Die Vögel der Sorge

Die Vögel der Sorge

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Die Vögel der Sorge

Die/Der FotografIn schreibt: ""Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über Deinem Haupt fliegen, kannst Du nicht ändern. Aber dass sie Nester in Deinem Haar bauen, das kannst Du verhindern." Zitat von Martin Luther"
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Kommentare 30

Die Diskussion für dieses Foto ist deaktiviert.

  • Agora Bilddiskussion intensiv 2. Mai 2021, 9:57

    Die Diskussion hier ist nun beendet.
    Agora wird hier fortgesetzt
    vertieft...
    vertieft...
    Agora Bilddiskussion intensiv
  • Agora Bilddiskussion intensiv 2. Mai 2021, 9:56

    heike-hultsch schreibt:
    “Zuerst einmal möchte ich mich für die rege Diskussion und die unterschiedlichen Sichtweisen zum Foto bedanken. Wie so alles im Leben ist gerade Fotografie sehr subjektiv. Das ist auch gut so, erweitern doch andere Sichtweisen den eigenen Horizont, lassen über den Tellerrand schauen und man hinterfragt. Schaut man genauer hin, sagt das meist viel über einen selbst aus, ob man nun der Fotograf oder der Betrachter ist. Grundsätzlich finde ich es wunderbar, wenn auf eine Fotografie/ein Bild mehr als ein flüchtiger Blick geworfen wird und Emotionen bewirkt, welcher Art auch immer.

    Für mich ist eine konstruktive und (trotz aller eigenen Emotionen) sachliche, nicht persönlich angreifende Diskussion wichtig, wenngleich das wahrscheinlich immer auch eine sehr subjektive Ansicht (vom Schreibenden und vom Lesenden) ist, ob die geschriebene Wortwahl nun sachlich oder persönlich ist.
    -
    Zum Foto. Vielleicht ist es hilfreich, wenn ich kurz meine eigene Sichtweise erläutere. Als ich vor ca. 10 Jahren die Leidenschaft für Fotografie entdeckte, waren mir Fotoregeln völlig gleichgültig. Goldener Schnitt etc. – was interessiert mich das. Inzwischen habe ich da wohl „aufgeholt“, leider aber auch etwas von meiner Unbekümmertheit verloren. Das merke ich jetzt schon, nämlich dann, wenn ich ewig lange über Bildgestaltung nachdenke und mir der eine oder andere Moment dadurch verloren geht, der auf dem Foto nicht perfekt den Regeln entsprechen würde, aber für mein Empfinden einzigartig gewesen wäre. Aber klar, die Regeln gibt es nicht umsonst, sie haben schon in vielen Teilen ihre absolute Berechtigung. 
    Nun versuche ich mir Freiheit in der Art/Abbildung und Interpretation der Aufnahmen zu erhalten. Soll heißen: ich setze eben nicht ein Zitat eins zu eins um, halte mich eben nicht daran, dass Kraniche keine Vögel der Sorge sind, dass Luther ein Mann und keine Frau war usw. Und ich halte mich auch nicht daran, ob in der (fotografischen) Kunst „ein Thema verfehlt ist“, denn das ist für mich Kunst: machen zu können, was ich will, solange es niemanden schadet. Ich hoffe, die Augen der Betrachter/innen fühlen sich ob meiner Sichtweise nicht geschädigt. Luther selbst, davon gehe ich aus, hätte mir meine Interpretation des Zitats verziehen. ;-)

    Die Fotografie selbst entstand in einem Gemeinschaftsprojekt mit einer „Papierkünstlerin“ aus dem Allgäu und vielen privaten Models, die es in zwei Fototagen zu „organisieren“ galt, ein wirklich beeindruckende „Gemeinschaftserfahrung“, alle halfen sich beim Ankleiden, Frisieren, schauten und motivierten beim Fotografieren – allein dieses gemeinsame Erlebnis (zeitweise befanden sich bis zu 40 Personen am jeweiligen Shooting Ort, den alten Fabrikgebäuden, die mir von den Besitzern freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden und selbst bei praktischen Dingen halfen und natürlich sehen konnten, was wir da veranstalten) war die umfangreichen Vorbereitungen wert. 

    Ca. 20 Aufnahmen sind Teil einer Ausstellung in Chemnitz in verschiedenen, öffentlich zugänglichen Bereichen. Rund um das Zitat wurden verschiedene Szenen dargestellt, mal humorvoll, skurril, verrückt, das ganze Spektrum eben, über das der Betrachter seine eigenen Emotionen und Überlegungen findet. Mehr zum Projekt findet ihr gern hier in einem Kommentar unter diesem Foto, wenn ihr euch dafür interessieren solltet: https://www.fotocommunity.de/photo/crazy-heike-hultsch/45007592
    crazy
    crazy
    heike-hultsch


    „Die Hutfrau“ übrigens ist die Aufnahme, die von allen Gästen auf der Vernissage: https://paradalis.wordpress.com/2019/08/17/vernissage-und-immer-noch-hellwach/

    am meisten betrachtet und diskutiert wurde und ich finde es Klasse, dass eine Aufnahme so viele unterschiedliche Betrachtungsweisen ermöglichen kann. Eure Anerkennung zur Papierfalt-Fleißarbeit und den Models reiche ich selbstverständlich weiter! 
    Zur Qualität folgenden Hinweis, eingestellt habe ich hier eine kleinere Variante vom Original, vielleicht erscheint es deshalb etwas unscharf. Da die Fotografien fast in Lebensgröße entwickelt wurden und gerahmt nicht unscharf erscheinen, gehe ich davon aus, dass es mit der Qualität passt. (Technik und die damit verbundenen Erläuterungen sind nach wie vor nicht mein Steckenpferd – seht es mir nach, da lerne ich wohl ewig dazu.)

    Also – Herzlichen Dank für die vielen Kommentare, für den Willen, sich damit so auseinanderzusetzen! Auch dafür, dass mein Blick über den eigenen Tellerrand einmal mehr gefordert war. Das hat mich sehr gefreut! 

    Viele Grüße, Heike”
  • MBodo 1. Mai 2021, 13:25

    Die Konzeption diesen Ausspruch Luthers mit einem Foto umzusetzen finde ich spannend, vor allem weil es für mich so "ungesehen neu" daher kommt. Hier steht die Idee im Vordergrund und die bildlich/technische Umsetzung sind eine Frage der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Sind mehrere Personen an der Idee und Umsetzung beteiligt? Ist es ein Selbstportrait? Hat Fotograf*in das Bild während einer Kunstperformance aufgenommen und ist ansonsten unbeteiligt?

    Diese Unklarheiten machen es aber auch erstmal aus, so als ob man in einem Museum die Bilder eines unbekannten betrachtet, ohne Kenntnis über sein bisheriges Schaffen oder den Kontext, in dem das Bild entstanden ist. Man wird neugierig und möchte mehr erfahren. Den Motivaufbau, als Teil(Akt), die Haltung des Modells, den Hocker und die anderen Utensilien sind Teil des Konzepts. Das kann man aus Sicht des Betrachters
    sicher "subjektiv" verbessern, aber ist das überhaupt notwendig? Die gewünschte Bildaussage "Die Vögel der Sorge" ist getroffen. Sie könnten vielleicht schon abgewehrt sein und zu Boden fallen, der Nestbau ist unterbrochen. Im nächsten Bild erhebt sich das Modell und streift das Nest ab. Die Haltung der rechten Hand signalisiert optimistisch, ja, erfolgreich abgewehrt oder vielleicht doch nur, Fotograf*in, bin bereit, drück auf den Auslöser.
  • Gerhard Körsgen 1. Mai 2021, 12:44

    Das sieht schick aus und ist aufwändig gemacht, wobei manchem Detail mehr Sorgfalt zuteil wurde, dem anderen weniger.
    Das Licht ist neutral gehalten ohne Akzente, ähnlich wie bei einer Produktpräsentation. Dadurch ist grundsätzlich alles gut erkennbar und der Betrachter bekommt keine Gewichtung des Blickes "vorgesetzt", die muss er selbst vornehmen.
    Das finde ich angesichts dessen dass das Bild vielfältig interpretiert werden kann (und sicherlich auch soll) sinnvoll.
    Den beabsichtigten Sinnzusammenhang und auch das Luther-Zitat hätte ich ohne Titel nicht erkannt. Insofern ist das Foto für mich nicht "selbsterklärend". Das muss es aber auch nicht sein.
    Mir gefällt dass das Foto "handwerklich" erstellt wurde, auch wenn dies in letzter Konsequenz wohl in den schon von anderen angesprochenen technischen Mängeln endete wie z.B. der nicht überall sitzenden Schärfe. Als Composing hätte man/frau das alles "perfekt" machen können...darauf wurde dankenswerter Weise verzichtet was der Aufnahme mehr Tiefe gibt in meinen Augen.
    Unperfektion ist in meinem Wertesystem persönlicher, verletzlicher, angreifbarer, sensibler und daher emotional "tiefer", berührender.
    Insofern kann ich sagen dass mich dieses Foto "abholt", wie man so sagt.
    Seit dem Neustart der agora mein "liebstes Bild" hier !
    Insofern: Lob und...alles wird gut, bestimmt ;-)
  • Hans-Peter Bigler - Foto-Arrow.ch 29. April 2021, 19:16

    Ich schreibe meine Meinung ohne vorher die bereits vorhandenen Kommentare zu lesen.
    Die Idee, witzig
    Die Schärfe, fehlt
    Der Bezug zum Zitat, verfehlt, denn die Kernaussage des Zitates ist DAS VERHINDERN, dass die Vögel ein Nest bauen, hier wirkt es für mich eher einladend.
    Fazit, witzige Idee mit erheblichem Verbesserungspotential.
    LG Hans-Peter
  • Steppke03 29. April 2021, 11:57

    Als Psychologin und Psychotherapeutin finde ich es wundervoll, dass dieses Foto hier gezeigt und diskutiert wird. Zu sehr sind psychische Erkrankungen / Schwierigkeiten (zu denen Sorgen ja schon gezählt werden können) leider immer noch stigmatisiert. Danke dafür! 

    Ich sehe eine nackte Frau, die umgeben von ihrer Sorgenwolke und schwarzen Vögeln in fast anmutiger, gespannter Haltung (auf Zehenspitzen) auf einem Schemel sitzt. Das hat mich zunächst verwirrt, ebenso wie die Haltung der rechten Hand. Bei längerem Betrachten wirkt das Bild auf mich dadurch sogar eher positiv, passend zum Zitat. So, als würde die Frau gleich aufstehen und die Sorgenwolke / das Sorgennest mitsamt den Vögeln daran abnehmen und beiseite legen. Von der Körperspannung her könnte ihr das gut gelingen. 
    Schön finde ich zudem, dass die Vögel gemeinsam mit der Wolke einen Rahmen für das Model bilden, ich hätte daher den Bildausschnitt sogar etwas enger gewählt und vor allem unten etwas weggenommen. Auch würde mich interessieren, mit welchen Einstellungen das Bild gemacht ist, es erscheint auf mich so, als ob weder die Vögel noch die Person 100% scharf sind, was ich etwas schade finde.
  • fotobücher 29. April 2021, 8:31

    Ein weiblicher, nackter Körper sitzt nach vorne gebeugt auf keinem sehr kleinen Schemel. Um ihren Kopf ist schwarzes Seidenpapier voluminös angebracht, an dem an dünnen Fäden viele schwarze, aus Papier gefaltete Objekte (die Vögel darstellen) hängen. Die Person sitzt in einem sonst leeren Raum. Eine Hand (links) ist an das Bein angelegt, die andere Hand macht eine Geste, die ich nicht ganz verstehe: Winkt sie, bittet sie, grüßt sie oder greift sie nach einem der Objekte?
    Die Person ist nicht erkennbar, das Seidenpapier umgibt den gesamten Kopf, dass nur die Spitze zu sehen ist. Aufgrund des kleinen Stuhls ist die Person auch in einer Art zusammengekauert, dass ich die Nacktheit nicht als Akt  sehe, sondern als Abstraktion des Seins oder des Menschen.

    Es ist wie mit Witzen, wenn man sie zu wörtlich nimmt, sind sie nicht mehr witzig. Kraniche? Whatever. Hier wünsche ich mir einen abstrakteren Blick. Für mich sind es schwarze Sorgenvögel. Kleidung würde in diesem Bild nur ablenken, hier geht es um das Pure: Der Mensch, der Geist und was dazwischen passiert. Das Zitat von Luther ändert für mich darin nichts. Das ist für mich ein Bild, das handwerklich und auch künstlerisch beeindruckend umgesetzt wurde. Jeder mag hier seine eigene Interpretation haben, das macht es ja aus. Ein Konzept in ein Foto umzusetzen ist eine Fähigkeit, die ich hier als sehr gelungen ansehe. Die Sorgenvögel bauen keine Nester, Alle fallen auf den Boden. Das gibt Hoffnung.
  • copine 28. April 2021, 21:36

    Wenn ich die fotografische Darstellung eines bestimmten Themas (hier das im Text genannte Luther-Zitat) beurteilen will, gehe ich in Gedanken gerne den Weg zurück zum ersten Blick. Hätte ich das Thema ohne Titel und ohne Erklärungstext erkannt?
    Hätte ich es mit Titel, aber ohne Erklärungstext erkannt? (Wobei mir das Zitat unbekannt war.) In beiden Fällen wäre meine Antwort Nein gewesen.
    Auch nachdem ich alles gelesen habe, habe ich Schwierigkeiten mit dem Bild. Was ich mir nicht erklären kann, ist das Rechteck, das die Vögel bilden und dass die Vögel alle nach unten orientiert sind. Vögel, die ungeordnet um den Kopf herumschwirren und versuchen sich niederzulassen, fände ich passender als diese strenge, nach unten strebende Form.
  • Mittelosteuropa-Entdecker 28. April 2021, 17:16

    Viel Fleiß, Symmetrie, Surrealismus ... oft spricht mich diese Kombination an. Hier leider kaum. Wirkt auf mich gleichzeitig edel und kalt. Eine Umsetzung des Zitates sehe ich schon gar nicht. In der Symbolik verbindet man den Kranich eher mit Gefahrenabwehr.
  • Wolfgang Wilhelm Itter 28. April 2021, 3:22

    Hallo
    Kraniche stehen für Glück usw. wie HF25 schon beschrieben hat.
    Somit passen Kraniche und Sorgen nicht zusammen und über ihrem Haupt fliegen sie auch nicht. Warum so ein gestaltetes Foto als Akt? In Lumpen gekleidet wäre auch schick.
    Für eine Hochzeit habe ich auch schon einmal eine Unmenge an Kranichen mitgefalten...
    ich kenne die mühselige Arbeit.
    Nur interressiert es keinen in der Kunst, ob es viel oder wenig Arbeit war.
    Das Ergebnis zählt und hier leider "Thema verfehlt".
    Bis dann
    wo
  • HF25 27. April 2021, 22:29

    * auf den ersten blick zeigt die sw-aufnahme eine vermutlich nackte frau mit etwas strubbeligem, langem kopfhaar, die vor einer hellen wand auf einem fußschemel hockt; mit einem seltsamen kranz auf den schultern; auf dem kranz und darunter seltsame gebilde bis herunter zum boden.
    * in der großansicht erweisen sich die kleinen gebilde (besonders deutlich z. b. vor den schienbeinen der dame) als origami-kraniche aus dunklem papier und auch der schulterkranz als ein dunkel-papierener. die origami-kraniche haengen an dem schulterkranz in verschiedenen hoehen vermutlich um die dame rund herum an faeden, die vom schulterkranz nach unten bis auf den parkettboden fallen.
    * ob die aussage, die der fotograf dem bild mitgibt, in der aufnahme umgesetzt ist, bleibt inhaltlich zumindest in einigen einzelheiten fraglich:
    - der kranich hat im origami / aus japanischer sicht die bedeutung eines gluecksbringers, der z.b. bei hochzeiten, geburtstagen usw. als dekoration oder geschenk in der bedeutung eines langen, gluecklichen lebens verwendet wird.
    - dass trotz des doch wohl maennlichen geschlechts von martin luther eine frau fuer die aufnahme herhalten musste, ist aus dem luther zugeschriebenen ausspruch ebenfalls nicht so ohne weiteres ableitbar. es sei denn, der fotograf war der ansicht, dass viele sorgen und kummer zu entwickeln eine angelegenheit von frauen sei. 
    schade, denn den grundgedanken finde ich anerkennenswert, einen schwierigen ausspruch zu verbildlichen, und auch den fleiss, mit dem die aufnahme vorbereitet wurde.   lg horst
    • seanachie 30. April 2021, 8:36

      Das ist doch kein Widerspruch, Horst. Der Spruch soll doch wohl für alle Geschlecher gelten. Warum es ein Akt sein muss, verstehe ich aber auch nicht.
    • HF25 30. April 2021, 9:35

      nein, kein widerspruch; aber wenn ich vom verfasser der saetze ausgehe und beruecksichtige, dass es zu seinen zeilen bekannte geschichten gibt, die diese saetze vom umgang mit sorgen inhaltlich umranken; dann waere es m.e. bei der vorhandenen auswahl der geschlechter fuer die verbildlichung inhaltlich schluessiger, einen von mir aus auch noch teilweise nackten maennlichen menschen auszuwaehlen. die nacktheit war fuer mich urspruenglich nicht so abwegig, weil luther  sinnlichen genuessen nicht abgeneigt war.
      ich gebe dir bzgl. der fehlenden bekleidung aber auch recht, weil sie in den angefuehrten saetzen inhaltlich nicht im entferntesten angesprochen wird.
      aber mal ehrlich, kristian; warum die dame unbedingt nackig sein musste, koennen wir uns doch denken, wurde mir jedenfalls beim nachdenken klar  ;-)  und wahrscheinlich ist das auch der grund fuer die auswahl eines menschen weiblichen und nicht maennlichen geschlechts gewesen :-)  
      kurz und gut: beides leitet sich aus den beiden saetzen von luther nicht einfach mal so ab. bzgl. der nacktheit wuerde ich wegen der bekannten "sinnlichen genussoffenheit" von luther aber auch jetzt nach dem wiederholten ueberlegen noch ein (lachendes) auge zudruecken :-)      lg horst
    • seanachie 30. April 2021, 11:53

      ... da gehe ich mit ;-))
      LG, Kristian
    • MBodo 1. Mai 2021, 12:35

      Warum eine Frau als Modell? Möglicherweise ist ja ein Selbstportrait.
  • Wolf Schroedax 27. April 2021, 21:29

    Das soll die Illustration eines weisen Spruches über menschliche Sorgen sein ????  
    Also ich finde ihn in dem surrealen Arrangement nicht wieder.: 
    Frau Sorge kauert nackt/eingeschüchtert auf einem Stuhl. Ein breiter Kranz steinförmiger Attrappen umgibt ihr Haupt. Mit Nestern kann man sie beim besten Willen nicht verwechseln.  Erstaunlich anhänglich erweist sich ein Schwarm von Vögeln (oder Insekten), der die Sorge umschwirrt. Ich vermute, weil diese eine Sardine in der rechten Hand hält .  Also:  die Sorge füttert ihre Vögel  ....                           lgw
  • elstp 27. April 2021, 16:27

    Die wesentlichen Gestaltungselemente des Bildes sind die Protagonistin, der Rahmen um den Haarschopf und die vielen Vögel. Der Bild-Autor zeigt damit, dass die Sorgen und der Kummer, also die Vögel, um den einzelnen Menschen herum schwirren und zu Belastungen werden können. Der Kopf der Protagonistin wird, bis auf den Haarschopf, umrahmt von einer Struktur, die eine Art Nest darstellt. Das zeigt die Folgen, die es haben kann, wenn man Sorgen und Kummer zu nah an sich heran lässt. Dann wird man dünnhäutig, ohne Schutzkleidung, und in seinem Denken unfrei. 

    Wenn Kummer und Sorgen den Menschen von allen Seiten wie die Vögel angreifen, fällt es ihm schwer, sich seiner selbst sicher zu sein. Luther versucht damit zu sagen, dass man die Probleme nicht verinnerlichen, also sich selbst nicht runter ziehen lassen soll. Nur dann kann man sachlich damit umgehen und Lösungen finden. 

    Das stellt auch der Mensch in dem Bild dar: Er ist entblößt und bietet dadurch Angriffsfläche. Wenn er sich aber darüber klar wird, dass nicht er allein der Urheber der Probleme ist, kann er seine Stellung im Leben besser behaupten und Kummer und Sorgen etwas distanzierter betrachten. Es ist viel gewonnen, wenn er seinen eigenen Anteil an einem Problem sachlich sieht. Dann wird es ihm auch möglich sein, die eigentlichen Urheber der Sorgen und Kümmernisse zu erkennen und ihnen ihren Anteil zuzuweisen. 

    Gruß LILO
  • framebyframe 27. April 2021, 10:24

    Respekt, bei dem Zitat so an eine Umsetzung ranzugehen. Luther war ja auch in Situationen, bei denen er nicht anders konnte. Die das Zitat tragenden Elemente sind vorhanden und gestalterisch interessant umgesetzt, Frisur und Vögel. Da wäre bei der Inszenierung nicht überflüssig, das Modell in Kleidung zu stecken. Auch scheinen die Vögel beim ersten Betrachten vom Haupt herunter zu fallen ? Eine beachtiche gestalterische Auseinandersetzung mit dem Thema.
  • Bernadette O. 27. April 2021, 0:09

    Auf dem Bild ist eine Frau zu sehen, nackt auf einem Schemel sitzend. Der Raum rundherum hell, er scheint irgendwie unendlich weiterzugehen ...
    Obwohl die Frau nackt ist, zeigt sie nicht viel von sich. Sie sitzt recht eng zusammengekauert da. Die Hände fast an den Körper gelegt, nur eine kleine hilflose Geste mit der einen Hand.
    Auf dem Kopf eine Art von Hutkrempe, die ihr ganzes Gesicht verdeckt. Ein Büschel blonder Haare schaut oben heraus. 
    Vor der Frau viele Vögel, aus Papier gefaltet, an feinen Fäden hängend. Von weit sehen sie fast nicht wie Vögel aus, sie gleichen eher Spinnen, die an Fäden hinauf und hinunter klettern, auch auf der Hutkrempe sind sie zu finden.
    Bei mir lösen sie ein unangenehmes Gefühl aus. Sie sind lästig, man möchte sie loswerden ... Ob aber die unentschlossene Handgeste etwas bewirken kann? Das ist sehr fraglich.
    Es tauchen noch mehr Fragen auf: Hat die Frau die Sorgenvögel etwa selber gefaltet? Jeden einzeln in mühsamer Arbeit? Übersetzt: Hat sie sich die Sorgen selber gebastelt? Hat sie sich so in sie hineinbegeben, dass sie so unfrei da sitzt? Rein optisch bilden die Vögel eine Art Käfig, in dem die Frau sitzt. Es wäre ein Leichtes, diesen Käfig zu sprengen. eine wirsche Handbewegung würde genügen. Auch die bedeckende Hutkrempe liesse sich leicht abstreifen. Die Frau könnte aufstehen und davongehen - aber so nackt??!! Da wäre alles an ihr sichtbar, jeder kleine Mangel käme zum Vorschein. Liegt darin die grösste Sorge, sich mangelhaft, verletzlich und angreifbar zu zeigen?

    Das Bild löst bei näherer Betrachtung in mir sehr viele Gedanken aus, die mit dem Zitat von Luther zu tun haben. Natürlich entsprechen sie meiner Interpretation. Vielleicht hat die Bildautorin, der Bildautor anders überlegt.
    Aber dass das Bild überhaupt so viele Gedanken anspringen lässt, zeugt von seiner Qualität. Es ist ein aussergewöhnliches Bild, im ersten Moment etwas sperrig. Aber es lohnt sich, es länger zu betrachten. Darum ist es in meinen Augen eine sehr spannende Fotografie. Danke fürs Zeigen.