#27/2025
Willkommen zu Agora - Bilddiskussion intensiv
Wir freuen uns, dass Du Dich intensiver mit diesem Foto auseinandersetzen möchtest.
Bei Agora liegt der Schwerpunkt auf der Wahrnehmung und Interpretation des Fotos
- NICHT in dessen Bewertung -
Es handelt sich bei diesem Bild um eine Fotografie
~.~.~.~
Diese Leitfragen können Dir dabei helfen, in die Welt des AGORA-Fotos einzutauchen
1. Was nehme ich wahr? (analytisch)
2. Wie interagieren die verschiedenen Elemente im Bild? (analytisch)
3. Welche emotionale Wirkung entfaltet sich bei mir? (emotional)
4. Welche Botschaft, welche Bildaussage, welche Geschichte erkenne ich? (Interpretation)
Du willst wissen, warum diese Fragen einen Unterschied machen?
https://news.fotocommunity.de/bildbetrachtung-der-weg-aus-der-wortlosigkeit/
~.~.~.~
Auf diese Weise erhältst Du die Möglichkeit, ein Foto eingehend zu erforschen und (möglicherweise) faszinierende und neue Aspekte zu entdecken, die Deine Fotografie auf ein neues Level heben können. Gleichzeitig erfahren die Bildautoren, welche anderen Interpretationen des Fotos existieren. Sie entdecken neue Blickwinkel und können so über ihr Foto und dessen Entstehung nachdenken.
*** Wichtig ***
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Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 21. Juli 2025, 7:09
Die Diskussion hier ist jetzt beendet.AGORA wird unter dem folgenden Bild fortgesetzt:
#28/2025
Agora 3.0 - Bildbesprechung intensivAgora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 19. Juli 2025, 7:48
Eva B. schreibt:"Vormittag. Heimfahrt nach einem Termin. Heute mal in einer der wenigen Hochflurbahnen (die ich in der Vergangenheit eigentlich immer nur erwischt habe, wenn ich Kinderwagen/Buggy dabei hatte und kaum rein und raus kam…).
Es ist heiß, laut, rumpelig.
Zum Glück nicht so viele Menschen in der Bahn. Vor mir zwei Personen, eine in leuchtendem Rot, die andere in leuchtendem Türkis und dazu diese Licht/Schattenlinien. Reflexartig greife ich nach dem Handy und mache Fotos. Die Farben, die mich zuerst haben fotografieren lassen sind gar nicht deutlich zu sehen. Dafür die Linien, ein großes X, als sei das Bild durchgestrichen. Ich mache, wie immer in solchen Situationen mehrere Aufnahmen, die Bahn fährt, Licht und Schatten verändern sich ständig, ebenso das Draußen. Nicht wirklich planbar. Aber wenn man Glück hat, kommt ein passendes Bild raus. Und siehe da, eines, bei dem die Schattenlinien deutlich sichtbar sind und zusätzlich das Außen das X ergänzt.
Das Bild ist nicht ausgerichtet, was wieder einige zu stören scheint, mir aber einfach nicht wichtig ist. Die ganze Bahn ist alt und schebb, wie man ja auch an der einen Fensterstrebe und daneben dem vermeintlich schrägen Pfosten sieht.
Das Bild zeigt einen kurzen Augenblick in dem alles so ist, wie es ist. Nicht wirklich reproduzierbar. Ein flüchtiger Moment.
Danke euch allen, die sich mit dem Bild beschäftigt haben. "
Matthias von Schramm 16. Juli 2025, 12:14
Man sieht, wie aus einem "Käfig" ein "Käfig" herausragt. Die Linien links sind schräg, dynamisch und weitschnittig sozusagen. Die linke Bildseite wird also von Dynamik geprägt, zeigt durch das Linienkonstrukt Bewegung. Und dies in einem Gefährt, welches sich selbst mutmaßlich bewegt. Insofern hat das ganze Bild etwas von einer Art Mobile, welches nach Definition eigentlich ein aus Stäben, Fäden, Teilen frei hängendes Gebilde ist. Hier hängt eigentlich nur eine Grafik im Raum, gebildet durch Sonne, harte Schattenlinien, Fenster, Ampeln und Schildern ausserhalb des Gefährts und Haltestangen innerhalb von diesem und einer schwarzen Linie um einen Hut.Wir befinden uns in der inneren Verschlankung einer Straßenbahn, wenigstens vier Passagiere sind von hinten eindeutig und locker verteilt sitzend und stehend über den Fahrgastschlauch wahrzunehmen und bilden das alltägliche Ambiente so einer Fahrt im öffentlichen Nahverkehr. Oben erscheint eine künstlich erzeugt wirkende Lichtlinie am Fahrgastraumhimmel. Das Innere der Straßenbahn zeigt einen baulich nicht mehr ganz neuen sachlichen Charme und wirkt dennoch nicht historisch. Jedoch würde ich hier weiter sehr gerne mit meiner Kamera sitzen und den weiteren Verlauf der Szenerie beobachten. Einfach diese linearen Lichtveränderungen, dass sich über die Zeit veränderte Fahrgastklientel. Eine schon alltägliche Szene, die allerdings recht romantisch auf mich wirkt.
Vornehmlich blau (Himmel draußen), orange, rot und gelb wirken farblich auf den Betrachter ein, der grade nach vorne schauend keinen schrägen, sondern nun eher einen graden "Käfig" sieht, eine Art "Schutzkäfig" für Passagiere. Ausgerichtet scheint aber das Bild nicht zu sein.
Davon abgesehen, dass für mich die Straßenbahn immer ein faszinierendes Fortbewegungsmittel war, eigentlich auch ästhetisch die technische Weiterentwicklung der Linienkutsche mit Pferdegespann, wenn auch alles andere als barrierefrei und wenig Raum gebend für alle potenziellen Passagiere, frag ich mich für das Bild, ob dieses bei so einer starken zum Teil verwirrenden Grafik die vielen Farbinformationen braucht.
Es gibt überstrahlte Momente im Bild und kneife ich die Augen zusammen, so erscheint mir die gute Möglichkeit einer monochromen Version als sehr gegeben. Das Bild zeigt halt enorm viel grafische Details und die Anordnungen scheinen im eigentlichen Sinne nicht besonders geordnet. Um etwas mehr Ordnung schaffen zu können, kann ich mir ein herausheben der vielen Linien und somit der Blickwege sehr gut vorstellen.
Eine komplexe, sehr schöne Vorlage.
Clara Hase 15. Juli 2025, 21:50
Titel könnte sein: eine Linienfahrt - verdammt jetzt sitze ich hier drin und draußen ist so feines WetterPS
ferner fällt mir auf, das die Bahn sehr schmal ist, Drei Plätze nebeneinander mit Mittelspur. Sitze warme Farben und gepolstert.
Weil sie so schmal ist, könnte es eine historische Bahn sein. Warum das Deckenlicht bei diesemSonnen und Lichteinfall an ist, erschließt sich mir nicht.
Fahrgäste übersichtlich in der Anzahl.
Optisch ein angenehmes Foto
_anders_varnaemen_ 15. Juli 2025, 15:03
Wenn ich einen Verbesserungsvorschlag machen darf:Linien gelten ja als starkes Werkzeug zur Komposition. Und die stärksten Linien sind oft die unsichtbaren (!) Linien, zum Beispiel Geh- oder Blickrichtungen.
Bei einem Foto wie diesem wäre es gut, wenn vorn eine Person sitzt und aus dem Fenster in die Ferne schaut, dann gäbe es eine sehr dominante unsichtbare Linie nach außen. Und wenn diese sich dann mit den sichtbaren Linien perfekt verbindet - sowas ist fantastisch.
JF R 15. Juli 2025, 12:24
Linien dominieren allgemein dieses Foto. Durch die zusätzlich eingeengte Perspektive wird der Blick gezielt in Richtung Bildmitte gelenkt.Die Diagonalen Linien überwiegen im Bild und werden außerhalb des Hauptmotivs konsequent weiter geführt, Schienen, Geländer und die Oberleitung, dazu noch die angescnittene Treppe zum Bahnsteig bilden die außen liegenden Linien. Im Inneren sind es die Rahmen der Fenster und die Beleuchtung, die die Blickführung unterstützen. Zusätzlich folgen die Maserung der Wandverkleidung und der Handgriff im rechten, oberen Viertel dieser Richtung.
Die horizontalen Linien des Sitzes im Vordergrund stoppen aber zunächst den Blick, jedoch der diagonale, auf seiner Rückenlehne befindliche Schatten entschärft diese Wirkung etwas.
Durch diesen unterbrechenden Schatten wirkt das Bild ein wenig wie zweigeteilt, die eine Seite heller und im Licht, mit dem Fahrgast am Fenster sitzend und die andere im Schatten. Auch hier wird die Lichtführung durch den Sitz im Vordergrund unterbrochen, dessen Sitzfläche sich nicht im einfallenden Sonnenlicht befindet.
Es entsteht bei mir der EIndruck, als säße ich mitten drin. Ein Blick, den ich auf meinem Weg nach irgendwohin täglich so erleben könnte, keine besondere Situation sondern eher normaler Alltag.
_anders_varnaemen_ 15. Juli 2025, 11:19
Kein Schnappschuss "out of the box", sondern ein Bild in einem sehr ungewöhnlichen Seitenlängenverhältnis irgendwo zwischen 3:4 (was billige Kompaktkameras und Handys in der Regel machen) und 4:5 (was analoge Großformatkameras machten).In der Tat: die Linien machen es, sie werden wohl "das Motiv" (englisch "the subject") gewesen sein. Denn die Subjekte selbst werden so wenig prominent abgelichtet, dass sie hier pures Beiwerk sind.
In Sachen Kontrastumfang ist mir das Foto entweder schon von der Kameraeinstellung her oder aber durch die Nachbearbeitung zu "HDR-mäßig", mit stark reduziertem Dynamikumfang und leicht Disney-mäßig bunten Farben im "Orange & Teal"-Look, aber das ist sicher Geschmackssache. (Meine eigenen Bilder sind vermutlich vielen zu dunkel.)
Das Bild ist llinks oben am hellsten (und der Himmel zudem farblich sehr intensiv) und rechts (innen) am dunkelsten, das entspricht unserem normalen Seheindruck, aber die Sitzfläche ist unnatürlich hell und kontrastreich und zieht meinen Blick deshalb immer weg von den Linien auf den Sitz. Statische Bilder wie dieses wirken m.M.n. besser, wenn man unten eine gewisse Schwere und Dunkelheit hat.
Emotional gibt mir das Bild gar nichts. Intellektuell erkenne ich hier gutes "foto-GRAFISCHES Sehen" des Biildautors.
framebyframe 15. Juli 2025, 11:14
Ein Mann sitzt in der Strassenbahn und schaut sich die Menschen von 'hinten' an....Schnell ist der Betrachter dieses Bildes hingegen gelangweilt, denn es gibt nicht viel zu interpretieren. Sonnenlicht von links, Lampenlicht von oben lassen eine kompositorische Absicht erkennen. Aber reicht ein erhellter leerer Sitzplatz um dem Bild eine Tiefe zu geben? Sehen wir nicht eher eine beliebige Fahrt um die Mittagszeit im Sommer in einer mäßig besetzten Strasenbahn. Der Mann mit Strohhut sieht auch nur andere Fahrgäste von hinten. Jemand erzählte mir mal, dass er nicht mit der Strassenbahn fährt, weil er nicht neben jemand sitzen möchte den er nicht kennt. An diese Regel scheint man sich bei der Wahl des Sitzplatzes auch gehalten zu haben. Ein Strohhut macht noch keinen Sommer.
Vielleicht sollte hier gerade eine Anonymität dargestellt werden. Da wünscht man sich, dass der Fahrscheinkontrolleur kommt, damit was passiert.
mahu01 15. Juli 2025, 7:49
Eine Alltagsszene in der Strassenbahn: Leute sitzen in den Bänken und starren so vor sich her oder zum Fenster raus.Ausser der Fotograf: er beobachtet und versucht Stimmungen einzufangen. So auch hier!
Diese typische Szene wurde treffend eingefangen. Speziell sind die Sonnenstrahlen und die sich dabei ergebenden Schattenwürfe, welche wunderbare Linien zeichnen.
Überhaupt lebt das Bild stark von der Linienführung: Die von den Fenstern gebildete Linie (links und rechts), die Linie der Beleuchtung sowie die von der Beleuchtung erzeugte Linie (Reflektion) im Fenster und die Kabel draussen weisen den Weg nach vorne.
Spannend: die Linie des Fensters links zeigt aber auch gleichzeitig nach schräg unten, wenn man dem Schatten folgt. Zudem zeigen die Haltestangen vertikal nach unten.
Als störend empfinde ich jedoch, dass das Bild «verzerrt» ist: die Stange rechts bewegt sich aus dem Bild – die Sitzkante ist auch schief.
Kurzum: eine typische Alltagsszene mit interessanter Linienführung.
NewLandscape 14. Juli 2025, 17:55
Eine Szene in einer Straßenbahn. Ich schaue von hinten nach vorn in den Waggon. Zwei Leute sitzen vor mir, in der Lücke dazwischen steht eine Frau weiter vorn. An den Seiten schaut man durch die Fenster in die Umgebung. Der Sitz direkt vor mir ist leer. Darauf sehe ich den Schattenwurf des Fensters, ein trapezförmige helle Fläche, die einmal von einer Strebe geteilt wird.Die vordergründig realistisch-dokumentarischen Elemente des Bildes sind banal. Ein paar Menschen, die man von hinten in einer Straßenbahn sieht. Hier gibt es nichts, was mich interessiert. Nur der helle Sonnenfleck auf der gepolsterten leeren Sitzbank vor mir fasziniert mich. Der Schatten der oberen Fensterstrebe läuft über den Arm eines der Männer vor mich bis zur Abteiltrennwand, die Sonne lässt diese gelb leuchten. Dieses Gelb führt mich zum Gelb der Lampen, die sich als Linie durch den gesamten Waggon ziehen und eine gegenläufige Linie bilden. Jetzt entdecke ich auch die Spiegelung der Lampen in der Fensterscheibe, die wieder parallel zu den Stromleitungen des Nachbargleises verläuft. Der Rahmen des Fensters links führt Richtung Fluchtpunkt ins Bild, um dann senkrecht nach oben abzuknicken. Unter der Decke des Waggons eine reflektierte Spiegelung des Sonnenlichts, parallel zu den Lampen, in spitzem Winkel zur ursprünglichen Sonneneinstrahlung. Vor dem Fenster ein schräger Abgang, der einen spitzen Winkel mit dem Nachbargleis bildet. Dazu gegenläufig der Waggon als Tunnel, die Öffnung in der Zwischenwand ein Portal. Und mitten in all den spitzzulaufenden Linien eine Haltestange, senkrecht, aufrecht – ich weiß, ganz senkrecht ist sie nicht, aber sie sieht senkrecht genug aus. (Früher, als ich oft versucht habe, Architektur in Fotografik umzusetzen, war „die eine senkrechte Linie“ eins meiner Konstruktionsprinzipien, die dem Bild Halt geben sollten. Ob das hier beabsichtigt ist, weiß ich nicht, aber zusammen mit dem senkrechten Teil des Fensterrahmens stellt sich der Effekt bei mir ein. Da könnte man sich sogar eine Art Drittel-Komposition denken.)
Diese grafische Seite des Bildes stellt für mich die eigentliche Geschichte dar. Es bereitet mir Vergnügen, den verschiedenen Linien zu folgen und sie zu verbinden (und vielleicht gerade dadurch, dass diese Linien nicht übermäßig betont werden, sondern ganz natürlich wirken). Dann fällt mir auf, dass die drei Personen, die einigermaßen deutlich auszumachen sind, alle nach vorn schauen. Wenn man heute in der Straßenbahn sitzt, schauen eigentlich alle nach unten auf ihr Handy. Vielleicht gibt doch eine andere Geschichte hier? Wer schaut heute schon noch nach vorn, auch im übertragenen Sinne? Wenn ich mir einen Bildtitel überlegen müsste, würde ich mich wahrscheinlich auf den Mann mit dem Hut beziehen, weil er von den Personen am ehesten im Zentrum steht: „Herr X auf dem Weg nach Y“. Aber die größte Faszination bleibt, wie schön es werden kann, wenn man die Dreidimensionalität der Welt in die zwei Dimensionen des Fotoapparats verwandelt.
LG, A