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Alm am Rand des Schweigens

Alm am Rand des Schweigens

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Manne Herrmann

DE
Premium (Basic), Langenau

Alm am Rand des Schweigens

Der erste Weihnachtsfeiertag versprach feinstes Bergwetter – bei eher mäßigem Schnee in den unteren Lagen. Normalerweise stehe ich für sowas mitten in der Nacht auf, damit ich zum Start in den Tag schon irgendwo geschniegelt am Spot stehe und so tue, als wäre das alles ganz leicht.

Aber manchmal muss auch Ausschlafen sein. Also wurde das Vorhaben elegant ans Ende des Tages verlegt: Aufstieg am späten Nachmittag. Rund 650 Höhenmeter – ideal, um die Auswirkungen der Kalorienzufuhr der letzten Tage wieder in halbwegs normale Bahnen zu lenken. Quasi Cardio gegen Plätzchen.

Der Weg: überwiegend ein alpiner Waldpfad. Und der hatte überraschend ein paar gruselige Tiefblicke im Angebot, die ich so nicht auf dem Schirm hatte. Aber gut – wenn man halt an einer Klamm entlang muss, dann bekommt man eben gratis Nervenkitzel dazu. Zum Glück hielt sich der Schnee in Grenzen, sonst hätte ich noch zusätzlich Schlitterkurs gebucht.

Oben dann: was für ein Träumchen. Nebel im Tal. Blaue Stunde. Und das Wettersteingebirge mit voller Präsenz – ein gewaltiger Gebirgsstock, der diese magische Faszination ausstrahlt, bei der man automatisch leiser wird.

Und wer hat sich bitte ausgedacht, dass an so einem Platz auch noch eine kleine Alm stehen muss? Als ob die Landschaft nicht schon episch genug wäre. Nein, da steht sie – und erledigt den Landschaftsfotografen endgültig mit Charme.

Ich war im Fotografenglück. Aber: Alles hat ein Ende. Ich musste ja noch runter. Der schmale Weg war mit Stirnlampe gut zu finden, und die gruseligen Stellen waren nachts auch gar nicht mehr so sichtbar – perfekte Lösung.

So bin ich wieder heil am Auto angekommen. Und das ausklingende Fotografenjahr hat mir zum Schluss noch ein kleines Highlight geschenkt.

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