#22/2025
Willkommen zu Agora - Bilddiskussion intensiv
Wir freuen uns, dass Du Dich intensiver mit diesem Foto auseinandersetzen möchtest.
Bei Agora liegt der Schwerpunkt auf der Wahrnehmung und Interpretation des Fotos
- NICHT in dessen Bewertung -
Es handelt sich bei diesem Bild um eine Fotografie
~.~.~.~
Diese Leitfragen können Dir dabei helfen, in die Welt des AGORA-Fotos einzutauchen
1. Was nehme ich wahr? (analytisch)
2. Wie interagieren die verschiedenen Elemente im Bild? (analytisch)
3. Welche emotionale Wirkung entfaltet sich bei mir? (emotional)
4. Welche Botschaft, welche Bildaussage, welche Geschichte erkenne ich? (Interpretation)
~.~.~.~
Auf diese Weise erhältst Du die Möglichkeit, ein Foto eingehend zu erforschen und (möglicherweise) faszinierende und neue Aspekte zu entdecken, die Deine Fotografie auf ein neues Level heben können. Gleichzeitig erfahren die Bildautoren, welche anderen Interpretationen des Fotos existieren. Sie entdecken neue Blickwinkel und können so über ihr Foto und dessen Entstehung nachdenken.
*** Wichtig ***
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Bernd Jöhnk 19. Juli 2025, 23:06
Erster Gedanke, das ist nicht in Deutschland fotografiert, oder?denn hier ist das "KAUM" möglich.
LG Bernd
Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 16. Juni 2025, 6:50
Die Diskussion hier ist beendet, Agora wird unter dem folgenden Foto fortgesetzt:#23/2025
Agora 3.0 - Bildbesprechung intensivAgora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 14. Juni 2025, 6:14
Lars Ihring schreibt:"Ihr Lieben!
Danke für eure Beschäftigung mit dem Foto und eure unterschiedlichen Gedanken zum Bild und seinem Inhalt. Entstanden ist das Foto im Sommer 2009 in Salamanca, Spanien. Ich war damals auf einer Rundreise durch Spanien und Portugal – 21 Städte in 22 Tagen. Mein Ziel war es, die Reise und all die Eindrücke fotografisch festzuhalten, was mir jedoch nur bedingt gelungen ist. Oft fehlte schlicht die Zeit, um sich auf die Besonderheiten der einzelnen Orte einzustellen – oder ich war durch die langen Autofahrten einfach zu müde.
Das Foto entstand, nachdem wir unser Hostel gefunden, im Zwölfbettzimmer eingecheckt und zu Fuß die Altstadt – sofern man in Salamanca von einer Altstadt sprechen kann, irgendwie ist dort alles alt :D – erreicht hatten.
Fotografiert wurde mit einer Canon 350D, 70 mm Brennweite, 1/250 Sekunde bei Blende f/4. Durch die effektive Brennweite von über 110 mm war der Abstand zu den beiden Herren recht groß. Eine direkte Kommunikation zwischen uns gab es daher nicht. Am Tisch saßen zwei ältere Paare; am linken Bildrand ist noch die Hand einer der Damen zu sehen, ebenso gehört die sichtbare Kaffeetasse zu ihr. Was besprochen wurde, kann ich mangels Spanischkenntnissen nicht sagen – die Atmosphäre wirkte insgesamt freundlich und ruhig.
Der ältere Herr mit seinem markanten Gesicht und der klassischen Kleidung war für mich die Schlüsselfigur und gab den Impuls für das Foto. Seine spontane Geste, das leicht angehobene Kinn und der Griff an die Krawatte waren ein Glücksfall im Moment der Aufnahme. In meinen Augen liegt darin eine Mischung aus Eleganz, Selbstinszenierung, vielleicht auch Skepsis oder Stolz. Und genau das ist es, was das Bild für mich persönlich so spannend macht. Assoziationen zu "Der Pate" oder der Verweis auf die 1960er sind auch interessant und nachvollziehbar. Hier zeigt sich, dass das Foto irgendwie universeller, zeitloser ist.
Der gefühlt direkte Blick zum Betrachter lässt mich schon in gewisser Weise "zusammenzucken". Ich fühle mich ertappt und das ist, auch wenn die Situation vor Ort damals entspannt war, kein gutes Gefühl. Gut ist aber irgendwie, dass das Foto dies schafft, also diese Reaktion auszulösen. Es lässt mich nicht gleichgültig.
Es gibt auch eine Farbversion des Fotos, sie ist mir aber deutlich zu bunt – vor allem die roten Tischdecken lenken meinen Blick zu sehr vom Gesichtsausdruck und der Geste des Mannes ab.
Salamanca_0039
Lars IhringDie zentrale Positionierung stört mich persönlich auch ein wenig, aber das Originalbild bietet seitlich kaum „Fleisch“, und ein noch engerer Beschnitt hätte wichtige Bildelemente entfernt, die Hinweise auf Ort oder Stimmung geben.
Nochmals vielen Dank an alle Kommentatoren!
Liebe Grüße
Lars"
N. Nescio 12. Juni 2025, 23:14
Südländische Straßenszene. Links vorne eine mächtige festungsähnliche Mauer, links davon Teile eines Nadelbaumes. Geradeaus führt eine schmale Gasse rechts von der massiven Mauer vorbei, möglicherweise zu einem Platz. Man sieht dort ein zweistöckiges Haus mit Dach, Rauchfang und Fenstern. Links eine Menschentraube in normaler Straßenkleidung, die zu der festungsmauer (Museum, Kirche?) eilt oder sich zum Eintritt anstellt. Das Bild ist rechts von einer häuserfront entlang der Gasse begrenzt - an ihr sieht man eine herausragende Straßenlaterne befestigt.Das untere bildtitel ist mit kaffeehausKorbSesseln gefüllt auf zwei dieser sitzen an einem weiß gedeckten Tisch - Kaffeetasse und Brille drauf - zwei alte stämmige, eher mit wenigen Haaren, Männer im dunklen Anzug einander gegenüber. Einer, bebrillt, schaut Richtung Menschentraube, der andere Richtung Kamera, reckt den Kopf und richtet sich den krawattenknopf. Es scheint mir, er beobachte, welche Menschen aus kamerarichtung zur festungsmauer eilen - a la Bosse im Anzug beobachten, ob die Schäfchen, Frauen und parteigänger brav zur Kirche gehen oder sie erwarten jemanden.
Die beiden Männer bilden das interessenszentrum des Bildes. Krawattenknopf genau in Bildmitte.
Ich halte das für ein gutes street in sw.
Danke fürs zeigen.
Clara Hase 12. Juni 2025, 19:29
ichhabe die ganze Woche an dieser Szene gedäut:In einem verwinkelten Innenhof einer alten Stadt entfaltet sich eine Szene voller subtiler Spannung. Während sich Passanten in einer Ecke tummeln, bleibt der Fokus auf zwei betagte Herren – beide jenseits der siebzig, gekleidet in edle, aber leicht aus der Mode geratene Anzüge. Der breite Kragen des einen wirkt wie ein Relikt vergangener Zeiten.
Einer der Männer sitzt mit gebeugtem lecht zusammengesunkenem Rücken, die Brille auf der Nase, den Blick in die Ferne gerichtet. Er scheint nach Antworten zu suchen, grübelt er über sein Gegenüber oder über die Passanten im Gebäudewinkel?. Der andere hingegen wirkt unruhig. Mit gerecktem Hals und offenen Augen - etwas missbilligend, scheint er die Betrachter direkt anzusehen.Fragend, was los ist. Seine Finger zupfen an Krawatte und Hemdkragen, als ob die Luft plötzlich zu drückend geworden ist. Seine Brille liegt neben der Kaffeetasse, ob er etwas anvisiert? Nicht genau sehen kann?
Ein leiser Disput? Eine hitzige Diskussion, die sich unter höflicher Zurückhaltung verbirgt? War der Kaffee zu stark, die Worte zu laut? Oder hat ein Dritter sich eingemischt, um Frieden zu stiften oder neue Fragen aufzuwerfen? Die Szene trägt etwas von einem Kriminalstück – verborgen in Gesten, Blicken und Anzugfalten.
Worüber mögen sie sich uneins sein?
edit mit kleinen Veränderungen
heute denke ich, das Bild könnte heissen: der dritte Stuhl und der Blick könnte lauten: wo bleibt er denn? Aber, er hat ja gar keine Brille aufgesetzt - dami liesse es sich doch besser gucken.
Matthias von Schramm 12. Juni 2025, 12:34
Wenn ein Foto für mich etwas Zeitloses ausstrahlt und ich in der Zeitlosigkeit wandern kann, ohne zu klaren Antworten und Erklärungen zu kommen und ich mich beim wandern Wohlfühlen kann, dann ist es ein gutes Bild für mich. Im Zentrum einer Straßenszene richtet sich ein Mensch vermutlich im Aussenbereich eines Cafés oder Restaurants die Krawatte. Dies geschieht recht fotogen. Seine Gestik lässt mich an frankophile oder Italiano Filmbilder des 20. Jahrhunderts denken.Ich glaube hier Herren (einen zweiten mit schütterem Hinterkopf) einer Gesellschaft zu sehen, die sich an lauen Sommertagen in einer örtlich nicht ganz definierbaren Gegend befinden. Die Korb-Sitzgelegenheiten und runden Tische, sowie der Altstadt- Hintergrund würden mich eher auf südlichere Gefilde als Hamburg-Altona oder Hannover-Linden tippen lassen, dennoch muss das nicht zwingend so sein. Der Herr mit sichtbarer Krawatte an die er seinen gekonnten und erlernten Kunstgriff anwendet, hat eine Brille auf dem Tisch abgelegt und vor sich eine Tasse stehen mit einem vielleicht kaffeeartigen Getränk. Der Herr mit Rückansicht und "Seitgesicht" schaut an dem Hauptprotagonisten vorbei mit aufgesetzter Brille.
Schön setzen sich die beiden Herren vom Rest der Szene ab - sind klar erkennbar, während im Hintergrund Menschen, etwas Baum und älteres Gemäuer nur Staffage bilden. So wird das Motiv für den Fotografierenden zu einer Art "Theaterszene". Den zeitlosen Köpfen hochformatig ins monochrome dargestellt. Ein Foto welches auch absolut keine weiteren Farbinformationen für mein dafürhalten benötigt.
Ob der Herr mit und an der eigenen Krawatte (die ihm auch zum Verhängnis werden kann - der Begriff Vatermörder ist mir noch präsent) in einen Spiegel schaut, wie hier für möglich gehalten, kann ich freilich auch nicht sagen. Ich persönlich glaube es nicht. Ich meine er schaut nach innen, bzw. konzentriert sich, während er sich elegant dieses Ding da zurechtwurschtelt.
Man kann anmerken, dass dieses besondere Männergesicht genau im Zentrum des Bildes ist, anstatt sanft ein wenig mehr nach links oder rechts mehr motivische Ausgewogenheit darzustellen. Mich stört dies aber nicht, ich finde nichts ernsthaft nachteilig erfasstes bei diesem Menschenportrait im öffentlichen Raum der Straße.
P.S.
Mich erinnert die Haltung der beiden Köpfe im Vordergrund an alte Folgen der Sendung "Zur Person" von Günter Gaus der vor allem in den 1960er Jahren in SW Interviews vorwiegend mit PolitikerInnen der Zeit führte. Man sah immer nur den Hinterkopf des Gastgebers und vielleicht ein wenig seitlich sein Gesicht und den Gast gegenüber. Der Gastgeber immer (und noch ein Wortspiel unterzubringen) in Gaus scher Unschärfe ;) - letzteres habe ich übrigens nicht genau überprüft.
Gerhard Körsgen 11. Juni 2025, 11:16
Schöner Alltagsmoment "aus dem Leben" für den ich noch eine leicht andere Theorie habe was das "Unentdecktsein" des Fotografen anbetrifft.Ich könnte mir vorstellen dass der Mann zunächst den Kopf woanders hin gestreckt hat um dann in der Bewegung erst den Blick wieder zu fokussieren um DANN den Fotografen zu entdecken - im gleichen Moment machte es "Klick".
Daher ist die Mimik noch ganz im "bei sich sein".
Aber selbst wenn es anders wäre wirkt die Szene auf mich angenehm beiläufig und natürlich insbesondere ungestellt.
Thematisch bin ich hier bei u.a. Peter Turnley der auch gerne Cafe-Besucher (eher BesucherInnen) im/am Cafe de Flore in Paris ablichtet.
https://www.instagram.com/peterturnley/
Also ganz mein Geschmack !
Nicht so gut wie Peter (oder auch David-) Turnley, aber wer ist das schon ;-)
Beide Daumen hoch !
framebyframe 11. Juni 2025, 10:13
Ein Selfiespiegel mit Markierungsmarken für den Sitz von Krawatten. Das Alter scheint vor Eitelkeit oder Neigung zum korrekt gekleideten Kaffetrinken keine Rücksicht zu nehmen. Jemanden einen Spiegel vorhalten geht hier womöglich zu weit, da außer dem bloßen Abbild des Krawattenzupfens wenig zu interpretieren ist. Eine weitere Person am Cafetisch auf der Terrasse blickt gar gleichgültig am Korrekturgeschehen vorbei. Vielleicht hat man sich doch zu einem ernsteren Gespräch getroffen und gleich beginnt das Gespräch? Der Fotograf dieser Szene hat sich gewiß gut getarnt, daher die Option mit dem Spiegel. Die Szene ist dann auch schön in den Schärfefokus gerückt. Der Moment ist durchaus gut getroffen und S/W gibt dem Bild einen guten Anzug.Ralph.E 11. Juni 2025, 9:21
Da hat jemand wohl gerade ein Angebot bekommen, das er nicht ablehnen kann …Geuß
felixfoto01 10. Juni 2025, 16:33
Ich sehe ein Foto einer Szene im öffentlichen Raum. Ein Café oder, wegen der Tischdecke, im Aussenbereich eines Restaurants. Ich sehe zwei Männer auf Stühlen, Tische; im Hintergrund sehe ich mehrer Menschen, die sich in der Unschärfe verlieren. Die Männder im Vordergrund sind elegant gekleidet, mit Anzug und Krawatte, die Menschen im Hintergrund sind eher leger, mit kurzarmigen T-Shirts gekleidet. Den Ort kann ich für mich nicht wirklich festlegen, am linken Bildrand sehe ich einen (stacheligen) Baum, die Wände sehen verputzt aus. Für mich sieht es aus, als wäre der Ort irgendwo im Süden.Im Vordergrund ist ein Mann vom Fotografen / Betrachter abgewandt, der andere Man sitzt mit dem Gesicht dem Fotografen / Betrachter zugewandt, in die Richtung schauend. Ich habe aber nicht den Eindruck, als sähe die zugewandte Person den Fotografen. Ich habe den Eindruck, die Person fühlt sich unbeobachtet und fasst sich an die Krawatte. Vielleicht ist dort ein Spiegel in dem sich der Mann sieht.
Bildaufbau: Der Mann mit der Hand an der Krawatte ist in der Bildmitte, die Welt um ihn herum verteilt. Dadurch wirkt das Bild nicht langweilig, sondern duch die Verhältnisse ausgeglichen. Mein Auge hat auch genug Raum im Bild zu wandern und weitere Aspekte aufzunehmen, ohne auf die Hauptsituation festgenagelt zu werden. Das sehe ich auch als eine der Hauptattribute dieses Bilds an.
Für mich ist das eine interessante Aufnahme, einer Situation die für mich lange vergangen zu sein scheint. Würde man mich nach dem Jahr der Aufnahme fragen, würde ich das Bild in den 60er Jahren einschätzen, weil die Männer so konservativ gekleidet sind. Die Personen im unscharfen Hintergrund sehen aber aus, als wären sie erst vor in den 2020er Jahren, also zeitgenössisch. Damit hat das Bild für mich etwas rätselhaftes, das ich mir selbst nicht beantworten kann und ich betrachte es länger.
Für mich gibt es noch ein paar Gegenüberstellungen, Kleinigkeiten, Fragestellungen, die das Bild aber vervollständigen und es "anheben" - die Rückenlehne des mir abgewandten Mannes und die Kurve des Kopfes des zugewandten Mannes haben parallelen.
Die roten Wangen des zugewandten Mannes ergeben für mich etwas Clownesques. Was sehe ich da überhaupt? Warum schaut der Mann in Richtung des Fotografen und sieht ihn nicht? Die weiße Tischdecke des angeschnittenen Tischs am unteren, linken Bildrand hat ihr Echo in den Hemden, der scharf abgebildeten Männer und in der Kleidung der Menschen im Hintergrund auf beiden Seiten. Was ist das für ein Baum? Ist es eine Tanne oder was anderes? Welche Bedeutung hat so ein Baum dort.
Bitte: Das sind alles rhetorische Fragen, auf die ich keine Antworten oder rechthaberische Diskussionen lostreten will. Bitte betrachtet das Bild selbst und entdeckt die Details. Niemand von uns kann es beantworten, wir können lediglich Hypothesen haben, die vermutlich alle falsch sind. Welche Fragen habt ihr, die ihr jetzt nicht beantworten könnt?
elstp 10. Juni 2025, 15:11
Dieser Blick - vor einem Spiegel ein letzter Blick, ob alles korrekt sitzt - in der Öffentlichkeit eher aus einer Verlegenheit heraus, so als ob der Kragen ein wenig zu eng ist.Ein steifer Kragen und darunter die ordentlich gebundene Krawatte, das ist ein überkommenes Statussymbol, mit dem ‚der Mann‘ signalisiert, dass er sich bewusst ist, von anderen wahrgenommen und eingeschätzt zu sein. Das hat was mit Würde zu tun, mit dem Bedürfnis, von der Umgebung anerkannt zu sein. So ist diese Sitte zumindest in ihrem Ursprung zu sehen.
In unterschiedlichen Epochen gab es viele Variationen von Kragen und Schleifen; diese hier hat sich seit dem Beginn der Industrialisierung gehalten. Gelegentlich wird dieses Kleidungsdetail auch von Frauen übernommen; das gilt dann als etwas extravagant. -
Man weiß nicht, was gerade gesprochen wurde, was dem Protagonisten im Moment durch den Kopf geht - aber der Augenblick wird rasch vorbei sein, und dann setzt das bewusste Denken wieder ein. Die kleine Geste wird kaum bemerkt, so oft kann man sie beim korrekt gekleideten Mann beobachten. Aber dieses spezielle Bemühen um Korrektheit kommt immer mehr aus der Mode, weil der Trend zur bequemen Garderobe immer stärker wird.
Alles übrige um den abgebildeten Protagonisten herum scheint Beiwerk, das erzählt, dass die Szene in einem Straßencafé stattfindet, einer eher legeren Situation, und das weist wiederum darauf hin, dass der erhaschte Moment eine stark emotionale Komponente hat: Die Lage ist gerade etwas unbequem, und der Griff zum Kragen soll, zumindest dem Gefühl nach, Lockerung bringen.
Eine Szene am Rande, unauffällig beobachtet und in s/w als kleine Indiskretion mitgeteilt - gelungen, finde ich.
Gruß LILO
Per Anhalter 42 9. Juni 2025, 11:17
Schwarzweiss. Straßenszene. Zwei Männer in einem Straßencafé. Jedenfalls stehen die Stühle draußen. Beide Herren sind älter. Sie reden nicht miteinander. Die Blicke gehen aneinander vorbei, auch wenn wir den Blick des Mannes, der uns den Rücken zeigt, nicht sehen können. Ein Mann blickt in Richtung Fotografen, aber sein Blick scheint nicht ihm zu gelten. Seine Hand geht in Richtung Krawatte - vielleicht ist sie ihm zu eng. Das Bild hat drei Ebenen - den Vordergrund Mann mit Rücken, Mann, der uns ansieht und die unscharfe Straßenszene. Die Wahl des Hochformats und der Blickwinkel verdichten die Szene atmosphärisch. ich habe erst gar nicht gesehen, dass es ein Agora-Diskussionsbild ist. Schon in der kleinen Vorschau hat mich das Bild "erwischt".Ich kann gar nicht so genau sagen, was es emotional mit mir macht. Beide scheinen wie Fremde an diesem Tisch zu sitzen. Der Titel eines Romans "Zusammen ist man weniger allein" scheint hier widerlegt zu werden. Zwei Menschen zusammen und doch scheint außer dem Tisch und den beiden Stühlen an diesem Tisch keine Verbindung zu bestehen. Welche Botschaft? Es geht nicht darum, dass Du mit jemandem Deine Zeit verbringst, sondern, wie Du sie mit ihm verbringst. Die Kinder unserer Zeit werden immer verdächtigt, nicht miteinander reden zu können. Aber können das die älteren Menschen wirklich besser oder haben auch sie längst vergessen, dass und was es zu sagen gäbe?
Ich mag das Bild! Und ich wette auf den 2. Blick fiele mir noch mehr ein, aber ich denke, das reicht ;))