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dannpet


Basic Mitglied, Riga

Die Nachtblume

Nacht ist wie ein stilles Meer,
Lust und Leid und Liebesklagen
kommen so verworren her
in dem linden Wellenschlagen

Wünsche wie die Wolken sind,
schiffen durch die stillen Räume,
wer erkennt im lauten Wind,
ob`s Gedanken oder Träume ?

Schließ ich nun auch Herz und Mund,
die so gern den Sternen klagen:
leise doch im Herzensgrund
bleibt das linde Wellenschlagen.

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff

https://www.youtube.com/watch?v=INxVo0uMXFU

Kommentare 41

  • YVES Lr 9. Januar 2019, 16:25

    La gardienne de la mer était aussi la gardienne de la nuit.
  • andenlama 31. Dezember 2018, 11:12

    text und bild in schöner harmonie vereint....
    vgv andenlama
  • Katja Calendula 3. Dezember 2018, 16:01

    ...phantasievoll und super zu den Worten :-) LG Katja
  • Zockel 25. Mai 2018, 7:14

    mit einem kaputten Leuchtturm ist es ganz dunkel in der Nacht - und dann ist es noch kälter als draußen!
  • Heidi Roloff 15. Mai 2018, 19:01

    Die Nachtblume (ihrer Vase entstiegen) scheint auf der Mauer zu schweben. Ein schwereloser Traum. Einfach schön.
    LG Heidi
  • verocain 9. Mai 2018, 10:52

    Interessantes Bild und Eichendorff passt, würd ich sagen
  • Charly Charity 7. Mai 2018, 9:00

    ... ich hänge bei dem Satz ... schiffen durch die stillen Räume*... und bei den TAGs ... Grenzen, Mauer und beim Schwarzes Meer ... ich hatte dazu ein Foto eingestellt, von der Geschichte des Schwarzen Meeres

    ... Ahnen, Ahnung ... ?
    Weltbilder ... Weltsicht? ... ich bin im Augenblick befangen ;-)*

    Bilder tauchten in Träumen auf, Welten öffneten sich bunt und schön ... noch bevor der Wachzustand die Realität als Präsent (als Möglichkeit) offenbarte ... wie Eichendorff sie beschreibt ... wie in einem Märchen aus 1000 und einer Nacht ... Türen öffneten sich ... doch die Welle, sie hängt noch in der Luft* ... kann sich noch nicht ent-scheiden ... sie schwappt noch nicht zurück um im Herzen (oder auch Urgrund ihren Halt zu finden) ihren Anker zu werfen ... die Welle übt noch Kontrolle aus ... ist nicht frei ;-)* …. Soweit der Traum vs. Realität ;-)*

    Wir nennen das auch Blockaden oder Traumata ;-)* ... oder oder oder ... wo ist des Herzens Grund, wenn die Verletzungen schwer wiegen ... ? Und ich möchte mich nicht auf die Liebe zweier Menschen beschränken! Liebe ist unendlich groß und weit*

    ... es ist ein wenig so, wie es lebenslange Strafgefangene empfinden, die dann wider Erwarten entlassen werden:
    Die Entlassung steht bevor ... und der Häftling schreckt zurück, hat Angst davor, durch die offene Tür zu gehen ... er hat vergessen, was Freiheit ist. Er fühlt sich geborgen im Gefängnis.
    Er hat vergessen, wer er ist und möchte sich doch so gerne erinnern ;-)*

    Zu den Träumen ... Lebe deinen Traum ungeachtet dessen, was deine (äußeren)Sinne dir präsentieren*(Die äußeren Sinne sind Futter fürs Ego und es ist das, was wir permanent neu durchdenken "Gedanken", wir spinnen unsere Geschichten um uns selbst oder um die Sache) ... „ob's Gedanken oder Träume sind“, Zitat ...
    Mit den „Träumen“ im Allgemeinen ist es auch nicht so wirklich einfach ;-)* ... es gibt verschiedene, die es zu unterscheiden gilt …
    … fühlendes Beten, aus dem Traum heraus leben, aus dem erfüllten Wunsch heraus wirken und schaffen … Traumzeit verstehen und leben … darum geht's und es hat mit den äußeren Sinnen gar nichts zu tun.
    Erschwerend kommen noch die Tagträume hinzu ... die mit den Träumen aus dem erfüllten Wunsch heraus nichts gemein haben ... diese Art der Träume sind wie Wolken, die am Himmel vorbeiziehen und wenig bis gar keine Wirkung zeigen oder in eine unerwünschte Richtung gehen ;-)*
    … und dann gibt’s die „einfachen“ Träume, die man so träumt, wenn man schläft … das sind dann die Botschaften aus dem Unterbewusstsein … (ich habe dazu gerade ein Foto in Arbeit ;-)*)

    Egal wie wir es nennen … Eichendorf findet wundervolle (seiner Zeit gemäße)Worte um die Nachtblume zu entblättern ;-)* … und deine Fotoarbeit ergänzt seine Zeilen ganz hervorragend*
    ... und das Gefäß ist (auf deinem Foto fast) leer ... bereit gefüllt zu werden, aufzubrechen zu neuen Ufern, voller Vertrauen ... * ... und (nirgendwo) irgendwo kommt Gruß und Antwort her ;-)* ... Hesse "entliehen" und verfremdet* ... sicher ... aus dem Kern, dem Urgrund des Wesens Mensch (aus dem Wesensstern)! ... wir müssen allerdings bereit sein, die Kontrolle komplett loszulassen (wer schafft das schon ;-)*)!

    ... und genau DAS übt der eine so und der andere so ...*

    Und jetzt fängt alles wieder von vorne an … bei den Blockaden oder auch Knoten (das sind die Kontrollen … Gedanken … Egogeschichten) ... wir kommen nicht um sie herum ... im Universum wird keine Lektion ausgelassen!
    Klassen überspringen gibt's nicht! …. Und ewig grüßt das Murmeltier ;-)* … nur die Liebe, kann es erlösen ;-)*
    herzlichst Dagmar
  • Kerstin Stolzenburg 6. Mai 2018, 22:20

    Das Gedicht hat in seiner Rhythmik beinahe etwas Tröstliches.
    Hier haben sich die emotionalen Stürme bereits gelegt, das Tosen des Meeres hat nachgelassen und die rollenden Wogen, gerade noch meterhoch, sind einem sanften, gleichmäßigen Wellenschlagen gewichen; sie kommen im Takt, zuverlässig, wie wenn sich der Herzschlag ein wenig beruhigt hätte... Was dazugehört und was es bedeutet, zu akzeptieren, Wünsche, Enttäuschungen, Erinnerungen und schmerzhafte Emotionen auf den tiefsten Herzensgrund zu verbannen, damit man weiterleben kann, wird jeder nachempfinden können, der einmal wirklich geliebt und diese Liebe verloren hat.
    Was für ein Gedicht! Und was für ein wunderbares Bild dazu!
    Bin sehr beeindruckt!
    LG. Kerstin
  • Ernestine Gugler 3. Mai 2018, 15:04

    Nun bin ich über Hesse gestolpert, Kafka wird noch warten müssen....:)

    Nachts auf hoher See
    Nachts, wenn das Meer mich wiegt
    Und bleicher Sternenglanz
    Auf seinen weiten Wellen liegt,
    Dann löse ich mich ganz
    Von allem Tun und aller Liebe los
    Und stehe still und atme bloß
    Allein, allein vom Meer gewiegt,
    Das still und kalt mit tausend Lichtern liegt.

    Dann muss ich meiner Freunde denken
    Und meinen Blick in ihre Blicke senken,
    Und frage jeden still allein:
    "Bist du noch mein?
    Ist dir mein Leid ein Leid, mein Tod ein Tod?
    Fühlst du von meiner Liebe, meiner Not
    Nur einen Hauch, nur einen Widerhall?"

    Und ruhig blickt und schweigt das Meer
    Und lächelt: Nein.
    Und nirgendwo kommt Gruß und Antwort her.

    Hermann Hesse
    • dannpet 3. Mai 2018, 21:48

      Hesse drängt sich ja ebenfalls förmlich auf, wenn's um tiefe, wie sinnliche Gedanken geht... ...
      :)
  • itia 1. Mai 2018, 18:46

    Ich erlaube mir, Dein Bild für mich aus allen Diskussionen,
    den Tags und auch Deinem Begleittext herauszunehmen
    und hinzuzufügen, an welches Lied ich beim Anblick der
    "Tänzerin" sofort denken musste...:
    https://youtu.be/mJrkQH-W9eg

    lg itia
  • Der fotografische Laie 27. April 2018, 23:08

    „Viele, verschieden gestimmte Saiten geben erst Harmonie.“
    Die Engelstrompete - Woman at the sea - Die Nachtblume.
    Dein emotionales bildliches Werk - Du bist Erschaffer und so auch Gedankentreiber.
    Danke !
  • Eckhard Meineke 19. April 2018, 9:41

    Gut, die Tags verstehe ich nicht alle, aber immerhin weist der Tag „Leuchtturm“ auf den sehr schön fast verborgen in der linken oberen Ecke befindlichen Leuchtturm hin, der das Bild jedenfalls zu einer sehr bewussten Komposition macht, falls Du nicht einfach, was ja heute auch möglich wäre, mehrere Bilder zusammenkopiert hast. Irgendwie wirkt das Produkt jedenfalls so, und falls ich mich irren sollte: Chapeau! Dass sich Leute, Frau oder Mann, besonders in der Nacht ihrer Liebessehnsucht hingeben, ist schon deshalb taktisch günstig, weil die Leute zur Zeit von Eichendorffs tagsüber wenig Freizeit hatten, falls sie nicht gerade Adlige waren.

    Lassen wir kluge Leute interpretieren (https://e-hausaufgaben.de/Hausaufgaben/D11775-Gedichtinterpretation-Die-Nachtblume.php):

    „In dem romantischen Gedicht "Die Nachtblume", 1834 von Joseph von Eichendorff verfasst, beschreibt das lyrische Ich die für ihn unaufhaltsamen Emotionen, welche es nachts ergreifen.

    Das Gedicht warnt den Leser davor, sein Herz zu ignorieren, da so das empfundene Leid und die unerfüllte Sehnsucht trotzdem vorhanden bleiben, die Wünsche hingegen verschwinden.
    Das Gedicht ist mit drei kreuzgereimten Quartetten der Romantik entsprechend klassisch aufgebaut, was dem ganzen einen gewissen Singsang verleiht. Die versmäßige Abwechslung zwischen drei- und vierhebigen Trochäen, wobei Vers 1 und 3 stets dreihebig mit männlicher Kadenz und Vers 2 und 4 vierhebig sind, schafft einen Takt, das an das genannte "linde Wellenschlagen" (V.12) erinnert und der Leser bekommt so das Gefühl, tatsächlich mitten im Geschehen zu sein. Mehrere Ellipsen wie beispielsweise "ob's Gedanken oder Träume?" (V. 8), bei welchem das abschließende "sind" fehlt, oder Inversionen wie "Wünsche wie die Wolken sind" (V. 5) ermöglichen das durchgängige Metrum und Reimschema, was verdeutlicht, dass jene Aspekte für die Melodik des Gedichtes als typisches Werk der Romantik ausschlaggebend sind.

    Die ersten beiden Strophen sind sehr ähnlich aufgebaut, da beide enjambisch aus lediglich einem Satz bestehen und jeweils ein Vergleich beschreiben; die erste einen der Nacht mit dem Meer, die zweite einen der Wünsche mit den Wolken. Die dritte und letzte Strophe hingegen sticht heraus, da sie durch eine Apostrophe (vgl. V. 10) in zwei Sätze geteilt ist und außerdem das erste Mal das lyrische Ich auftaucht, was an "Schließ ich nun auch Herz und Mund" (V. 9) zu erkennen ist. Dies verleiht den Eindruck, dass jenes lyrische Ich in den ersten zwei Strophen die Umwelt betrachtete und vergleichend beschrieb und daraufhin sozusagen ein Fazit aus den Erkenntnissen zieht.

    Der neologistische Titel "Die Nachtblume" gibt durch das Nicht-Bestehen des Begriffs vorerst keine Andeutungen auf den Inhalt des Gedichtes. Blumen blühen jedoch annual, also regelmäßig, auf und entfalten sich. So kommen auch "Lust und Leid und Liebesklagen" (V. 2) des lyrischen Ichs mit dem regelmäßigen Wellenschlagen (vgl. V. 4) personifiziert her, die das stille Meer, welches als Vergleich für die Nacht steht, bewegen. Der Titel beschreibt also die nachts immer wieder aufblühenden Emotionen des lyrischen Ichs.

    Anders als in der Frühromantik ist der Begriff "Nacht" hier pejorativ geprägt, da mit der Stille dem psychischen Schmerz der Weg gebahnt ist.

    Die Alliteration "Lust und Leid und Liebesklagen" (V. 2) drückt sowohl die ungestillte Sehnsucht nach neuen Erfahrungen als auch Leid aufgrund von Vergangenem aus. Dies kann das lyrische Ich jedoch nicht verstehen, was an "verworren" (V. 3) deutlich wird. Das "linde Wellenschlagen" (V. 4) disturbiert hier das "stille Meer" (V. 1), also die Ruhe - wohlgemerkt die psychische und nicht die faktische - welche die Nacht gewährt.

    Die zweite Strophe beschreibt die unerfüllten Wünsche des lyrischen Ichs, welche mit den Wolken verglichen unerreichbar erscheinen. Die inversierte Alliteration "Wünsche wie die Wolken sind" (V. 5) gibt dem Text eine gewisse Regelmäßigkeit wie jene von Wolken, die langsam aber sicher über den Himmel ziehen. Personifiziert schiffen jene Wünsche bzw. Wolken durch die stillen Räume (vgl. V. 5f.), was die Vergänglichkeit der Wünsche zum Vorschein bringt. Durch die rhetorische Frage "Wer erkennt im lauen Wind, ob's Gedanken oder Träume?" (V. 7f.) wird der Leser das erste und einzige Mal direkt angesprochen, was an jenen appelliert, darüber nachzudenken. Der "laue Wind" (V. 7), welcher zwar die Wolken, also Träume, vorbeiziehen lässt, erscheint dennoch als der Temperatur wegen angenehm und so meliorativ, was suggeriert, dass die Veränderung von Wünschen nicht nur schlecht ist. Die Gegenüberstellung von "Gedanken" (V. 8) und "Träume" (V. 8) impliziert, dass das lyrische Ich sich selbst nicht sicher ist, ob es wacht oder schläft, dementsprechend ob die vorbeiziehenden Wünsche rational, also Gedanken, oder irrational, also lediglich Träume, sind. Welche davon das lyrische Ich bevorzugen würde, wird nicht gesagt, doch weiß man auch nicht, ob es das selbst weiß, da der Wind die Wünsche zu schnell weiter bläst, als dass es überhaupt den Unterschied machen könnte. Aus diesem Grund, der eigenen Überforderung mit der Differenzierung, richtet sich das lyrische Ich an den Leser.

    In den ersten beiden Strophen wird das Wellen schlagende Meer, also die sehnsuchts- und leidvolle Nacht, den vorüberziehenden Wolken, also den vergänglichen Träumen, gegenübergestellt. Hierbei fällt der Unterschied zwischen dem weit entfernten, dadurch unerreichbaren und wegen Unwissenheit über die Realität etwas romantisierten Himmel, an dem die Wolken vorbeiziehen, und dem immediaten, nahen Meer, das durch Wellen bewegt wird, auf. So ist das lyrische Ich dem Wasser, also der Nacht, näher, obwohl es sich zu den Träumen hinauf wünscht. Die Adjektive "lind" (V. 4) und "lau" (V. 7), die den sanften Einfluss von Wellen bzw. Wind beschreiben, sind ausschlaggebend. Beide beschreiben die einzige Bewegung in dem sonst "stillen Meer" (V. 6) und lassen so Sehnsucht aufkommen und Träume vorüberziehen.

    Das Wort "nun" (V. 9), welches eines der einleitenden der dritten und letzten Strophe ist, impliziert, dass das lyrische Ich, welches hier das erste Mal auftritt, die davor beschriebene Sehnsucht und Wünsche erkannt und interpretiert hat und nun daraus ein Fazit zieht. Jenem entsprechend besagt es, jetzt "Herz und Mund [zu schließen]" (V. 9) und somit aufzuhören, zu den Sternen zu klagen (vgl. V. 10), was Herz und Mund davor personifiziert taten. Die paradoxe Schließung des Herzens gibt den Eindruck des Aufgebens des nicht erhörten Ausdrucks von Leid und Wünschen, wofür der nun ebenfalls geschlossene Mund zuvor den Sternen gegenüber als Dolmetscher galt. Dass dieses Schließen forciert ist, Herz und Mund also liebstens weiter klagen würden, wird an der Präsensform von "klagen" (V. 10) deutlich, was einen inneren Konflikt impliziert. Dass die Sterne weder eine Antwort geben noch helfen können, scheint Herz und Mund nichts auszumachen; das lyrische Ich hingegen sieht darin keinen Zweck mehr. Es versucht also, das Leid und die Sehnsucht, die sein Herz quälen, einzuschließen. Die Konsequenz dieses Versuchs wird apostrophisch (vgl. V. 10) angesagt, was im Kontrast zu den strophenlangen Enjambements der vorherigen Strophen steht und, da überflüssig, einen besonderen Akzent auf das zu Folgende setzt. Denn, trotz dem durch das lyrische Ich erfolgte Schließen dessen, ist das Herz immer noch von "Lust und Leid und Liebesklagen" (V. 2) torturiert, da das linde Wellenschlagen, wenn auch vermindert, was durch das Adverb "leise" (V. 11) verdeutlicht wird, auf dem Herzensgrund bleibt. Der Neologismus "Herzensgrund" (V. 11) ist eine Anspielung auf das Wort "Meeresgrund". Das linde Wellenschlagen und das Meer formen so einen roten Faden durch das Gedicht hindurch, was die Permanenz der zu Beginn beschriebenen Emotionen zum Vorschein bringt. Das Wellenschlagen ist zwar von der Oberfläche auf den Meeresgrund gesunken, also unscheinbarer geworden, schlägt aber nichtsdestoweniger gleich lind und durchgängig wie anfänglich.

    So ist der Versuch des lyrischen Ichs, die schmerzhaften Emotionen durch Schließen des Herzens, also durch Ignorieren jener, gescheitert. Von den Wolken bzw. Wünschen ist nach dem Schließen jedoch keine Rede mehr; jene sind dadurch verloren gegangen. Dieses Resultat kommentiert das lyrische Ich jedoch nicht, doch ist zu erwarten, dass es das Gegenteil seines Zieles erreicht hat.

    Mit dem Rat zur Beachtung des Herzens ist "Die Nachtblume" ein typisch romantisches Gedicht, da es zum Treiben lassen der gerade nachts auftretenden, ohnehin unkontrollierbaren Emotionen appelliert und davor warnt, dass das Ignorieren des Herzens zum Verlust von zwar stets vorbeiziehenden, jedoch gleich konstant neu auftachenden Träumen führt und man so mit lediglich empfundenem Leid und unerfüllter Sehnsucht hinterlassen ist.“

    Vielleicht wäre es ja auch ganz schön gewesen, wenn ich Literaturwissenschaftler geworden wäre ... für einen 46jährigen Oberpräsidialrat ist das Gedicht auf jeden Fall eine beachtenswerte Leistung, schreibt man doch das sehnsuchtsvolle Schmachten nach unerfüllter Liebe eher jungen Leuten zu, die sich dann unvernünftigerweise danach bis zum Tode verzehren. Entweder treten hier also lyrisches Ich und Autor-Ich professionell auseinander - oder eben nicht ... von Eichendorff war ja sowieso moderner als seine meisten Zeitgenossen.


    Schöne Fremde (1835)

    Es rauschen die Wipfel und schauern,
    Als machten zu dieser Stund
    Um die halbversunkenen Mauern
    Die alten Götter die Rund.

    Hier hinter den Myrtenbäumen
    In heimlich dämmernder Pracht,
    Was sprichst du wirr wie in Träumen
    Zu mir, phantastische Nacht?

    Es funkeln auf mich alle Sterne
    Mit glühendem Liebesblick,
    Es redet trunken die Ferne
    Wie von künftigem, großem Glück!
    • dannpet 19. April 2018, 19:29

      Dann nehme ich dein "Chapeau" entgegen, denn es ist tatsächlich kein Composing!
      Das Foto hat einen engeren (quadratischen) Schnitt bekommen, der Leuchtturm hat seine Position durch den Schnitt nicht verändert.
      Die Mauer rechts der Hauptdarstellerin habe ich somit weggeschnitten und durch eine leichte Kontrastanhebung habe ich der Mauer im Bild den Schein einer Ahnung verleihen wollen.
      Soweit zum handwerklichen des Fotos.

      Mit der Interpretation des Gedichtes werde ich mich noch genauer befassen, mein erster Eindruck deckt sich jeoch mit meinen empfundenen Gedanken und Gefühlen, beim Lesen des Gedichtes.

      dankende Grüße, Peter

      PS: Über eine mögliche Zuordung der Tags, lässt sich eine Anmerkung zuvor lesen.
    • Eckhard Meineke 19. April 2018, 23:07

      Wer lesen kann, ist im Vorteil. Aber über die ukrainische Geschichte weiß ich zuwenig und wäre auch mit einem Tag 1970 nicht auf Alla Horska gekommen.
    • dannpet 20. April 2018, 10:54

      Alla O. Horska war nicht die gesuchte Person. Es grenzte an Zauberei hättest du sie anhand der Tags dem Bild zugeordnet. Dieser Name ist nun als Bonus Teil der Geschichte geworden, die durch meinen Kopf spukte.
      Dieses Foto ist keine Homage an die Künstlerin, die Tags führen lediglich in die Ukraine, auf die Krim, 'die allen und niemanden gehört', und hier speziell nach Jalta. 2012 ist das Jahr der Aufnahme, nur 1 1/2 Jahre vor der Annexion der Krim.
      Meine Absicht war es jedoch nicht auf nur eine Interpretationsmöglickkeit hinzuführen, ich wollte nicht nur meine subjektive Verknüpfung im Fokus wissen. Das Christoph sie dennoch so ziemlich perfekt nachgezeichnet hat, berührt mich daher oder gerade deswegen besonders.

      Das Bild in Verbindung mit dem Gedicht, meine Tags lauten auch:

      Sehnsucht
      Verlangen
      Hoffnung
      Erinnerungen
      Zeit / Vergehen
      etc. pp.

      :)
    • Eckhard Meineke 23. April 2018, 14:31

      Ja, alles, was zu einem Liebesroman gehört. Sogar mit unhappy end.
  • Christoph Nitsche 18. April 2018, 0:20

    Ins Leben schleicht sich das Leiden
    wie ein heimlicher Dieb,
    wir alle müssen scheiden
    von allem was uns lieb....
    Auch diese Worte von Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff kommen mir in den Sinn, wenn ich Dein nächtliches Bild betrachte, untermalt mit der wunderbaren Musik, die mit dem Film an den Ort hinführt, der nicht mehr existiert.
    Blaue Stunde es ist, das Jahr 2012, sagst Du, Peter.... Jalta, Krim, Schwarzes Meer, mehr als nur Geschichte...die Nachtblume, die nie mehr aufblüht... Ist es Alla Oleksanderiwna Horska, die um sie trauert, um den Ort, der nicht mehr da ist?.... Die Stunde des Vollmonds, dessen Licht das vom Leuchtturm überflüssig macht...das Gesicht verrät alles...oder auch nicht. Bringt der neue Tag den Gedanken oder nur den nächsten Traum?
    Dein Bild fesselt, schaltet Märchenbilder ein, der Betrachter kann sich nicht davon abhalten, die Augen zu schließen, um sie gleich zu öffnen, damit nichts von dieser wunderschönen, mysteriösen Szene am Ufer des Schwarzen Meeres verloren gehe.
    VLG
    Christoph
    • Christoph Nitsche 19. April 2018, 20:43

      Ob dies schon der Fall ist - was Deinen zweiten Satz anbetrifft - wage ich zu bezweifeln:

      Eine andere, Sir Gordon Matthew Thomas Sumner nicht beleidigende Version wäre sicherlich mehr angebracht....
      Für den Bild- und Gedankenaustausch bin ich Dir, wie immer, dankbar.
      Christoph
    • dannpet 20. April 2018, 11:52

      Beleidigt wäre er sicher nicht, doch für den Fall, dass er es wäre:
      Wie gedenkst du diesen Fauxpas ihm gegenüber bildlich wieder aus der Welt zu schaffen?

      :)
    • Christoph Nitsche 20. April 2018, 12:52

      An einer Verbidllichung von "Brand new day" müsste ich dann noch ein wenig arbeiten...
      :)
    • dannpet 20. April 2018, 15:57

      Gerne, Eile ist nicht geboten... ;)
  • Ernestine Gugler 17. April 2018, 19:46

    Dein Bild schlägt in mir die melancholischen Seiten an, die Dunkelheit der Nacht
    schiebt Gedanken oder seien es Träume, in unser Bewusstsein. Eine eher
    schmerzhafte Sehnsucht meldet sich zurück und raubt uns den Schlaf. Leblos
    wirkt die fast bleiche Frau und scheint zu mahnen, es ist sinnlos sich gegen
    seine Gefühle auf zu lehnen, sie finden Tür und Schloss....
    Lass sie lachen, tanzen und erblühn, die schöne Blüte der Nacht.
    Dein Bild mit der wundervoll, moll getönten Musik, wie immer eine durchdachte
    und stimmige Präsentation.
    Mit lieben Grüßen zur Nacht..:)
    die Ernestine
    • dannpet 19. April 2018, 19:45

      "Lass sie lachen, tanzen und erblühn, die schöne Blüte der Nacht."
      Das macht ihr bereits mit euren Anmerkungen!

      In Riga beginnt gerade die Blaue Stunde,
      der Tag ist bereit seine verborgenen Träume in die Nacht zu tragen ;-)

      Lieben Gruß zurück...
  • Eckhard Meineke 17. April 2018, 8:06

    Mit der etwas wachsfigurenhaften jungen Dame befasse ich mich noch, wenn ich die Berufungskommission vom Halse habe. ;-)