Anleitung zum Mitziehen

Anleitung zum Mitziehen

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Martin Pluskota


kostenloses Benutzerkonto, Aachen

Anleitung zum Mitziehen

Ich weiss gar nicht, wie ich zu dieser Ehre komme, aber ich werde desöfteren gefragt,
wie man am besten derartige Mitzieher hinbekommt. Hier meine Vorgehensweise:
Die Kamera auf Zeitvorwahl einstellen und die Zeit etwa nach dieser Formel wählen:
1s durch doppelte Geschwindigkeit des Motivs in km/h. Z.B. 1/60s bei 30km/h usw.
Diese grobe Annäherung gilt für eine KB-Film-/Sensorgröße, also 35mm. Cropfaktor entsprechend berücksichtigen!
Das gibt schon einen deutlichen Wischeffekt. Längere Zeiten kann man natürlich
auch wählen, wann man es sich verwacklungsfrei zutraut.
Mitzieher kann man eigentlich mit jeder Brennweite machen.
Auf der Rennstrecke empfiehlt sich aber - aus einleuchtenden Gründen wie
Sicherheitsabstand, Formatfülle etc. -
eine Brennweite zwischen 100 und 400mm zu verwenden.
Länger geht zwar auch, aber die dann notwendigen Tüten lassen sich nicht mehr so einfach handhaben.
Die Kamera auf Autofokus mit Nachführmodus (falls möglich) einstellen.
Das Motiv im Sucher unter Berücksichtigung der voraussichtlichen
Bewegungsrichtung verfolgen und im richtigen Moment abdrücken.
Möglichst ohne die Kamera dabei noch wild zu verreissen :)
Es kann helfen, ähnlich wie beim Golfsport, dem Ball bzw. dem Motiv noch nach dem
Schlag hinterherzugucken.
Ein Stativ ist nicht nötig, ausser man hat sehr fette Linsen im Einsatz.
Der IS (Bildstabilisator) an Canons Objektiven auf Stufe 2 kann auch helfen. Dieser verhindert vertikale
Verwacklungen bei horizontalen Mitziehern.

Bei diesem Bild Betrug die Belichtungszeit 1/180s. Zusätzlich wurde ein Polfilter
eingesetzt (damit trotz relativ weit geöffneter Blende noch etwas Licht geschluckt,
und die Belichtungszeit länger wird).
Das Motorrad fuhr ca. 130km/h, also ist dieser Mitzieher schon relativ lang.
Selbst mit viel Übung gelingen solche Aufnahmen nicht immer.
Es ist i.d.R. erstrebenswert, dass "wichtige" Teile scharf werden - also die, auf die das Auge beim Betrachten normalerweise zuerst fixiert wird.
Wie z.B. Kühlergrill, Kennzeichen, Helm etc.
Trotz aller Übung passiert es bei langen Mitziehern oft, dass der scharfe Punkt etwas zu weit davor oder dahinter liegt.
Das passiert dann, wenn man nicht genau diesen Punkt mitgezogen hat, sondern etwas zu schnell oder zu langsam war.

Auf obigem Bild sieht man, dass der Auspuff schon etwas verschwommen ist.
Das liegt nicht an einer zu geringen Tiefenschärfe, sondern daran, daß sich die Perspektive im Laufe
der Aufnahme im hinteren Teil (also dem Teil, der nicht im Zentrum des Mitziehers lag) geändert hat,
während sie sich vorne nicht verändert hat (zumindest nicht stark genug).
Dagegen kann man nichts machen, ausser das Motiv bewegt sich auf einer Kreisbahn um einen herum,
dann ändert sich an der Perspektive natürlich nichts.

Soviel für's erste. Weitere Fragen kann ich gerne beantworten.

Kommentare 30

  • Marianne aus der Schweiz 22. März 2020, 9:28

    Tolle Anleitung. Ich bin gerade beim Ueben und dank Deiner Anleitung klappt es ziemlich gut !
  • Daniela Mildner 1. Februar 2017, 16:20

    wow, schöne Aufnahmen und jetzt auch noch ne Anleitung. Find ich super :)
    Lieben Gruß aus Meitingen
    Dani
  • IlGu 10. Oktober 2009, 10:20

    Hallo Martin, danke für die Anleitung zum mitziehen. Mir als Anfänger hilfst Du damit sicher weiter und ich freue mich auf die nächste Gelegenheit es auszuprobieren. Danke also und Dir ein schönes Wochenende... Ilona
  • frenzy 19. September 2009, 11:19

    schönes Foto und vielen Dank für diese Erklärung! Habs mal zum Nachlesen in meine Favoriten gespeichert. Werde mich darin demnächst auch mal probieren.
    LG
    frenzy
  • Holger Born 16. April 2006, 13:26

    Hallo Martin,
    bin eher zufällig auf Deine Anleitung gestoßen.
    Der letzte Teil, dass Teile des Fahrzeugs unscharf werden, ist mir auch schon aufgefallen und habs hier versucht zu erklären:
    Die Idee mit dem Pol- oder Graufilter gefällt mir gut - hätte eigentlich selber draufkommen können.
    Hatte meistens die Blende zu weit geschlossen, und dadurch eine unerwünschte Tiefenschärfe erkauft.

    LG Holger
  • Thomas Gärtner 3. August 2005, 10:14

    hallo,
    wollte gestern auch mitzieher machen, habe mit tv gearbeitet: zwischen 2 und 6 sec.
    war leider alles weiss. kannst du mir weiterhelfen?
  • Ralf Hamester 13. Mai 2005, 11:05

    Tolles Tutorial! Du solltest Dich mit zusammentun und die Anleitung in veröffentlichen! Viele Grüße, Ralf
  • Heiko Sattler 9. November 2004, 21:39

    Sehr schön dynamisches Foto und super beschrieben!

    @Klaus...
    so hoch ist der Ausschuss mit 'ner Kompaktknippse im AF-Modus nun auch wieder nicht - sagen wir mal 75% ;-)

    Gruß
    Heiko
    Rallye Deutschland '04 - SUBARU Impreza WRC
    Rallye Deutschland '04 - SUBARU Impreza WRC
    Heiko Sattler
  • Klaus (sixtyeight) Kupfer 2. Juli 2004, 20:37

    Hi, gute Beschreibung!

    Für nicht DSLR Nutzer sei noch gesagt das man bei Vorhersehbaren Entfernungen (Rundstrecke, Motocross, Leichtatletik etc.) solche Aufnahmen mittels Manuellem Fokus, auf eine Stelle an der das Motiv vorbeikommt, und dem Auslösen zum richtigen Zeitpunkt, solche Aufnahmen auch machen kann. Mit dem lamen AF der Kompakt Digis hat man sonst 100% Ausschuß.

    MfG Klaus
  • Martin Pluskota 14. Juni 2004, 15:50

    Hi Tim!
    Wie der Name schon sagt: Beim Mitziehen zieht man mit dem Motiv mit.
    Du behältst das Motiv die ganze Zeit im Sucher und löst im passenden Moment aus (z.B. dann, wenn der Hintergrund gerade besonders schön ist oder der Fahrer am höchsten Punkt des Wheelies ist)
    Grüße, Martin
  • Tim Viper 14. Juni 2004, 15:41

    fokusierst du vorher eine stelle an, an der du dann abdrückst wenn das objekt an dieser stelle ist oder fokusierst du im sportmodus imm das bike an???
    ich muss noch sehr sehr viel üben:
    wheelie?
    wheelie?
    Tim Viper

    :-(
  • Martin Pluskota 13. April 2004, 11:26

    Meistens nur mit dem mittleren Feld.
    Erstens ist es einfacher das Motiv in der Mitte zu halten, anstatt irgendwo in der Ecke - zweitens ist der mittlere Sensor (zumindest bei der 10D) empfindlicher als die anderen.
    Ab und zu benutze ich aber auch andere Felder oder alle, wenn ich sicher gehen kann, dass kein anderes Objekt den Autofokus aus dem Takt bringen kann *g*
  • Marcus Künzel 13. April 2004, 11:14

    Autofocus: Arbeitest du dabei mit Mehrfeldmessung oder nur mit einem einzelnen Meßfeld ?
  • Martin Pluskota 1. April 2004, 16:53

    Schon ganz gut!
    Die Unschärfe am Helm würde bei mir gerade noch so durchgehen - könnte man zumindest so deuten, dass der Fahrer richtig mit der Maschine zu kämpfen hat.
    Der helle Hintergrund ist für die Belichtung nicht unbedingt förderlich - abgesehen davon, dass er auch nicht besonders hübsch ist.
    Aber daran kann man oft nichts ändern...wenn das zum Beispiel der einzige Sprung auf der Strecke gewesen wäre :D

    Cu, Martin
  • Günther Weinerth 1. April 2004, 16:35

    war n erster Versuch meinerseits vor zwei Wochen gewesen. Hab einfach mal ausprobiert, wie's am besten kommt

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    Günther Weinerth


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