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#13

"Heute morgen als ich aufgewacht bin, prasselte der Hagel an meine Scheibe und der Abwasch der letzten drei Tagen stapelte sich nach wie vor in der Spüle.

Du gähnst so laut, dass es in meinen müden Ohren anfängt zu regnen. Dein Mund küsst kurz meine Wange, deine Hände wandern unter die Decke und du verschränkst sie auf deinem Bauch. Ich stehe auf und ziehe die Vorhänge zur Seite. Die Sonne versteckt sich ganz leicht, aber das stört heute nicht. Ich möchte mit dir hier bleiben.
Ich sollte wissen, dass alles ganz schnell klein verpackt werden kann und mich verlässt. Dass einfach nur jemand kommen brauch, und einen von uns beiden mitnimmt - ob er nun will oder nicht - und dass dann alles ganz schnell verschwunden ist. Wie heruntergeschluckt eben. Oder als hätte man die süße Suppe umgerührt - der Zucker verteilt sich plötzlich nur noch auf dem Boden. Ganz unten. Ganz weit unten. Da, wo ich niemals mit dir sein möchte. Nein.
Ich sollte dich ansehen, dreiundzwanzig Stunden am Tag, die andere Stunde sollte ich atmen. Unendwegt atmen. Damit die Zeit reicht für das bisschen von mir und dir. Das bisschen was mal ganz groß werden soll.
Und ich merke, wie selbstverständlich alles geworden ist. Wie leicht wir uns ablenken lassen, von unrelevanten TV-Moderatoren oder uninteressanten Spielfilmen. Dass ich manchmal mehr Zeit mit meiner Mutter am Telefon verbringe als mit dir. Und dass du mich nicht mehr mit deinen Blicken zerschießt. So wie das ganz am Anfang war. Dass ich jetzt ein Teil deiner Woche geworden bin, deiner Tage, deiner Stunden. Dass ich dazugehöre, dass ich nicht mehr wegzudenken bin, dass du nicht mehr wegzudenken bist. Und dass ich seit einiger Zeit oft im Plural denke.
Und doch ist es Gewohnheit, die sich in mir und dir breit macht. Ob ich nun will oder nicht. Mein Kampf gegen die Gewohnheit beginnt heute. Und ab morgen werde ich nur noch eine Stunde pro Tag atmen. Das wirst du sehen. Das verspreche ich dir."

[a.]

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