermischung. Niemand will sie haben. Die Menschen sehen in ihr einen Kampfhund, auch wenn ihre Augen nur Liebe versprühen und vor Sehnsucht nach einem Herrchen oder Frauchen fast weinen.
Paulchen gegenüber hat es nicht besser. Nach einem Unfall kann er eine seiner Pfoten nicht mehr bewegen und war seinem Besitzer als Hofhund nicht mehr von Nutzen. Er hat ihn hier einfach abgegeben und Paulchen wartet Tag für Tag am Gitter, sein weiches Fell gegen die Stäbe gepresst auf seine Rückkehr. Oh bitte lieber Weihnachtsmann…ich bringe es nicht über mein Herz ihm zu erklären, dass das nie passieren wird.
Luna ist eine kleine Pinscherhündin und ebenfalls von den Menschen sehr enttäuscht worden. Man hat sie als Welpe angenommen. Sie war das Baby im Haus, wurde verwöhnt und geknuddelt. Nach ein paar Jahren kam ein Menschenbaby hinzu. Niemand hat verstanden, warum Luna eifersüchtig war, denn auf ein Mal durfte die kleine Maus nichts mehr von dem, was immer selbstverständlich gewesen war. Das Wohnzimmer wurde tabu, nicht ein Mal das Baby durfte sie liebkosen und bewachen, sie erhielt nur einen Platz im kargen Vorflur. Aus langen Schmusestunden, wurden kurze Berührungen im Vorbeigehen. Als Luna eines Tages im Garten wütend bellte, weil das Baby so sehr weinte in seinem Laufgitter, warf man sie kurzerhand hinaus. Man sah sie als Bedrohung für das Kind, obwohl sie nur Hilfe holen wollte…
So landete Luna hier, wie viele andere. Nur sind ihre Chancen besser, eine neue Heimat zu finden, denn kleine Hunde finden alle niedlich. Große sind unbequem. Leider ist das so…
Wir alle haben unter dem Verlust unserer Familien gelitten, wurden verstoßen oder abgestellt und trotz alledem lieben wir die Menschen, weil sie unser Halt sind, in einer Zeit, wo wir keinen natürlichen Rudelverband mehr besitzen. Wir lieben sie noch wenn sie uns schon hassen. Wir brauchen sie, wenn wir ihnen gleichgültig geworden sind. Wir zählen auf sie, obwohl sie uns so oft verletzen.
Lieber Weihnachtsmann: gib uns allen eine Chance, wieder einen Platz zu bekommen, an dem wir uns zu Hause fühlen, an dem alte Narben heilen können und keine neuen entstehen und wir werden es mit all unserer Liebe danken, so groß ist unser Hundeherz.
Und eine Bitte habe ich noch:
Ich kam hierher, weil ich ein Geschenk von Dir war. In einem kleinen Körbchen lag ich unter dem Tannenbaum und freute mich, als strahlende Kinder auf mich einstürmten. Wir hatten eine wunderbare Zeit. Es gab einen großen Garten, freundliche Besucher, genug zu fressen und ich war stolz auf meine Familie. Zwei Jahre später wollte meine Familie in den Urlaub fahren, fand aber so kurzfristig keinen Platz in einem Hundehotel und niemand wollte mich in Pflege nehmen. Wir stiegen also alle ins Auto und ich war froh, dass sich meine düstere Vorahnung nicht zu bewahrheiten schien, dass ich alleine bleiben müsste. Nach einer Stunde Fahrt machten wir Rast und ich war froh, austreten zu können. Man band mich an einen Pfeiler und die Familie ging einen Kaffee trinken. Geduldig wartete ich, auch wenn der Asphalt unter meinem Po sehr kalt war. Stunden wartete ich, aber keiner kam um mich zu holen. Ich glaubte aber immer noch daran, dass sie mich wieder losmachen und mit mir gemeinsam weiterfahren würden. Dennoch wurde ich unruhig, begann leise zu winseln. Spät in der Nacht kam eine Angestellte der Raststätte und machte mich los. Sie setzte mich in ihr Auto und ich war so verwirrt. Das war nicht mein Frauchen?! Würde sie mich nach Hause bringen? Nein, sie brachte mich nach anderswo. In die Herberge der verlorenen Tierseelen, wo ich seit dem einsam in meinem Käfig sitze und warte, dass jemand kommt, der sich meiner erbarmt. Dass meine Familie kommt, glaube ich nicht…zu lange Zeit ist vergangen, auch wenn ich immer noch ein wenig hoffe mit meinem treuen Hundeherzen.
Bitte lieber Weihnachtsmann: Kannst Du meiner Familie sagen, dass sie ihr Geschenk vergessen haben? Dass ich mich nach ihnen sehne, sie unglaublich vermisse und jeden Tag um sie weine? Ich möchte so gerne noch ein Mal das Lachen der Kinder hören und der Grund dafür sein…nur ein einziges Mal!
Wenn Du es nicht kannst, dann tue mir einen anderen Gefallen und streiche uns Tiere von sämtlichen Wunschzetteln. Wir sind keine niedlichen Spielzeuge, die man benutzt und dann in eine Ecke wirft. Wir sind Wesen mit Herz und Seele, die sich auf den Menschen verlassen und ihm treu ergeben sind. Weihnachten bedeutet für die Menschen viel. Sie baden dann besonders in Gefühlen und vergessen dann nur allzu gerne den Kopf, obwohl sie besser denken können sollten als wir. Ruf ihnen das bitte ins Gedächtnis, wenn mal wieder einer von uns auf Deinen Wunschlisten steht. Wir sind Geschenke mit Gefühlen, keine Puppen. Wir möchten ein Zuhause voll Sicherheit, keine Enttäuschung. Schenke uns allen einen kleinen Stern der Hoffnung und wir werden den Himmel der Menschen erleuchten.
Danke lieber Weihnachtsmann für Dein Gehör und pass gut auf Deine Rentiere auf, sie leisten harte Arbeit!
Dein Vierbeiner

©by Scherbenprinzessin

In diesen Sinne allen eine besinnliche Weihnachtszeit und bitte nie die falschen Geschenke, also nicht voreilig einfach ein Tier unter dem Tannebaum legen, denn solch eine Verantwortung sollte gut überlegt sein.

Kommentare 10

  • Christine W.I. 26. Dezember 2008, 4:59

    Jetzt sind mir schon die Tränen gekommen!
    So was Trauriges, aber leider war!
    Unser Herr Blümeli, hat auch seine Geschichte:
    Da war ein Bauernhof in unserem Dorf. Der wurde verkauft, und die vielen Katzen einfach dort gelassen. Und die neuen Besitzer wollten keine Katzen haben, und haben sie nicht gefüttert.
    Da habe sich diese Katze ihr neues Heim selber gesucht, und gefunden. Da ich jedem Lebewesen einen Name gebe, hat unser Herr Blümeli seinen bekommen, weil er immer in den Blumen lag, und auch heute noch!
    Wusste ja nicht dass er ein ER ist. Er hat sich durchgesetzt, und hat die anderen vertrieben. Da waren: Miro, Mitschge, Schneeball die war Taub Stumm! Stritzi, Seppi, Totenkopf wegen seiner Zeichnung im Gesicht. Sie alle haben ein Heim gefunden bei unseren Nachbarn!
    Wir wollten eigentlich ein Hund, wen mein Mann in Rente ging. Aber jetzt haben wir halt eine Katze. Er ist jetzt 12 Jahre bei uns. Und wir haben viele tolle Sachen mit ihm Erlebt. Viel zu Lachen gibt es. Möchte ihn nicht missen.
    Wünsche das auch Deine Vierbeiner ein schöner Platz bekommen, wo sie so geliebt werden, wie unser Herr Blümeli!
    LG Christine


  • Markus Ladurner 25. Dezember 2008, 23:25

    Das ist sehr ergreifend, wunderschön gemacht.
    Träne runterschluck...
    Markus
  • Antje-BS 25. Dezember 2008, 21:02

    Eine erschütternde Geschichte die leider viel zu oft passiert!
    LG Antje
  • TOMO11 25. Dezember 2008, 16:13

    Ein Bild mit einer Geschichte mit Tiefgang. Kann Dich da nur unterstützen.
    LG Thomas
  • Diamantfeder 25. Dezember 2008, 13:08

    Eine Geschichte die bewegt.... leider werden auch dieses Jahr wieder viele dieser lebendigen Geschenke irgendwo abgestellt, ins Tierheim gebracht oder irgendwo ausgesetzt. Es wird nie anders werden.... wir hoffen, dass trotzdem jedes Tier irgendwann seinen Platz bei einem lieben Menschen bekommt.
    Lieben Gruß Heidi
  • Red Batcat 25. Dezember 2008, 13:07

    danke das du dieses thema hier rein bringst!!!
  • Werner Gmünder 25. Dezember 2008, 11:05

    ein bild, das zum lesen des begleitextes einlädt.
    traurig aber wahr, aufwühlend und erschütternd.
    wünsche dir fürs neue jahr alles gute.
    gruss werner
  • Lady Bathory 24. Dezember 2008, 10:12

    Ich bekomme Gänsehaut bei diesen Zeilen. Und kann das nur unterstreichen. Boah *weint*
  • eveline tavernaro 23. Dezember 2008, 21:58

    so, jetzt hab ich mich wieder gefangen,
    erst mal tränen abwischen, nase putzen,
    und mein herz wieder auf normale turen bringen.
    also ich wünsche mir sehr, dass du wieder ein feines und warmes zuhause bekommst, wo du nicht einfach wieder nur benutzt wirst, sondern geliebt.
    mein herz ist für alle tiere frei,
    leider aber nicht in der realität,
    denn so ein grosses zuhause hab ich leider nicht,
    wo alle diese tierlein platz haben.
    akira hat ihr tierheimdasein vor jahren beendet,
    denn wir wahren von der ersten sekunde an in sie verliebt.
    eigentlich wollten wir nur mal schauen gehen, einfach nur schauen...
    und das war vor 4 jahren.
    wir sind die glücklichste menschen,
    seit akira in unser leben getreten ist.
    unsere herzen sind aber noch empfindlicher gegen
    solches unrecht geworden.
    auch ich wünsche mir vom christkind,
    dass ihr alle wieder ein schönes zuhause bekommt.
    ein ganz grosser tierfan.
    ganz liebe grüsse aus dem öschiland
    eveline, herwig & akira
  • Melle F. 23. Dezember 2008, 21:47

    Tolles Bild zu dieser wundervollen Geschichte. Danke dafür. Ich kannte die Geschichte schon und finde deine Idee mit dem Bild dazu ganz prima.
    Liebe Grüße Melle

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