Die Kunst des Verpackens (2)

Die Kunst des Verpackens (2)

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Die Kunst des Verpackens (2)

Heidelberg, vor dem Gebäude der Sammlung Prinzhorn (in eine weggeworfene Plastikverpackung geratenes Blatt), 01.01.2010

(Canon 400 D, f/5,6 bei 133 mm, 1/200 s, ISO 400, Teilbereichsmessung, mittenbetont, Bearbeitung: Adobe Photoshop 7.0, Tonwertkorrektur, Rahmen)
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Zwischenräume
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Kerstin Stolzenburg

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"Also mußte sie [die kluge Bauerntochter] vor den König kommen, der fragte sie, ob sie denn so klug wäre, und sagte, er wollte ihr ein Rätsel aufgeben, wenn sie das treffen könnte, dann wollte er sie heiraten. Da sprach sie gleich ja, sie wollts erraten. Da sagte der König »komm zu mir, nicht gekleidet, nicht nackend, nicht geritten, nicht gefahren, nicht in dem Weg, nicht außer dem Weg, und wenn du das kannst, will ich dich heiraten.« Da ging sie hin, und zog sich aus splinternackend, da war sie nicht gekleidet, und nahm ein großes Fischgarn, und setzte sich hinein und wickelte es ganz um sich herum, da war sie nicht nackend: und borgte einen Esel fürs Geld und band dem Esel das Fischgarn an den Schwanz, darin er sie fortschleppen mußte und war das nicht geritten und nicht gefahren: der Esel mußte sie aber in der Fahrgleise schleppen, so daß sie nur mit der großen Zehe auf die Erde kam, und war das nicht in dem Weg und nicht außer dem Wege. Und wie sie so daherkam, sagte der König, sie hätte das Rätsel getroffen, und es wäre alles erfüllt."

http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Märchen/Kinder-+und+Hausmärchen/94.+Die+kluge+Bauerntochter

;-)

Kommentare 61

  • Haselmann Peter 24. November 2013, 16:33

    Du hast ein gutes Auge und wache kreative Sinne.
    https://www.youtube.com/watch?v=XuMkohlJZ8o
    Gruß
    Peter
  • master.of.desaster 6. Januar 2011, 12:43

    tolles foto!
    supper ideen für all deine fotos
    gefällt mir supper!! (:
  • Marianne Th 5. Mai 2010, 19:48

    Eine sehr unbequeme Fortbewegungsart hatte die kluge Bauerntochter gewählt, dein Text der Gebr.Grimm ist faszinierend. Ebenso die Kunst der Natur, ein Blatt im Eis zu verpacken. So ein Motiv muß man erstmal sehen und dann so umsetzen, wie es dir gelungen ist.
    Spät entdeckt.....
    LG marianne th
  • Hanne L. 31. März 2010, 22:30

    Du schaust genau hin, da liegt die Kunst auf der Strasse ...
    Sehr schön!
    Liebe Grüße, Hanne
  • Biggi Oehler 26. März 2010, 22:50

    Sehr gut gesehen und top umgesetzt.
    LG. und Dir ein wunderschönes Wochenende
    Biggi
  • Margarete Hartert 14. März 2010, 15:23

    Eine traumhaft gelungene Zufallsverpackung! Und von dir ein gutes Auge dafür! Künstliches und Natürliches verbinden sich auf angenehme Weise...
    In diesem Zusammenhang erinnerete ich mich an ein altes Bild von mir, das auch ein wenig mit dem Verpacken zu tun hat, dessen Aussage allerdings in eine ganz andere Richtung geht:
    LG Margarete
  • Ernst Seifert 17. Februar 2010, 15:41

    Wozu doch diese Plastiktüte gut ist. Sie verhüllt das Blatt, ohne es zu verstecken, läßt es sanft wie hinter Milchglas erscheinen und zeigt auch die gesamte Strucktur des Blattes.
    VG Ernst
  • ston 6. Februar 2010, 10:02

    Verpackung der anderen Art. Eine von Menschenhand erzeugt und die andere von Mutter Natur. Leider ist es so das die Menschenhand die Natur überdeckt.....

    Schönes Weekend
    Stefan
  • growing-ok-ego 27. Januar 2010, 16:25

    hui, hier wurde sich ja richtig ausgetobt.
    Schon Wahnsinn, was man mit einem Bild ins Rollen bringen kann.
    Klasse Bild jedenfalls.
    LG growing-ok-ego
  • Kerstin Stolzenburg 18. Januar 2010, 10:08

    @Andreas Denhoff: Lieber Andreas, was es ist, kann ich natürlich auch nicht sagen, aber ich denke, dass man für manche Dinge einfach mehr oder weniger sensibilisiert ist. Die Motive sind da; die Frage ist nur, ob wir sie bewusst wahrnehmen und die Linse darauf richten. Grüße. Kerstin
  • Andreas Denhoff 17. Januar 2010, 14:22

    Liebe Kerstin,
    manchmal denke ich, Zufall kann es nicht sein..., aber was ist es, daß uns manche Motive durch "Zufall" vor die Linse kommen?
    LG Andreas
  • Kerstin Stolzenburg 15. Januar 2010, 19:55

    @Andreas Denhoff: Danke, lieber Andreas! Es war einer der schönen Zufälle, die einem beim Fotografieren manchmal beschert werden.
    Viele Grüße. Kerstin
  • Kerstin Stolzenburg 15. Januar 2010, 19:54

    @Karl-Dieter: Lieber KD, danke für deine schöne Anmerkung zum Bild! Die Verpackung kann ein Objekt natürlich sehr interessant machen, was vor allem auf sparsam
    Alternativ
    Alternativ
    Eckhard Meineke
    und auf transparent verhüllte Dinge zutrifft, bei denen man sich vielleicht sogar ein geheimnisvolles Knistern beim Enthüllen vorstellen kann. Die Phantasie kann da in der Tat viel bewirken und Begehrlichkeiten wecken.
    Aber man muss dafür natürlich auch immer erst einmal empfänglich sein. Der so aufgehübschte Blumenstrauß an der Tankstelle würde mich wohl nicht mehr zum Kauf reizen als die unverpackte Variante - die mich auch nicht reizen würde ;-).

    Aber Deine Frage "Wie komme ich jetzt auf Frauen?" wirft jetzt bei mir Fragen auf ;-))))).

    Grüße. Kerstin
  • Kerstin Stolzenburg 15. Januar 2010, 19:54

    @Daniel Borberg: Lieber Daniel, danke! Die Eisverpackung ist gut vorstellbar. Ich sah das erst viel später, nachdem ich die Anmerkungen zum Bild gelesen hatte.
    Grüße. Kerstin
  • Kerstin Stolzenburg 15. Januar 2010, 19:16

    @Eckhard: Liebe Es-Er, lieber Willy (und lieber Eckhard :-)), herzlichen Dank, dass ihr mich an euren weitreichenden Gedanken zu meinem Bild teilhaben lassen habt ;-). Das war überaus interessant und aufschlussreich. Euer Wortwechsel ist oft herrlich zweideutig, so dass man ihn mit großem Genuss liest.

    Wie es Eckhards verlinkte Aufnahme „Ein Bild des Menschen“ - und natürlich auch bereits das Märchen selbst - andeutet, ist das Blatt, das vermutlich ein Windstoß in diese Kunststoffhülle geweht hat, auf mehreren Ebenen - wie zu erwarten war - auch symbolisch zu sehen und kann somit beispielweise sinnbildlich für den Menschen stehen, wie es auch andere Aufnahmen mit solchen Materialien bereits zeigten.
    Eine Versteinerung und ein Blick auf das Transzendentale
    Eine Versteinerung und ein Blick auf das Transzendentale
    Kerstin Stolzenburg

    Dabei ist der „gläserne Mensch“ durchaus eine interessante Thematik, da man sich für die gezeigte Szene eine solche Entwicklung auch real vorstellen kann.
    Allein diesen Bereich könnte man bereits verschieden ausdeuten, beginnend vielleicht mit dem menschlichen Organismus selbst und bei der bloßen Darstellung, beispielsweise anhand der Plastinate Gunther von Hagens, die ich in einer Körperweltenausstellung in Basel vor einigen Jahren sah, bis hin zu den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft, sei es nun in der Stammzellenforschung, der Gehirnforschung oder in jeder anderen etablierten Fachrichtung.

    Aus einer anderen Perspektive betrachtet, trugen diesbezüglich in letzter Zeit gewiss auch die Datenskandale bei Telekom und Bahn dazu bei, dass Orwells Roman auch heute noch oder gerade heute mehr als aktuell ist, wenngleich die Menschen oft gar nicht unwissentlich ausspioniert werden, sondern sich z.T. leider überaus bereitwillig öffnen, wenn man ihnen nur glaubhaft macht, dass sie etwas geschenkt bekommen, etwa über die Praxis der Kundenkarten, mit denen sie dann dafür, dass sie sich kategorisieren, katalogisieren und wieder umwerben lassen, Peanuts in Form von Billigprämien oder der Rückerstattung eines Bruchteils der ausgegebenen Gelder erhalten.

    Da Du „Ein Bild des Menschen“ in der ollen DDR-Baracke aufgenommen hast, die ich vor einer Weile auch einmal besuchen konnte und aus der vielleicht auch einmal ein Bild den Weg in die fc-Diskussion finden könnte, ist natürlich auch die Frage von Bespitzelung, Überwachung, Denunziation, Zensur und Manipulation bzw. Schlimmeres grundsätzlich ein Punkt, der durch das verpackte Blatt tangiert wird. - Und in dieser Folge könnte man weitere Beispiele finden.

    Aber man muss die Sache auch aus Sicht des Blattes sehen (Irgendwo schrieb ich das bereits einmal in anderem Zusammenhang, glaube ich. ;-)).
    Wie bewusst ist es ihm, dass es von außen sozusagen ständig betrachtet wird, dass ihm jegliche Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeit fehlt, man es einschätzen, taxieren kann, auch, wenn es scheinbar geschützt ist?
    Genügt ihm das gar, da seine Grundbedürfnisse hinreichend gedeckt sind?

    Verhüllungen und Verpackungen können durchaus interessante Denkansätze und Reflexionen beim Betrachter hervorrufen, Willy und Es-Er vertreten ja eine ähnliche Auffassung, wenn ich nicht irre, ganz gleich, was man nun im Einzelnen von Herrn Javacheff und Frau Denat de Guillebon halten mag, die wohl - nach dem Sinn ihrer Arbeiten gefragt - auch schon angab, dass sie diese nur für sich machten und dass sie nichts bedeuten würden, nur schön und ästhetisch sein wollten.
    Ungeachtet solcher Aussagen, die stimmen mögen oder nicht, ist diese Kunstrichtung durchaus dazu geeignet, auch Inhaltliches zu transportieren. In der Antwort an Carsten hatte ich bereits auf ein Werk von Man Ray hingewiesen, "Das Rätsel des Isidore Ducasse". Es erscheint mir sehr interessant und ich muss einmal überlegen, was diese Thematik noch hergeben könnte.

    Natürlich kann sich die Natur, um auch diese Thematik und die Frage nach dem Vitamin C ;-)) aufzugreifen, in bestimmten Bereichen auch selbst genug sein, beispielsweise in der Art und Form der Verpackung ihrer Inhaltsstoffe. Die halboffene Erbsenschote, die mit ihren runden organischen Formen bereits etwas sehr Verführerisches an sich hat, enthält neben einem nicht zu unterschätzenden Nährwert von 88 kcal/100 g immerhin 27,3 mg Vitamin C. Mandarinen liegen in einem vergleichbaren Bereich (30,9 mg/100 g), sind mit 48 kcal/100 g aber bereits deutlich „leichter“. Die in Bezug auf ihre Erscheinung unscheinbare, gar krause und zerzauste Petersilie ist beiden aber weit überlegen. Bei nur 53 kcal liefert sie dem Körper ganze 167,7 mg Vitamin C! Man sollte sie pur essen! ;-))
    Die frischen Kartoffelchips „mit besten Zutaten“- auch ein gesundes Gemüse - (!) halten dagegen in ihrer bunten Tüte, die den Kunden zum Kauf verleiten soll, nur 8 mg Vitamin C, dafür aber pralle 536,4 kcal bereit. Das sorgt dann wiederum für eine andere üppige Verpackung in Bezug auf das „Bild des Menschen“.

    Nun, auf das Lied vom Oktoberclub gehe ich an dieser Stelle besser nicht ein; ich musste es letztens in der Ausstellung „Olle DDR“ bereits neben anderen romantischen Songs über mich ergehen lassen. Auch dieses zum Beispiel: http://www.youtube.com/watch?v=0lezf12OB1c oder das beschwingte von Herbert Roth (leider nicht im Original zu finden http://www.youtube.com/watch?v=YhOA8hXtT2o ;-)))

    Aber Spaß beiseite, über „Des Kaisers neue Kleider“ als Bildtitel hatte ich für einen Moment auch nachgedacht, mich dann aber doch dagegen entschieden, da es weniger Betrachtungsebenen zugelassen hätte. Dem, was die beiden klugen Germanisten dazu schreiben, kann ich natürlich nur zustimmen.

    Zum Märchen haben sie sich ja auch sehr ausführlich geäußert; hier wird es auch ganz verschiedene Interpretationsansätze in der Rezeption geben. Gerade im Kontext des letzten Teils der Unterhaltung von Es-Er und Willy gab es am Psychologischen Institut der Universität Zürich 2003 eine interessante Tagung. „Diese faszinierende Geschichte einer jungen einfallsreichen, konfliktfähigen, selbstbewussten und liebesbereiten Frau – kurz, im heutigen Jargon würde man ihr ein hohes Mass an ‚emotionaler Intelligenz’ bescheinigen – ist nicht nur für Freundinnen und Freunde des Märchens, des Erzählens und der Interpretation erfreulich und reizvoll, sondern eröffnet das thematische Spektrum des Gelingens und Scheiterns von Liebesbeziehungen und ehelichen Partnerschaften.“ http://www.jakob.uzh.ch/docs/prog-jaktag7.pdf
    Nicht zuletzt noch ein Hinweis auf ein anderes literarisches Werk, das ich mit diesem Bild verbinde. Es ist der Roman „Die Wand“ von Marlen Haushofer. Das fotografierte Motiv erinnerte mich sehr an die Protagonistin und ihre über Nacht völlig veränderte Lebenssituation. http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wand „Die namentlich nicht benannte Erzählerin in 'Die Wand' reist mit ihrer Cousine Luise und deren Ehemann Hugo zum Wochenende auf eine Jagdhütte. Während das Ehepaar dann des Abends noch in die Gaststätte eines nahegelegenen Dorfes zieht, bleibt die Erzählerin und Protagonistin allein in der Hütte, um am nächsten Morgen festzustellen, dass sie immer noch alleine ist. Auf ihrer Suche nach den beiden bemerkt sie, dass sie durch eine unsichtbare Wand von der Außenwelt abgeschnitten wurde.
    Während ihrer Exkursionen stellt die Heldin des Romanes nun fest, dass ein nicht weiter bezeichnetes Unglück wahrscheinlich alle, zumindest aber alle ihr durch die Wand sichtbaren Lebewesen getötet hat, sie mithin durch die Wand geschützt und gleichzeitig eingesperrt ist.“

    Kerstin