#25/2025

Willkommen zu Agora - Bilddiskussion intensiv
Wir freuen uns, dass Du Dich intensiver mit diesem Foto auseinandersetzen möchtest.

Bei Agora liegt der Schwerpunkt auf der Wahrnehmung und Interpretation des Fotos
- NICHT in dessen Bewertung -

Es handelt sich bei diesem Bild um eine Fotografie

~.~.~.~

Diese Leitfragen können Dir dabei helfen, in die Welt des AGORA-Fotos einzutauchen

1. Was nehme ich wahr? (analytisch)
2. Wie interagieren die verschiedenen Elemente im Bild? (analytisch)
3. Welche emotionale Wirkung entfaltet sich bei mir? (emotional)
4. Welche Botschaft, welche Bildaussage, welche Geschichte erkenne ich? (Interpretation)

Du willst wissen, warum diese Fragen einen Unterschied machen?
--> https://news.fotocommunity.de/bildbetrachtung-der-weg-aus-der-wortlosigkeit/

~.~.~.~


Auf diese Weise erhältst Du die Möglichkeit, ein Foto eingehend zu erforschen und (möglicherweise) faszinierende und neue Aspekte zu entdecken, die Deine Fotografie auf ein neues Level heben können. Gleichzeitig erfahren die Bildautoren, welche anderen Interpretationen des Fotos existieren. Sie entdecken neue Blickwinkel und können so über ihr Foto und dessen Entstehung nachdenken.

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Kommentare 43

  • d-gorges 20. November 2025, 12:45

    Erinnert mich an den Film: Lola rennt. Zuerst sehe ich nur Chaos und Verwirrung. Für mich zeigt der große Blick der jungen Rothaarigen aber auch die Selbstwahrnehmung: "Was mache ich hier? Warum bin ich so hektisch, so grell, so ohne jede Weile!?" "Was macht mich aus und gefalle ich mir so!?" Rechts oben in der Ecke eine fast bedrohliche Alltagsszene am Esstisch mit Kindern, das Schhwarz- Weiß macht es noch trostloser. Sollte eine Szene am esstisch nicht familiäre Zufriedenheit darstellen? Wovon will sich diese junge Frau abgrenzen? Was will sie aus der Vergangenheit loswerden? Süießigkeit und Normen? Dabei sind ihre rotgetönten Haare, selbst schon eine Norm der Wilden, der Rebellen geworden! Ich finde das Bild großartig und es regt an, zu immer neuen Gedankengängen.Für mich ganz große gespiegelte Kunst! Chapeau!
  • Silvia Vera 7. Juli 2025, 10:25

    Beim ersten Betrachten des Bildes war ich verwirrt. Es schien mir nur Chaos vorzuherrschen. Der Blick der Rothaarigen zog mich ins Bild, aber nur kurz. Zu stark beschäftigte mich der rechte Bildrand. Was hat es mit dem blauen Balken, den Gesichtern auf sich? Wie passt das zur Frau? Und warum läuft die auch noch rum? Ich brachte es nicht in meinem Kopf zusammen und ich fand keine stimmige Interpretation für diese Bild. 

    Dass es sich um Lola rennt handelt, wußte ich nicht. Ich kenne den Film nicht, kenne die Handlung nicht. Das Hauptmotiv macht mich atemlos. Ich hetze im Bild herum. Ob es mich zum nachdenken einlädt? Nein, ich denke nicht. Denn es stört mich zusehr der rechte Bildteil. Er läßt bei mir nicht zu, mich entspannt und interessiert auf das Motiv einzulassen. Meine Augen gleiten ab, meine Gedanken schwirren davon. Es gelingt mir nicht eine bleibende Erinnerung an dieses Bild in meinem Kopf abzuspeichern. Etwas, bei dem es sich lohnt, es irgendwann mal wieder vor mein inneres Auge zu stellen um darüber nachzudenken, mich zu erfreuen oder mir einfach Lust auf den Film zu machen.
  • Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 7. Juli 2025, 6:01

    Die Diskussion hier ist nun beendet. 
    Agora wird unter dem folgenden Foto fortgesetzt:
    #26/2025
    #26/2025
    Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv
  • Viktor Braun 5. Juli 2025, 13:04

    Mein erster Eindruck ist: Das ist etwas zu viel des Guten. Das bild erzeugt zwar durchaus das Hecktikgefühl, das dem Film entspricht, aber es wirkt auch etwas überladen, auch ein wenig beliebig in der Zusammenstellung der mehrfachen Belichtungen.
  • Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 5. Juli 2025, 6:23

    Klaus Wessela schreibt:
    "Das Bild entstand Ende 2023 im Weltkulturerbe "Völklinger Hütte".
    Vom 15.10.23-15.09.24 war dort die Ausstellung "Der Deutsche Film", 1895 bis jetzt zu sehen.
    Die Ausstellung fand in der Gebläsehalle statt. Zwischen Aggregaten und Maschinen gab es zahlreiche Videowände, auf denen die Filme liefen. Natürlich nicht die ganzen Filme, sondern nur mehrminütige Clips. 
    Üblicherweise bekommt man einen Audioguide, auf den ich aber bewusst verzichtete.
    Ich wollte fotografieren.
    Nachdem ich mir einen Überblick über die Location verschafft hatte, blieb ich bei dem Clip von "Lola rennt" hängen.
    Die meisten Filmclips waren eher ruhig, fast beschaulich...es ging ja zum Teil auch um ältere Filme. "Lola rennt" ist dagegen hektisch, dynamisch, rasant und bunt.
    Das hat mich fasziniert.
    Für mich stellte sich die Frage: Kann ich diese Dynamik fotografisch in einem Bild wiedergeben?
    Eine Mehrfachbelichtung aus dem laufenden Clip schien mir einen Versuch wert.
    Ich sah mir den Clip einmal komplett an, dann war klar was ich abbilden wollte. Die rennende Lola.
    Das fertige Bild besteht nun aus 4 einzelnen Aufnahmen, die kameraintern übereinander verarbeitet wurden.
    Den Standpunkt beim Fotografieren musste ich für jedes Einzelbild verändern.
    Die einzelnen Rahmen sind ja deutlich sichtbar. 
    Dadurch ergab sich der rechte, dunkle Bereich mit der blauen Ecke, oben rechts.
    Dort ist eine Videowand, auf der ein anderer Film läuft erkennbar sowie irgendwelche Streben der Hallenkonstruktion.
    Die Farbartefakte im mittleren Bildbereich sind wohl durch das stapeln hellerer Bildteile in den einzelnen Aufnahmen entstanden.
    Das Bild ist nahezu unbearbeitet und nur wenig beschnitten.
    Das Bild ist chaotisch, dynamisch, bunt, laut, vermeintlich fehlerbehaftet.....aber es drückt das aus, was ich fotografisch abbilden wollte.
     
    Vielen Dank nochmals, liebe Grüße,
     
    Klaus"
    • Sag mal Micha 5. Juli 2025, 16:49

      Mich freut, dass sie da war und eine Verbindung zum Komplexen ermöglichte. Andere faszinieren wegrennende, rothaarige Frauen, so isses eben.
    • Gerd Scheel 5. Juli 2025, 16:55

      Du siehst eine Verbindung.
    • Matthias von Schramm 6. Juli 2025, 11:15

      @Gerd Scheel  Ja, mittlerweile sehe ich sogar eine inhaltliche Verbindung zur SW Szene, die vielleicht etwas unbewusst zur Tage trat. Siehe die Ausführungen und Antworten zum Post von Eva. Ich hatte nur zunächst bei diesem Bild keine Lust mich neben der prägnant ikonischen Abbildung "Lolas" mit vermeintlich "Rudimentärem" zu beschäftigen. Das gab das Bild vorerst für mich nicht her ... vorerst!
    • Gerd Scheel 6. Juli 2025, 11:47

      Moin Matthias,
      gerade weil Klaus es so nebensächlich
       - Dort ist eine Videowand, auf der ein anderer
      Film läuft erkennbar. -
      Dann hatte Agora auf die rechte Ecke
      aufmerksam gemacht und für mich,
      für den der Film einer der emotionalsten war,
      und in Johannestorf vor der Kulisse stand.
      Aber es ist so ok
      und nach HH Sonntags-Gruß
      Rena und Gerd.
      PS - Gerade noch in -msn- Berliner Zeitung.
      Schlingensiefs Anwalt und Kettensägenschwinger 
       Dietrich Kuhlbrodt tritt im Kino Krokodil
      zur Filmvorführung, Gespräch und Buchpremiere auf.
      Guter Artikel.
  • Eva B. 3. Juli 2025, 11:58

    Ein kurzer Blick auf das Bild geworfen und direkt höre ich Thomas D. in meinem Kopf. Ich finde es immer wieder spannend, wie Bilder/Szenen mit Liedern verknüpft sein können. Was ich bei dem ersten kurzen Blick gesehen habe ist klar. Lola. Sie rennt. Gleich drei mal. Irgendwie überlagert. Gab es das so als Szene im Film? Oder wie kommt das hier zustande? Drei Lolas ergibt Sinn, der Film hat ja schließlich auch drei alternative Enden. Es ist bunt. Laut. Eben wie Lola. 
    Aber was ist da rechts zu sehen? Oben das blaue Eck mit Schrift. Und darunter eine schwarzweiße Szene. Es wirkt kalt. Die Gesichter die ich sehe wirken erstarrt, leer. Auch hier wieder scheinbar dreifach überlappt. Darunter wird es schwarz. In der Schwärze sehe ich ein paar Linien, Streben oder Leitungen. Das rechte untere Eck wirkt ein wenig U-Bahnig auf mich. Zusätzlich könnte durch die schwarz-weiß Szene eine Säule zu sehen sein, neben dem Gesicht das am weitesten links ist. Vielleicht handelt es sich hier um einen Monitor, der sich in einem Bahnfenster spiegelt.
    Der sich ergebende Kontrast aus bunt und laut und dann rechts farblos kalt und eher leise ist auf jeden Fall interessant. Und hier höre ich wieder Thomas D. , …es fressen mich Dämonen auf…‘ und die kalten Gesichter rechts beginnen dämonisch zu werden..

    https://youtu.be/Wk0jJfQvLmU?si=Mb_o7b70KgkFWAQi
  • Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 2. Juli 2025, 10:45

    das Offensichtliche dieses Bild ist doch schnell erkannt:
    das Bild zeigt gespiegelte Sequenzen aus dem Film "Lola rennt". 
    Aber es gibt mehr in dem Bild zu sehen...
    • Clara Hase 2. Juli 2025, 23:09

      zweifach einen mürrischen Jungen eine etwas haarlosen Mann und der Junge 
      auch gespiegelt. Mir gibt das nicht wirklich etwas und von dem Film höre ich erstmals etwas.
      Ein Tisch ist gedeckt mit Suppentellern, aber nichts drin. 
      suppenkasper, und weglaufen?
    • Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 5. Juli 2025, 19:51

      Eigeninterpretation Team Agora:

      1.Was nehme ich wahr? (analytisch)
      Wir sehen ein Bild, das sich nicht sofort erschließt – und genau das gefällt uns.
      Im Zentrum sticht das Gesicht einer Frau mit roten Haaren heraus. Es wirkt direkt, eindringlich, fast konfrontativ. Sie schaut uns an – oder durch uns hindurch.

      Gleichzeitig taucht dieselbe Frau ein zweites Mal auf, laufend, auf einem Bürgersteig. Vielleicht ist es Berlin, vielleicht eine andere Großstadt. Die Szene hat etwas Filmisches, Dynamisches, als würde sie sich in einer Endlosschleife immer wieder abspielen.

      Je länger wir schauen, desto mehr erkennen wir: Das Bild besteht aus mehreren Ebenen. Mehrere Räume, mehrere Fragmente – überlagert, verschoben, ineinander geschoben. Und doch scheint alles zusammenzugehören.

      2.Wie interagieren die verschiedenen Elemente im Bild? (analytisch)
      Die verschiedenen Bildelemente arbeiten miteinander – und gleichzeitig gegeneinander.
      Das Gesicht ist der Fixpunkt, darum herum entfaltet sich Bewegung. Die zweite Figur bringt Tempo, flüchtige Präsenz, ein Gefühl von Übergang.

      Die Linien der Architektur treffen auf unscharfe Formen. Lichtreflexe flirren über Oberflächen, Schatten durchschneiden die Tiefe.
      Es gibt keinen klaren Vorder- oder Hintergrund – nur ein komplexes Geflecht aus Schichten.

      Was wir sehen, ist keine Momentaufnahme im klassischen Sinn. Es ist eher ein visuelles Feld, in dem Bewegung und Stillstand gleichzeitig existieren.

      3.Welche emotionale Wirkung entfaltet sich bei mir? (emotional)
      Das Bild lässt uns nicht los. Nicht, weil wir es sofort begreifen – sondern weil wir es nicht vollständig greifen können.

      Wir spüren eine Mischung aus Neugier und Unruhe.
      Es ist kein Bild, das schnell antwortet. Es fragt zurück.
      Es zieht uns hinein, ohne sich ganz zu öffnen.

      Mit der Zeit lesen wir es nicht mehr wie eine Szene, sondern fast wie Musik: mit Wiederholungen, Pausen, Brüchen und Spannungen.
      Vielleicht ist das, was uns so berührt, gar keine Geschichte – sondern ein Gefühl.
      Ein innerer Zustand. Eine Erinnerung. Ein Echo.

      4.Welche Botschaft, welche Bildaussage, welche Geschichte erkenne ich? (Interpretation)
      Vielleicht erzählt das Bild nicht im klassischen Sinn – vielleicht verweist es.
      Auf einen Gedanken, einen Bruch, eine Bewegung zwischen Entscheidung und Erinnerung.

      Wir fragen uns:
      Ist das ein Rückblick? Ein innerer Film? Eine Version einer Geschichte, die nie eindeutig war?
      Oder vielleicht ein Versuch, mehrere Möglichkeiten gleichzeitig sichtbar zu machen?

      Was das Bild nicht zeigt, ist fast ebenso wichtig wie das, was es zeigt. Es lässt Raum. Es bleibt offen.
  • Matthias von Schramm 1. Juli 2025, 13:30

    Als "Lola rennt" in die Kinos kam, wurde der Film in vielen Medien stark beworben. Ich war damals 1998 auch im Kino. Der Bildlauf mit der rennenden Franka Potente in der Hauptrolle, ist für mich ein ikonisches laufendes Bild vom Ende des letzten Jahrhunderts. So eine medial bekannte Szenerie hier in multiplen Überlagerungen zu sehen, ist wie eine ein wenig flüchtige Zusammenfassung vom damaligen Kinoschlager unter der Regie von Tom Tykwer.

    So sehr bekannte Motive lenken immer ein wenig auf die Historie ab und ich mache mich auf die Suche nach fotografischem Tun und Ergebnis und das eigentliche Bild. Sieht man einen Monitor, sieht man ein Plakat, sieht man eine vorliegende Collage? Ich liebte eine Zeit lang analog mehrfach zu belichten, sog. Videobilder übereinander zu legen, etwas kantig und ungenau ineinander laufen zu lassen und dabei das Mittel der Präzision weitestgehend zu ignorieren. Das ist hier geschehen. Farblich dominiert die grüne Hose und vor allem die feuerroten Haare der Protagonistin das Geschehen. Diese beiden Elemente ragen heraus. Man sieht in den eingefrorenen Szenen Dynamik und eine gewisse Sportlichkeit einer Schauspielerin, die damals das ideale Alter einer Sportlerin hatte (ca. 23-24) und auch für so einen Sprint vor der Kamera ausreichend trainiert schien.

    "Lola" rannte ein paar Mal in diesem Film. Diese Sprints in dem Film sind also u.a. maßgeblich und in diesem Bild mindesten drei Mal ausstaffiert und angedeutet. Das Bild ist laut, aufsaugend, zumutend und die Augen überfordernd. Eine Komposition die random wirkt. Der komplette rechte Streifen und das obere Bild (wohl auch eine Filmszene) wirken wie Fremdkörper. Sind sie gewollt, ist es zu viel, sind sie durch bewusste Ungenauigkeit entstanden, so hat dieses gewiss digital erzeugte bunte Od den Ausdruck von Ideenpower. No high res, overlapping bluring, blurred.

    Ein Beitrag, der mich an frühere fotografische Phasen meines Lebens erinnert, sehr munter ist und mir das Gefühl gibt, ich stehe in einem Atelier und werfe mich kreativ austobend Farben auf die Leinwand. Die Erinnerung an solche Emotionen ist gut.
  • N. Nescio 30. Juni 2025, 23:37

    das chaos rennt panisch vor etwas, das ich nich weiß, weg und stürmt auf mich, unvorbereiteter, ein. glaube nicht, daß ich schnell genug bin, um per handy hilfe herbeizurufen. vielleicht ists auch nur eine von ihrem mann und kindern genervte frau, die den wohnblocks entkommen will - aber ich hab nichts damit zu tun - warum also in meine richtung? ich will nicht flüchten, nur in ruhe meinen kaffee trinken. so ein streß jetzt. dreifach stürmt die auf mich ein.

    Sehr bunt. Der unsichtbare Schreimund im goldenen schnitt. Rechteckig Querformat. Rechts dunkle vertikale Streifen. Oben rotschreiaugen Querstreifen. Darunter linkslastige spiegelvierecke mit dynamischem fluchtlinieninhalt und grünlaufhose, häuserfrontstrasse zugeparkt. Ineinandergeschachtelte multispiegelungen samt leicht schrägem Bildschirm. Ein RätselBild, das Aufmerksamkeit erregt. Der Film ist nix für meine Nerven. Zigarette, Kaffee im tarnzelt mit Vögeln rundherum ist mir spannend genug. Mittags dann am Berg Fernblick bei Kaiserschmarren.

    So, nun hab ich gegoogelt und weiß, warum die wilde rennt. Drück ihr die Daumen.

    Ich denke, es ist ein Werk, kein Versuch.
    • N. Nescio 2. Juli 2025, 13:29

      Ist schon ok. Ich beschreibe, was ich sehe, aber auch fühle und interpretiere. Ohne zu googeln. Ich und das Bild. Das ist sehr exakt für mich und ich hab nicht immer recht - das darf jeder wissen.

      Weiters glaube ich nicht, dass der Autor für den alten Film werben wollte oder des Filmes Handlung darstellen wollte, sondern sah oder suchte die komplexe Konstellation, um meine Emotion und Spürsinn und ästhetiklust zu füttern. Das Bild ist eindeutig keine Doku über den Film und wollte es Wsl nie sein - nur gute Fotografie.
  • Gerhard Körsgen 30. Juni 2025, 19:48

    Was man hier sieht ist eine Sequenz als Standbild des Kinofilms "Lola rennt".
    Deutlich ist die Protagonistin, gespielt von Franka Potente, zu erkennen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Lola_rennt
    Interessant sind die vielen sich überlagernden Ebenen die einen Mix aus Durchblick und Spiegelung darstellen.
    Rechts oben sieht man eine andere Szene, ebenfalls in mehreren Ebenen und mit implementierter Doppelung/Spiegelung.
    Ich vermute die Auslage eines Radio/Fernsehgeschäfts mit großformatigen Screens/Displays dahinter.
    Mich erstaunt dass das bisher wohl keiner erkannt hat, der Film war seinerzeit sehr bekannt und es gab darin viele Sequenzen mit Parallelmontagen, hier sieht man eine davon.
    Die Farbsättigung der Aufnahme erscheint mir etwas hoch, wie das schon mal bei Fotos von Bildschirmen passieren kann wenn man nicht nachreguliert oder anders voreinstellt.
    Diese scheinbar "chaotische" Aufnahme hat für mich schon eine gewisse Ordnung, wenngleich ich einräumen würde dass man das hier leicht als "too much" empfinden kann.
    Der bekannte Fotograf und Fotokurs-Ausrichter Wolfgang Zurborn würde das Foto möglicherweise als "geschwätzig" ansehen (das ist jetzt allerdings eine Mutmaßung, ich habe ihn dazu nicht befragt).
    Nach meinem Gefühl macht diese zusätzliche Ebene rechts oben sozusagen "ein Fass zuviel auf", wäre es mein Foto hätte ich diese wahrscheinlich weggelassen, da die beiden Handlungsstränge  meines Erachtens nichts miteinander zu tun haben.
    Es sei denn es ging um die Farbe Blau die zum expressiven Rot, Gelb und Türkisgrün des Hauptteils des Fotos dann doch ganz gut ergänzend passt.
    Dann würde auch die überstarke Sättigung wieder Sinn machen.
    Ich werde also nicht ganz schlau draus aber genau das mag ich ja.
    Es lassen sich noch andere Interpretationsansätze finden, aber mit dem obigen will ich erst mal gut sein lassen.
    Lob für diesen Beitrag.
    • N. Nescio 2. Juli 2025, 17:37

      Da schaut doch aus dem finstern ein ängstliches Gesicht hervor … der fühlt wie ich, wenn er das rote. Feuerwerk auf sich zurennen sieht. Es ist nach den Regeln des dadaismus, wo alle kausalität aufgehoben ist, egal, in welche Richtung er schaut - er ist im Bild mit Absicht, das reicht, um einen Zusammenhang herzustellen.
      Ich liebte mal 7 Jahre lang eine tolle rothaarige. Daran liegts nicht :-)
    • Gerhard Körsgen 2. Juli 2025, 17:45

      Dass rechts oben "was ist" hatte ich ja schon geschrieben.
      Ein anderes Bild, eine Szene wahrscheinlich aus einem anderen Film.
      Das sieht aus nach einem Jungen der mit einem Mann der mit dem Rücken zum Betrachter steht zusammen in einem Raum ist in dem ein Tisch mit Suppentellern und Löffeln gedeckt ist, möglicherweise ist der Mann der Butler, der Knabe der Sohn seines Arbeitgebers, es wirkt altenglisch-gediegen,  ein Interieur wie aus alten englischen Kriminalfilmen der 50er bis 60er Jahre, gedreht in Schwarzweiss.
      Darüber und teilweise im Bild implementiert hat man kurze Fetzen englischer Worte,
      oben "that none...of even rem" 
      und unten noch fragmentarischer "and b...th..." .
      Das könnte also ein englischer Film sein, vielleicht ein Krimi mit Miss Marple , gezeigt im Original mit Untertiteln, die Eingangsszene nachdem mit Schrifttafeln der Plot und/oder Ort der Handlung beschrieben wurde.
      ...
      Sehe ich als "eher zufällig mit in s Bild geraten" an, da ich weder Korrespondenzen noch direkte Gegensätze ausmachen kann - das hat simpel einfach nichts miteinander zu tun, hat sich aber in diesem Foto nebeneinander "verirrt", meinem Empfinden nach.
      Macht das ohnehin schon verwirrende Foto noch etwas verwirrender ;-)
      Im Gegensatz zum Lola rennt kann ich hier nicht eindeutig ausmachen aus welchem Film das stammt.
      Wenn der Bildautor diese beiden Szenen, also die Mehrfachsequenz und die Einzelszene GEZIELT hätte miteinander kombinieren wollen wäre er wahrscheinlich akkurater gewesen in der Komposition. Er müsste aber beide Filme schon kennen und ein SEHR gutes Timing haben, das so abzupassen, wenn beide simultan laufen.
      Halte ich, bei allem Respekt, für eher unwahrscheinlich.
      Daher halte ich nach wie vor meine schon eingangs geäußerte "Farbentheorie" für das plausibelste Motiv dieser Kombination.
      Es kann natürlich ganz anders gewesen sein.
      Schau`n wir mal was am Ende `rauskommt.
    • Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 2. Juli 2025, 17:52

      Man könnte das auf der rechten Seite sicherlich ignorieren, gerade weil man dem Ausschnitt keinen Sinn beimessen kann - dieser Streifen rechts rückt diebunte Szene allerdings off-center und das sw bildet einen Gegenpol zum bunt-flashingen Hauptanteil. Die angeschnittenen Untertitel lassen das Bild mysteriös wirken. Warum wurde das Bild nicht beschnitten? 
      Wir glauben ja nicht an "Auflösungen", sondern dass jede(r) Betrachter(in) ihre eigene Interpretation schafft, die für jede Betrachtung richtig ist. 
      Und: Gerhard, Du warst mit dem Hinsehen eigentlich nicht gemeint, sondern die beiden anderen Herren Horst und framebyframe, die sich gerade in ihrer Diskussion vom Bild entfernten. ;-)
    • Gerd Scheel 4. Juli 2025, 9:46

      Gusti, ich bin erfreut,
      dass du noch DADA reingebracht hast,
      denn ich habe noch den thread
      100 Jahre DADA im Gedächtnis
      und möchte zustimmen, dass das rechts
      in diese Richtung gehen könnte,
      aber so sehr ich mich anstrenge,
      ich sehe keine Verbindung
      und mMn sollte man auch bei einem Agora Foto
      in Film-Nostalgie verfallen dürfen.
  • Rückkehrerin 30. Juni 2025, 19:18

    Lola rennt, und zwar auf mehreren Ebenen. Ich empfinde das Abfotografieren der Kunst anderer als langweilig. Was mich geradezu verstörend aus dem Bild zieht, ist der rechte Teil des Bildes. Mein Blick geht immer nach rechts, und ich versuche zu verstehen, was ich da sehe. Ich habe ein Störgefühl beim Betrachten.
  • _anders_varnaemen_ 30. Juni 2025, 12:28

    Ein gelungenes Foto befindet sich immer - um es Altgriechisch-Philosophisch auszudrücken: zwischen "Chaos" (oder sagen wir's Hebräisch: "Tohu wa Bohu") und "Kosmos" (Ordnung). Ein vollkommen chaotisches Foto ergibt genauso wenig Sinn wie ein hundertprozent geordnetes Foto, denn ersteres ist verwirrend, unverständlich, das andere ist langweilig, nichtssagend.

    Fotografen versuchen also, optimal komplexe Fotos zu machen (keineswegs maximal komplexe), und über dem Fotografen schwebt da immer dieses Schwert "KISS - keep it simple, stupid" .

    In diesem Agora-Foto sehen wir ein sehr komplexes Foto, in meinen Augen ein überkomplexes Foto. Ich glaube nicht, dass es ein "Streetfoto" ist, sondern meine, da waren vor vielen Jahren im Kino diese Plakate zu einem Film (den ich nicht gesehen habe).

    Die Idee mit der der großen Protagonistin oben und der kleinen laufenden Protagonistin unten gleichzeitig in einem Bild halte ich für eine gute, dass aber daneben dieselbe Person seitlich ins Bild hineinläuft ist in meinen Augen kontraproduktiv. Das Bild erscheint mir zu chaotisch. Zu viel Chaos, zu wenig Kosmos. Keine klare Bildaussage.

    Etwas störend finde ich auch die Autos. Wenn die Aussage der laufenden Frau beispielsweise "Flucht" sein soll, braucht man keine Reihe von parkenden Autos so prominent im Bild. Auch hier wäre "Keep it simple" sicher eine gute Empfehlung.

    Wenn es ein "Candid Street" ist, kann man sich das im Moment der Aufnahme oft nicht aussuchen, aber in der Post Production etwas mildern. Da dies aber wohl kein Streetfoto ist, sondern ein Abfotografieren von Plakaten oder Werbebannern, hätte der Fotograf meiner Meinung nach gut daran getan, die Elemente des Gesichts und der ins Bild rennenden Frau anders zusammenzubringen, ohne die seitlich laufende Frau und gern auch ohne die Autos.
  • elstp 30. Juni 2025, 9:39

    Mein Bildtitel: ‚Da kommt was in Bewegung‘ - nicht nur der Mensch, sondern auch die Betrachtungsweise könnte hier gemeint sein. 

    Die Frau kommt auf den Betrachter zu, sportlich, und positive Stimmung vermittelnd. Ihr Blick ist konzentriert, also auf ein Ziel gerichtet. Hinter ihr liegt perspektivisch gesehen eine weite zurückgelegte Strecke, ihre Vergangenheit, und vor ihr liegt ebenfalls noch ein Weg, nämlich ihre Zukunft, der Weg, der erst ein Ziel, dann ein weiteres und wieder ein neues Ziel darstellt. Und diesen Weg in seiner Gesamtheit meint die Sichtweise einiger Philosophen, wenn sie sagen ‚Der Weg ist das Ziel‘. Das Ziel selbst ist die Gesamtheit der zeitlich aufeinander folgenden Ereignisse und Etappen, die es zu leben gilt, und die eigentlich immer irgendwie vorübergehender Natur sind, weil man sie in jeder Lebensphase seiner persönlichen Reife entsprechend erlebt. 

    Das vorliegende Bild vermittelt mir, dass ein Richtungswechsel oft bedeutet, der vor einem liegende weitere Weg eröffnet neue Möglichkeiten und damit neue Hoffnung.

    Dargestellt wird das durch unterschiedliche Perspektiven übereinander gelegt, auch unterschiedliche Richtungen und unterschiedliche Lichtverhältnisse. 
    Zur Mitte hin wird es immer heller, Mittagshitze, während der äußere Rand noch fast auf Nächtlichkeit schließen lässt; ich sehe also einen vollen Tag, den einzigen Zeitraum, den ein Lebewesen bewusst erlebt. Vergangenheit und Zukunft lassen sich nur aus der Erinnerung heraus ‚sehen‘. 

    Gruß LILO