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Was ist neu?

Matthias von Schramm


World Mitglied, Hamburg

Die ersten drei Lesungen

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Bericht:

Im Februar ist die Idee „Labskausromantik“ geboren worden und Anfang Juni haben wir nun bereits drei Lesungen mit Musik hinter uns. An und für sich nichts Ungewöhnliches, aber im Vergleich zu meinen bisherigen Projekten ein fulminanter Start. Die Trägheit, welche von den Onlineforen ausgeht, lebendig auf eine Bühne zu bringen und dort zu neuen Leben zu erwecken, ist als schwer bewegliche Masse nicht zu unterschätzen. Aber die Geburt von Labskausromantik war unkompliziert. Ein kurzes Telefonat war es. Ein Vorschlag von Anja, der beiden von Anfang an nicht mehr diskutierbar erschien.

Freilich gab es da einen Vorlauf. Es war klar, dass wir Lesungen mit Musik machen wollten, mit verschiedenen Musikern etc. Es gab auch schon Fotos dafür, die wir gemeinsam im Bildautomaten auf St. Pauli von uns machten, dort wo man sich nie alleine fotografiert. Es war alles schon im Vorfeld sehr durchdacht.

Dann ging es recht flott. Drei Lesungstermine, zwei musikalische Alternativen die ernsthaft infrage kamen. Das VogesMayerTrio und Ralf, ein Keyboarder, Trommler und Sänger als musikalische Überraschung. Es gab drei Locations. Das FS 115 in Wilhelmsburg, ein Wohnzimmer für ein ganzes Wohnhaus mit viel Kultur. Die Ponybar, schon sehr bekannt und Uninah und die Magdalenabar in Ottensen, die bei Myspace geworben hatte, Kulturveranstaltungen aller Art auszurichten.

In Wilhelmsburg war es gemütlich, nett und schön und auch das VogesMayerTrio passte ausgezeichnet in diese Stimmung. Für mich war das die Initialzündung dafür, dass Anjas dichte und oft so erstaunlich klare Lyrik gemeinsam mit dem Plauderton meiner Geschichten funktionieren konnte. Auch wenn die Aufregung beim ersten Mal verständlicherweise sehr groß war. Wilhelmsburg hat uns enorm gestärkt. Klasse Publikum, super nette Veranstalter und tolle Band.

Knappe zwei Wochen später ging es in die Ponybar. Kein schlechter Laden eigentlich. Aber zwischen Bühnenraum und Kneipe ist lediglich ein dünner Vorhang. Für Lesende im Prinzip chancenlos sich gegen diesen Lärmpegel im Hintergrund durchzusetzen. Dabei waren wir gepusht. Anjas erstes Interview für die TAZ war am gleichen Tag erschienen und wir hatten wieder volles Haus, teilweise zu voll, weil hinten immer wieder Interessierte, vor allem aber Neugierige den Raum betraten und dann auch wieder gingen, weil von denen sicher niemand so was schön schräges wie „Labskausromantik“ erwarten durfte. Eine Frau (zuweilen mit Affenmaske) und zu kleinen hochhackigen Schuhen und ein Typ, der lange quatscht (bis zu fünf Minuten am Stück) und außer aufregenden Hosenträgern eher etwas Unaufregendes hat. Das VogesMayerTrio aber durfte sich austoben und das tat dem Abend sicher gut. Anja und ich waren auf der Bühne etwas ratlos, zumal wir nicht wussten, wie wir beim doch wieder zahlreich erschienen Publikum ankamen. Die Reaktionen danach waren aber sehr positiv und am Ende war es eine versöhnliche Show unter widrigen Bedingungen. Auch das hat also gestärkt.

Wir probten sofort danach mit Ralf ein etwas verändertes Programm ein. Er sollte uns in der Magdalenabar unterstützen. Seine Musik molllastiger, seine Texte etwas düster. Alles musste gut überlegt sein, denn die Magdalenabar liegt etwas abgelegen vom Ottensener Kneipentrubel. Ein Laden, dem man seinen Existenzkampf ansieht und ein Wirt, der durchgehend einen überforderten Eindruck macht.

Hinter einem abgedeckten Billardtisch, auf dem wir unsere Deko platzieren konnten, fühlte ich mich aber wieder sicherer auf der Bühne. Das veränderte, etwas temporeichere Programm gefiel mir. Die Kommunikation mit Ralf funktionierte fein. Das etwas übersichtlichere Publikum diesmal war sehr nett zu uns. Alles war etwas ruhiger, loungiger sozusagen und in einem etwas professioneller geführten Laden hätte das ganze auch richtig rund werden können. Nachdem in der Ponybar Anja ihre Zwiesprache mit dem Publikum gehalten hatte, die mehrheitlich als erfrischend empfunden wurde und der etwas unerquicklichen Soundsituation wohl auch sehr gut tat, versuchte ich mich in der Magdalenabar nun als Entertainer. Gar nicht so schlecht für den Anfang, aber da muss ich wohl auch noch üben.

Insgesamt drei schöne, aber sehr aufregende Erfahrungen. Dabei zwei echte Herausforderungen, die wir laut Publikum gemeistert haben. Und bald geht es sicher weiter.

Eines ist mir klar geworden. Labskausromantik nebst meiner Partnerin Anja funktioniert nicht mit lauwarmer Betriebstemperatur, was auch bedeutet, dass künftige Abende wieder ganz anders werden.

Der erste Testlauf ist damit erfolgreich abgeschlossen.

http://www.labskausromantik.de

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