#26/2025
Willkommen zu Agora - Bilddiskussion intensiv
Wir freuen uns, dass Du Dich intensiver mit diesem Foto auseinandersetzen möchtest.
Bei Agora liegt der Schwerpunkt auf der Wahrnehmung und Interpretation des Fotos
- NICHT in dessen Bewertung -
Es handelt sich bei diesem Bild um eine Fotografie
~.~.~.~
Diese Leitfragen können Dir dabei helfen, in die Welt des AGORA-Fotos einzutauchen
1. Was nehme ich wahr? (analytisch)
2. Wie interagieren die verschiedenen Elemente im Bild? (analytisch)
3. Welche emotionale Wirkung entfaltet sich bei mir? (emotional)
4. Welche Botschaft, welche Bildaussage, welche Geschichte erkenne ich? (Interpretation)
Du willst wissen, warum diese Fragen einen Unterschied machen?
https://news.fotocommunity.de/bildbetrachtung-der-weg-aus-der-wortlosigkeit/
~.~.~.~
Auf diese Weise erhältst Du die Möglichkeit, ein Foto eingehend zu erforschen und (möglicherweise) faszinierende und neue Aspekte zu entdecken, die Deine Fotografie auf ein neues Level heben können. Gleichzeitig erfahren die Bildautoren, welche anderen Interpretationen des Fotos existieren. Sie entdecken neue Blickwinkel und können so über ihr Foto und dessen Entstehung nachdenken.
*** Wichtig ***
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*Kommentare, die nichts zur inhaltlichen Diskussion des Bildes beitragen, Fragen zum Prozess, destruktive, bewertende und/oder verletzende Anmerkungen, werden von den TeilnehmerInnen u. LeserInnen gemeldet und durch die fotocommunity Administration geprüft und ggf. geahndet *
Um Dein eigenes, bisher unveröffentlichtes Bild in Agora zu präsentieren, bitte nutze diesen Link:
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Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 14. Juli 2025, 8:18
Die Diskussion hier ist jetzt beendet.Agora wird unter dem folgenden Bild fortgesetzt:
#27/2025
Agora 3.0 - Bildbesprechung intensivNikoVS 13. Juli 2025, 20:51
Mein Bild diese Woche in Agora. Eine spannende Woche. Viel gelernt, viel erfahren, viel bekommen. Mehr kann man nicht erwarten. Eine klasse Erfahrung. Gerne wieder.Danke an alle. Wir lesen uns!
NikoVS 12. Juli 2025, 13:08
Hier noch ein paar Ergänzungen zur Bildentstehung: Beim ersten Durchsichten der Bilder abends auf unserer Ferienterrasse dachte ich bei einigen Aufnahmen, der Bildausschnitt sei etwas zu eng - zu wenig von den Motiven auf den Bildern drauf. Ergo bin ich zwei Tage später noch mal losgezogen. Diesmal mit dem 28er. Bei den anderen Motiven sind auch gute Ergebnisse dabei. Diese Ecke hier habe ich allerdings nicht mehr aufgenommen. Nur ein Blick durch den Sucher. Sowohl links, als auch rechts empfand ich viel zu viele andere, störende Bildelemente. Zudem war es an diesem Tag sonnig, das Licht zu der Tageszeit zu grell und damit die Kontraste zu stark. Deswegen blieb es bei dieser einzigen Aufnahme mit dem 50er. Manchmal ist weniger doch mehr.JF R 12. Juli 2025, 8:25
Mein erster Eindruck war:Eine typische Hinterhofszene. Hier ist der Arbeitsbereich, abgeschottet von den Blicken der vorbei laufenden Personen. Die Paletten sprechen für sich, die Fenster verwehren den Blick ins Innere. Der Blick zwischen den Häusern hindurch auf das gegenüber liegende Gebäude und die Blätter im Licht lassen die "Sonnenseite" auf der anderen Seite des Hinterhofes erahnen. Ein alter Drehsessel für die kurze Zigarettenpause, bevor es wieder weiter geht. Die Farbe der Wände und der partiell abblätternde Putz lassen bessere Zeiten in der Vergangenheit erahnen. Es könnte überall sein.
Und dann las ich Mickey Mouse!!!
Also ehrlich - dieser Vergleich ist für mich derart zutreffend, daß es mir jetzt schwer fällt mich von diesem inneren Bild zu lösen.
Aber danke für dieses Bild, es zeigt eine realistische Alltagssituation und das mag ich.
Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 12. Juli 2025, 6:55
NikoVS schreibt:"Hallo Community,
Liebes Agora-Team,
erstmal ein Dankeschön an alle, die das Bild betrachtet haben und an das Agora-Team für die Veröffentlichung. Und klar - ein besonderes Danke an alle Kommentatoren, die sich mit dem Bild beschäftigt, es beschrieben und interpretiert haben.
Das Foto ist während eines Urlaubs nach Pfingsten in einem schönen Hafen- und Ferienort an der Ostsee entstanden. Fotografieren stand eigentlich nicht auf der Urlaubs-Agenda. Es sollte ein Familien- und Erholungsurlaub werden - ohne viel Aktivitäten. Am Pfingstsonntag hat es geregnet. Daher gab es ein Alternativprogramm zu Meer & Strandkorb. Den verregneten Nachmittag im Ferienhaus zu verbringen, war mir zu langweilig. Spontan kam mir der Gedanke, alleine auf Motivsuche zu gehen - Zeit für mich und mein Hobby. Und so zog ich mit der Kamera und dem 50er los. Für Postkarten war es zu nass und zu trübe. Und ganz ehrlich - Postkarten bei blauem Himmel sind ohnehin nicht mein Ding. Also suchte ich Motive am Hafen abseits des Ferien-Rummels. Motive, die andere vermutlich gar nicht fotografieren würden. Ich suchte bewusst nach Schmuddelecken und Hinterhöfen und bin tatsächlich fündig geworden. Eine kleine Werft mit alten Schiffen, alter verrosteter Technik und viele ähnliche Motive am Industrie-Kai haben es mir spontan angetan.
Auf dem Rückweg bin ich dann eher zufällig an dieser Ecke vorbeigekommen. Die Kamera war ausgeschaltet und ich war wegen den passenden Aufnahmen, die ich bereits im Kasten hatte, mehr als zufrieden. Lauter Schmuddel- und Hinterhof-Motive, so wie ich es mag. Diese Ecke mit der farbigen Wand, dem alten Stuhl und den Paletten hat mir gleich gefallen. Ich musste sie auf jeden Fall noch fotografieren. Sie befand sich zwischen zwei Fischrestaurants direkt am Hafen. Hinter mir eine mit Plexiglas “eingezäunte” Terrasse samt großen Sonnenschirmen. Dort gibt es leckere Fischspeisen und tolle Fischbrötchen - die ich an den folgenden Urlaubstagen selber genießen durfte. Die Terrasse war mit Gästen randvoll und es roch nach Fisch. Das 50er war relativ lang für dieses Motiv - also musste ich mich an die rückwärtige Scheibe fast schon anlehnen und fühlte mich irgendwie beobachtet. Vermutlich haben die Gäste gedacht - was fotografiert der denn da? Es sollte daher alles schnell gehen. Die Perspektive und der Ausschnitt intuitiv. Viele Gedanken zu Bildgestaltung und Komposition habe ich mir nicht gemacht. Kamera ausrichten, passende Blende, scharfstellen und auslösen. Ich war an diesem Nachmittag zufrieden. Zeit für mich, für Motive und mein Hobby!
Bei der RAW-Entwicklung habe ich nur an der Gradationskurve gedreht. Beschnitten und ausgerichtet ist das Foto nicht.
Den Gedanken an Agora hatte ich erst einen Tag später. Und einige Zweifel: Passt das Bild überhaupt zu Agora? Erfüllt es die Kriterien? Gibt es Interesse am Bild?
Jetzt bin ich froh, dass ich es eingereicht habe. Eure Beschreibungen und Interpretationen sind für mich wertvoll und ich sehe mittlerweile mein eigenes Bild mit ganz anderen Augen. Durch eure Beiträge habe ich viel Neues über mein Bild erfahren. Die Antwort auf meine fiktive Frage - was fotografiert der denn da - war mir zum Zeitpunkt der Aufnahme selbst nicht bewusst. Jetzt sehr wohl. Danke euch dafür!
LG NikoVS"
Gerhard Körsgen 10. Juli 2025, 14:46
Es ist eine Fotografie, klar, aber der allererste Eindruck bei der Betrachtung war bei mir eher der von Farbfeldmalerei der abstrakten Expressionisten.https://de.wikipedia.org/wiki/Farbfeldmalerei
Diese große dunkel-lila Fläche, flankiert von dunklem Grau, dominiert schon sehr, "erschlägt" aber nicht alles sondern macht die kleinen, andersfarbigen oder nahezu gleichfarbigen aber doch abgesetzten Elemente gefühlt wichtiger, zum Beispiel diesen dunkelblauen "Zettel" auf der dunkelgrauen Tür links oder der dunkellila quadratische "Fleck" unterhalb des Fensters, auch die dunkelgrüne Stoffrolle auf den Paletten, der schwarze Bürostuhl...
Auflockernd bezüglich der "Strenge" ist diese "Lücke" mit dem Durchblick auf Regenrinnen, Gestrüpps/Pflanzenfragmente und Teile einer roten Wand halblinks.
Und dann gibt es ´noch das Fenster welches eine bis zwei zusätzliche Ebene/n zusätzlich eröffnet, je nach Betrachtungsweise.
Eher nebenbei kommt die Wettersituation heraus: Es hatte wohl kurz zuvor geregnet, weite Teile des Bodens sind noch feucht, aber nicht nass, keine Pfützen.
Eigentlich schlicht, aber dennoch "ne Menge los".
Eine Sicht und Perspektive die mir sehr geläufig ist, ich gehe so weit sagen zu können "könnte glatt von mir sein", ist es aber nicht ;-)
Die "halbrechte Mitte" mit Fenster , Bürostuhl und dazwischen diesem "Fleck" geben in der Tat pareidolisch den Eindruck eines leicht schielenden Gesichts welches gerade einen launischen Kommentar spricht, den Mund leicht verziehend (Fenster : die Augen, Fleck: die Nase, Bürostuhl: der Mund).
Mir gefällt der Kontrast aus stark farbgesättigter Großflächigkeit versus der Kleinteiligkeit der "Accessoires" und insbesondere das zusätzliche "Ebenenangebot" des Fensters, welches ich aber erst so richtig würdigen kann wenn ich es mir größer zoome: Manche Darstellungen benötigen irgendwie mehr Fläche um zu wirken, nicht alle, diese aber (für mich) schon.
Das Fenster größer macht dann aus der vermeintlichen Brückenspiegelung etwas ganz anderes und viel mehr, für mich eine Art "Aha-Effekt" nachdem ich den restlichen Bildraum optisch "abgegrast" habe.
Ein "Nichtmotiv-Konzeptbild" bei dem alle Bestandteile wichtig sind und es nicht darum geht was da eigentlich zu sehen ist sondern wie die Einzelkomponenten zueinander in Bezug stehen, wie das "Ensemble" aussieht und wirkt.
Und was das dann mit einem macht.
Mit Sicherheit nicht mehrheitsfähig in Sinne von "schöner Fotografie" eines fc-Galerievotings, aber genau die Art von Foto bei der ich gerne die 5 € in s Phrasenschwein einwerfen würde für "gut gesehen" oder es am Besten gleich so oder sehr ähnlich selbst gemacht hätte.
Gefällt mir ausgesprochen gut und ist glaube ich das Erste aller agora-Beitragsbilder welches ich mir favorisiere.
Daumen hoch, leicht überstreckt ;-)
framebyframe 9. Juli 2025, 10:03
Mit etwas Fantasie könnte man in den beiden Fensterscheiben dieses in violett gehaltenen Hinterhofensembles die Augen eines Insektes oder sonstigen Wesens erkennen. Das heisst der Betrachter wird betrachtet, eigentlich. Gut, dass dieses Wesen die ansonsten wenig aufregenden Elemente, ein Palettenstapel und ein ausrangierter Sessel, nicht sehen muss.Matthias von Schramm 8. Juli 2025, 14:50
Ich sehe etwas, was ich als Anregung für eine Inneneinrichtung, evtl. für ein Büro betrachte. Vorlage für einen Innenarchitekten durch recht ungeschönte, aber doch hübsche Hofatmosphäre. Ein Haus, ein privater Hinterhof, oder ein Gewerbehof. Frische Paletten aus Holz, ein verwaister moderner Drehstuhl aus einer Inneneinrichtung, Bilder die an das Meer erinnern, hinter einem doppeläugigen Fensterrahmen mit spiegelndem Glas. Die Bilder scheinen aber auch wie zwei Augenschlitze schelmisch zu blinzeln. Vornehmlich dunkles violett und schwarz, dazu ein paar weitere Farbtupfer an den Hauswänden. Im Hintergrund Rohre an den Rinnen, dazu passend in diesem Hof die Spuren von feuchtem Wetter. Oben links wird es Licht, als schaue man aus einem Dach nach draußen und grüne und orange Töne fallen ein. Das Ganze ist vor allem Farbe, ist wohl eine Hoflandschaft, passte aber eben so gut als Wohnlandschaft. Es bräuchte fast nur einen Menschen dazu und ich erinnere mich an "Das deutsche Wohnzimmer" und das legendäre Fotobuch von Herlinde Koelbl.Verputzte Flächen und vor allem die Farbgebung sind Grundlage für ein Foto, welches sich hier gerade in dieser Form einfach anbietet. Dabei fasziniert mich insbesondere dieser kleine Einblick von aussen zwischen zwei Gebäudeteilen, der der ganzen "Gemütlichkeit" noch einen gewissen "Industriecharme" verleiht, einen sehr freundlichen dieser Art. Alles ist ein wenig gebraucht und in die Jahre gekommen, behält aber gewissermaßen in diesem Ausschnitt Eleganz und Schick. Es mutet auf seine etwas gebraucht schicke Weise an, auch als Filmkulisse für Low Budget Produktionen dienlich zu sein. Ich stelle mir auf dem Drehsessel John Cleese vor, wie er die hölzernen Europaletten als Schreibtisch verwendet und den berühmten Satz spricht: "and now for something completely different" (gleichnamiger Film erschien 1971). Dabei lass ich mich in Anbetracht zu diesem Foto zu der Phrase hinreissen, dass Fotografie manchmal auch eine gute Portion Humor verträgt. Und diesen positiven Humor empfinde ich hier durchaus.
N. Nescio 8. Juli 2025, 14:26
Fein detailreiches Bild. Formaler Aufbau mit einander korresponierenden Rechtecken/Vierecken, Vertikalstrukturen. Leicht kontrastiert durch die Dachrinnenbögen, dem orange Mauerstück dahinter samt sonnigem Blätterast und durch das, was an Vegetation im Schattenreich sichtbar ist. Diese kontrastiert auch farblich mit den gedämpften Rottönen. Ein grünes Tuch auf den bräunlich-gelben Holzpaletten.Der nasse Betonboden unansehnlich, etwas verschmutzt und mit ein paar Plastikmüllstückerln.
Interessant ist die Spiegelung durch die beiden hintereinanderliegenden Fensterscheiben des Doppelfensters. Durch den unterhalb der Rollo liegenden Fensterteil ist klar, daß es sich um Spiegelungen handelt und nicht um Gegenstände im Rauminnern. Die Scheiben dürften nicht so verzogen sein, daß man links das selbe sieht, wie rechts, sondern jede spiegelt einen anderen Teil der beiden Sonnenschirme und des Liegestuhlstapels von gegenüber.
Stimmung trübe, interessante Farben.
Danke fürs Zeigen.
elstp 8. Juli 2025, 13:44
Wichtig ist für mich hier das, was durch die Flächen, den Abstellraum-Charakter und die Farbe ‚verborgen‘ wird, nämlich durch die Ablenkung von dem im Dunkel liegenden Winkel links, den ich mit einem Schauer aus Neugier, Geheimnis und, ja doch, auch Gefahr wahrnehme.Das eigentliche Leben der Bewohner hier findet sicher sicherlich eher drinnen statt - aber davon erfährt man nichts.
Der Weg nach hinten raus, dieser Winkel, der wird nur selten benutzt, vermutlich ist dort ein kleines Tor, denn das Nachbargrundstück ahnt man, weil es dort grünes Laub gibt.
Was ich sehe, sehen darf, ist nicht sonderlich einladend, sich dazu etwas zu denken; es ist eben eine Abstellfläche für Dinge, die gerade nicht genutzt werden, aber an einen Abfallort fühle ich mich auch nicht erinnert. Wichtig wird also dadurch das, was hier nicht zu sehen ist!
Gibt es einen Bezug zu meiner Wahrnehmung meines persönlichen Lebens, dass ich dieses Bild so spannend finde?
Das macht die Kraft des Autors aus, wenn der Betrachter darauf aufmerksam wird, dass er Fragen hat, für die die Antworten im ungewissen liegen, nicht so offensichtlich sind, wie wir das von einem Bild vielleicht erwarten.
Gruss LILO
felixfoto01 8. Juli 2025, 13:15
"Oh ein Gesicht", sagte ein Kumpel zu mir, als wir dieses Bild gemeinsam ansahen.Die Fenster sind die Augen (halb geschlossen), der rote Kasten/rote Fläche die Nase und der Stuhl ein spitzer Mund. Ich kann das nicht mehr nicht sehen. Eine Micky Maus als Hauswand.
Das Bild bräuchte das nicht, weil sein formaler Aufbau an sich schon eine wesentliche Qualität ist. Beim Betrachten des Bilds höre ich die Stimme von Paulus Goerden, der diese Zufalls-Installation bespricht.
https://www.instagram.com/paulusgoerden
GL photo 7. Juli 2025, 15:10
Der Hinterhof zweier Gebäude mit in die Jahre gekommenem Verputz, eine schwarze Tür im schmalen Gang zum Nebengebäude, einige gestapelte Paletten und ein ausrangierter Bürostuhl.Die verwitterte Farbgebung erzeugt den kontrastreichen Hintergrund für ein weisses Doppelfenster, in dessen Scheiben eine abstrakt wirkende Ornamentik erscheint.
Für mich ist dies der deutlich herausragende und damit prägende Teil des Fotos, weshalb ich dem Drumherum weniger Bedeutung beimesse.
Die Bilder im Fenster könnten eine Spiegelung sein, obwohl ich die eventuell gespiegelte helle Szene nicht vor diesem dunklen Ort vermuten würde.
Oder es könnte etwas sein, was sich hinter den Scheiben befindet. Ich meine, dort zu drei Vierteln heruntergelassene durchscheinende Rollos zu erkennen. Dahinter könnte sich ein Schiebevorhang befinden.
Alles in allem ein spannendes Bild mit einem sehr dekorativen Geheimnis. Mir gefällt es.
Silvia Vera 7. Juli 2025, 10:55
Der erste Blick auf das Bild verwirrt mich. Mein Blick sucht nach einem Anker, an dem er sich festhalten kann. Es gelingt nicht. Warum? Das spiegelnde Fenster wirft mich aus dem Bild, wirkt wie ein "Stop", nicht weiter. Die Nische links neben der Tür zieht mich hingegen in das Bild, macht mich neugierig. Blende ich diese Nische aus, beschäftigt mich die Komposition von Fenster, Stuhl und Palletten. Ich stelle mir die Frage, was ich sehen würde, wenn ich auf dem Stuhl säße.Konzentriere ich mich auf die Nische, beschäftigten mich die grünen Blätter, die über die Mauer schauen. Ist da etwa ein Garten dahinter? Wie sieht er aus? Ebenso ungepflegt wie der Hinterhof? Oder ist es eine Oase, die alles hässliche der Außenwelt fern hält?
Die Frage, ob ich dieses Bild gemacht hätte, beschäftigt mich. Wohl eher nicht. Auch wenn mich die Farben abholen, die rosa Wandfarbe mit den dunkel gehaltenen Sockeln, geben der Szene etwas interessantes. Hätte ich zwei Bilder daraus gemacht? Hätte ich mich auf den Stuhl, die Paletten und den grünen Teppich konzentriert? Wäre ich an einem anderen Tag nochmals zu diesem Ort gegangen und hätte mich vom Licht inspirieren lassen? Vielleicht würden dann die Blätter im Sonnenlicht leuchten und der Hinterhof wäre im Schatten ...
_anders_varnaemen_ 7. Juli 2025, 6:31
Das erste, was mir an dem Bild auffällt, ist eine gewisse formale Strenge.Es hat ein 3:2 Querformat.
(Ich denke, wenn man es nachmessen würde, wäre es minimal breiter als 3:2, und deshalb vermute ich, dass es nicht beschnitten wurde, sondern genau so aus der Kamera kam. Ich habe auch Kameras, die kein exaktes 3:2-Format haben, sondern ein etwas breiteres, also statt 6000 x 4000 Pixeln zum Beispiel 6050 x 4000. Das hier sieht für mich so aus.)
Offenbar nach der "Drittelregel" haben wir rechts ein Quadrat. Ich sehe in diesem Quadrat ein weiteres "Bild im Bild", und zwar ein Fenster mit ungefähr 16:9-Format, und darin sozusagen zwei weitere kleine Hochformatbilder in klassischem 4:5-Format.
Unter dem Fenster sehe ich in Rot ein weiteres kleines 3:2 Querformatbild, und in diesem einen hellen Rahmen, der ein weiteres rotes Rechteck definiert..
Im linken Bilddrittel sind weitere Rechtecke und Quadrate zu sehen, besonders dominant ein blaues, aber perspektivisch bedingt sind es hier keine Rechtecke, sondern Trapeze.
Die blaue Farbe fällt besonders auf, da die anderen Farben im Bild keine "Primärfarben" (rot, gelb und blau) sind, sondern "Sekundärfarben" (viel lila, etwas grün und orange).
Die beiden Bilder im Fenster haben eine völlig andere Farbcharakteristik, sie erinnern mich in ihrer reduzierten Farbgebung ein wenig an Gemälde von Caspar David Friedrich oder an in trüben November geschossene Landschaftsfotos.
Etwas, was gar nicht in die formale Strenge passt, sind gestapelte Europaletten im rechten unteren Bereich. Durch solche Elemente wirkt das Bild trotz der durchdachten Komposition nicht sehr abstrakt, sondern "down to earth".
Etwas, das die geometrische Aufteilung unterbricht, ist ein rundlicher Bürostuhl. Je nach Phantasie des Betrachter erzählt er vielleicht eine Geschichte vom "Pause machen", oder aber er wartet dort auf seine Entsorgung.